28.08.2014

Buchtipp: Mama muss die Welt retten


Dass Mama die Welt retten muss, ist selbstverständlich. Jeden Tag. Für einen kleinen Buben. Wenn er auf die Nase fällt, weil er den Ball bestimmt noch kriegen könnte, ist Mama die Trostspenderin. Wenn er Durst hat und trinken möchte, ist Mama entweder die Quelle selbst oder hat in Nullkommanichts eine Flasche vorbereitet. Und wenn dem kleinen Mann langweilig ist, spielt Mama den Clown.

Bei all den vielen Aufgaben einer Mutter -meiner Meinung nach ein unterbezahlter und zu wenig wertgeschätzter Vollzeitjob- gibt es auch noch die Seite der Business-Frau, die Frau, die auch in der Arbeitswelt mit einem starken Highheelstandbein steht.


Wie Mütter vom Wickeltisch aus Karriere machen ist das Thema des Buches Mama muss die Welt retten von Caroline Rosales und Isa Grütering. Das Buch hat in der Mamablogosphäre weite Kreise gezogen, da die Autorinnen selbst Mütter und Bloggerinnen sind. In einem gesonderten Post werde ich auf das Kapitel "Studieren mit Baby" eingehen, möchte hier aber einen Überblick über das gesamte Buch geben. Ich beschreibe hauptsächlich die Themen oder Passagen, die mir selbst wichtig waren.


Während der Schwangerschaft stöberte ich viel in den Eltern-Kind-Regalen der Buchläden. An dem Tag, als dieses Buch auf meinem Stapel lag, saß ich eine halbe Stunde im bequemen Sessel und kam einfach nicht von diesem Buch los. Und jetzt, in der Elternzeit und im Studium, hat Mama muss die Welt retten noch mehr Relevanz.

Schon nach den ersten Seiten des Buches dachte ich mir immer wieder: Ja, genau! So ist das bei mir auch. Aber es gab auch einige Aussagen, die ich infrage stellen musste.


Wochenbett - und dann?
Viele Mütter hinterfragen am Anfang ihrer Mutterschaft ihre aktuelle Situation. Nach Wochen völliger Fixiertheit auf das Neugeborene, kommt fast jede Frau an den Punkt, an dem sie sich neu definieren will. Ist man zufrieden mit seinem Leben oder muss sich etwas ändern? Die Elternzeit bewirkt also bei vielen einen Perspektivwechsel, es ist die perfekte Zäsur und kann als Chance genutzt werden.

Die Schriftstellerin Caroline Rosales beschreibt zunächst ihre eigene Situation nach der Geburt ihres ersten Sohnes und erklärt, wie sie sich anfangs fühlte. Bestimmt finden sich die meisten Mütter, in welcher Form auch immer, in ihren Worten wieder. Denn "plötzlich" ist da ein Baby, das gefüttert, gewickelt und geherzt werden will. Doch nach Wochen des Gewöhnens und Genießens und mit dem Selbstständigerwerden des Kindes, gibt es eben wieder Raum für eigene Träume, und manchmal vor allem Zeit. Caro verspürte diesen Wunsch ganz stark. Sie traf sich mit vielen anderen Müttern, traf auf Isa, die die Idee zu diesem Buch hatte und bekam neue Energie.

Mittlerweile haben die beiden Autorinnen ganz schön viel auf die Beine gestellt. Wobei an dieser Stelle wohl, nicht allzu polemisch gemeint, erwähnt werden müsste, dass Caro und Isa die absoluten (Berlin-)Powerfrauen sind, die durch Fleiß, ihren Standort und ein Netzwerk viel bewegt haben.


Schritt für Schritt - Punkte, die beachtet werden müssen
Zurück zum Inhalt des Buches. Bevor nun einzelne Frauen mit ihren Ideen und Aufgaben vorgestellt werden, werden einige sehr wichtige Themen angeschnitten oder diskutiert.

Bei allen Möglichkeiten der Selbstverwirklichung mit Baby ist beispielsweise die Betreuungsfrage zentral. Man muss beachten, dass ein Baby wirklich eine Doppel"belastung" bedeutet und dass man mit Kindern nicht unbedingt genauso arbeiten könne wie bisher. Nur wenn die Betreuung gewährleistet ist (egal ob durch das andere Elternteil, Familie oder Kita/Tagesmutter), hat man selbst die Möglichkeit, seinem Ziel näher zu kommen.

Häufig kommt das Thema des aktuellen Leitsbildes einer perfekten Mutter auf. Das Ziel sei es, ein individuelles und zeitgemäßes Verhältnis von Familie zu entwickeln, das jenseits von Kischees ist.

Auch der Begriff der Mompreneur findet seinen Platz.

