15.06.2014

Studieren mit Baby // Teil 1


"Das Studium ist die beste Zeit, um Kinder zu bekommen!" höre ich ziemlich häufig, aber kaum eine Studentin aus meinem Bekanntenkreis möchte im Studium schwanger werden. Es gibt wohl nie den perfekten Zeitpunkt, um ein Kind zu bekommen. Aber es stimmt schon, in kaum einer anderen Phase im Leben kann man seine Zeit so flexibel planen wie im Studium.

Seit dem Wintersemester bin ich an der Uni eingeschrieben und seit dem Sommersemester studiere ich "richtig", Kunstgeschichte und Allgemeine und Vergleichende Literaturwissenschaft. Es sind bereits einige Wochen vergangen und ich habe mich an den neuen Wochenrhythmus gewöhnt. Ich möchte euch ein wenig an meinen Vorbereitungen und den Alltagssituationen teilhaben lassen.


Warum warte ich nicht mit dem Studium, bis Anton ein Jahr alt ist?
Der Weg zum Studium war ein sehr weiter. Vom Gymnasium abgegangen, weil ich eine Ausbildung machen wollte, verließ ich früh das schulische System und wollte am liebsten nie wieder etwas damit zu tun haben. Aber nach Ausbildung und ein paar Jahren in der Arbeitswelt entwickelten sich meine Interessen in eine andere Richtung und relativ bald wurde klar, ich brauche das Abitur, um meinen Berufswunsch ausüben zu können. Also Umzug und drei Jahre wieder hinter der Schulbank, um dann vor einem Jahr ein Abitur mit sehr gutem Schnitt in den Händen zu halten. Nach fünf Jahren wünschen und daraufhin arbeiten war für mich Anfang des Jahres klar: jetzt möchte ich (endlich) studieren. Ich hatte mich schon im Wintersemester akkreditiert und konnte drei Wochen lang die Vorlesungen besuchen, bis der kleine Mann kam. Noch während meiner Arbeitnehmertätigkeit fuhr ich ein Mal pro Woche von Aschaffenburg nach Mainz, um als Gasthörerin an den Veranstaltungen teilnehmen zu können. Im Sommersemester war für mich also der Zeitpunkt gekommen. Ich langweilte mich ganz und gar nicht, aber ich hatte einfach richtig Lust, mit dem Studium zu beginnen. Anton war fünfeinhalb Monate alt und hatte gerade begonnen, Beikost zu essen.

Zeit-/Stundenplan
Den Start der Beikost mit dem Studienstart zusammenzulegen, war vielleicht nicht die sinnvollste Idee. Mein Wochenzeitplan änderte sich auf einmal drastisch. Damit wir uns alle dieses Semester ganz allmählich an die "working mum" gewöhnen, wählte ich nur drei Veranstaltungen aus. Alle drei Veranstaltungen bilden das Einführungsmodul in Kunstgeschichte und es gibt drei Klausuren am Ende des Semesters. Mein Ziel war/ist es, schon im ersten Semester ein Modul abzuschließen und damit einen kleinen Schritt gemacht zu haben. Ich habe dienstags zwei Veranstaltungen und freitags eine. An zwei Tagen der Woche habe ich Lern- bzw. Wiederholungstage fest eingeplant. Somit bleibt (abgesehen vom Wochenende, an dem sowieso alles ganz anders ist, weil mein Freund auch zu Hause ist) ein einziger wirklich freier Tag in der Woche. Für mich als Menschenfreund war das also eine große Umstellung. Ich treffe mich nun deutlich seltener mit Freunden, da ich, vor allem an den Lerntagen, jede freie Minute nutze (oder nutzen sollte), um den Stoff zu wiederholen.

Betreuung
Ich hatte zu viel im Kopf und hatte es teilweise verbummelt; schon vor der Entbindung nach einer Kita zu suchen kam mir einfach komisch vor. Nach der Entbindung war ich zu beschäftigt und erst nach ein paar Monaten nahm ich mir das Projekt Betreuung zu Herzen. Wie sich herausstellte und von Anfang an klar war, war das etwas zu spät. Eine Betreuung ab dem Sommersemester war also zu kurzfristig. Weil ich dennoch sehr gerne schon im April mit dem Studium beginnen wollte, musste eine Lösung her. Ich bin sehr froh, dass ich Menschen um mich habe, die mich bei meinem Wunsch unterstützen. Unsere Notlösung für dieses Semester sieht also wie folgt aus: an einem Tag passen meine Eltern auf Anton auf und nehmen dafür wöchentlich einen Weg von insgesamt 160 km und häufige Staustoßzeiten auf sich. Am anderen Tag arbeitet mein Freund halbtags von zu Hause aus.
Für das nächste Semester bin ich schon seit Januar dabei, eine Betreuung für Anton zu suchen. Auch das stellt sich als gar nicht so einfach heraus. Wir haben ein großes Wohnort- und Zugehörigkeitsproblem, was bedeutet, dass wir im Mainzer Stadtgebiet keinen Kitaplatz bekommen, dafür aber in Wiesbaden Anspruch haben. Wiesbaden ist aber zu weit weg, die wenigen Kitas in den umliegenden Ortschaften sind entweder belegt oder wir stehen auf der Warteliste und ansonsten bleiben nur die Uni-eigenen Kitas. Eine Kita für Kinder unter einem Jahr war hoffnungslos unterbesetzt, die andere Kita hat den Infotermin telefonisch abgesagt, weil die freien Plätze schon mit Geschwisterkindern besetzt werden würden und bei der großen Kita eröffnete man uns beim Infoabend, dass es keine freien Plätze mehr gebe, aber bald eine neue Kita gebaut werden solle. (Tragisch!) Seit einigen Wochen sind wir schon mit einer Tagesmutter in Mainz im Gespräch. Grundsätzlich finde ich die Idee sehr gut, dass Anton mit wenigen Kindern zusammen ist und sich eine Frau nur auf fünf Kinder konzentrieren muss. Aber auch hier gibt es wieder ein paar noch ungelöste Probleme: Die Mainzer Tagesmutter ist zu weit weg (im Zweifelsfall ist es aber die beste Lösung) und für die Tagesmütter in unserem Wohnort muss ich auf einen Vorschlag vom Jugendamt warten (wahrscheinlich bis September...). Regelmäßig bin ich kurz vorm Verzweifeln, wenn ich an die Situation denke, aber ich bin mir sicher, dass wir bis zum Wintersemester (bzw. ein paar Wochen vorher für die Eingewöhnung) eine Lösung finden werden.


