28.11.2014

ein Nachmittag in Darmstadt

Ich habe ja schon häufiger erwähnt, wie sehr ich unsere Gegend liebe. Die Nähe zu Frankfurt, Wiesbaden und Darmstadt sind unbezahlbar, und nicht weniger gut erreichbar sind auch Mannheim, Heidelberg, usw. Wir haben tolle Landschaften, wichtige Industrie, den Main und den Rhein und furchtbare, aber auch liebenswerte Dialekte.

Mir ist bewusst, dass die Geschichten um diese Städte nur für einen Teil der Leser interessant sind, doch bleibt es für mich undenkbar, ihnen hier keinen Raum zu geben.

Deshalb: wieder ein Nachmittag in Darmstadt. Gemeinsam mit Anton.


Wir kommen in Darmstadt an, wieder einmal zu spät, denn hier muss man einfach immer mit Verspätungen rechnen. Direkt am Bahnhof gibt es eigentlich ein gutes italienisches Café, doch davon erzähle ich ein anderes Mal. Wir sind nämlich auf dem Weg zu meinem Freund, um seine Mittagspause gemeinsam zu verbringen. Der Luisenplatz ist eigentlich der Hauptplatz der Innenstadt. Es ist ein Knotenpunkt, an dem Busse und Straßenbahnen kumulieren und von wo aus man einen direkten Zugang zum Luisencenter (überdachte Shoppingmeile) und den Einkaufsstraßen hat. Wenn man kurz Zeit hat, sollte man die Wilhelminenstraße hochlaufen. Diese Straße endet auf einer Anhöhe mit einer katholischen Kuppelkirche. Rechts davon gibt es ein großes Freifeld. Und dann außergewöhnliche Architektur. Ich bin jedes Mal erneut verblüfft, wenn ich von der Anhöhe aus auf das Staatstheater blicke und diese Weitläufigkeit und diese Formen betrachten kann. Es ist ein außergewöhnlicher Ort. Ich sollte mir einmal die Innenarchitektur ansehen.



Doch wir haben heute dafür keine Zeit und treffen uns in der Centralstation. Die Centralstation ist ein Kulturort, der ziemlich viel Programm bietet. Von Lesungen, Konzerten, Partys und Kinderstunden, bekommt man dort wohl das Beste an kulturellem Input (dieser Art), das Darmstadt zu bieten hat. Und außerdem gibt es hier ein Mittagsbuffet. Die Kulturkantine, wie dieser Ort in den Mittagsstunden heißt, bietet frisches Essen zu einem guten Preis an. Man hat die Auswahl zwischen Suppe und Buffet inkl. Salat. Das Tolle ist hier, dass es eine kleine Spielecke mit unendlich vielen Duplo- und Legosteinen gibt. Anton konnte sich gar nicht auf das Essen konzentrieren, weil wir uns so nah an die Spielecke gesetzt hatten. Außerdem gibt es viele Hochstühle und die Kinder essen kostenlos mit. Weil der Raum so groß ist, stört es auch nicht, dass die Kinder manchmal lauter sind, weil das Getöse in der Weite verhallt.


Zum After-Lunch-Cappuccino gehen wir zum SALVE!. Völlige Routine unsererseits. Aber es ist auch einfach lecker in diesem Eckcafé. Und was mir auch immer zusagt, sind die kleinen Blechtabletts, auf denen der Kaffee mit einem italienischen Amarettini und einem Glas Wasser serviert wird. So wie es eben sein sollte. Draußen sitzen lohnt sich, zum Leute gucken, innendrin ist es immer voll und mit Kind nicht unbedingt gemütlich. Wir verabschieden meinen Freund und laufen los. Ich mag es überhaupt nicht, in  Einkaufspassagen einzukaufen und bevorzuge es, in offenen Straßen zu bummeln. Und vor allem zu entdecken. Dieses Mal entdecke ich in der Wilhelminenstraße einen kleinen Einrichtungsladen mit dem kitschigen Namen Art and More, der nicht nur Geschirrtücher, Lampen und Körbe verkauft, sondern auch Schmuck, Geschirr und Papeterie. Ganz nett. Nebenan findet man einen sehr kleinen Laden namens Hackmann. Hier gibt es ausgewählte Kleidung, z. B. von Filippa K oder Black Lily. Für mich dieses Mal nur zum Windowshoppen interessant. Ach ja und der dm, genau wie der dm in der Ludwigstraße haben Wickelplätze - das ist immer gut zu wissen.

Wir machen noch einmal einen Schlenker und gehen in die Luisentraße. Ich schrieb schon einmal auf betsi über Hautsache - ein feiner Laden mit Beatuy und Pflegeprodukten. Warum Dr. Hauschka in der Drogerie kaufen, wenn man das auch an so einem Ort machen kann? Nebenan gibt es das Café Hochland. Es ist eine einfach gehaltene Version von Starbucks-Nachahmern. Der Kaffee und der Kuchen sind gut und man kann dort lange verweilen. Die Atmosphäre könnte netter sein. Doch gerade weil dort so eine ungezwungene Atmosphäre herrscht und man ja trotzdem guten Kaffe bekommt, gehen wir auch mal dort hin.
Eigentlich wollen wir schon in den Bus steigen, doch ich erzähle euch an dieser Stelle, wo in der Innenstadt ich mich am liebsten aufhalte.

Zum Einen ist das die Schulstraße. Hier reihen sich ein tolles Lokal oder Geschäft neben dem andern. Ein Miniladen für Bio-Lebensmittel, das Café apéro (ich berichtete hier), selbst das Brillengeschäft sieht toll aus, der Blumenladen Fleur In und in einer Passage, die sich nach links hin öffnet, findet man die Suppenküche Elisabeth. Bei gutem Wetter sitzt man draußen und schaut auf uralte Gegenstände im Schaufenster eines Antiquitätenladens. Bei schlechterem Wetter sitzt man mit fremden, hungrigen Menschen nebeneinander am Tisch und freut sich über die guten, warmen Suppen. Ganz viel Liebe steckt hier drin. Kein Wunder also, dass das Elisabeth zur Mittagszeit immer proppenvoll ist.

