19.06.2014

Studieren mit Baby // Teil 2



Studieren mit Baby - das ist bei uns gerade ein wichtiges Thema. Seit dem Sommersemester studiere ich Kunstgeschichte und AVL an der Johannes-Gutenberg-Universität Mainz. Im Teil 1 ging es um unsere aktuelle Situation, unseren Zeitplan und die Betreuungssituation.



Notfälle
Glücklicherweise hatten wir noch keine ernsthaften Notfälle. Aber da diese mit einem kleinen Baby schnell mal vorkommen können, habe ich im Vorfeld alle Notlösungen gecheckt. Diese gelten auch, sollten meine Eltern im Urlaub sein oder mein Freund im Büro arbeiten müssen. Zum Einen haben wir zwei, drei Freunde, die keine allzu feste Wochenstruktur haben und uns ihre Hilfe angeboten haben. Das Problem hier ist nur, dass alle noch kein einziges Mal auf Anton bzw. auf Kleinkinder aufgepasst haben. Im Zweifelsfall wäre es aber möglich, dass sie während des Seminars mit Anton (beispielsweise) auf dem Unigelände spazieren gehen. Die andere Möglichkeit ist ein Angebot der Universität. Es gibt eine Notfallbetreuung, die man zwei Mal im Semester in Anspruch nehmen darf. Dafür muss man sich vorher die Einrichtung angeschaut haben. Und die andere Lösung ist, dass ich Anton mit in die Veranstaltungen nehme. Diese Situation haben wir nächste Woche. Ich habe das vorher mit den Dozenten abgeklärt und beide erlauben es uns. Ich bin sehr gespannt, wie Anton mitmachen wird - vielleicht schläft er ja? - und sollte er laut sein, werde ich rausgehen. Beide Räume sind jedenfalls geeignet. Der erste Raum ist sehr groß, anonym und mit Stufen. Der andere Raum ist ebenerdig, aber es gibt hinten sehr viel Platz und man kommt direkt an die Tür.

die Universität
Natürlich sollte jede Universität als staatliche Einrichtung besonders gut auf Studierende mit Baby/Kind ausgerichtet sein und entsprechende Einrichtungen haben. Wer sonst, wenn nicht sie? Ich hatte mich im Vorfeld informiert und mir einiges angeschaut. Ich berichte hier über die Johannes-Gutenberg-Universität Mainz, aber sicher gibt es auch ganz ähnliche Einrichtungen in allen anderen Unis.
Zum einen gibt es das Familienservicebüro, in dem ich bereits im Wintersemester in der Sprechstunde war. Dabei können Fragen zur Finanzierung und Übergangs- oder Kita-Betreuung geklärt werden. Außerdem bekam ich den kinderfreundlichen Lageplan der Uni ausgehändigt - sehr sinnvoll. Aurel (Autonomes Referat für Eltern der AStA der Universität Mainz) ist eine weitere Anlaufstelle. Die Studierenden bieten Sprechstunden an und veranstalten Erste-Hilfe-Kurse und Flohmärkte. Es gibt einige Kindertagesstätten auf dem Universitätsgelände. Diese werden für Studierende und Uni-Angestellte angeboten. Wie vorhin beschrieben, ist es nicht einfach, einen Platz zu bekommen. Von den drei Kitas, die ich besucht habe (ein Termin für die vierte Kita wurde telefonisch abgesagt), gefielen mir zwei sehr gut. Auf dem Campusplan ist u.a. der Eltern-Kind-Raum eingezeichnet. Im Herbst schaute ich ihn mir an. Hier gibt es eine Küche, viel Spielfläche und Computerarbeitsplätze. Der Raum ist jedoch relativ weit von meinen Instituten entfernt, sodass es wohl selten Sinn macht, dorthin zu gehen. In der Institutsbibliothek gibt es aber alles, was wir benötigen: einen kleinen Eltern-Kind-Raum und einen Wickelplatz. Auch sind einige Kopierer in extra Räumen untergebracht, sodass ich den Semesterordner kopieren konnte, während Anton auf dem Boden gespielt hat.


