24.11.2014

Buchtipp: Völlig fertig und irre glücklich


Ich wollte den richtigen Moment abwarten und Zeit haben, wenn ich mit der Lektüre von "Völlig fertig und irre glücklich" beginnen würde, weil ich genau wusste, wie es mich einnimmt.

Und genau so war es. In nur wenigen Busfahrten zur Uni war ich mit dem wunderbaren Buch durch - und wer Okka's Blog Slomo kennt, der weiß, ihre Worte lesen sich wie Butter.


Es ist ein herzerwärmendes, ehrliches Buch, das mich berührt. Nicht selten hatte ich Mini-Tränen in den Augen und schniefte im Bus. Okka schreibt im Tagebuchstil über ihre Schwangerschaft und die ersten beiden Jahre mit ihrer Tochter Fanny. Sie beschreibt ihre Gefühle und Ängste, ihre Freude und viele wunderbare Momente, die sie erlebt, ohne dabei irgendwelche Paradigmen oder Schemata aufzustellen. Ganz liebevolle Worte findet sie für ihren Mann, mit dem sie zwar auch hin und wieder wegen Nichtigkeiten streitet, für den sie aber immer eine tiefe Liebe verspürt. Er wird auch ganz bewusst Teil dieses Buchs, indem ein paar seiner Texte Raum finden. Es ist wirklich interessant, dieselbe Situation aus der Sicht eines Mannes zu lesen. Man selbst darf Okkas Entwicklung von der schwangeren Frau (und manchmal auch davor) zur liebevollen Mutter mitverfolgen. Man freut sich nach dem ersten Drittel so sehr über dieses kleine Bündel, das geboren wurde, dann über jeden noch so kleinen Schritt und das Glück, das diese Familie erlebt. Zwischendurch gibt es Listen der unerwarteten, schönen und manchmal doofen Schwangerschaftsgefühle, von Dingen, die sie ihrem Kind irgendwann zeigen möchte und Aufzählungen von Dingen, die sie tun möchte. Typisch Okka eben. Neologismen, Wortzusammensetzungen, Listen. Ihr ganz persönlicher Schreibstil. (Zuletzt hatte ich vielleicht zu viel davon, grundsätzlich mag ich es aber, einen Stil durchgehend lesen zu können.) Berührend sind immer wieder die Briefe an ihre Tochter Fanny, die man auch auf ihrem Blog nachlesen kann.

Wahrscheinlich sind es die vielen Analogien zu unserer kleinen Familie, zumindest ihr sehr persönlicher und berührender Einblick in ihren Familienalltag, der dieses Buch so besonders macht. Ich kann es wärmstens empfehlen.

Und weil Okka so gut Dinge beschreiben kann, die wohl die meisten erleben, aber sie nicht so gut in Worte fassen können, hier zwei Auszüge:

1. Dezember
[...] So sind unsere Tage jetzt: Aus der Zeit gefallen, es gibt gerade kein Gestern und kein Morgen mehr, nur Momente und Bedürfnisse. Ich wache aus meinem Halbschlaf auf, weil sie wach ist, weil sie schreit, weil sie Hunger hat. Ich stille sie, ich wickle sie, ich trage sie von einem Zimmer ins nächste, lege sich vom Sofa aufs Bett und vom Bett aufs Sofa, lege sie mir auf den Bauch, draußen wird es dunkel und wieder heller und wieder dunkel, so richtig hell wird es überhaupt nicht mehr, wir machen das Licht im Wohnzimmer selten aus.

(Jetzt wisst ihr, was frischgebackene Mütter den ganzen Tag machen.)

25. Mai
[...] Ein Kind zu haben, bedeutet loszulassen, Abschied zu nehmen, immer wieder und von Anfang an. Die Geburt, das allererste Abnabeln, ganz wortwörtlich, das Ende der Schwangerschaft. Das Abstillen. Das Krabbeln und Gehen. Jeder Schritt ein Schritt von den Eltern weg. Nicht immer fühlt sich das furchtbar dramatisch an. Ich habe es gemocht, meinen Körper nach dem Abstillen wieder für mich alleine zu haben. Ich habe mich schrecklich gefreut, als Fanny es zum ersten Mal geschafft hat, von einer Sofaecke zur anderen zu robben. Und ihre ersten Schritte, ausgerechnet am Weihnachtsabend, das schönste Geschenk überhaupt. Trotzdem mischt sich in die Freude immer wieder dieses Ziepen. Warum vergeht die Zeit plötzlich doppelt so schnell wie früher? Und woher kommen plötzlich all diese »eben nochs«? Hat sie nicht eben noch zum ersten Mal gelächelt und »Mama« gesagt? Bin das nur ich, oder kennen auch andere Eltern die Melancholie, die einen überfällt, sobald einem klarwird, wie schnell das Glück des Neuen wieder vorbei sein kann, wie schnell überhaupt alles vorbei sein kann, wie unendlich endlich alles ist? Noch zwei Mal blinzeln, und sie mach Führerschein. Drei Mal blinzeln, und ich bin Großmutter.

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