Mit dem Kinderwagen kann man leider nicht die Abkürzung (Treppen) zum Stadtkirchplatz nehmen, also macht man einen kleinen Umweg über die Ludwigstraße (hier ist der zweite  dm mit Wickelplatz). Diese Seitenstraße beherbergt das Café Zoo. Ich mag die Stimmung dieses ehemaligen Zoogeschäfts und es gibt Mittagsgerichte, die innerhalb von wenigen Minuten bereit sind. Ansonsten wirkt die Bar auch nicht schlecht. Bisher saß ich nur unten, weil das mit Kinderwagen eben freundlicher ist. Gehen wir die Straße weiter, kommen wir zum Marktplatz. Aktuell ist der Platz mit dem Weihnachtsmarkt verbaut, sonst findet hier der Wochenmarkt statt. Und Achtung - schaut man hoch auf die Häuserfront, sieht man eine Kuh. So blöd das auch klingt, ich schaue da jedes Mal hoch.
So, wir steigen endlich in den Bus, in Richtung Mathildenhöhe. Darmstadt ist bereits auf der Autobahn als Zentrum des Jugendstils ausgeschrieben und hier kommt man in eines seiner Zentren. Doch davon ein anderes Mal.




Wir steigen an der Haltestelle Spessartring aus und ganz plötzlich überkommen mich sentimentale Gefühle. Als ich das erste Mal hier in dieser Ecke war, waren wir frisch zusammen und ich noch nicht schwanger. Und als ich in diesem einen Winter lange krank war, liefen wir den Spessartring an einem Sonntag hoch, liefen zur Rosenhöhe und auf dem Rückweg tankten wir im Café Gretchen wieder auf. Das war auch mein eigentliches Ziel dieses Nachmittags. Manchmal geraten nette Cafés in Vergessenheit, weil wir nicht gerade "um die Ecke" sind. Und da mein Freund nicht mehr in Darmstadt lebt, sind wir meistens in einem anderen Stadtteil. Nachdem wir uns mit dem Kinderwagen ein wenig durch die enge Eingangstür quetschen müssen, finden wir ein gemütliches Plätzchen. Ich esse ein leckeres, sehr großes Stück Rüblikuchen, das herrlich nach Nuss und Rüben schmeckt. Und ich habe einen Moment ganz für mich. Anton schläft im Wagen, weil er gesundheitlich nicht fit ist, und ich genieße diese Zeit sehr. Ein Blick in die aktuelle Ausgabe der Couch (danke Lisa!) und ein bisschen Lauschen bei den Nachbarsdamen, die sich über Speeddating unterhalten. Wir bleiben eine Stunde dort, es wird nun richtig dunkel. Ja, der Frühwinter ist da. Den kann man nicht mehr verdängen. Wir verlassen also das blümchengemustertetapeten Café und laufen den Ring runter. Wir entdecken einen Spielplatz, der einen Bereich für größere und einen Bereich für kleinere Kinder hat. Das finde ich großartig. Und mache schnell ein paar Fotos, um mir diesen Ort zu merken. Viel zu wenige Spielplätze haben Babyschaukeln und ordentliche Kleinkindrutschen. Und wie wär's mal, die Parkbänke ein wenig näher an den Sandkastenrand zu stellen? Naja, wir laufen weiter und biegen rechts in die Liebfrauenstraße ein.


Hier werde ich noch ein wenig sentimentaler. Mein Freund wohnte in dieser Straße in einem wunderschönen Altbauhaus. Ich habe es gliebt, hieherzu kommen, mich so wohl zu wühlen und von meiner Base aus die Stadt kennenzulernen. Wir sind nämlich im hippsten und schönsten Viertel Darmstadts - im Martinsviertel. Es gibt fast nur Gründerzeithäuser mit tollen Innenhöfen oder -gärten. Es ist schon sehr dunkel, aber ich liebe es, in die beleuchteten Innenräume zu blicken. Und gerade in den vielen Designbüros brennen noch die Lichter. Vor manchen Fenstern halte ich sogar kurz inne, schaue mir ihre Einrichtung an. Ja, hier gibt es wirklich ein bestimmtes Lebensgefühl. Eigenartig, dass Darmstadt einem so etwas bietet. Ich hätte das nie vermutet. Wir laufen ein paar Straßen kreuz und quer, einfach, weil ich mich so gerne an "früher" erinnere und danach laufen wir zielbewusst zur Liebfrauenstraße. Links eine Änderungsschneiderei. Ich bleibe kurz stehen, weil mich die vielen Garnrollen an der Wand so faszinieren. Und gleich werde ich von dem Besitzer freundlich angesprochen. Eine Hausnummer weiter ein Beautysalon, den ich mir jedes Mal ansehe. Vielleicht sollte ich mir einfach mal dort einen Temrin geben lassen? (Das wäre doch mal die Geschenkidee für Weihnachten!) Zwei, drei Hausnummern weiter dann das Lejla. Hier war ich schon ewig nicht mehr und dabei ist es doch so besonders. Dieses Geschäft ist ein Second Hand Laden mit hochwertigen und preiswerten Kleidungsstücken, mit sehr vielen Ledertaschen, ausgesuchten, neuwertigen Artikeln und ein paar Kindersachen. Als ich schwanger war, kaufte ich dort eine Jeans für Anton und kam mit der Besitzerin ins Gespräch. Sie und ihre Mann führen diesen Laden mit so viel Liebe, das kommt direkt rüber. Die "Kinderabteilung" ist nicht sehr groß, aber die einzelnen Teile waren sehr günstig. Stöbern kann man ja immer.


