03.11.2014

Studieren mit Baby // Teil 6 // Wintersemester 2014/15



Seit einer Woche läuft nun das Wintersemester und ich möchte euch wieder einen kurzen Überblick geben, wie es bisher läuft.

Vorbereitungen
In der Woche vor Semesterbeginn hatte ich einen vereinbarten Gesprächstermin mit dem Studienbüro. Ich kam mit zwei gezielten Anliegen (Studienverlauf und Praktikum) und bekam sehr viel Input. Der Studienmanager wies mich darauf hin, welche Dozentinnen Mütter sind und ihre Veranstaltungen auf den Vormittag legen, er gab mir einen Platz für eine eintägige Exkursion und bestätigte meinen aktuellen Studienverlauf. Ich bin "guten Mutes" aus dem Büro gegangen und in das neue Semester gestartet.

Semesterplan
Die Anmeldephase für das aktuelle Semester lief im Juli. Weil wir zu diesem Zeitpunkt bereits wussten, dass wir halbtags eine Tagesmutter für Anton haben würden, hieß das also für mich, die Veranstaltungen auszuwählen, die vormittags stattfinden.
Erstaunlicherweise funktionierte das sehr gut. Ich hatte das Glück, dass die Veranstaltungen besonders gut für mich lagen. Nun heißt das, dass ich zwei Module komplett abschließen kann. Und eine zusätzliche Vorlesung besuche, bei der ich keine Studienleistung erbringen muss. Ich belege also sieben Veranstaltungen und muss in diesem Semester drei Referate, zwei Klausuren und zwei Hausarbeiten schreiben. (Ohje!)

Wochenplan
Am Abend packe ich die Tasche für den nächsten Tag, weil es am Morgen immer etwas stressig wird. Drei Menschen müssen sich innerhalb einer Stunde für den Tag fertig machen und bitte auch gemeinsam frühstücken. Morgens bringe ich Anton mit dem Bus zur Tagesmutter (4 min!) und nach einer kurzen Übergabe kriege ich den nächsten Bus, der direkt zur Uni fährt. Dann habe ich eine Stunde auf dem Campus, in der ich entweder private Dinge am Laptop erledige oder das Lesematerial für die Veranstaltungen kopiere oder in der Bibliothek ausleihe. Viel Zeit ist das jedenfalls nicht. Dann beginnt die erste Veranstaltung, nach einer halben Stunde Mittagspause die zweite. Danach hetze ich zum Bus, der direkt zur Tagesmutter fährt, und hole Anton ab. Das ist also ein ziemliches Gerenne.

Lernen
Ich habe bereits alle drei Referatsthemen erhalten und da ich vor eineinhalb Jahren das letzte Mal ein (Schul-)Referat vorbereitet habe, bedeutet das für mich natürlich Einiges an Arbeit. Meine Studienfächer sind auch sehr textlastig und ich darf im Schnitt 1-3 Werke plus weitere Texte pro Woche lesen. Ich nutze nun die Busfahrten sowie die Abende, um die Texte zu lesen und mich auf die Stunden vorzubereiten. Die Stunde an der Uni am Morgen muss ich für Recherche nutzen. Dienstags habe ich glücklicherweise keine Veranstaltung. Ich habe also die Möglichkeit, an diesem Vormittag ganz viel ab- oder vorzuarbeiten.

Erfahrungen im Uni-Alltag
Und plötzlich hat man ein fieberndes Kind zu Hause. (Die blöden blöden blöden Zähne!!!) Was also tun, wenn es dem Kind schlecht geht und die Tagesmutter die Kinder bei Fieber nicht annimmt? In der ersten Wochen war es mir sehr wichtig, an den Einführungen teilzunehmen. Man lernt die Dozenten kennen, bekommt einen Überblick über den Stoff und die Referatsthemen werden verteilt. Ich schrieb meiner Dozentin am Morgen, ob es in Ordnung sei, dass ich Anton mitnehmen würde, doch sie antwortete nicht. Ich unverantwortliche Mutter packte Anton ein, nahm noch das Fieberthermometer und die Manduca mit und machte mich auf den Weg zur Uni. Kurz vor Unterrichtsbeginn traf die Dozentin ein, die mir sagte, dass es kein Problem sei, dass Anton dabei ist. In der ersten halben Stunde war Anton ganz gut drauf, er haute auf den Tisch, spielte mit seinem Schnuller und machte Geräusche. In der zweiten halben Stunde schlief er und ich konnte mich komplett auf das Seminar konzentrieren. Als Anton dann aber aufwachte, weinte er und ich ging mit ihm aus dem Raum. Er beruhigte sich ganz schnell, konnte aber nicht mehr einschlafen, und so saß ich die letzte halbe Stunde auf der Bank im Flur. Eine Dame, die in diesem Gebäude arbeitete, kam vorbei und bot sogar an, Anton bei ihr zu lassen. In den letzten fünf Minuten setzte ich mich wieder in den Seminarraum und konnte mir noch ein Referatsthema auswählen und mit der Dozentin über alles Weitere sprechen. Sie bestätigte noch einmal, dass es kein Problem sei, wenn ich Anton mitnehmen müsse und dass es ja gut geklappt habe. Das war mal wirklich familienfreundlich! Dennoch hoffe ich, dass wir nicht so bald wieder in so eine Situation kommen. Am Tag drauf war Anton immer noch nicht fit und mein Freund musste halbtags von zu Hause aus arbeiten. Glücklicherweise kann er das so spontan einrichten.

Mini-Fazit
Schon nach einer Woche kann ich sagen, dass dieses Semester nicht easy wird. Ich bin den halben Tag am Hetzen und nachmittags habe ich einen quietschfidelen Sohn, der bespaßt werden will und keinen Nachmittagsschlaf machen möchte. Dennoch glaube ich, dass ich das gut meistern werde (bzw. dass wir das als Familie gut schaffen werden). Ich habe Respekt vor den Studienleistungen, die mir viel Arbeit abverlangen werden. Und mir ist auch bewusst, dass ich deutlich weniger Zeit für meine privaten Vergnügungen (Freunde treffen, basteln, bloggen, etc.) habe. Und auch wenn ich mich bestimmt häufig ärgern werde, bin ich dennoch sehr dankbar, dass ich studieren kann und auch viel Zeit mit Anton verbringe.

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