22.04.2014

Paris mit Baby / III


Einige Tage sind nun seit unserer Rückkehr aus Paris vergangen und wir haben die Tage mit österlichen Feierlichkeiten verbracht. Dann startete auch noch das Studium. I'm a student now, yeah! Wir waren ständig auf Achse, sodass ich es erst jetzt schaffe, ein kleines Resumée zu unserem Urlaub zu verfassen.

Audrey Hepburn sagte mal, dass Paris immer eine Reise wert sei. Das kann ich nur bestätigen. Egal, ob für ein Wochenende, bei dem die Mitfahrgelegenheit gar nicht erst kommt und man eine neue suchen muss, egal, ob das Wetter schlecht ist oder ob man viel Zeit hat. Paris lohnt sich immer. Wie erwartet war Paris mit Baby ganz anders als alle bisherigen Reisen. Es war gut, lehrreich und auch ein bisschen aufregend.

Wir haben die Erfahrung gemacht, dass Anton meistens entspannt oder gereizt ist, wenn wir Ruhe bzw. Hektik ausstrahlen. Das lässt sich natürlich auch auf eine Fahrt oder einen Stadtspaziergang übertragen. Durch gute Vorbereitung und großer Vorfreude hatten wir also ein positives Grundgefühl. Die wenigen, etwas "schwierigen" Situationen konnten wir mit Gelassenheit meistern. Denn immer wieder wird deutlich, mit Gelassenheit und Humor kommt man (mit Kind) deutlich weiter.

Was gibt es also noch zu beachten? Wie sind wir bei der Planung vorgegangen und was ist uns in Paris aufgefallen?


Reise planen
Dass Wohnort und Fahrtmittel sinnvoll gewählt sein sollten, scheint mir mit Kind noch wichtiger. Fühlt man sich in einem Hotel wohl oder soll es lieber eine Wohnung sein? Wir entschieden uns für ein Appartement, das wir über airbnb gebucht haben. Ganz grundsätzlich sind mir Wohnungen lieber, da man dort die Möglichkeit hat, selbst zu kochen und sich häuslich einzurichten. Mit Baby macht das noch mehr Sinn. Da Anton auch immer wieder von der Flasche trinkt, muss ich Wasser und die Flaschen abkochen sowie die Flaschen vorbereiten. Dies in der eigenen Küche zu machen, ist einfach praktisch. Bei der Wahl des Wohnortes ist auch noch zu beachten, ob genug Platz für den Kinderwagen und z. B. eine Spieldecke ist. Da wir ein fahrbares Hochbett hatten, entschieden wir uns dafür, eine Reisebett für Anton mitzunehmen. Auch dafür war genügend Platz in unserem Appartement.
Die typischen Verkehrsmittel für eine Fahrt nach Paris sind Flugzeug, Bahn und Auto. Wir entschieden uns für das Auto. (Wir planen im Sommer eine Reise mit Flugzeug.) Weil wir noch nicht wussten, wie Anton auf Reisen drauf ist, wollten wir so flexibel wie möglich sein. Auf Autofahrten kann man jederzeit zum Stillen oder Wickeln anhalten, geht niemanden auf die Nerven, hat aber auch die geringste Bewegungsfreiheit (es sei denn man hält an). Außerdem konnten wir so viel mitnehmen, wie viel Stauraum wir hatten. Unsere Devise hieß, lieber zu viel als zu wenig, aber lest mehr bei Koffer packen.
Anton war ein sehr, sehr pflegeleichtes Kind auf der Reise. Auf beiden Fahrten hat er sehr viel geschlafen. Die Rückfahrt (spätabends/nachts) war sowieso während seiner normalen Schlafenszeit und es war dunkel im Auto. Er wachte nur zwei Mal auf, weil er Hunger hatte.
Wir sind am Tag nach Paris gefahren, dementsprechend war es im Auto hell. Anton konnte gut schlafen, obwohl er eigentlich kein klassischer Autoschläfer ist. Er brauchte zwar immer wieder ein Spielzeug oder wollte, dass ich ihm seine Hand halte, aber da ich sowieso hinten sitze, war das kein Problem. Zwei Mal haben wir gepicknickt. Anton brauchte die Pausen und musste sich auch einmal bewegen. Während diesen Pausen habe ich auch gestillt und an ordentlichen Wickelplätzen an der Raststätte gewickelt.