Anton macht nicht mehr mit, er hat Hunger und ich könnte mich in den vielen Second Hand Teilen verlieren (ein grauer Egg-shaped Cos Mantel für 70 Euro), deshalb gehen wir weiter. Am Friedrich-Ebert-Platz finden wir wieder einen großen Spielplatz. Nur ist uns heute nicht nach Spielplatz. Wir befinden uns nun in der Schuhknechtstraße. Dort, wo sich letztens noch ein Kindersecond Hand Laden befand, ist nun ein neuer Kindersachenladen mit ausgewählten Second Hand Stücken drin. Mir gefällt es hier. Wie eine kleine Boutique, nur dass man sich nicht peinlich berührt fühlt, wenn man ohne Einkauf wieder raus geht. Ein Raum, der mit einer Fensterfront versehen ist. Nur wenige Schritte weiter sitzen einige Leute bei diesem Wetter noch draußen im Bistro Carpe Diem. Ich weiß nicht, was dieses Café an sich hat, aber es umgibt eine kultige Aura. Eigentlich sieht es gar nicht so einladend aus, aber hier entscheidet wohl die Lage. Oder ist teste einfach mal das Angebot. Gegenüber erkenne ich das Schwarz-Weiß-Café wieder. Wir waren hier einmal frühstücken, im Sommer, schon lange her. Draußen bei gutem Wetter ist dieser Platz ein toller Ort. Man findet hier auch noch einen Einrichtungsladen mit dem Namen Grüner Salon. Etwas kitschig, etwas zu viel Pünktchen und Schleifchen, aber dennoch wird man hier fündig.
Mir ist irgendwie ganz warm ums Herz. Hach, ich mag Darmstadt einfach. Und ich könnte mir tatsächlich vostellen, hier zu wohnen. Aber dann bitte in einer schönen Altbauwohnung, mit Garten versteht sich, und mit dem ganzen Mainzer Umfeld inklusive Uni.




Wir sind jetzt am Eingangstor zum Herrngarten. Auch hier habe ich nur schöne Erinnerungen. Es gibt einen kleinen Weiher mit vielen Enten, einen Aktivspielplatz, links die Hochschule, im Sommer sind die Wiesen voller Studenten. Wir kommen am Prinz-Georg-Garten vorbei, einen Lustgarten. Und dann das Hessische Landesmuseum (ich erinnert euch vielleicht an meinen Bericht). Wir haben zu wenig Zeit, um den ausgestopften Tieren und den Ritterrüstungen einen Besuch abzustatten, aber bald! Die aktuelle Ausstellung über Karl den Großen interessiert mich. Ganz nah am Museum im Herrngarten gibt es einen wirklich schönen Spielplatz für kleine und große Kinder. Anton und ich haben dort vor ein paar Wochen eine tolle Stunde erlebt. Jetzt ist aber alles dunkel und wir ziehen weiter. Wir gehen über die Schleiermacherstraße und die Zeughausstraße zur Luisenstraße, die zum Luisenplatz führt. Hier ist es nicht besonders schön. Es sind Verbindungsstraßen zur Innenstadt. Doch auch hier arbeitet jemand fleißig im Licht und ich bleibe stehen, um mir das genauer anzusehen. Und dann ein paar Schritte weiter sieht man ein mit Bäumen bewachsenes Haus, die Galerie Netuschil. Ein grünes Haus. Ich mag es sehr. Ich bleibe an der Garage stehen, weil ich interessante Formen finde. Meine Handykamera macht einfach keine guten Fotos im Dunkeln und ich beschließe, bald mit der Spiegelreflexkamera zu kommen und zu fotografieren. Nun sind wir also wieder am Luisenplatz - Dreh-und Agelpunkt der Innenstadt. Der Weihnachtsmarkt ist schon eröffnet und wir schauen einer Mini-Eisenbahn dabei zu, wie sie ihre Runden dreht. Anton ist völlig fasziniert. Bestimmt möchte er auch bald darin sitzen. Auf dem Platz warten wir auf meinen Freund, der von der Arbeit kommt, und fahren gemeinsam mit dem Zug nach Hause.





26.11.2014

one tiny little story


Letzte Woche beim Kinderarzt.
Anton hatte einen Impftermin und ich den ganzen Tag ein schlechtes Gewissen. Normalerweise stehe ich dazu, dass wir Anton impfen (und hier wünsche ich keine Diskussionen zum Thema Impfen :) ), doch an diesem Tag fand ich es einfach doof. Weil ich weiß, dass es ihm danach schlecht geht und weil ich weiß, dass er sich an den Stich erinnert. Autsch. Aber nachdem ich diesen Termin schon einmal verschoben hatte, mussten wir eben durch. Normalerweise kommen wir schnell dran, doch dieses Mal sollten wir eine Stunde warten. Und um die kleinen Geschehenisse in dieser langen Wartestunde geht es mir. Ich war ganz die Löwenmutter, im wahrsten Sinne des Wortes. 

Anton beschäftigte sich erstmal selbst richtig gut. Er schaute sich die anderen Kinder an, hangelte sich von einem Stuhl zum anderen und schaute ins Vorzimmer. Später las ich ihm sein aktuelles Lieblingsbuch vor und er blätterte es im Stehen oder im Sitzen auf meinem Schoß durch. Dann kam aber ein Junge, nennen wir ihn mal Dennis, und wollte mitlesen. Ich kenne Dennis' Eltern vom Bus und finde sie ziemlich eigenartig. Sie achten kaum auf ihr Kind und lassen jeden Quatsch durchgehen. Aber nicht nur seine Eltern sind eigenartig, auch Dennis selbst ist ein komisches Kind. Dennis stellte sich also neben Anton an den Stuhl und wollte das Buch auch durchblättern. Ich war sehr nett zu ihm, ließ ihn eine Seite blättern, dann Anton die nächste. Warum auch nicht, die Kinder können ja gemeinsam spielen. Aber irgendwann ließ Dennis nicht mehr locker und wollte ständig das Buch haben. Aber wie soll sich Anton denn wehren? Er ist so ein lieber und vor allem kleiner Junge. Und Dennis konnte laufen und reden. Dann fing Dennis an, auch noch Anton anzufassen und lief mit dem Buch weg. Und gab es nicht mehr her. Sein Vater schlief währenddessen. Auch später noch, im Behandlungszimmer, kam der stinkende (kaka gemacht erzählte er mir) Dennis ständig zu uns.

Dieser Junge war nicht unbedingt gemein und auch nicht böse, aber er hat richtig genervt. Anton soll ruhig mit anderen Kindern spielen und seine Sachen mit ihnen teilen, aber vielleicht störte mich an diesem Tag einfach, dass der Junge das machte, was er wollte. Und dass ihm der Vater überhaupt keine Beachtung schenkte. Ich merke einfach, wie sehr ich Mama bin, weil ich direkt auf Habachtstellung war und meinen Buben verteidigen wollte.

