29.07.2014

Studieren mit Baby // Teil 4 // Ein Fazit.


Jippie yeah, was feier ich die ersten Tage meiner Semesterferien! Vierzehn Wochen bin ich jede Woche mindestens zwei Mal hoch zur Uni gefahren, habe die Folien vor- und nachbereitet und hatte einige Abschiede und Willkommen-Zurück-Szenen mit meinem kleinen Baby. Jetzt, nach drei Wochen Power-Lernen und drei geschriebenen Klausuren, möchte ich ein Fazit über das erste Semester im Studium als Mutter ziehen.

Uni tut gut
So gern ich auch meine Zeit mit Anton verbringe, nach fast sechs Monaten annähernd pausenloser Verantwortung für meinen Sohn, tat es mir wirklich sehr, sehr gut, Zeit für mich zu haben. Diese Zeit war zwar keine, in der ich tun und lassen konnte, was ich wollte, aber ich konnte einem Ziel nachgehen, für das ich mich entschieden hatte. Es tut gut, im Leben voranzukommen. Meine sogenannte Qualitytime verbrachte ich also damit, mir Vorlesungen anzuhören und diese nachzubereiten. Und vor allem konnte ich im Bus wieder sitzen!! Zwanzig Minuten Busfahrt ohne Umsteigen, die Welt vollkommen ausblenden und ein Buch lesen. Mir tat es gut, an der Uni wieder altbekannte Gesichter zu sehen und in meiner halbstündigen Mittagspause K. regelmäßig zu treffen. Selbst der mir sonst so unliebsame Smalltalk störte mich nicht (nicht mit K., sondern mit den altbekannten Gesichtern). Und dann sitzt man in einer Vorlesung, erfährt Interessantes und Spannendes über die Griechische Vasenmalerei, die Hagia Sophia in Konstantinopel oder den Werkbegriff. Neunzig Minuten, in denen man fast ausschließlich auf das neue Wissen konzentriert ist und alles Andere kurz mal zur Nebensache wird.


Studieren mit Baby ist anstrengend. 
Vor Beginn des Studiums war meine Grundeinstellung, dass ich es schon relativ locker und sicher gut schaffen werde, mit Anton zu studieren. Letzten Endes stimmte es auch. Wenn man nicht alles zu ernst nimmt und gleichzeitig gut und großzügig plant, klappt vieles. Doch mit Baby zu planen ist (leider) nicht immer einfach. Das brachte mich immer wieder an den Rand des Beinahe-Wahnsinns. Ich organisierte unseren Alltag noch etwas straffer - traf mich seltener mit Freunden, hatte deutlich weniger Zeit für meine typischen Freizeitbeschäftigungen und nahm mir viel Zeit, um mit Anton zu spielen, als Ausgleich für die Stunden, in denen ich mit dem Studium beschäftigt war.


Organisation ist alles. Mein Lernplan.
Die Basis des Wissens ist bekanntlich die Wiederholung. Und seit meiner additional Schulzeit habe ich mir das stark zu Herzen genommen. Ich bereite wenn möglich zumindest die Stunden vor und recherchiere den Stoff. Ich plante also seit Beginn des Semesters zwei Tage pro Woche ein, an denen ich die Folien durchgehen wollte. In einer Arbeitswoche von fünf Tagen bleibt bei zwei Tagen lernen und zwei Tagen Uni nur ein komplett freier Tag pro Woche. Nach 10 Monaten ohne jegliche berufliche Verpflichtung musste ich mich erst daran gewöhnen. Gut, das gehört eben dazu. Das Studium ist wie ein Job. Und ich hatte in diesem Semester einen Teilzeitjob. Neben einem Vollzeitjob, dem Baby.

Einige Wochen vor Ende des Semesters begann ich, abends die Zeit, in der Anton schon schlief, zum Lernen für die Klausuren zu nutzen. Aber ich kam regelmäßig an den Punkt, an dem ich frustriert war. Die absolut schlechteste Phase des Tages, um produktiv auswendig zu lernen, ist für mich der späte Abend. Wenn ich um 21 Uhr anfange, dann driften meine Gedanken viel zu schnell ab, ich habe Schwierigkeiten, mich zu konzentrieren und ich merke dann, wie müde ich doch bin. Beim Abitur hat sich der Morgen bis zum späten Mittag sehr bewährt und nur zu gern wollte ich dieses System wieder anwenden. Aber mit Anton ist/war das kaum möglich. Er will spielen, er hat Hunger, dann bekommt er ausgerechnet in diesen Wochen zwei Zähnchen und ist drei Wochen eine Klette (aber eine ganz goldige Klette mit zwei weißen Mini-Zähnchen). Anfangs fiel es mir schwer, die wenige Zeit zu nutzen, die er tagsüber schlief. Das waren genau die Momente, in denen ich endlich mal unter die Dusche hüpfen konnte. Sehr viel blieb aber nicht, um effektiv zu lernen. Mein Freund, ganz der Projektmanager, machte mit mir einen Plan, wie ich die letzten drei Wochen so effektiv wie möglich gestalten konnte; sodass ich genug Zeit zum Lernen und Zeit für Anton hatte. Zeit, in der ich kein schlechtes Gewissen hatte, weil ich den anderen "Job" nicht richtig erledigte. Unter anderem sah der Plan vor, dass ich ein bis zwei Tage pro Woche bei meinen Eltern lernte.