Koffer packen
Wie eben geschrieben, haben wir den Stauraum des Autos richtig stark ausgenutzt. Viele Dinge waren nicht wirklich notwendig, aber praktisch. Wir hätten z. B. Windeln auch im supermarché kaufen können, aber man kennt ja die französischen Preise. Mich hat es überhaupt nicht gestört, dass wir mit viel Gepäck reisten. Es war tatsächlich kein Balast, sondern gab uns eine gewisse Sicherheit. Wir hatten alles dabei und mussten nicht improvisieren. Ich bin mir aber sicher, dass wir genauso gut unsere Koffer im Sommer packen können, wenn wir mit dem Flugzeug fliegen. Dann nehmen wir aber nur die essentiellen Dinge mit und kaufen den Rest dort ein.
Eine Notfallapotheke mit Nasentropfen, Pipette für selbst gemachte Kochsalzlösung und Fieberzäpfchen packten wir mit ein. Unser kleiner Mann ist schon mit einem leichten Infekt in den Urlaub gefahren, doch wurde sein Schnupfen stärker und er bekam außerdem noch einen Husten. Mit Hausmitteln und Otriventropfen hatten wir diese Erkältung ganz gut im Griff. Wir hatten jedoch auch im Vorfeld eine Liste mit deutschen Ärzten in Paris sowie das nächste Kinderkrankenhaus rausgesucht. (Im Zweifelsfall wäre das die richtige Entscheidung gewesen, wir hatten in der Wohnung leider nur eine schlechte Internetverbindung.)
In der Wohnung gab es keine Waschmaschine und bei nur fünf Tagen wollten wir nicht in eine laverie (Wäscherei) gehen. (Man findet in Paris unzählige laveries.) Deshalb habe ich großzügig Kleidung eingepackt und z. B. zwei Bodys pro Tag mitgenommen. Ausnahmsweise war Anton ist dieser Woche ganz "reinlich", hat wenig gebrochen und nicht die allergrößten Geschäfte gemacht. Daher waren die eingepackten Klamotten "zu viel". Ich hatte auch ein Waschmittel dabei für ein paar Notfallwaschsituationen.


Métro fahren
Wir hatten damit gerechnet, dass wir uns hauptsächlich mit dem Bus fortbewegen würden. Nachdem wir an einem Abend zirka eine Stunde für eine Strecke von 35 Minuten brauchten und der Pariser Busplan im Gegensatz zum Métroplan ziemlich unübersichtlich ist, entschieden wir uns doch für die Métro. Alleine mit Kinderwagen in der Métro ist es kaum möglich, die unzähligen Treppen zu laufen, zu zweit konnten wir aber den Kinderwagen die Stufen hoch- oder runtertragen. Spaß macht das nicht. Es gibt ein paar wenige Stationen, an denen auch Fahrstühle installiert sind. Doch selbst dort gibt es dann weiter unten wieder Treppen. Ein weiterer Nachteil sind die Türen bzw. Durchgänge, bei denen man sein Ticket entwertet. Je nachdem, wie der Durchgang aufgebaut ist, kommt man mit dem Kinderwagen (la poussette) nicht durch. Es gibt aber ein breites Tor, das für Kinderwagen, Menschen mit Behinderung oder Gepäck gedacht ist. Um dort durchzukommen, muss man jedoch den Wächter bitten bzw. anpiepen, damit er das Tor öffnet. Manchmal sind die Angestellten nicht in ihrer Kabine und man wartet, bis jemand die Tür öffnen kann. Ziemlich unpraktisch.

Rhythmus
Uns ist aufgefallen, wie wichtig es ist, den heimischen Rhythmus so weit wie möglich zu bewahren. Wir wählten für die Anreise einen Zeitpunkt aus, an dem Anton ausgeschlafen und satt war. Tagsüber sind wir immer erst dann aus der Wohnung gegangen, wenn Antons Bedürfnisse gestillt waren - wir ließen ihn lieber noch eine "Runde" in seinem Bett schlafen als dass er dann im Kinderwagen nicht die nötige Ruhe bekommen hätte. Wir passten uns seinem Rhythmus an. Anfangs musste ich mich ein bisschen daran gewöhnen, dass wir dadurch nicht sehr weit in Paris kamen, aber ganz schnell wurde mir bewusst, wie wunderbar es ist, in dieser Stadt mit meiner Familie zu sein. Dass es dann unwesentlich war, wie viel wir davon sehen konnten.


Und das ist auch die Erkenntnis, die ich in den letzten Tagen erworben habe. Ein Urlaub kann wirklich großer Stress bedeuten und das ist das Letzte, das man in solchen Zeiten haben möchte. Daher bringt es nichts, irgendwelche to do Listen abzuarbeiten und von Ort zu Ort zu hetzen. Lieber nutzt man die Tage, um bewusst gemeinsam Zeit zu verbringen, gut zu essen, eine wunderschöne Kulisse um sich zu haben und dabei ein paar neue Straßen und Gegenden zu entdecken. Diese Gelassenheit hat unseren Urlaub zu einem ganz besonderen, ersten Urlaub als Familie gemacht.

Von ein paar Erlebnissen erzähle ich im nächsten Bericht.

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