24.11.2014

Buchtipp: Völlig fertig und irre glücklich


Ich wollte den richtigen Moment abwarten und Zeit haben, wenn ich mit der Lektüre von "Völlig fertig und irre glücklich" beginnen würde, weil ich genau wusste, wie es mich einnimmt.

Und genau so war es. In nur wenigen Busfahrten zur Uni war ich mit dem wunderbaren Buch durch - und wer Okka's Blog Slomo kennt, der weiß, ihre Worte lesen sich wie Butter.


Es ist ein herzerwärmendes, ehrliches Buch, das mich berührt. Nicht selten hatte ich Mini-Tränen in den Augen und schniefte im Bus. Okka schreibt im Tagebuchstil über ihre Schwangerschaft und die ersten beiden Jahre mit ihrer Tochter Fanny. Sie beschreibt ihre Gefühle und Ängste, ihre Freude und viele wunderbare Momente, die sie erlebt, ohne dabei irgendwelche Paradigmen oder Schemata aufzustellen. Ganz liebevolle Worte findet sie für ihren Mann, mit dem sie zwar auch hin und wieder wegen Nichtigkeiten streitet, für den sie aber immer eine tiefe Liebe verspürt. Er wird auch ganz bewusst Teil dieses Buchs, indem ein paar seiner Texte Raum finden. Es ist wirklich interessant, dieselbe Situation aus der Sicht eines Mannes zu lesen. Man selbst darf Okkas Entwicklung von der schwangeren Frau (und manchmal auch davor) zur liebevollen Mutter mitverfolgen. Man freut sich nach dem ersten Drittel so sehr über dieses kleine Bündel, das geboren wurde, dann über jeden noch so kleinen Schritt und das Glück, das diese Familie erlebt. Zwischendurch gibt es Listen der unerwarteten, schönen und manchmal doofen Schwangerschaftsgefühle, von Dingen, die sie ihrem Kind irgendwann zeigen möchte und Aufzählungen von Dingen, die sie tun möchte. Typisch Okka eben. Neologismen, Wortzusammensetzungen, Listen. Ihr ganz persönlicher Schreibstil. (Zuletzt hatte ich vielleicht zu viel davon, grundsätzlich mag ich es aber, einen Stil durchgehend lesen zu können.) Berührend sind immer wieder die Briefe an ihre Tochter Fanny, die man auch auf ihrem Blog nachlesen kann.

Wahrscheinlich sind es die vielen Analogien zu unserer kleinen Familie, zumindest ihr sehr persönlicher und berührender Einblick in ihren Familienalltag, der dieses Buch so besonders macht. Ich kann es wärmstens empfehlen.

Und weil Okka so gut Dinge beschreiben kann, die wohl die meisten erleben, aber sie nicht so gut in Worte fassen können, hier zwei Auszüge:

1. Dezember
[...] So sind unsere Tage jetzt: Aus der Zeit gefallen, es gibt gerade kein Gestern und kein Morgen mehr, nur Momente und Bedürfnisse. Ich wache aus meinem Halbschlaf auf, weil sie wach ist, weil sie schreit, weil sie Hunger hat. Ich stille sie, ich wickle sie, ich trage sie von einem Zimmer ins nächste, lege sich vom Sofa aufs Bett und vom Bett aufs Sofa, lege sie mir auf den Bauch, draußen wird es dunkel und wieder heller und wieder dunkel, so richtig hell wird es überhaupt nicht mehr, wir machen das Licht im Wohnzimmer selten aus.

(Jetzt wisst ihr, was frischgebackene Mütter den ganzen Tag machen.)

25. Mai
[...] Ein Kind zu haben, bedeutet loszulassen, Abschied zu nehmen, immer wieder und von Anfang an. Die Geburt, das allererste Abnabeln, ganz wortwörtlich, das Ende der Schwangerschaft. Das Abstillen. Das Krabbeln und Gehen. Jeder Schritt ein Schritt von den Eltern weg. Nicht immer fühlt sich das furchtbar dramatisch an. Ich habe es gemocht, meinen Körper nach dem Abstillen wieder für mich alleine zu haben. Ich habe mich schrecklich gefreut, als Fanny es zum ersten Mal geschafft hat, von einer Sofaecke zur anderen zu robben. Und ihre ersten Schritte, ausgerechnet am Weihnachtsabend, das schönste Geschenk überhaupt. Trotzdem mischt sich in die Freude immer wieder dieses Ziepen. Warum vergeht die Zeit plötzlich doppelt so schnell wie früher? Und woher kommen plötzlich all diese »eben nochs«? Hat sie nicht eben noch zum ersten Mal gelächelt und »Mama« gesagt? Bin das nur ich, oder kennen auch andere Eltern die Melancholie, die einen überfällt, sobald einem klarwird, wie schnell das Glück des Neuen wieder vorbei sein kann, wie schnell überhaupt alles vorbei sein kann, wie unendlich endlich alles ist? Noch zwei Mal blinzeln, und sie mach Führerschein. Drei Mal blinzeln, und ich bin Großmutter.

21.11.2014

CampusMum: Annika


In der Reihe CampusMum stelle ich euch Frauen vor, die neben Kind und Kegel noch ein Studium meistern. 
Ich frage sie nach ihrem wie, was und warum.



In der zweiten Runde CampusMum stelle ich euch heute Annika vor. Annika ist (fast) 29 Jahre alt und wohnt mit ihrer Familie in Wuppertal. Sie schreibt das Blog lebenpurmutterglück füttert ihren Instagram-Account ganz fleißig mit Fotos ihres süßen Sohns Jannis. Jannis ist jetzt 10 Monate alt und ein kleiner Wirbelwind. In ihrer freien Zeit singt sie, nicht nur zu Hause, sondern auch im Chor.


Annika, ich freue mich sehr, dass du beim Interview mitmachst! Was studierst du denn, in welchem Semester bist du und auf welche Uni gehst du?

