05.11.2013

warten


Am Ende der Schwangerschaft warten die meisten Frauen auf die Entbindung. Ich habe das nie ganz nachvollziehen können. Alles hat doch seine Zeit. Nach einem vollgepackten Tag (und einem Entspannungsbad), sitze ich auf der Couch und merke, dass mich das Thema "Warten" doch mehr beschäftigt als gedacht.

In den letzten Monaten hatte ich sehr viel zu tun. Während des Abiturs hatte ich kaum die Möglichkeit, mich mit den Veränderungen zu beschäftigen. Irgendwann kam dann aber die Zeit, dass ich die ersten Besorgungen machte, den ersten Body kaufte und mich mit der Geburt und dem Buben auseinandersetzte. Aufgrund von Wohnungssuche, Genießen der freien Zeit, dem Umzug und den Start in das Studentenleben sind die Wochen sehr schnell vergangen, sie waren spannend und ausgefüllt. Und auf "einmal" hatte ich jeden Punkt auf meiner to do Liste abgehakt. Zum Ende hin ging auf einmal alles sehr schnell. Um gar nicht erst Langeweile aufkommen zu lassen, behielt ich meinen Aktionismus - der Gesundheit sei Dank - und so war ich jeden Samstag auf einem anderen Kinderbasar und kaufte die fehlenden Teile oder verirrte mich unzählige Male in den Drogerien, nur um die Produkte und die Preise zu vergleichen. Ich konnte einige DIY-Projekte umsetzen, verbringe unglaublich schöne Tage mit meinem Freund und habe sogar vorgekocht bzw. den Gefrierschrank aufgefüllt.

Bis dahin war/ist alles schön und gut. Als ich aber vor eineinhalb Wochen von meiner Frauenärztin hörte, dass der Muttermund bereits 1 cm geöffnet war und sie sich nicht vorstellen könne, dass wir uns noch einmal vor der Entbindung sehen würden (der Vorsorgetermin ist morgen), rechnete ich ziemlich fest damit, dass es bald losgehen könnte. Außerdem hatte sich der Schleimpfropf schon gelöst und ich hatte ein relativ starkes Ziehen und Drücken in den kommenden Tagen. Alles Anzeichen, dass der Bub sich bald auf den Weg machen könnte. Aber dann folgten ruhige Tage, ein Donnerstag mit starken Schmerzen und wieder relativ ruhige Tage. Dem kleinen Mann scheint seine Behausung eng zu werden, er bewegt sich ständig und drückt ganz schön auf mein Becken.

Gestern war ich seit langer Zeit mal wieder einen kompletten Tag nur zu Hause und habe ruhige Dinge gemacht. Ich war am Abend so unzufrieden, weil ich merkte, dass ich unbedingt wollte, dass es nun losgehe. Ich habe wirklich gewartet... Aber das ist doch Unsinn. Der kleine Mann ist zwar schon in Startposition, aber eben noch nicht bereit. Ich liebe es, schwanger zu sein und ich liebe den Bauch. Es ist eine extrem besondere Erfahrung und ich wünsche jedem, so etwas Schönes selbst einmal erleben zu können (ich hätte nie gedacht, dass ich mal sowas sage!). Ich fühle mich nicht allein und der kleine Mann kommuniziert mit uns; manchmal interpretiere ich natürlich zu viel :) Aber Frauen haben ja bekanntlich eine tolle Intuition. Daher, mir geht es gar nicht so sehr darum, dass er nun endlich kommen soll, weil ich ihn endlich kennenlernen möchte. Das ist natürlich der Fall und ich freue mich riesig, seinen kleinen Körper zu sehen und zu entdecken, was er von meinem Freund oder von mir hat. Ich bin bei diesem Gedanken jedoch ziemlich gelassen und habe mein Motto "alles zu seiner Zeit" verinnerlicht. Das Problem ist nur, dass es diesen besagten Freitag bei der Frauenärztin gab. Auf einen Schlag kapierte ich, dass heute der Zeitpunkt sein könnte und erwartete ihn. Er kam nicht und ich war ready. Ich glaube, es ist noch vielmehr das Ungewisse. Ich habe Wehen und weiß auch, dass sie nicht geburtswirksam sind, gleichzeitig verstehe ich, dass sie den Körper auf das Ereignis vorbereiten. In den letzten zwei Wochen hat sich meine Körperwahrnehmung stark verändert und das ist doch ein gutes Zeichen.

