21.11.2014

CampusMum: Annika


In der Reihe CampusMum stelle ich euch Frauen vor, die neben Kind und Kegel noch ein Studium meistern. 
Ich frage sie nach ihrem wie, was und warum.



In der zweiten Runde CampusMum stelle ich euch heute Annika vor. Annika ist (fast) 29 Jahre alt und wohnt mit ihrer Familie in Wuppertal. Sie schreibt das Blog lebenpurmutterglück füttert ihren Instagram-Account ganz fleißig mit Fotos ihres süßen Sohns Jannis. Jannis ist jetzt 10 Monate alt und ein kleiner Wirbelwind. In ihrer freien Zeit singt sie, nicht nur zu Hause, sondern auch im Chor.


Annika, ich freue mich sehr, dass du beim Interview mitmachst! Was studierst du denn, in welchem Semester bist du und auf welche Uni gehst du?

Ich studiere auf Lehramt GHR H/R (Staatsexamen für Grund-, Haupt-, Realschulen) die Fächer Evangelische Theologie, Geschichte und Deutsche Didaktik. Ehrlich gesagt weiß ich mein Semester gar nicht mehr *schäm*, ich habe im Wintersemester 2006/07 angefangen zu studieren. Mit einem Urlaubssemester wegen Krankheit. Ich bin im Examen, also mit allen Veranstaltungen durch, wie heißt es so schön, "scheinfrei". Drei schriftliche Staatsprüfungen habe ich hinter mir. Es fehlen noch zwei mündliche Prüfungen (60 min jeweils), meine Examensarbeit (60-80 Seiten) und schließlich das Abschlusskolloquium in Erziehungswissenschaften im Mai/Juni 2015.
Ich studiere an der Bergischen Universität Wuppertal.


Du bist also mitten im Examen schwanger geworden. Darf ich fragen, ob es geplant war, am Ende des Studiums schwanger zu werden? Und wie war es, schwanger zu studieren? Hattest du mit der Schwangerschaftsdemenz zu kämpfen? :)

Also ich bin indirekt geplant schwanger geworden. Geplant war es nicht. Mein eigener Plan war es immer, vor dreißig mindestens ein Kind zu haben. Aber eigentlich nach dem Abschluss. Ich liebe Kinder, aber eigentlich wollte ich schon alles geregelt haben vorher. Zu dem Zeitpunkt als Jannis entstanden ist, hatte ich gerade eine schriftliche Examensprüfung hinter mir und wollte mich für die Examensarbeit anmelden. Auch mein Inhaltsverzeichnis usw. hatte ich schon fertig. Sven und ich waren gerade 6 Jahre zusammen. Es war Vatertag, der 09.05. und ich hatte meinen Eisprung. Einmal unverhütet und schon war Jannis entstanden. Also geplant aus einer heiteren Stimmung. Am 23.5. hatte ich meinen ersten positiven Test in der Hand und unser Leben hatte plötzlich einen anderen Sinn. Einen besseren.
Ich hatte eigentlich vor, bis Dezember 2013 zu Ende zu studieren, aber mir war sehr übel und hatte einmal Blutungen. So wurde alles verschoben. Eine Examensprüfung habe ich schwanger im September geschrieben. Das war echt schwer. Demenz lässt wirklich grüßen. Ich hatte gedacht, mit Baby könnte ich weiter studieren, aber Jannis ist so ein lebhaftes Kind. Das ist gut so, aber so mache ich meinen Abschluss hoffentlich im Mai 2015.


Ist also das Studienende für dich der perfekte Zeitpunkt, um schwanger zu werden oder rätst du interessierten Vielleichtschwangeren, eher auf den Abschluss zu warten?

Mmh. Der perfekte Zeitpunkt für das Kinderkriegen gibt es nicht, glaube ich. Ich glaube, am Studiumende bzw. während des Examens ist es schwierig mit den Prüfungen. Aber es wäre vielleicht leichter, wenn man z. B. die Masterarbeit schreibt, während man schwanger ist, und dann, wenn das Kind da ist, jede Menge Zeit hat. Aber wenn man eine komplizierte Schwangerschaft hat, könnte dies z. B. wieder schwer sein.
Ich glaube, aus jetziger Erfahrung zu sprechen, ist es gut, wenn der Partner bzw. einer von beiden ein geregeltes Einkommen hat. Mein Ehemann ist auch Student und hat einen 400 Euro Job. Ich bekomme 300 Euro Elterngeld als Student und das Kindergeld. Den Rest nur durch StudienKredit und Hilfe der Eltern finanziert. Das heißt, alles ist ein wenig knapp bemessen. Ich würde als Studierende erst schwanger werden, wenn es finanziell möglich ist und man auch die Möglichkeit der Unterstützung hat, dass jemand auf's Baby achten kann, wenn man lernen muss.


