27.10.2014

CampusMum: Maren


Pünktlich zu meinem Semesterstart, stelle ich euch heute ein neues Projekt vor. Dieses Projekt liegt mir sehr am Herzen und schwirrte schon lange in meinem Kopf. 

Laut einer Studie des Bundesministeriums für Familie, Senioren, Frauen und Jugend waren im Sommersemester 2009 rund 5 % aller Studierenden in Deutschland Eltern. Das ist natürlich nicht besonders viel und das ist wohl auch der Grund, warum es so schwierig ist, im Netz Informationen über studierende Eltern zu finden. Meistens geht es in den Artikeln um Finanzierung und Betreuungsnetzwerke, doch nur selten liest man über die praktische Erfahrungen dieser Eltern. Da ich mich selbst in dieser Situation befinde, bin ich natürlich sehr interessiert daran, wie andere Familien alles unter einen Hut bekommen.

In der Reihe CampusMum stelle ich euch Frauen vor, die neben Kind und Kegel noch ein Studium meistern. Ich frage sie nach ihrem wie, was und warum.


Die erste CampusMum ist eine bewundernswerte junge Frau, die eine tolle Einstellung zum Studium hat. Maren ist 26 Jahre alt und wohnt mit ihrem Freund und ihrem 15 Monate alten Sohn Tilo in Ludwigshafen. Ich habe sie in Instagram kennengelernt, wo sie als augustinchen Fotos von ihrem Alltag und ihren Nähprojekten zeigt.



Liebe Maren, schön, dass du bei dem kleinen Interview mitmachst! Ich habe dich ja schon kurz vorgestellt - erzähl uns doch bitte, was du studierst, in welcher Hochschule und in welchem Semester du bist.

Ich bin sehr froh, bei deinem Interview mitmachen zu dürfen!
Bis Juli habe ich an der Musikhochschule Mannheim Schulmusik studiert. Nachdem ich das Hauptfach erfolgreich abgeschlossen habe, studiere ich jetzt noch meine Beifächer Französisch und Englisch an der Uni Mannheim fertig.


Du bist Mutter eines jetzt 15 Monate alten Sohns. Das heißt, du hast deinen Sohn während des Studiums bekommen. Wie war das Studium in der Schwangerschaft? Hast du irgendwelche besonderen Erfahrungen gemacht? Und hast du ein Urlaubssemester genommen oder sogar ohne Pause weiterstudiert?

Ich hatte glücklicherweise eine absolut komplikationslose Schwangerschaft, wodurch ich bis in den Mutterschutz studieren konnte. Um das erste Jahr mit Tilo einigermaßen stressfrei genießen zu können, habe ich in den letzten Tagen der Schwangerschaft meine Instrumentalprüfungen absolviert, was wirklich anstrengend war. Die Lehrer sind mir aber, was die Planung angeht, super entgegen gekommen und haben mich toll unterstützt. Für seine Geburt hat sich Tilo einen guten Zeitpunkt ausgesucht - er kam pünktlich zu den Semesterferien zur Welt. Da sein Papa auch noch studiert, konnten wir einen unbeschwerten Sommer zu dritt erleben, bevor wir beide im Oktober wieder ins nächste Semester starteten.


Hast du also während deiner Elternzeit studiert? bzw. Wie hast du deine Elternzeit genutzt? Hast du die freie Zeit genossen oder dich auf das folgende Studium mit Baby vorbereitet?

Genau, ich habe während der Elternzeit studiert. Da ich mich ziemlich am Ende des Musikstudiums befunden habe, musste ich kaum noch Kurse besuchen, sondern vor allem für die Abschlussprüfungen lernen/üben und meine Examensarbeit schreiben. So konnte ich meine Zeit relativ frei einteilen und es war kein Problem, dass in den 7-8 Stunden pro Woche der Papa eingesprungen ist. Ich glaube, er fand es auch richtig schön, dass er von Anfang an regelmäßig Papa-Sohn-Zeit hatte.

Zulassungsarbeit geschrieben, während Tilo auf dem Schoß schlief


Das kann ich mir gut vorstellen, das ist wirklich ein Luxus. Und jetzt ganz praktisch: Wie ist deine Woche organisiert? Hast du einen Lernplan oder kannst du uns erzählen, wie du dir Zeit zum Lernen schaffst?

Wir müssen sehr gut planen!! Wir besprechen immer am Wochenende, welche besonderen Sachen in der kommenden Woche anstehen und wer wann für Tilo da sein muss. Dabei muss man auch schon die Wegzeiten zur Hochschule etc. immer berücksichtigen, damit der Plan nicht in sich zusammen fällt.
Beim Lernen bin ich leider meistens etwas unstrukturiert und mache vieles auf dem letzten Drücker, spätabends, wenn ich Ruhe habe. So kam es, dass ich große Teile meiner Zulassungsarbeit mit Baby im Tragetuch geschrieben habe, weil er genau in der Schlussphase eine richtige Mama-Phase hatte.


Ach, die Kinder, die haben wirklich immer ihren eigenen Rhythmus! Auf jeder Website zum Thema "Studieren mit Kind" stechen zwei Aussagen hervor. Zum einen gibt es viele unterschiedliche Möglichkeiten, ein Studium mit Kind zu finanzieren. Zum Anderen solle man sich unbedingt ein Betreuungsnetzwerk aufbauen. Wie ist die Betreuung eures Sohnes geregelt?

