24.04.2014

Paris mit Baby IV



Ich glaube, es macht einen entscheidenden Unterschied, ob man mit Baby oder mit Kind verreist. Während ein Kleinkind auf den Spielplatz möchte, richtiges Essen isst und spazieren gehen langweilig findet, hat man mit Baby noch gewisse Freiheiten und Möglichkeiten. Das Essen ist immer dabei (naja, ich muss zusätzlich immer noch Flaschen vorbereiten), das Baby kann auch mal im Kinderwagen schlafen und spazieren gehen ist sowieso eine gute Beschäftigung. Daher gibt es nicht nur wenige geeignete Plätze, (fast) die ganze Stadt ist toll mit Baby!

Vorab muss ich sagen, dass ich mir vor der Reise eine Minimalziel gesetzt hatte, mit den Dingen, die ich gerne sehen wollte. Es waren wirklich nicht viele Orte. Aus Erfahrung wusste ich, dass ich selbst in unserer Heimatstadt selten alles erledigen kann, was ich mir vornehme. An Tagen, an denen ich Besorgungen im Drogeriemarkt erledigen muss und zudem noch einen Kaffee trinken möchte und vielleicht schnell mal nach einem Oberteil schauen möchte, wird das garantiert nichts mit dem Shoppen. Entweder hat Anton Hunger, er kann nicht schlafen oder ich habe bis dahin einfach keine Lust mehr. Weil ich diese Situationen kenne und oft erlebt habe, stellte ich mich darauf ein, dass Paris dieses Mal eben anders sein würde. Aber dass ich nicht einmal ein (meiner Meinung nach realistisches) Minimalziel erreichen könnte, damit hatte ich nicht gerechnet. Nachdem wir am zweiten Tag erst gegen 13 Uhr aus der Wohnung kamen und dann eigentlich nur wenige Straßen auf dem Montmartre durchlaufen hatten, war mir klar, dass die anderen Tage genauso ablaufen würden. Nach einem Kaffee und viel Sonnenschein hatte ich mich mit der Situation versöhnt und konnte unser Langsamsein richtig genießen. Letzten Endes ist es doch schön, gemeinsam mit seiner Familie in Paris zu sein, selbst wenn man nichts anders macht als zu Hause.


Wir hatten also gemerkt, dass wir nur mit Ruhe und Gelassenheit eine wirklich schöne Zeit haben konnten. Deshalb nahmen wir uns alle Zeit, die wir benötigten und ich entspannte mich sichtlich. Das hieß zunächst, dass wir Anton dann schlafen ließen, wann er es nötig hatte. An vielen Tagen kamen wir erst mittags raus, weil Anton ein zweite "Runde" schlief, damit aber den restlichen Tag über sehr ausgeglichen war. Und dann eroberten wir die Stadt...


...vor allem alle Gärten, Parks und Sitzgelegenheiten. Wir gingen in der schönsten Kulisse spazieren und hielten an, sobald Anton Hunger hatte, spielen oder gewickelt werden wollte. Oder wenn wir einfach mal Pause machen und einen Kaffee trinken wollten. Weil wir mit dem Auto unterwegs waren, packten wir auch den Buggyaufsatz ein. Anton fand es sehr spannend, etwas aufrechter zu sitzen und alles beobachten zu können. Leider konnte er aber auch kaum schlafen. Deshalb legten wir ihn am nächsten Tag wieder in die Babywanne (noch passt er rein!). Drei Vorteile der Babywanne nutzen wir wirklich aus: Anton war gut vor Wind und Wetter geschützt. Das war bei unserem kranken Baby wichtig, da das Wetter schnell von sehr sonnig zu windig und wolkig umschlug. Außerdem bietet die Wanne viel Stauraum :-) Und die Fläche eignet sich gut, um im Freien zu wickeln. Es gab immer wieder Momente, in denen Anton schnell gewickelt werden musste und wir nicht erst noch ein Café hätten aufsuchen können (und dann womöglich auf dem Fußboden wickeln zu müssen).