Bei meinen Eltern konnte ich richtig abschalten. Kein Haushalt, kein kochen, das Baby nur in den Pausen bespaßen und ansonsten hauptsächlich Zeit zum Lernen. An diesen Tagen war ich am produktivsten. Mein Freund bot mir auch an, an ein oder zwei Tagen Urlaub zu nehmen und einige Freunde schlugen vor, für ein Stündchen auf Anton aufzupassen. Letzten Endes hatte Anton ein Mal einen Babysitter für eine Stunde. Da wir einen so gut durchkalkulierten Plan hatten, ging es auch ohne.

Ich stand also jeden Morgen um 6 Uhr, am Wochenende um 8 Uhr, auf und lernte mindestens eineinhalb Stunden. Anton wacht oft gegen halb 8 auf, sodass mein Freund selbst genug Zeit hatte, um sich für die Arbeit fertig zu machen. Am Wochenende folgte nach einem kurzen Frühstück die zweite Lernphase. An allen übrigen Tagen war damit meine Hauptlernphase auch eigentlich schon vorbei. Tagsüber hatte ich dann das eigentliche Problem. In den Zeiträumen, in denen ich mich am besten konzentrieren kann, ist Anton wach und braucht meine Aufmerksamkeit. Da er nicht jeden Tag gleich viel und insgesamt auch nicht besonders viel schläft, ließ ich alles stehen und liegen, sobald er schlief. Da musste die nasse Wäsche auch mal eine Stunde länger in der Waschmaschine warten. Mein Schreibtisch war immer vorbereitet, der aktuelle Lernstoff oder das Buch lagen offen und ich konnte direkt loslegen. Da war kein Platz für Prokrastination. Ich schaffte es fast immer, so konsequent zu sein und mein Kopf machte mit, sich auch gleich aufs Wesentliche konzentrieren zu können. (Ganz häufig saß ich aber um 13 Uhr immer noch im Pyjama in der Wohnung, weil ich Antons Vormittagsschlaf ausnutzte.) Die Zeiten am Abend versuchte ich mit weniger anspruchsvollen und dennoch wichtigen Aufgaben zu füllen: abschreiben, Karteikarten beschriften, Lernzettel "gestalten", Sekundärliteratur vorbereiten, usw.

Der Lernplan mit sehr intensiven Lerntagen am Wochenende oder bei meinen Eltern, sowie fest eingeplante Lernzeiten plus Extra-Lernzeiten, wenn Anton schlief, ging bei mir auf. Ich freute mich über jede halbe Stunde, die ich dem Tagesziel überbieten konnte und ärgerte mich natürlich dann auch, wenn ich an anderen Tagen etwas weniger schaffte. Aber dennoch hatte ich einen Tagesstundensatz, der sich mit Studenten ohne Baby vergleichen lässt. Hinzu kommt, dass ich rein charakterlich und vielleicht auch altersentsprechend fokussierter bin als viele meiner Kommilitonen (teilweise Jahrgang 1994. Putzig.).


Sekundärliteratur
Leider ist unser Freund, das Internet, in meinen Studienfächern keine ausreichende Bezugsquelle für Sekundärliteratur oder generell Informationen. Während des Semesters reichten mir die Folien und Wikipedia für den Überblick, doch merkte ich in meiner Lernphase, dass ich auf jeden Fall in die Bibliothek musste.

Zu unserem speziellen Fall muss vielleicht Folgendes gesagt werden:
Ich war nur an zwei Tagen an der Uni. Ich fuhr mit dem Bus hoch, Vorlesung (Pause, Vorlesung) und dann musste ich mich schon beeilen, den nächsten Bus nach Hause zu bekommen. Ich bin dankbar für jede Minute, in der ich Aufpasser für Anton hatte, aber wirklich viel Zeit auf dem Unigelände hatte ich nicht. Das hieß für mich also, dass ich entweder mit Anton zur Bibliothek gehen musste, was aber jederzeit schwierig werden konnte. Ich sag nur lautes Baby in stiller Bib. Oder ich konnte an den Wochenenden, an denen mein Freund zu Hause war, nochmal zur Uni fahren.