Super, dass du auch gleich die Frage der Finanzierung beantwortest! Wenn ich dich richtig verstanden habe, dann nutzt du zwei Jahre Elternzeit aus, um dich in dieser Zeit ganz deinem Sohn widmen zu können. Vermisst du manchmal die Uni?

Ob ich die zwei Jahre Elternzeit ausnutze, ist nicht so richtig. Klar, ich "arbeite" zwei Jahre nicht, aber ich muss mein Examen machen und ich gehe montags für drei Stunden arbeiten. Ich würde gerne mehr Zeit mit Jannis verbringen, ohne schlechtes Gewissen im Hinterkopf. Immer zu wissen, du musst fertig werden, wir haben kein Geld, usw. Daher wird Jannis schon im Kindergarten in einer U 2 Gruppe eingewöhnt, sodass ich bald meine Examensarbeit anfangen kann. Dann ist er irgendwann vormittags im Kindergarten und ich kann in der Bibliothek schreiben. Glücklicherweise liegt der Kindergarten auf dem Weg zur Uni.
Ich fange im November 2015 mit dem Referendariat an, weil es nicht anders geht, hier in NRW fängt man entweder im Mai oder im November an.
Weil Jannis so überraschend in mein Leben kam, hat sich vieles geändert. Aber ich weiß jetzt schon, dass ich beim zweiten Kind vieles anders haben möchte. Ich möchte mich dann voll und ganz auf das Kind konzentrieren und mir keine Sorgen wegen Geld und Ausbildung machen müssen. Daher ist unser zweites Kind erst in 4-5 Jahren geplant.
Ich vermisse das Studium. Aber ich war ja an sich auch schon vor Jannis fertig. Aber ich vermisse das Beisammensein mit Gleichaltrigen ohne Kinder - obwohl ich Jannis liebe ohne Ende. Aber ich bin auch noch ich. Ich saß immer gerne - besonders in Theologie - in den Seminaren und habe mitdiskutiert. Trotzdem finde ich es auch toll, Studentinnen zu treffen, die Mamas sind, und sich auszutauschen. Das gibt einem ein gutes Gefühl. Wir lieben unsere Kinder und bilden uns weiter.



Wie organisierst du dir die freie Zeit, um für deine Examensarbeit zu recherchieren?

Jannis wird wie gesagt in der Nestgruppe eingewöhnt, da sind zwei Erzieher und eine Kinderkrankenschwester. Es sind maximal 10 Kinder anwesend, aber meistens eher 5-6. Er könnte von 7-12 Uhr in die Gruppe gehen und von 14-16 Uhr. Das ist mir zu viel. Wenn er eingewöhnt ist, werde ich drei Stunden in die Bibliothek gehen. Falls ich mehr Zeit brauche, wird der Papa aufpassen. Die Großeltern wohnen beide leider nicht in Wuppertal und sind noch voll berufstätig. Da fehlt die Hilfe. Im Notfall würde meine Mutter auch einspringen.
Da ich bis jetzt noch so gut wie voll stille (wir machen Baby led weaning, damit ersetzen wir aber bis jetzt nichts) und er auch absolut keine Flasche nimmt, ist meine freie Zeit sehr eingeschränkt. Aber so muss man halt die Zeit effektiv nutzen.


Hast du zum Abschluss noch einen ultimativen Tipp für studierende Mütter oder etwas, das dir bei diesem Thema wichtig ist und du uns mitgeben möhtest?

Ich liebe Kinder, sie sind eine Bereicherung für das Leben. Ich würde niemanden, der sich sehnlichst ein Baby wünscht, diesen Wunsch abschlagen wollen. Aber ein Baby bedeutet viel Arbeit und daher ist es wichtig, vorher einen guten Rahmen zu haben. Das bedeutet die Finanzierung muss geklärt sein, Betreuung sollte organisiert sein, seien es Großeltern, Tagesmutter, Kindergarten, (es gibt auch Unikindergärten - leider waren bei uns ewig lange Wartelisten), Familie, Babysitter o. ä.. Am schönsten wäre auch eine Auszeit, ein oder zwei Urlaubsemester, die Babyzeit kommt nie wieder und daher ist es wichtig viel gute Zeit mit den kleinen zu haben. Daher gehört meine volle Aufmerksamkeit nach dem Lernen meinem liebsten Babyjungen ♡


Liebe Annika, ich danke dir für deine Zeit und deine offenen Worte! Und ich wünsche dir viel Power für die Recherche und das Schreiben deiner Examensarbeit!



Alle bisherigen Interviews der Reihe CampusMum findet ihr hier. Und hier kommt ihr zu allen Artikeln, die sich mit dem Thema Studieren mit Kind beschäftigen.

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