Ich studiere auf Lehramt GHR H/R (Staatsexamen für Grund-, Haupt-, Realschulen) die Fächer Evangelische Theologie, Geschichte und Deutsche Didaktik. Ehrlich gesagt weiß ich mein Semester gar nicht mehr *schäm*, ich habe im Wintersemester 2006/07 angefangen zu studieren. Mit einem Urlaubssemester wegen Krankheit. Ich bin im Examen, also mit allen Veranstaltungen durch, wie heißt es so schön, "scheinfrei". Drei schriftliche Staatsprüfungen habe ich hinter mir. Es fehlen noch zwei mündliche Prüfungen (60 min jeweils), meine Examensarbeit (60-80 Seiten) und schließlich das Abschlusskolloquium in Erziehungswissenschaften im Mai/Juni 2015.
Ich studiere an der Bergischen Universität Wuppertal.


Du bist also mitten im Examen schwanger geworden. Darf ich fragen, ob es geplant war, am Ende des Studiums schwanger zu werden? Und wie war es, schwanger zu studieren? Hattest du mit der Schwangerschaftsdemenz zu kämpfen? :)

Also ich bin indirekt geplant schwanger geworden. Geplant war es nicht. Mein eigener Plan war es immer, vor dreißig mindestens ein Kind zu haben. Aber eigentlich nach dem Abschluss. Ich liebe Kinder, aber eigentlich wollte ich schon alles geregelt haben vorher. Zu dem Zeitpunkt als Jannis entstanden ist, hatte ich gerade eine schriftliche Examensprüfung hinter mir und wollte mich für die Examensarbeit anmelden. Auch mein Inhaltsverzeichnis usw. hatte ich schon fertig. Sven und ich waren gerade 6 Jahre zusammen. Es war Vatertag, der 09.05. und ich hatte meinen Eisprung. Einmal unverhütet und schon war Jannis entstanden. Also geplant aus einer heiteren Stimmung. Am 23.5. hatte ich meinen ersten positiven Test in der Hand und unser Leben hatte plötzlich einen anderen Sinn. Einen besseren.
Ich hatte eigentlich vor, bis Dezember 2013 zu Ende zu studieren, aber mir war sehr übel und hatte einmal Blutungen. So wurde alles verschoben. Eine Examensprüfung habe ich schwanger im September geschrieben. Das war echt schwer. Demenz lässt wirklich grüßen. Ich hatte gedacht, mit Baby könnte ich weiter studieren, aber Jannis ist so ein lebhaftes Kind. Das ist gut so, aber so mache ich meinen Abschluss hoffentlich im Mai 2015.


Ist also das Studienende für dich der perfekte Zeitpunkt, um schwanger zu werden oder rätst du interessierten Vielleichtschwangeren, eher auf den Abschluss zu warten?

Mmh. Der perfekte Zeitpunkt für das Kinderkriegen gibt es nicht, glaube ich. Ich glaube, am Studiumende bzw. während des Examens ist es schwierig mit den Prüfungen. Aber es wäre vielleicht leichter, wenn man z. B. die Masterarbeit schreibt, während man schwanger ist, und dann, wenn das Kind da ist, jede Menge Zeit hat. Aber wenn man eine komplizierte Schwangerschaft hat, könnte dies z. B. wieder schwer sein.
Ich glaube, aus jetziger Erfahrung zu sprechen, ist es gut, wenn der Partner bzw. einer von beiden ein geregeltes Einkommen hat. Mein Ehemann ist auch Student und hat einen 400 Euro Job. Ich bekomme 300 Euro Elterngeld als Student und das Kindergeld. Den Rest nur durch StudienKredit und Hilfe der Eltern finanziert. Das heißt, alles ist ein wenig knapp bemessen. Ich würde als Studierende erst schwanger werden, wenn es finanziell möglich ist und man auch die Möglichkeit der Unterstützung hat, dass jemand auf's Baby achten kann, wenn man lernen muss.


Super, dass du auch gleich die Frage der Finanzierung beantwortest! Wenn ich dich richtig verstanden habe, dann nutzt du zwei Jahre Elternzeit aus, um dich in dieser Zeit ganz deinem Sohn widmen zu können. Vermisst du manchmal die Uni?

Ob ich die zwei Jahre Elternzeit ausnutze, ist nicht so richtig. Klar, ich "arbeite" zwei Jahre nicht, aber ich muss mein Examen machen und ich gehe montags für drei Stunden arbeiten. Ich würde gerne mehr Zeit mit Jannis verbringen, ohne schlechtes Gewissen im Hinterkopf. Immer zu wissen, du musst fertig werden, wir haben kein Geld, usw. Daher wird Jannis schon im Kindergarten in einer U 2 Gruppe eingewöhnt, sodass ich bald meine Examensarbeit anfangen kann. Dann ist er irgendwann vormittags im Kindergarten und ich kann in der Bibliothek schreiben. Glücklicherweise liegt der Kindergarten auf dem Weg zur Uni.
Ich fange im November 2015 mit dem Referendariat an, weil es nicht anders geht, hier in NRW fängt man entweder im Mai oder im November an.
Weil Jannis so überraschend in mein Leben kam, hat sich vieles geändert. Aber ich weiß jetzt schon, dass ich beim zweiten Kind vieles anders haben möchte. Ich möchte mich dann voll und ganz auf das Kind konzentrieren und mir keine Sorgen wegen Geld und Ausbildung machen müssen. Daher ist unser zweites Kind erst in 4-5 Jahren geplant.
Ich vermisse das Studium. Aber ich war ja an sich auch schon vor Jannis fertig. Aber ich vermisse das Beisammensein mit Gleichaltrigen ohne Kinder - obwohl ich Jannis liebe ohne Ende. Aber ich bin auch noch ich. Ich saß immer gerne - besonders in Theologie - in den Seminaren und habe mitdiskutiert. Trotzdem finde ich es auch toll, Studentinnen zu treffen, die Mamas sind, und sich auszutauschen. Das gibt einem ein gutes Gefühl. Wir lieben unsere Kinder und bilden uns weiter.



Wie organisierst du dir die freie Zeit, um für deine Examensarbeit zu recherchieren?