Auch hier "organisierte" ich alles. Ich listete alle Bücher auf, die ich brauchen würde, bestellte sie in der Zentralbibliothek, wenn möglich und schaute bei den anderen Büchern, wo sie standen. An einem Sonntag machten wir dann also einen "Familienausflug" in die Bibliothek. Es gibt in der Bereichsbibliothek, in der sich die Kunstgeschichte angesiedelt hat, einen Familienraum. Dort gibt es Bücher, Spielzeuge, Tische und ein Sofa. Mein Freund und Anton verbrachten ihre Zeit hier, während ich mir einige Bücher holte, die für mich von Belang waren. Da die meisten Bücher nicht ausgeliehen werden durften, setzte ich mich zu meinen Männern und überflog die Themen, schaute die Stichworte nach, die für mich relevant waren und heftete überall Postits rein. Beim ersten Durchgang konnte ich schon sehen, dass ich zwei Bücher gar nicht benötigte. Ich kopierte alle Seiten, die wichtig waren, damit ich sie zu Hause durcharbeiten konnte. Leider wurde Anton zu diesem Zeitpunkt sehr, sehr unruhig, er wollte schlafen und war mit der Situation irgendwie überfordert. Das hieß für uns, dass wir uns auf den Heimweg machten. Mir fehlte noch ungefähr die Hälfte der Literatur. Zwei Tage später konnte ich die vier Bücher, die ich in der Zentralbibliothek bestellt hatte, abholen.

In der Bibliothek lernen konnte ich in diesem Semester nicht. Grundsätzlich brauche ich das auch nicht, weil ich an meinem Schreibtisch auch gut in einen Lernmodus komme. Dennoch hätte ich definitiv mehr Zeit für Literaturrecherche gebraucht. Mein to do für das nächste Semester: Ich suche schon während des Semesters die passende Literatur und kopiere oder bestelle sie.


Das nächste Semester
Noch während des Semesters wurde das System freigeschaltet, damit sich die Studenten für die Veranstaltungen des nächsten Semesters anmelden konnten. Ich habe frühzeitig angefangen, meinen Stundenplan zu erstellen und konnte damit auch die Betreuung von Anton planen. Ich werde nur Veranstaltungen bis 14 Uhr belegen und kann somit eine Halbtagsbetreuung beantragen. Glücklicherweise lagen fast alle Veranstaltungen in diesem Zeitraum. Da ich viele Methodik und Einführungsveranstaltungen habe, ist das völlig ok, die richtig "spannenden" Vorlesungen hebe ich mir für Zeiten auf, in denen Anton länger betreut wird. Ich habe einen kompletten Vormittag frei und freitags nur ein Seminar, sodass ich vermutlich/hoffentlich genug Zeit für Bibliotheksgänge und zum Lernen habe. Dennoch gehe ich fest davon aus, dass ich für die letzten Wochen wieder einen festen Lernplan brauchen werde. Da ich den Stundenplan bereits kenne, weiß ich auch, wie die Prüfungsanforderungen sein werden. Während des Semesters muss ich zwei Referate halten, am Ende des Semesters gibt es zwei Klausuren und wohl während der Ferien sind die Abgabetermine für zwei Hausarbeiten, die gleichzeitig auch die Modulabschlussarbeiten sind. Ich denke, das ist machbar.

der Rest
Dieses Semester hat mir deutlich gezeigt, wie wichtig es für mich ist, auch mit Baby einen Plan zu haben, der jedoch genug Freizeiten und -räume beinhaltet. Anton ist meine oberste Priorität. Es war nicht immer einfach, Kind und Studium unter einen Hut zu bringen, vor allem als Anton das Drei-Tage-Fieber hatte und mit seinen Zähnen zu kämpfen hatte. Immer wieder musste ich den Lernstoff liegen lassen, weil Anton nach einer halben Stunde aufwachte oder partout nicht alleine spielen wollte. Aber so ist es eben. Ich musste mich auch daran gewöhnen, weniger Zeit für Freundschaften, fürs Bloggen und für "me-time" zu haben.

Ich bin so dankbar für meine Eltern, die jede Woche zu uns kamen und meinen kleinen Buben so prima beschäftigt haben. Danke für die Blumensträuße und Kuchenstücke. Und vielen Dank, dass wir auch einige sehr effektive Lerntage bei euch verbringen konnten. Danke an H., die einen tollen Babysitter abgegeben hat!

Und ohne meinen Freund wäre dieses Semester sowieso nicht möglich gewesen. Danke, für die vielen Kaffees, die ich morgens an den Schreibtisch gebracht bekam, für's Aushalten von Antons und vor allem meiner (!) Launen, danke für den Lernplan, über den ich mich anfangs so ärgerte, für das Carepaket und den Pizza-Film-Abend vor der ersten Klausur und die vielen Ermutigungen.

Und nun?! Ich genieße den Sommer, hole einige Aktivitäten nach, freue mich auf die Zeit mit Freunden, den Urlaub, zwei Hochzeiten und und und. D r e i  M o n a t e  S e m e s t e r f e r i e n !

Kommentare:

  1. Yay! You go, girl! Toll, dass du dieses Thema so ausführlich behandelst, ich bin mir sicher dass das für viele junge / werdende Mütter sehr hilfreich ist!

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    1. Das würde mich sehr freuen! Gleichzeitig reflektiere ich auch, wie das vergangene Semester gelaufen ist und ob ich das so auch nächstes Jahr umsetzen werde. Tut mir auch gut :)

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