15.07.2014

Mit Baby im Museum: One Minute Sculptures von Erwin Wurm im Städel Frankfurt



Anton ist ein Baby, dass sich sehr stark für seine Umwelt interessiert und immer nach etwas Neuem Ausschau hält. Diese Seite an ihm liebe ich sehr und es macht mir riesig Spaß, ihm den einfahrenden Zug, den großen Hund oder den Verschluss einer Flasche zu zeigen. Der kleine Mann ist ein guter Beobachter, der gleichzeitig eine gewisse Aufmerksamkeit fordert. In den meisten Fällen finde ich das sehr gut, doch es gibt einige wenige Situationen, in denen ein ruhiges, immer schlafendes Baby den Moment vereinfachen würde.

Seit Jahren schaue ich mir die aktuellen Ausstellungen in den bekannten Frankfurter Museen an und freue mich immer wieder, wenn eine neue Ausstellung angekündigt wird. Oft schaffe ich es erst am Ende des Ausstellungszeitraums nach Frankfurt zu fahren. In unserer Familie bedarf es nun ein wenig mehr Planungsaufwand, da wir uns gerne gemeinsam die Ausstellungen ansehen, und das geht dann nur am Wochenende.

Als ich das erste Mal mit Anton auf einer Ausstellung war (das war wohl der Rundgang der Kunsthochschule Mainz Ende Januar), schlief er noch relativ viel. In der Zeit, als Anton wach war, schaute er sich die bunten Skulpturen an und war ganz begeistert von den vielen Farben und den anderen Besuchern. Wir waren den ganzen Tag über in der Akademie, ich habe ihn in der Cafeteria gestillt und wir ließen uns Zeit. (Die Rundgangsparty fiel nur leider für mich aus.)

Weil der erste Versuch so gut funktionierte, war ich ganz begeistert, mit Anton bei der Kunstpause für Mamas im Städel teilzuhaben. Aber schon hier zeigte sich, welche Schwierigkeiten es geben kann - in unserem Fall es immer gibt - wenn man mit Baby im Museum ist. Wie gesagt, Anton ist nicht leise und er schläft nicht viel. Nach einigen Ausstellungsbesuchen, alleine und gemeinsam mit meinem Freund, weiß ich, dass ich für einen entspannten Museumsaufenthalt entweder alleine unterwegs sein müsste oder mir viel Zeit, Geduld und Energie einplanen muss.

Es liegt wohl am glatten Museumsboden und an der Ruhe, dass Anton spätestens im ersten Raum schon wach wird und dann partout nicht mehr einschläft. Die Mahlzeiten und Wickelphasen scheinen auch immer genau dann zu sein, wenn wir erst ein paar Kunstwerke gesehen haben. Und Antons aah und brrr Rufe "stören" die typische Museumsruhe.

Nach anfänglichem Unmut meinerseits bin ich mittlerweile sehr gelassen. Mit Baby kann oder muss man Kunst eben anders erfahren. Vielleicht erfordert es, dass man sich eher ausgewählte Kunstwerke ansieht, dass man öfter eine Pause im Museumscafé macht und sich somit viel Zeit einplanen muss oder dass man sich die Ausstellung nicht nur einmal ansieht. Ich bin sehr flexibel geworden. Am Schlusstag der Ausstellung "Esprit Montmartre" in der Schirn Anfang Juni war es so voll und Anton hungrig und verärgert, sodass wir uns kurzerhand mit der Babybetreuung und der Besichtigung abwechselten.

Was macht man aber, wenn man alleine mit einem kleinen Wuselmann unterwegs ist?


Anton und ich waren vor Kurzem gemeinsam im Städel und haben uns die Installationen von Erwin Wurm angesehen. Diese Installationen sind vielmehr weiße Podeste inmitten des Gartens oder der Städelschen Ausstellungsräume. Wir kennen die Sammlung relativ gut und gingen daher ganz gezielt auf die Suche nach den weißen Podesten. Hier findet man nämlich schwarze Filzstiftzeichnungen und kurze Anweisungen für "One Minute Sculptures", die der Besucher mit den ausgelegten Alltagsgegenständen machen soll. Wir hätten kaum einen besseren Tag für unseren Museumsbesuch auswählen können. Am heißesten Tag der Woche versteckten wir uns im Museum, während alle anderen wohl im Schwimmbad waren. So schien es mir jedenfalls, denn wir waren so gut wie allein im Museum. Ich genoss es sehr, denn so störte Anton niemanden mit seinem Geplapper, wir hatten eine Art riesiges Wohnzimmer mit Kunstwerken und konnten uns mit Erwin Wurms Arbeiten "austoben".

Wir gingen also auf die Suche nach den weißen Podesten, die in den Räumen verteilt waren und versuchten einige Aufgaben auszuführen und Fotos davon zu machen. An dieser Stelle danke an den Museumswächter, der anbot, uns zu fotografieren! Es machte wirklich Spaß, interaktiv an der Ausstellung teilzuhaben, "Kunst zu machen" und uns Zeit lassen zu können. Wir machten aber nicht nur bei den One Minute Sculptures mit, sondern schauten uns diesmal auch verstärkt einige Alte Meister an (Oh, dieser Vermeer!) und ich zeigte Anton alle möglichen Tiere, die es auf den Leinwänden zu sehen gab. Wir saßen viel auf den Bänken und ruhten uns aus. Und zum Abschluss gab es einen Cappuccino im Museumscafé.

Die Fotos geben euch eine bildliche Dokumentation über unseren schönen und lustigen Tag im Städel.


Wie sind eure Erfahrungen im Museum mit Baby? Bei größeren Kindern, nutzt ihr die Kinderworkshops oder -führungen?


Die Ausstellung One Minute Sculptures von Erwin Wurm war bis gestern, 13.07.2014 im Städel zu sehen und zu entdecken. Die Ausstellung zeigte Videos und Fotografieren vorangeganger One Minute Sculptures und forderte die Besucher Teil des Gesamtkunstwerkes zu werden. Das Städelblog wurde zum Wurm Blog umfunktioniert und wurde somit Bestandteil von Wurms Schaffen.
Erwin Wurm, 1954 in Österreich geboren, ist einer der erfolgreichsten Gegenwartskünstlern seiner Generation und hinterfragt mit seinen Arbeiten den traditionellen Skulpturbegriff.
#erwinwurm 




 


 

 





 





Kommentare:

  1. Total klasse!
    Schade, dass ich nicht mitkommen konnte :-(

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    1. Ja, aber das holen wir nach, bei einer anderen Ausstellung! :)

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