Jannis wird wie gesagt in der Nestgruppe eingewöhnt, da sind zwei Erzieher und eine Kinderkrankenschwester. Es sind maximal 10 Kinder anwesend, aber meistens eher 5-6. Er könnte von 7-12 Uhr in die Gruppe gehen und von 14-16 Uhr. Das ist mir zu viel. Wenn er eingewöhnt ist, werde ich drei Stunden in die Bibliothek gehen. Falls ich mehr Zeit brauche, wird der Papa aufpassen. Die Großeltern wohnen beide leider nicht in Wuppertal und sind noch voll berufstätig. Da fehlt die Hilfe. Im Notfall würde meine Mutter auch einspringen.
Da ich bis jetzt noch so gut wie voll stille (wir machen Baby led weaning, damit ersetzen wir aber bis jetzt nichts) und er auch absolut keine Flasche nimmt, ist meine freie Zeit sehr eingeschränkt. Aber so muss man halt die Zeit effektiv nutzen.


Hast du zum Abschluss noch einen ultimativen Tipp für studierende Mütter oder etwas, das dir bei diesem Thema wichtig ist und du uns mitgeben möhtest?

Ich liebe Kinder, sie sind eine Bereicherung für das Leben. Ich würde niemanden, der sich sehnlichst ein Baby wünscht, diesen Wunsch abschlagen wollen. Aber ein Baby bedeutet viel Arbeit und daher ist es wichtig, vorher einen guten Rahmen zu haben. Das bedeutet die Finanzierung muss geklärt sein, Betreuung sollte organisiert sein, seien es Großeltern, Tagesmutter, Kindergarten, (es gibt auch Unikindergärten - leider waren bei uns ewig lange Wartelisten), Familie, Babysitter o. ä.. Am schönsten wäre auch eine Auszeit, ein oder zwei Urlaubsemester, die Babyzeit kommt nie wieder und daher ist es wichtig viel gute Zeit mit den kleinen zu haben. Daher gehört meine volle Aufmerksamkeit nach dem Lernen meinem liebsten Babyjungen ♡


Liebe Annika, ich danke dir für deine Zeit und deine offenen Worte! Und ich wünsche dir viel Power für die Recherche und das Schreiben deiner Examensarbeit!



Alle bisherigen Interviews der Reihe CampusMum findet ihr hier. Und hier kommt ihr zu allen Artikeln, die sich mit dem Thema Studieren mit Kind beschäftigen.

19.11.2014

one tiny little story


Kennt ihr das? Ihr seid im Supermarkt, da hört ihr ein Kratzen und ein Schreien, ein Strampeln und Gezeter. Ein Kind liegt auf dem Fußboden und schreit, weil es das Eis nicht bekommt. Und ihr dreht euch peinlich berührt um und denkt euch: "Meine Kinder werden so nicht sein."

Es ist Montag Abend. Anton und ich müssen noch schnell in den Supermarkt bei uns um die Ecke, um die Einkäufe für das Abendessen zu erledigen. Auch mit Einkaufsliste brauche ich manchmal ein bisschen länger, wenn ich nicht weiß, auf was ich Hunger habe; erstmal inspirieren lassen. Zum Glück ist meine Einkaufstasche fast fertig gepackt und ich stehe "nur" vor dem Schokoladenregal, als meine Ohren plötzlich zu vibrieren anfangen. Es gibt einen ganz lauten und schrillen Schrei - direkt aus dem Mund meines Kindes. Mein lieber junger Mann hat am letzten Wochenende nämlich entdeckt, wie er seine Stimme noch einsetzen kann. Und es reicht ja nicht, nur einmal laut zu schreien, nein, es macht erst richtig Spaß, wenn auch jeder im Supermarkt diesen kleinen Menschen gehört hat. Sehr zum Leidwesen der Mutter. Peinlich ist es mir überhaupt nicht, nur unangenehm. Es ist so hoch und so schrill und so häufig. Das Schlimmste daran ist vielleicht, dass man daraufhin ganz genau beobachtet wird. Wie geht sie denn mit ihrem Kind um? Und wie sagt man denn seinem Baby, dass es aufhören soll, wenn es solchen Spaß an diesem Unfug hat? Nach etlichen Versuchen (mit warnender Stimme, ernstem Gesichtsausdruck etc.) löse ich die Situation geschickt an der Kasse und nachdem Anton die Miteinkäufer und die Kassiererin anlächelt, ist sowieso schon alles wieder vergessen.

Gelernt habe ich, dass ich nicht so schnell wieder denke: "Meine Kinder werden so nicht sein."

17.11.2014

Termine Termine

Ich habe gleich zwei Termine für alle Mainzer und Wiesbadener Mütter und vielleicht auch für alle (Mütter), die Lust haben, Mainz einen Besuch abzustatten.

Die Zeit der Kindersachenbasare ist nun vorbei, aber es gibt trotzdem noch einmal zwei Möglichkeiten, Kinderkleidung oder Spielsachen zu kaufen. Wir brauchen eigentlich nichts mehr, aber das ein oder andere Buch wäre nicht verkehrt, oder vielleicht ein besonderes Kleidungsstück?


Am Donnerstag, den 27.11.2014, findet im Wilden Leben in der Wallaustraße ein Kinderflohmarkt statt. Die Sachen sind für Babys und Kinder im Alter von 0-4 Jahren und bei hausgemachtem Kuchen und gutem Kaffee kann eingekauft und gequatscht werden. Die Hebamme Anne von der Hebammenpraxis "Die Oase" wird von 15-17 Uhr alle Fragen zum Thema Baby beantworten und es gibt einen Stand von fuchsia - Häkelmode für Kinder. Ab 15 Uhr fängt der Verkauf an. Die aktuellsten Infos findet ihr hier.

Am Freitag, den 28.11.2014, findet auf dem Unigelände im Philosophicum wieder der allhalbjährliche Campus Flohmarkt statt. Es gibt dieses Mal einen Kindersachenbereich mit Spielecke für die Kleinen. Die Infos hierzu findet ihr unter diesem Link. Verkauft wird von 14-19 Uhr.


Wer also noch eine oder zwei Runden Babysachen shoppen möchte, der hat zwei ganz tolle Gelegenheiten dazu.

15.11.2014

unsere Deko zum ersten Geburtstag



Vor einige Wochen hatte ich euch mein Moodboard zur Geburtstagsfeier gezeigt und heute möchte ich einen kleinen Einblick geben, wie ich das Wolkenthema umgesetzt habe.

