16.10.2014

Protokoll der Eingewöhnung


Vorgestern bei der Übergabe, als ich Anton fest drückte und er mir einen Kuss auf die Wange gab (Mund einfach offen halten und die ganze Feuchtigkeit an Mama abgeben), verabschiedete sich die Tagesmutter von uns mit den Worten: "Damit wäre Anton eigentlich eingewöhnt." Ich war ganz erstaunt. Was? Das war jetzt die Eingewöhnung? An acht Tagen? Zack bumm.


Tag 1: Wir beginnen im Wohnzimmer und sitzen gemeinsam auf dem Boden. Anton hat die Tagesmutter ganz fröhlich begrüßt und ist offen und zufrieden. Die beiden spielen miteinander auf dem Teppich, ich werfe immer wieder kurz was ein ("Anton, nicht das Bauklötzchen gegen den Glastisch schlagen."). Tagesmutter und Anton schauen sich die Wohnung an und nach dem Rundgang spielen sie für eine viertel Stunde gemeinsam im Spielzimmer. Ich warte im Wohnzimmer, höre Anton jauchzen und brabbeln. Eine gemeinsame Besprechung und eine fröhliche Verabschiedung folgen.

Tag 2: Anton streckt die Arme nach der Tagesmutter aus, als wir die Haustür erreichen. Er freut sich, sie zu sehen. Das ist doch ein gutes Zeichen. Die beiden gehen direkt ins Kinderzimmer zum Spielen, während ich im Wohnzimmer lese. Sie kommen immer wieder vorbei, damit Anton weiß, ich bin noch da. Er schaut sich einmal nach mir um, ist aber mit der Tagesmutter ganz zufrieden und "braucht" mich nicht. Sie wickelt ihn, obwohl die Windel trocken ist. Das klappt sogar besser als bei uns. Kein Gejammer. Er freut sich über das Bobby Car und läuft (!) mit dem Lauflernwagen durch den Flur. Ich habe Tränchen im Auge. Wieder ein lange Nachbesprechung.

Tag 3: Anton freut sich wieder, die Tagesmutter zu sehen. Er liebt ihre Deko an der Haustür und will gleich den Schmetterling anfassen. Man merkt, dass er sich wohl fühlt und er alles kennt. Ich verabschiede mich gleich an der Haustür und winke. Während ich nun ein dreiviertel Stunde auf der Bank vor dem Haus lese, spielt Anton. Er spielt sogar alleine, protestiert dann aber auch schnell wieder. Anscheinend ist das ein Zeichen dafür, dass er nicht ängstlich ist, selbst wenn die Tagesmutter in die Küche geht (sonst würde das Kind sich nicht bewegen und ängstlich schauen). Er liebt das Bobby Car, die Musik und die Fingerspiele. Er beobachtet die Tagesmutter, ahmt sie nach, kann zwei Bälle mit seinen beiden Händen aufnehmen und sie gegeneinander schlagen. Er freut sich sehr, mich zu sehen und möchte zu mir. Wir besprechen gemeinsam im Kinderzimmer, wie der nächste Tag ablaufen wird.

Tag 4: Wieder eine Übergabe an der Tür und ich verabschiede mich. Anton ist eine Stunde und 20 Minuten bei der Tagesmutter und es lohnt sich sogar für mich, nach Hause zu gehen. Ich gebe ein Früchtegläschen mit, irgendetwas Bekanntes. Anton isst nicht viel, hat aber auch eigentlich keinen Hunger. Das erste Mal lasse ich ein paar Utensilien da, gepackt in einem kleinen Köfferchen. Lätzchen, das Gläschen, einen Schnuller, meine Telefonnummer. Ein Minigespräch an der Tür, Anton freut sich wie immer und schläft auf dem Heimweg ein.

Tag 5: Die Übergabe läuft immer gleich ab. Dieses Mal aber vormittags, zum gemeinsamen Frühstück mit den anderen drei Kindern. Diese kommen schon früher und sitzen am Tisch, als Anton reinkommt, so, dass er sich nicht erschrickt. Eigentlich ist Anton schlecht drauf, weil ihm sein sechster Zahn zu schaffen macht. Doch knatscht er während der fast zwei Stunden nur ein Mal. So kenne ich ihn gar nicht. Dieses Mal isst er Brot und Wurst. Ich bekomme ein Foto geschickt, wie Anton mit dem größeren Jungen auf dem Boden sitzt. Wie goldig. Anscheinend fühlt er sich richtig wohl. Alle drei Jungen wollen mit dem Bobby Car spielen und Anton verteidigt sich lautstark. Ich freue mich riesig, Anton abzuholen. Er hat, wie die anderen Kinder auch, einen Klecks Crème auf der Nase. Er gehört dazu. Hm, und er riecht ein bisschen nach der Tagesmutter.

Tag 6: Anton freut sich und geht gerne zur Tagesmutter. Nur ein 17 Monate alter Junge ist heute da. Die beiden verstehen sich prächtig. Als Anton gewickelt wird, möchte der andere Junge auch gewickelt werden. Sie stecken die Köpfe zusammen und fassen sich an. Sie essen und spielen gemeinsam. Ich hole ihn nach 2,5 Stunden ab.