"Mütter schaffen alles, wenn sie wollen", auch wenn es einen enormen Kraftaufwand bedeutet (S.36). Doch dabei sei die Grundvoraussetzung, dass man ein gesundes bzw. kein krankes Kind hat. Solche Aussagen treffen meine Meinung ziemlich genau. Aber auch "Und ich hatte es mir leichter vorgestellt." (S. 36)

Ein wenig kritisch sehe ich die Zeilen, in denen die Rollen der Mutter und des Kindes beschrieben werden. Ist das Baby Mittelpunkt oder Zuschauer? Die Mutter lebe weiter, das Kind mache mit und nehme an ihrem Leben teil. (S. 16) Wie könne alles unter einem Hut gebracht werden? Mir stellt sich beim Lesen solcher Zeilen die Frage, in wie weit man sich selbst als Mutter zu wichtig nimmt. Es ist mehr als einleuchtend, dass man sich selbst nicht vergessen sollte und sich das Kind auch an den Rhythmus der Familie anpasst, doch müssen hier individuelle Grenzen gesetzt werden. (Die mir bei den Autorinnen etwas sehr weit gezogen vorkommen, ich kann das jedoch nur anhand der Texte beurteilen, da ich beide nicht persönlich kenne.)


Praktische Anwendungshinweise
Isa und Caro geben auch ganz praktische Anwendungshinweise (und meiner Ansicht nach findet man davon deutlich zu wenig auf Mama-Blogs): Sie beschreiben zum Beispiel ihr "Heim-Karriere-System". Sobald das Kind schlief, holten sie sich einen Kaffee und setzten sich an den Laptop. Diese Fokussierung erzeugte einen besondere Energie.

Im zweiten Kapitel werden also Mütter vorgestellt, die sich in der Elternzeit beruflich neu orientierten oder eine neue Geschäftsidee hatten. Isa's Bericht macht den Anfang. Sie gründete zwei Blogs (darunter auch hauptstadtmutti.de). Auch hier gibt es ganz praktische Einblicke: mit einem Partner, mit dem sie sich die Nachmittage teilt, einem Coworking Space und einer zehnminütigen Telco mit ihren Mitbloggerinnen um 9 Uhr morgens arbeitete sie effektiv. Auch nutzte sie die Schlafenszeiten ihres Bubens zum Arbeiten. Was jede Mutter wohl brauch sei "ein bisschen Wahnsinn, ein bisschen Alltag, aber auch ein bisschen Glamour" (S. 39) Dem kann ich nur zustimmen.

Caros Einstellung zu den Phasen, in denen nicht alles nach Plan läuft: "Tja, wenn bei mir zu Hause alle Kinder krank sind, springen die anderen beiden Mädels ein. Oder es gibt halt keine Posts und keine Mails. Ist dann eben so." (S. 63)

Es wird dann sogar noch praktischer. Auf die Berichte der Mütter folgen Checklisten, welche Themen zu beachten sind. Beim Blogger-Thema ist die Liste in die Punkte Die Planung, Der Inhalt, Partnerschaften, Einkünfte unterteilt.


Drittes Kapitel
Nach den Mompreneur-Berichten geht es um Erschöpfungszustände und Entspannungsmöglichkeiten, über Work-Life-Balance und die Zukunft der Mompreneurs. Es folgen in den letzten Seiten viele Links zur Existenzgründung, Finanzierung, diverse Netzwerke und Portale, Magazine und Jobbörsen, Kinderbetreuung und Lieferdienste.


Und hier nur noch kurz für den Überblick:
Das Buch ist in drei Hauptthemen gegliedert. "I. Vom Baby-Blues zur Wiedergeburt als Selfmade-Mama", "II. Links das Baby, rechts der Laptop" und "III. Die beste Mutter der Welt - das bist du!"


Mein Fazit
Mama muss die Welt retten ist definitiv ein Buch, das viel Input und Inspiration gibt. Spätestens nach dem ersten Kapitel hat man das Gefühl, dass man als Mutter alles schaffen könne. Es ist gut, dass die Autorinnen immer wieder betonen, dass dies nicht der Weg für alle Mütter ist, doch gibt das Lesen die Motivation, seine eigene Situation noch einmal neu zu überdenken. Ich bin sehr begeistert davon, dass man entweder zwischen den Zeilen oder in den Checklisten ganz praktische Tipps und Hinweise bekommt, wie man an die ganze Sache rangehen kann und dass es keine allgemeinen "Wir können die Welt verändern"-Parolen beinhaltet. Der zweite Mompreneur-Bericht (Summa cum Baby: Wie Caro das Studium mit Neugeborenen stemmt) hat mir vor der Geburt sehr viel Mut gegeben. Es gibt hier und da ein paar Stellen, in denen Begriffe wie "ihr altes Leben" vorkommen. Oder "Die Mutter lebt weiter, das Kind macht mit und nimmt an ihrem Leben teil." (S. 16) Sätze, die ich nicht voll unterstütze und die mich die Einstellungen von Müttern hinterfragen lässt. Es ist doch vielmehr so, dass durch die Elternzeit eine neue Facette einer Frau zu Tage tritt (mit Jenny Jungs Worten) und dass das Kind nicht nur ein Anhängsel ist. Doch abgesehen von diesen Passagen ist Mama muss die Welt retten ein sehr guter Rat- und Ideengeber für Mütter, die sich langweilen, die schon einen konkreten Plan haben oder die einfach noch kleine Gedankenanstöße gebrauchen können.


Ich danke dem Aufbau Verlag für das Rezensionsexemplar.


Habt ihr das Buch schon gelesen? Könnt ihr etwas mit dem Thema anfangen oder ist es nicht relevant für euch?

Kommentare:

  1. Sehr schöner Text – trotz Nichtmamasein würde ich es auch direkt lesen :-)

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  2. Kann ich dir gerne ausleihen :)

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