Meine Devise war, Teile meines Bastelbestands aufzubrauchen und nicht immer wieder Neues zu kaufen. Ich habe so einen großen Fundus an zusammengetragenen und -gekauften Papieren, Bändern und Dekoartikeln, dass ich für Antons 1. Geburtstag gar nicht viel Geld ausgeben, sondern meine Sammlung nutzen wollte. Außerdem versprach ich meinem Freund, dass ich nicht übertreiben würde und dass ich nur so viel gestalte, wie meine Zeit es zulässt. Deshalb habe ich Vieles schlicht gehalten und nicht jede Zimmerwand dekoriert. Daher ist auch das Wolken-Thema letztes Endes gar nicht mehr so dominant. Doch das störte mich auch nicht weiter.



Bei den Einladungskarten nutzte ich das Online-Bildbearbeitungsprogramm Picmonkey, um den Text zu erstellen, den ich dann mit dem Drucker als blauen Print auf grauem Karton ausdruckte. Dann kamen graue, gestempelte Wolken hinzu und aus Tonpapier ausgeschnittene Wolken. Eine Wolke wurde jeweils mit mehreren Abstandhaltern angebracht, womit ein 3D-Effekt erzielt wurde.


An der Eingangstür begrüßten Luftballons und ein Plakat mit einem strahlenden Anton und Partyhut die Geburtstagsgäste.

An der Wohnzimmertür hingen alle zwölf Monatsberichts-Fotos, um einen direkten Vergleich machen zu können.

Zwei Schiefertafeln hatte mein Freund in seiner Kindheit in Gebrauch und obwohl sie so wunderschön sind, lagen sie seit einigen Monaten ganz weit unten in der Schublade. Ich wusste einfach nicht, was ich mit ihnen anstellen sollte. Ich schrieb ein paar Daten zu Antons Geburt auf. Schrifttechnisch ist das natürlich nichts. Beim nächsten Mal würde ich wohl einen Schriftzug ausdrucken und diesen übertragen.



Auf die Kordel befestigte ich ein paar wichtige Dinge mit Wäscheklammern. Ein Bauchfoto, ich im Kreißsaal, der Kreißsaal, ein ein Tag alter Anton, sein erster Body, der ihm damals noch zu groß war, sein Namensbändchen, die Einladungskarte und ein Foto, auf dem Anton mit seinem Lieblingsbuch "Antons ganze Welt" zu sehen ist.

Auf einer Kommode baute ich den "Geburtstagsschrein" auf. Wieder ein paar Fotos, ein Plakat mit Antons Namen, sein Lieblingsbuch, Tonpapierwolken in weiß und blau auf Geschenkband, Konfetti und ein paar Geschenke.

Die Idee für eine Art Gästebuch habe ich auf Pinterest entdeckt. Ich steckte eine von mir gemalte Wolke in einen blauen Bildrahmen und jeder Besucher konnte sich mit seinem Fingerabdruck, der einem Tropfen gleichen könnte, verewigen. Ich werde dieses Bild für Anton aufheben und ihm irgendwann schenken.




Die Tischdeko war auch sehr schlicht. Wir hatten weiße Tischdecken mit weißem Geschirr. Antons blauen Teller verzierte ich mit blauen Klebe-Wolken und die Servietten bestempelte ich mit Wölkchen. Mit einem Himmel-und-Wolken-Transparentpapier umhüllte ich Teelichte, die als kleinen Farbtupfer dienten. Ansonsten lag Geschenkband (das ein bisschen an Luftschlangen erinnerte), auf dem Tisch und hing an der Lampe.

Der Geburtstagskuchen bekam natürlich eine blau-weiße Kerze und eine Wolkengirlande. Für die Muffins hatte ich aus weißer Schokolade Wolken gegossen und diese auf die schwarze Schokolade "aufgeklebt". Außerdem steckten überall noch mit Wolken beklebte Zahnstocher in den Muffins.




Ihr seht also, schlicht und sehr einfach war unsere Geburtstagsdeko. Nach seinem Mittagsschlaf zeigte ich Anton das ganze Zimmer und er schaute ganz interessiert und freute sich darüber. Ihm gefielen die "Luftschlangen" und die Bilder sehr gut. Allein dafür hat es sich schon richtig gelohnt.



13.11.2014

one tiny little story



Momente, die das Zahnen des Babys für die Mama erleichtern:

- ein Partner, der das (wild um sich strampelnde) Kind wickelt und umzieht
- ein Küsschen vom Baby
- ein Baby, das das Kuscheläffchen küsst
- ein Partner, der das Baby ins Bett bringt
- ein die ganze Nacht durchschlafendes Baby
- Kaffee und Kekse
- eine Mauer mit vielen Farbabstufungen auf dem täglichen Weg zum Bus, die einen daran erinnert, dass das Leben gut ist

07.11.2014

Geburtstag


Hurra! Jippie! Yeah!

Mein kleiner Mann ist schon soooo groß (stellt ihn euch vor, wie er seine Arme nach oben nimmt, seine Augen aufreißt und ein Ooo formt) und feiert heute seinen ersten Geburtstag.
Seinen e r s t e n Geburtstag, das ist doch abgefahren, oder?!
Dieses kleine Wesen, das mir vor 366 Tagen noch gegen die Bauchwand getreten hat. Dieser kleiner Mensch, der mir auf die Brust gelegt wurde und der Moment, in dem ich mein Glück kaum fassen konnte (es eigentlich immer noch nicht kann). Diese vielen Augenblicke, in denen das kleine Bündel zu einem kleinen Jungen wurde - das erste Lächeln, das Greifen, das Sich-im-Spiegel-betrachten, das Zur-Seite-Rollen, das Flasche-selbst-halten-können, das Abstillen, das Sitzen, das Hochziehen, das Essen, das erste Mal alleine bei der Tagesmutter, das Alleine-Schlafen-im-eigenen-Zimmer, das An-der-Hand-laufen-wie-ein-Marathonläufer. Und noch so viele mehr.

Ein Jahr Eltern-Sein.


Die Zeit erlaubt es mir gerade nicht, den Monatsbericht fertigzustellen. Ich reiche ihn selbstverständlich nach und zeige euch hier in einer Übersicht, wie sich der kleine Mann verändert hat.

Habt einen wunderschönen siebten November, genießt den Tag und stoßt auf uns an.