Auf unseren trajets kamen wir also an einigen Orten vorbei, an denen man gut picknicken, stillen oder spielen konnte. Der Parc Monceau (M2: Monceau), der kleine Park vor dem Musée Picasso, der Place des Vosges, die Eglise de la Trinité, der Square Suzanne Buisson, der Place du Marché Sainte-Cathérine, auf den Stufen an der Seine vor dem Musée d'Orsay. Natürlich wären hier auch das Seine-Ufer oder die Promenade am Canal St. Martin zu nennen, der Platz vor der Nôtre-Dame, der Parc de Belleville, der Parc des Buttes Chaumont oder der Jardin des Tuileries zu nennen. Es gibt unzählige Orte in Paris, an denen man bei gutem Wetter sitzen kann. Wir kamen aber eben nicht sehr weit und waren nur an wenigen typischen Touristenpunkten.

Unser Besuch im Musée d'Orsay war eine anstrengende Erfahrung. Also generell kann ich ein Besuch dort natürlich schon empfehlen. Große Meisterwerke des Impressionismus. Ganz tolle Arbeiten von Renoir und Lautrec oder Degas und Caillebotte. Aber sobald man mit dem Kinderwagen dort ist, fangen die Unbequemlichkeiten an. Der Hauptaufzug war defekt, sodass an jeder Seite des Museums nur ein kleiner Aufzug zur Verfügung stand. Leider fährt nicht jeder Aufzug jedes Stockwerk an. Als Anton schon sehr unruhig war und wir ihn dringend wickeln mussten, durften wir erstmal zehn Minuten auf einen überfüllten Fahrstuhl warten. Im Erdgeschoss sind leider nicht alle Räume mit dem Kinderwagen erreichbar und dadurch verpasst man einen Teil der Sammlung. Wir fanden leider kaum geeignete Plätze, um Anton stillen zu können. Wir saßen irgendwann im großen Vorhof vor den Toiletten (immerhin gibt es einen Wickelraum) und gaben Anton eine Flasche. Zum Stillen war es ihm einfach zu laut und unruhig. An diesem Tag verbrachten wir viele Stunden in dem schönen, ehemaligen Bahnhof, aber wir hatten wenig Konzentration, um uns die Kunstwerke richtig zu betrachten. Ich könnte mir entspanntere Beschäftigungen vorstellen. Ein Vorteil war jedoch, dass wir wegen des Kinderwagens über einen Seiteneingang die Hauptschlange umgehen und in das Museum kommen konnten. Das sparte sehr viel Zeit.



Bonton ist sicher vielen ein Begriff. Es ist ein Kinderladen im Marais, in dem man im Photomaton Familienfotos für zwei Euro schießen kann (unsere sind wirklich lustig geworden und Anton ist schon ein guter Poser). Außerdem gibt es hier die schönste Strickkleidung für Babys, tolle Deko- und Partyartikel.

Auf dem Montmartre gibt es sehr viele Treppen. Da uns die Treppen in der Métro schon völlig ausreichten, mussten wir häufig kleinere Umwege gehen. Das war überhaupt nicht schlimm, wir benötigten einfach mehr Zeit. Da Anton überhaupt kein Fan unserer Manduca ist, konnten wir also nur kinderwagenfreundliche Wege nehmen. Sollten eure Kinder Tragehilfen bevorzugen, nutzt das ruhig aus. Was eventuell auch zu beachten ist, sind die Straßen aus Pflastersteinen. Manchmal unterstütze das Ruckeln ein Einschlafen, manchmal hingen wir aber auch fest.

Unsere Tage verbrachten wir also hauptsächlich mit spazieren gehen und gut essen. Wir jagten Tauben auf dem Place des Vosges, picknickten überall, pusteten Pusteblumen im Parc Monceau, spielten auf dem Rasen, blieben an allen Spiegeln stehen und machten Familienfotos, wir wippten auf dem Spielplatz, saßen draußen in Cafés und schauten uns die vorbeigehenden Leute an. In welcher Stadt würden solche alltäglichen Aktivitäten mehr Spaß machen als in Paris?!

Und jetzt eine kleine Bilderflut.











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