Ich habe sehr viele Geburtsberichte gelesen und ein paar erzählt bekommen. Wie unterschiedlich jede Schwangerschaft ist, so ist auch jede Entbindung anders. Und dennoch gibt es immer wieder einige Schnittpunkte. Ich weiß z. B., dass es Sinn macht, ins Krankenhaus zu fahren, wenn die Wehen ca. alle fünf Minuten kommen. Und ich weiß, dass man Geburtswehen nicht verwechseln kann - wenn man nicht mehr ansprechbar ist bzw. selbst nicht mehr reden kann, weil die Schmerzen so stark sind, dann sind das auf jeden Fall Geburtswehen. Toll. Soweit war mein Körper noch nicht. Was ich aber nicht weiß und was eben sehr unterschiedlich ist, das ist der Vorlauf. Bei manchen Frauen kommen die Wehen relativ schnell in einem immer kürzeren Abstand, bei anderen dauert es Tage. Ich bin relativ ruhig und gelassen, aber ich bin extrem gespannt, wann der Zeitpunkt ist und wie ich ihn erleben werde, wenn ich verstehe, "ok, jetzt geht es los, das sind jetzt keine Vorwehen". Diese Ungewissheit bei einer Spontangeburt ist wohl das, was mir gestern die schlechte Laune beschert hat. Und gleichzeitig hat das Ungewisse auch etwas Reizvolles. Denn das Geplante, das "morgen stehe ich auf und werde mein Kind in den Händen halten" bei einem Kaiserschnitt (unabhängig von der eventuellen Notwendigkeit) ist doch ziemlich unromantisch.

Eigentlich ist mir das Geburtsdatum egal. Ich mag den 07.11., weil ich mich daran gewöhnt habe, aber ich habe keinen Bezug zu den Zahlen. Einige aus meinem Bekanntenkreis haben in den nächsten Tagen Geburtstag, doch ist es mir völlig gleich, ob unser Bub dann seinen Tag "teilen" muss oder nicht. Einzig und allein gefällt mir der 11.11. als Geburtstermin nicht. Vor allem nicht in Mainz. Daher, der kleine Mann muss nicht am Donnerstag kommen, weil es dieser Donnerstag ist. Ich kann mich gut anfreunden mit dem Gedanken, dass er schon früher kommt, aber ehrlich gesagt macht mich der Gedanke unruhig, dass er den Termin verstreichen lässt. Statistisch gesehen ist es sehr wahrscheinlich, gerade bei Erstgebärenden. Doch dann würde ich sicher ziemlich unruhig werden - denn die Wahrscheinlichkeit einer Einleitung würde steigen.

Hier komme ich auch an den Punkt, an dem ich gedanklich eben nicht weiterkomme. Unser kleiner Mann liegt in bester Startposition und meine Ärztin hätte ihn schon längst erwartet. Gleichzeitig ist der Termin noch nicht erreicht und die Wahrscheinlichkeit einer Übertragung sehr hoch. Was mache ich mir also so viele Gedanken? Er kommt, wann er möchte (oder eben nicht möchte). Und wirklich wichtig ist ja, dass es ihm gut geht, er gesund ist und wir einen guten Start haben. So triste Tage wie gestern, an denen es stürmt und man nicht rausgehen möchte, sind jedoch für mich momentan nicht gut. Dann verfalle ich doch noch ins Warten. Es ist toll, dass die restliche Woche so gut verplant ist und ich viele schöne Dinge unternehme. Morgen wird mich dieser Gedanke wohl auch nicht mehr so stark beschäftigen und ich kann, so wie bisher auch, die Zeit einfach nur genießen. Das Aufschreiben und Sortieren tut gut.

Und ich freue mich übrigens sehr über jede Nachricht, wie es uns denn gehe und was der kleine Mann mache. Und noch viel mehr werde ich mich freuen, wenn ich euch den kleinen Mann vorstellen kann.

Kommentare:

  1. betsi, ich wünsche dir alles gute und positive ablenkung vom warten, dann geht die zeit schneller um!

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    1. Julie, vielen Dank dir! Heute stehen wieder schöne Dinge an und ich komme erst gar nicht zum Grübeln :)

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