Tag 7: Anton ist über das Wochenende leider krank geworden und hat sehr schlecht geschlafen. Weil er kein Fieber hat und morgens ganz gut drauf ist, packe ich ihn ein und wir gehen zur Tagesmutter. Er freut sich, sie zu sehen. Nach Absprache mit ihr soll er nur zu Hause bleiben, wenn er Fieber hat. Weil er ganz gut drauf ist, lasse ich ihn da, bin aber rufbereit und bleibe zu Hause. Die Kinder warten schon an der Tür. Sie essen und spielen gemeinsam. Ich rechne damit, Anton gegen 12 Uhr abzuholen, doch die Tagesmutter ruft mich schon kurz nach elf an. Anton ist sehr müde, hat aber gut gegessen und wenig geknatscht. Ich hole ihn ab, damit er zu Hause schlafen kann. Trotzdem lernt er noch den Kinderwagen kennen.

Tag 8: Nach der U6 kommen wir verspätet zur Tagesmutter. Anton hat noch einen leichten Husten dazubekommen, ist aber gut drauf. Die Kinder haben mit dem Frühstück gewartet, damit sie gemeinsam essen können. Sie gehen auf den Spielplatz und Anton sagt die ganze Zeit Auto. Der "kleinere" Junge stimmt mit ein. Als sie heimkommen, gibt es Joghurt mit Früchten und Anton darf danach schlafen gehen. Er schläft direkt ein. Ein Wunder. Die Tagesmutter ruft mich an und gibt mir Bescheid, dass ich Anton um 14 Uhr abholen kann. Was soll ich nur mit so viel freier Zeit anfangen?! :) Als ich Anton abhole, ist er fit und hat nach seinem Mittagsschlaf noch ein bisschen gespielt. Jetzt schlafen die anderen beiden Jungs. Bei der Besprechung an der Tür sagt mir die Tagesmutter, dass wir nun alle Eingewöhnungsstufen erreicht haben und dass Anton an sich nun eingewöhnt ist.


In zwei großen Wellen habe ich uns mit viel Arbeit bei allen möglichen Kitas und Krippen angemeldet, schaute sie mir an und sprach mit den Leiterinnen. Ich fand das ziemlich anstrengend und nervig. Wir bekamen fünf Zusagen und zwei Kitas gefielen mir davon ganz gut. Bei jeder Absage fragte ich mich, ob ich das denn überhaupt machen könne. Muss man nicht überaus dankbar für jeden Platz sein?

Aber ich bin mir sicher, dass wir die richtige Entscheidung getroffen haben. Ich bin so so zufrieden, dass wir uns für diese Tagesmutter entschieden haben. Sie ist eine sehr liebe und herzliche Frau, die sich für ihre Tageskinder aufopfert, die empathisch und flexibel ist, die selbst kocht und gute Umgangsformen pflegt. Soweit ich das beurteilen kann, hat sie ihre Tageskinder sehr lieb. Und ich bin sehr zufrieden, dass wir uns für einen Halbtagesplatz entschieden haben. Die Kitas boten das nicht an, sonst hätten wir vielleicht gar nicht daran gedacht, auch Tagesmütter kennenzulernen. Mir tut es gut, dass ich den Vormittag frei habe und bald in dieser Zeit aktiv studieren kann. Ich sehe, welchen Spaß Anton dort hat und wie viel er in diesen wenigen Tagen gelernt hat. Bei mir kommt überhaupt nicht das Gefühl auf, ihr würde ihn "abschieben" oder "weggeben". Und mir tut es gleichzeitig gut, dass ich ihn dann am frühen Nachmittag wieder bei mir habe und mit ihm Zeit verbringen kann. Wahrscheinlich werden unsere Wochenenden noch mehr bewusste Familienqualitytime.

In den letzten Wochen schaue ich Anton immer wieder an und merke, wie "groß" er schon ist. Er ist alleine bei einer "fremden" Frau mit "fremden" Kindern und spielt und isst ganz selbstständig. Es ist manchmal ein eigenartiges Gefühl, doch meistens bin ich einfach nur stolz auf diesen kleinen Menschen.

Ich bin mir sicher, dass Anton ist wenigen Wochen richtig verstehen wird, dass er jeden Vormittag bei der Tagesmutter ist und dass ich dann wirklich nicht da bin. Auch wenn die Eingewöhnung so super gelaufen ist, kann es natürlich noch vorkommen, dass er mich vermisst oder dort nicht hin möchte.

Jetzt genieße ich noch drei freie Stunden und freue mich dann riesig, meinen kleinen Buben mit Küssen zu überschütten.


Kommentare:

  1. Danke für deinen lieben Kommentar auf meinem Blog. Ich habe mich hier umgesehen und werde jetzt auch regelmäßig vorbeischauen. Du zeigst doch mehr von deinem Kleinen als ich – es ist doch wichtig, sich ständig die Frage zu stellen, ob das auch okay ist. Aber wenn es für dich gut ist, und wenn du auch nicht aufhörst, darüber nachzudenken, dann wird es gut sein. Ich freue mich jedenfalls, von deinem Leben zu lesen! Liebe Grüße aus Wien :)

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    1. Liebe Irene, ich danke dir sehr! Ja, es ist nicht immer einfach zu entscheiden, was rausfällt und was nicht und ich zeige deshalb u. a. nicht bzw. selten unsere "privaten" Fotos von Anton, sondern meist bewusst geschossene Blogfotos. Naja, auf jeden Fall ist es ein schwieriges Thema, wenn man schon so viele Jahre bloggt.
      Freue mich, weiterhin von dir zu lesen.

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