Zur Zeit ist Tilo noch daheim. Mein Freund und ich teilen uns die Betreuungszeiten auf - das geht nur, weil wir in unserem Studium die Kurse frei wählen können. Zwar hätten wir auch einen vergünstigten Platz in der Uni-KiTa bekommen, den wollten wir aber nicht annehmen, da die Organisation dort für uns absolut nicht infrage gekommen wäre. Man hat in der KiTa nur die Wahl zwischen einem Halbtagesplatz (7-12 h) und einem Ganztagesplatz (7-17 h). Nun ist unser Studium aber so strukturiert, dass die meisten Kurse nachmittags stattfinden, und auch unsere Instrumentalschüler, die wir nebenbei betreuen, haben erst nachmittags Unterricht. Das heißt, wir hätten unser Baby morgens um 7 in die Krippe bringen müssen und hätten es erst abends wieder gesehen. Unsere Nachfrage, ob man ihn flexibel bringen und holen kann, wurde verneint. Ihn so lange wegzugeben wäre für uns undenkbar gewesen, und deshalb organisieren wir jetzt eben noch die Betreuung bis zum Kindergartenstart mit 2.

zum ersten Mal gemeinsam in die Hochschule gegangen

Das kann ich sehr gut nachvollziehen. Und es ist großartig, wie ihr das gemeinsam regelt.
Ich musste schon einmal Anton mit in die Vorlesungen nehmen, weil ich keine Betreuung für ihn fand. Hattest du schon einmal "interessante" Situationen, weil du eine studierende Mutter bist? Oder musstest Absprachen mit den Dozenten treffen? Wie sind deine Erfahrungen mit den Kommilitonen?

Die Erfahrung "Baby im Hörsaal" habe ich häufig gemacht, und sie war durchweg positiv. Alle Lehrer waren einverstanden, dass ich ihn mitbringe, auch wenn dann das ein oder andere Mal die Vorlesung in den Hintergrund rutschte, weil alle Kommilitonen ganz verzückt waren von dem kleinen Baby im Tragtuch. Glücklicherweise habe ich bis zum Sommer an einer eher kleinen Hochschule studiert, an der alle sich kennen - so konnte man Tilo auch mal für eine halbe Stunde einer Freundin anvertrauen, wenn man in eine wichtige Sprechstunde musste.
Wenn ich genau darüber nachdenke, habe ich fast immer enttäuschte Gesichter gesehen, wenn ich ohne ihn in die Musikhochschule kam, und alle haben immer sofort nach ihm gefragt.


Verständlich bei so einem süßen, kleinen Buben!
Hast du dir eigentlich das Studium mit einem Kind so vorgestellt bzw. wie waren deine Erwartungen?

Ich habe mich im Vorfeld schon ziemlich intensiv mit der Situation beschäftigt, um sicher zu sein, dass wir das bewältigen. Es gab in den drei Jahren vor meiner Schwangerschaft allerdings mehrere Studentinnen, die auch Kinder bekommen haben und mir immer mit guten Ratschlägen zur Seite standen, daher wurden meine Erwartungen komplett erfüllt und ich bin sehr froh, diesen Weg gewählt zu haben, da es für uns genau der richtige ist.


Hast du Kontakt zu anderen Müttern oder Vätern an deiner Uni?

Tatsächlich kenne ich einige andere Mütter an der Musikhochschule, es sind aber, bis auf eine, keine Spielplatzfreundschaften geworden, da ihre Kinder schon älter sind als Tilo. Ein richtiges Elternnetzwerk besteht aber nicht wirklich, was ich ein bisschen schade finde. Man könnte sich gegenseitig so gut unterstützen, da man die Probleme der anderen nachvollziehen kann.


Hast du einen guten Ratschlag (gerne auch mehrere) für studierende Mütter oder einen besonderen Wunsch?

Ich empfehle allen Müttern, direkt am Anfang des Semesters (und schon bei der Kurseinschreibung) mit den Dozenten Kontakt aufzunehmen. Ich wollte oftmals nicht aufdringlich sein und eine Extrawurst bekommen, weil es ja "meine Sache ist", dass ich ein Kind habe. So hatte ich häufig Stress mit Abgabeterminen und Hausaufgaben. Dabei hat absolut jeder Dozent, mit dem ich bisher darüber gesprochen habe, Verständnis gezeigt und ist mit bezüglich Terminwünschen etc. entgegen gekommen.
Mir persönlich hilft es sehr, über Internet Kontakt zu anderen Studi-Mamas zu halten. Man kann sich schön austauschen und sich wertvolle Tipps geben. Ich habe hier leider in vielen Krabbelgruppen die Erfahrung gemacht, das man als junge Studenten-Mama kaum gemeinsame Gesprächsthemen mit den anderen Müttern hat und deshalb nur schwierig Teil der "Gemeinschaft" wird. Außerdem kann ich durch mein Studium nicht zu jeder Zeit auf den Spielplatz und muss meinen Tag gut durchplanen - das trifft leider oft auf Unverständnis. Schade, dass man die ganzen lieben Studenten-Mamas von den ganzen Blogs nicht so einfach treffen kann, weil die meisten so weit weg wohnen!!
Das war jetzt wirklich ein schönes Interview, weil ich einmal das ganz letzte Jahr Revue passieren lassen konnte und sieht, was man alles geleistet hat! Studierende Eltern dürfen wirklich stolz auf sich sein, finde ich!


Liebe Maren, ich danke dir für die Offenheit und die inspirierenden Antworten! Ihr leistet wirklich viel und ich wünsche dir weiterhin viel Erfolg im Studium und viel Spaß mit deiner Familie!


Alle bisherigen Interviews der Reihe CampusMum findet ihr hier. Und hier kommt ihr zu allen Artikeln, die sich mit dem Thema Studieren mit Kind beschäftigen.

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