Und hier geht's zu allen früheren Monatsberichten:

03.11.2014

Studieren mit Baby // Teil 6 // Wintersemester 2014/15



Seit einer Woche läuft nun das Wintersemester und ich möchte euch wieder einen kurzen Überblick geben, wie es bisher läuft.

Vorbereitungen
In der Woche vor Semesterbeginn hatte ich einen vereinbarten Gesprächstermin mit dem Studienbüro. Ich kam mit zwei gezielten Anliegen (Studienverlauf und Praktikum) und bekam sehr viel Input. Der Studienmanager wies mich darauf hin, welche Dozentinnen Mütter sind und ihre Veranstaltungen auf den Vormittag legen, er gab mir einen Platz für eine eintägige Exkursion und bestätigte meinen aktuellen Studienverlauf. Ich bin "guten Mutes" aus dem Büro gegangen und in das neue Semester gestartet.

Semesterplan
Die Anmeldephase für das aktuelle Semester lief im Juli. Weil wir zu diesem Zeitpunkt bereits wussten, dass wir halbtags eine Tagesmutter für Anton haben würden, hieß das also für mich, die Veranstaltungen auszuwählen, die vormittags stattfinden.
Erstaunlicherweise funktionierte das sehr gut. Ich hatte das Glück, dass die Veranstaltungen besonders gut für mich lagen. Nun heißt das, dass ich zwei Module komplett abschließen kann. Und eine zusätzliche Vorlesung besuche, bei der ich keine Studienleistung erbringen muss. Ich belege also sieben Veranstaltungen und muss in diesem Semester drei Referate, zwei Klausuren und zwei Hausarbeiten schreiben. (Ohje!)

Wochenplan
Am Abend packe ich die Tasche für den nächsten Tag, weil es am Morgen immer etwas stressig wird. Drei Menschen müssen sich innerhalb einer Stunde für den Tag fertig machen und bitte auch gemeinsam frühstücken. Morgens bringe ich Anton mit dem Bus zur Tagesmutter (4 min!) und nach einer kurzen Übergabe kriege ich den nächsten Bus, der direkt zur Uni fährt. Dann habe ich eine Stunde auf dem Campus, in der ich entweder private Dinge am Laptop erledige oder das Lesematerial für die Veranstaltungen kopiere oder in der Bibliothek ausleihe. Viel Zeit ist das jedenfalls nicht. Dann beginnt die erste Veranstaltung, nach einer halben Stunde Mittagspause die zweite. Danach hetze ich zum Bus, der direkt zur Tagesmutter fährt, und hole Anton ab. Das ist also ein ziemliches Gerenne.

Lernen
Ich habe bereits alle drei Referatsthemen erhalten und da ich vor eineinhalb Jahren das letzte Mal ein (Schul-)Referat vorbereitet habe, bedeutet das für mich natürlich Einiges an Arbeit. Meine Studienfächer sind auch sehr textlastig und ich darf im Schnitt 1-3 Werke plus weitere Texte pro Woche lesen. Ich nutze nun die Busfahrten sowie die Abende, um die Texte zu lesen und mich auf die Stunden vorzubereiten. Die Stunde an der Uni am Morgen muss ich für Recherche nutzen. Dienstags habe ich glücklicherweise keine Veranstaltung. Ich habe also die Möglichkeit, an diesem Vormittag ganz viel ab- oder vorzuarbeiten.

Erfahrungen im Uni-Alltag
Und plötzlich hat man ein fieberndes Kind zu Hause. (Die blöden blöden blöden Zähne!!!) Was also tun, wenn es dem Kind schlecht geht und die Tagesmutter die Kinder bei Fieber nicht annimmt? In der ersten Wochen war es mir sehr wichtig, an den Einführungen teilzunehmen. Man lernt die Dozenten kennen, bekommt einen Überblick über den Stoff und die Referatsthemen werden verteilt. Ich schrieb meiner Dozentin am Morgen, ob es in Ordnung sei, dass ich Anton mitnehmen würde, doch sie antwortete nicht. Ich unverantwortliche Mutter packte Anton ein, nahm noch das Fieberthermometer und die Manduca mit und machte mich auf den Weg zur Uni. Kurz vor Unterrichtsbeginn traf die Dozentin ein, die mir sagte, dass es kein Problem sei, dass Anton dabei ist. In der ersten halben Stunde war Anton ganz gut drauf, er haute auf den Tisch, spielte mit seinem Schnuller und machte Geräusche. In der zweiten halben Stunde schlief er und ich konnte mich komplett auf das Seminar konzentrieren. Als Anton dann aber aufwachte, weinte er und ich ging mit ihm aus dem Raum. Er beruhigte sich ganz schnell, konnte aber nicht mehr einschlafen, und so saß ich die letzte halbe Stunde auf der Bank im Flur. Eine Dame, die in diesem Gebäude arbeitete, kam vorbei und bot sogar an, Anton bei ihr zu lassen. In den letzten fünf Minuten setzte ich mich wieder in den Seminarraum und konnte mir noch ein Referatsthema auswählen und mit der Dozentin über alles Weitere sprechen. Sie bestätigte noch einmal, dass es kein Problem sei, wenn ich Anton mitnehmen müsse und dass es ja gut geklappt habe. Das war mal wirklich familienfreundlich! Dennoch hoffe ich, dass wir nicht so bald wieder in so eine Situation kommen. Am Tag drauf war Anton immer noch nicht fit und mein Freund musste halbtags von zu Hause aus arbeiten. Glücklicherweise kann er das so spontan einrichten.

Mini-Fazit
Schon nach einer Woche kann ich sagen, dass dieses Semester nicht easy wird. Ich bin den halben Tag am Hetzen und nachmittags habe ich einen quietschfidelen Sohn, der bespaßt werden will und keinen Nachmittagsschlaf machen möchte. Dennoch glaube ich, dass ich das gut meistern werde (bzw. dass wir das als Familie gut schaffen werden). Ich habe Respekt vor den Studienleistungen, die mir viel Arbeit abverlangen werden. Und mir ist auch bewusst, dass ich deutlich weniger Zeit für meine privaten Vergnügungen (Freunde treffen, basteln, bloggen, etc.) habe. Und auch wenn ich mich bestimmt häufig ärgern werde, bin ich dennoch sehr dankbar, dass ich studieren kann und auch viel Zeit mit Anton verbringe.