27.11.2013

20 Tage


Hui, die Zeit fliegt. Natürlich. Aus meinem Vorhaben, auch mit Baby regelmäßig zu bloggen, ist bisher nichts geworden. Aber das ist ja auch nicht das Wichtigste.
In den letzten drei Wochen habe ich so viele Eindrücke gesammelt, so viel gelernt und bin gleichzeitig zu so wenigen Dingen gekommen. Ein Babygeschenk muss noch fertig gebastelt werden, ein paar Termine bei den Ärzten organisiert und das Bad mit einem Powerreiniger geputzt werden, und meine Nägel würde ich gerne wieder einmal rot lackiert und nicht schnell mit Klarlack drübergestrichen sehen. Diese Dinge mussten warten. Nicht umsonst heißt die Zeit nach der Entbindung Wochenbett. Nach dem verlängerten Aufenthalt in der Klinik hielt mich ziemlich wenig im Bett und ich war einfach nur froh, wieder zu Hause zu sein.


Mein Freund arbeitet knapp vier Wochen halbtags von zu Hause aus und hat die Nachmittage frei. Wir haben viel "Familienzeit", in der wir uns einspielen und kennenlernen, kuscheln und die Zeit genießen. Wir hatten viel Besuch, aber immer nur so viel, wie wir "ertragen" konnten und es ist toll, die Freunde wieder zu treffen. Aber ich genieße es momentan, eben nur oder viel zu dritt zu sein. Ich werde vorzüglich bekocht, wir gehen jeden Tag spazieren und ansonsten sitze ich noch ziemlich viel auf der Couch im Wohnzimmer und stille den jungen Mann. Mitte nächster Woche ändert sich unser Tagesablauf, weil mein Freund wieder den ganzen Tag arbeitet und ich werde viel Zeit alleine mit dem kleinen Mann verbringen können; hallo Kaffeeklatsch :) Bis dahin ist es einfach schön und ich genieße die Tage wirklich sehr. Ich hätte nie gedacht, dass ich doch so viel Ruhe (v)ertragen kann und dass mir die Dreisamkeit in den ersten Wochen wirklich ausreicht.

Auch wenn ich mir immer vorgestellt hatte, dass ich meinen Alltag nicht komplett von einem Baby bestimmen lassen würde, sieht die Wirklichkeit noch ganz anders aus. Anton hatte beispielsweise am Wochenende so einen Hunger, dass ich ihn tatsächlich drei Stunden fast ununterbrochen gestillt habe. In der Nacht zuvor meldete er sich fast stündlich. Meine Zeitwahrnehmung verschob sich dadurch vollkommen und ich verbummelte sogar einen Termin mit ein paar Freundinnen. Das ist mir bisher nicht passiert. Aber das zeigte mir auch, dass ich noch im Wochenbett bin. Der kleine Mann ist nicht "berechenbar", hat aber Priorität und ich brauche noch Zeit und Erfahrung, um solche Situationen gut zu meistern. Am besagten Sonntag kamen wir erst um 16 Uhr aus dem Haus; geplant war ein Frühstück ab 10 Uhr in der Stadt. Solche Phasen wird es bestimmt immer wieder geben. Jedoch merke ich auch, dass wir immer routinierter werden. Irgendwie klappt es immer meistens, innerhalb einer halben Stunde zu duschen, die Wäsche zusammenzulegen, alle Stillutensilien bereitzustellen, Frühstück zuzubereiten usw. Zeit fehlt mir momentan noch für "meine" Dinge. Dinge, die mir gut tun, wie eben den Nagellack aufzutragen, Karten (oder Adventskalender) zu basteln oder Texte zu schreiben. (Dabei schlafen doch Babys so viel?! In den Schlafphasen wird aber gegessen, aufgeräumt, ausgeruht,...)


Es ist wirklich spannend, welche Entwicklung der kleine Mann schon vollzogen hat. Das sind keine riesigen Sprünge, aber ich merke die kleinen trotzdem deutlich. Anton wird immer fitter und kräftiger. Manchmal hebt er seinen Kopf so weit, dass ich wirklich aufpassen muss, dass er mir nicht runterfällt. Seine wunderschönen Haare werden immer länger, er ist ziemlich kräftig und kann mittlerweile auch richtig laut schreien oder kreischen (anfangs war es eher ein nettes, hohes Wimmern). Die Hormone machen sich nicht nur bei mir bemerkbar und er hat viele kleine Pickelchen im Gesicht :) Der Baum vor unserem Wohnzimmer ist viel spannender als die Eltern, auch toll ist Licht. Anton hat große, dunkelgraue Augen und hat genug Wachphasen, in denen er alles betrachten kann. Heute konnte er uns beim Essen zuschauen, weil er zum ersten Mal in der Wippe lag. Die Manduca findet er gar nicht so schlecht und beim Baden hat er eigentlich nur geschrien, weil wir ihn dafür aufwecken mussten und er Hunger hatte. Anfangs war er aber ganz gespannt. Er ist eigentlich ein sehr ruhiger und braver Junge. Er meckert nur, wenn er wach wird und dadurch merkt, dass er ja Hunger haben könnte. (Seit dem Wochenende hat er immer Hunger, also meckert er auch häufiger als bisher.) Oder wenn er gewickelt wird, nackig sein findet er nicht lustig. Anton hat selten Lach-Reflexe und sieht meistens eher skeptisch aus. Ich liebe es! Wenn er am Aufwachen ist, macht er die lustigsten Grimassen und verzieht das Gesicht. Seine Falten auf der Stirn sind schon ziemlich tief und manchmal fragen wir uns, wann er seine Unterlippe aufisst.

Obwohl er schon bald drei Wochen da ist und ich mich auch in der Schwangerschaft mit dem Gedanken beschäftigt habe, ist es doch immer wieder ganz unwirklich, dass ich einen kleinen, feinen Sohn habe. Es ist überwältigend und schön und völlig verrückt.

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