Rechtliches
Grundsätzlich haben Studenten mit Kindern Anspruch auf einige Sozialleistungen. Das erstreckt sich von Kindergeld, Mutterschaftsgeld, Kinderzuschlag auf die Bafögzahlung bis hin zu Stipendien. Da jeder Einzelfall individuell behandelt werden muss, macht es hier am meisten Sinn, sich beispielsweise mit dem Familienservicebüro in Verbindung zu setzen. Der Mutterschutz ist gesetzlich vorgeschrieben, Elternzeit und Urlaubssemester können genommen werden. Wichtig ist, dass man sich eingehend über alle Rechte informiert!

Lernen
Bei drei Klausuren am Ende des Semesters, muss ich bereits seit den ersten Wochen gut organisiert sein. Nicht umsonst sagt man, dass Mütter Organisationstalent besitzen sollten. Mir ergeht es da ganz ähnlich. Mein Zeitplan ist voll, mit einigen Puffern für den Faktor Kind, Ausruhzeiten, Hausarbeit, Freunde oder Bloggen, und was ich sonst so mache. Aber der ganze Orgaaufwand zahlt sich aus. Meistens klappt es sehr gut, dass ich an den beiden festen Lerntagen die freie Zeit wirklich fürs Lernen nutze. Bestenfalls mache ich das tagsüber, wenn Anton schläft. Weil ich aber so viel Stoff wiederholen und aneignen muss, habe ich mir mittlerweile auch am Abend eine Lernsession eingerichtet. Aber ehrlich gesagt finde ich es ziemlich schwer, mich abends noch auf die Folien zu konzentrieren. Bisher habe ich es noch nicht ausprobiert, im Eltern-Kind-Raum in der Bereichsbibliothek zu lernen. Die meiste Lektüre konnte ich kopieren und zu Hause an unserem Esstisch kann ich prima lernen. In der heißen Lernphase werde ich wohl auch zu meinen Eltern fahren und dort lernen. Dann ist Anton gut aufgehoben und ich kann mit freiem Kopf lernen.

alles Andere
Das Studium mit Baby unterscheidet sich momentan noch stark von einem Studium ohne Baby. Das liegt daran, dass ich nur wenige Veranstaltungen habe und gleichzeitig immer unter "Termindruck" bin. Sobald das Seminar vorbei ist, stürme ich raus, um den Bus zu bekommen, damit ich die lieben Betreuer ablösen kann. Wirklich "Freunde" machen geht also gerade nicht. Muss aber auch nicht sein. Ich genieße es sehr, dass ich zwei Mal die Woche ein bisschen Zeit für mich habe und wieder tollen Input bekomme. Das reicht mir momentan vollkommen. Die Busfahrten nutze ich, um wieder zu lesen und ich habe schon zwei Bücher gelesen! Das tut mir gut. Wenn ich an der Uni bin, dann bin ich ganz Studentin und zu Hause habe ich (oft oder meistens) den Kopf ganz für Anton frei.


Wie schafft ihr euch Freiräume zum Lernen? Ist euer Partner länger zu Hause? Wohnen die Großeltern ein paar Straßen weiter? Habt ihr Urlaubssemester genommen? Wie sieht euer Notfallplan aus?

Kommentare:

  1. Ich finde es super interessant, dass du über das Studieren mit Kind schreibst. Ich habe noch einen Teil meiner Masterarbeit vor mir und unser kleiner Mann ist jetzt 12 Wochen alt. Mein Freund arbeitet bald wieder (Elternzeit leider vorbei!) und dann bin ich wirklich gespannt, wie ich das hinkriege, dass ich bis Ende September mein Masterstudium zu Ende bringe. Aber wie du schon schreibst, ist wohl Organisation und Disziplin der Schlüssel! Liebe Grüße, Katharina

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    1. Liebe Katharina, schön, dass du schreibst. Ich lese in der Mama-Blogger-Welt eher selten von Studierenden, dabei ist das doch so ein ergiebiges Thema :)
      Die Grundvoraussetzungen sind bei dir ja auch ganz ähnlich wie bei mir. Ich habe in den nächsten Wochen die akute Lernphase und werde wohl immer wieder mal für einen Tag zu meinen Eltern fahren. Und ich versuche abends noch disziplinierter zu sein. Aber die Lernzeit geht auch von unserer Paarzeit ab :/ Aber wir haben uns ja für Baby+Studium entschieden und müssen da wohl durch.
      Ich wünsche dir sehr, dass du die Disziplin aufbringen kannst und dein Bub gut mitmacht, zumindest schön früh schlafen geht :)

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