Gibt es unter euch Lesern auch Mütter, die studieren? Oder vielleicht (wieder) arbeiten? Wie geht es euch damit, welche Erfahrungen habt ihr gemacht? Seid ihr schnell wieder in den Unialltag eingestiegen oder macht ihr eine lange Pause? Ich freue mich, wenn ihr berichtet!


Im Teil 2 geht es um Lernzeiten, Notfälle, Rechtliches und die Universität.

Kommentare:

  1. Hallo Betsi,

    ich studiere im 6. Semester und bin in der 33. Woche schwanger.
    Ich bin selbst gespannt, wie sich die restliche Zeit des Studiums mit Kind gestalten wird.
    Offiziell habe ich dann nur noch ein Semester und die Bachelor-Thesis, allerdings glaube ich nicht, dass
    ich innerhalb eines Semesters alles schaffen werde, nein ich bin mir ganz sicher, dass das nichts wird.
    Ein richtiges Urlaubssemester möchte ich nicht einlegen, ich möchte versuchen, zumindest ein Projekt im Wintersemester mitzumachen, um den Anschluss nicht ganz zu verlieren. Aber auch da mache ich mir keine Illusionen, vielleicht klappt es, vielleicht auch nicht. Dann muss ich zur Not eben doch ein Urlaubssemester einlegen.

    Jetzt ist erst mal mein Ziel, dieses Semester gut rumzubringen, mit all den Projekten und Klausuren. Bin froh, wenn ich mich dann nur auf die Geburt und unser Kind konzentrieren kann.

    Ich wünsche Dir eine gute Zeit und viel Spaß beim Studieren, wo Du doch so lange darauf hingearbeitet hast. Finde ich echt toll!

    Viele Grüße
    Judith

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    1. Liebe Judith,
      danke für deinen Bericht! Es ist toll, dass du beides versuchen möchtest! Es ist sicher nicht einfach, aber es klappt bestimmt. Einfach den Druck rausnehmen, dass man unbedingt in einer gewissen Zeit fertig wird und gut organisieren, dann kommt man weit. Nicht zu hohe Ansprüche, aber realistische Ziele. Dann funktioniert das sicher. Du hast aber schon mal den Vorteil, dass du schon mitten im Studium bist. Ich merke, dass es ein bisschen komplizierter ist, wenn man erst mit dem Studium beginnt - man kennt die Gegebenheiten und die Dozenten noch nicht usw.
      Ich habe ja auch während der Schwangerschaft das Abi geschrieben und danach habe ich mich soo frei gefühlt - das wird toll, wenn das Semester rum ist ;-) Dann ist der Kopf frei!
      Hab viel Erfolg mit allen Projekten und Klausuren. Und eine schöne restliche Schwangerschaft!

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  2. Hey!
    Ich studiere Religion und Geschichte auf Lehramt und bin eigentlich mitten im Examen. Mein Sohn kam am 2.2. auf die Welt.
    Ab August wird der kleine Mann in den Kindergarten in die U1 Gruppe gehen. Ich hab mich auch nicht gekümmert um einen Betreuungsplatz. Habe aber festgestellt, dass ich es nicht schaffe zu Hause zu lernen. Ich habe auf der Seite unserer Stadt dann zufällig eine Liste entdeckt mit freien Kigaplätzen und sofort angerufen. So kommt Jannis nun von 9-12.30 Uhr in den evangelischen Kiga und in der Zeit lerne ich in der Bib.
    10 U1 Kinder mit 2 Erziehern und einer Kinderkrankenschwester. Ich kann abgepumpte Muttermilch mitbringen und den Brei und es wird alles notiert was er isst. Zudem darf ich auch vor Ort stillen.
    Ich hoffe, dass ich bis Ende des Jahres mein Examen beenden kann
    liebe grüße, Annika

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  3. Liebe Annika,

    wie schön, dass du einen Betreuungsplatz gefunden hast! Kommst du mit dem Gedanken klar, dass er bei dir fremden Personen sein wird? Irgendwie fand ich den Gedanken ganz komisch und war deshalb so froh, dass meine Familie in diesem Semester auf ihn aufpassen kann. Aber seitdem er ein halbes Jahr als ist, ist er auch "groß genug". So mein Gefühl. Aber das Modell, nur vormittags in die Kita zu gehen, finde ich sehr gut - mal schauen, ob es im Herbst dann bei uns klappt. Toll, dass es bei euch so gut klappt! Und ich wünsche dir auch, dass du gut mit dem Examen vorankommst! Bist auf jeden Fall sehr diszipliniert und fleißig, wenn das klappt ;-)

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