15.12.2014

CampusMum: Jana


In der Reihe CampusMum stelle ich euch Frauen vor, die neben Kind und Kegel noch ein Studium meistern. 
Ich frage sie nach ihrem wie, was und warum.

Heute gibt es ein spannendes Interview über den Spagat einer alleinerziehenden Mutter, dem Uniwahnsinn und das Gefühl, angekommen zu sein. Jana, ist 24 Jahre alt und wohnt mit ihrem Sohn Emil (August 2013) in Gießen. Neben ihrem Studium genießt sie ihre Zeit mit ihrem Buben, näht Kleidungsstücke oder ist gemeinsam mit Emil an der frischen Luft. Auf Instagram findet ihr Jana unter dem Namen emilchen_und_das_zuckermadchen.





Liebe Jana, wie schön, dass du beim Interview mitmachst! Ich bin ganz gespannt, wie du dein Studium meisterst und welche Erfahrungen du machst. Erzähl' uns doch bitte, was und wo du studierst.

Wir wohnen beide in der Nähe von Gießen, wo ich auch studiere. Ich studiere an der Justus-Liebig Universität Gießen B.Sc. Geographie im 5. Fachsemester und L3 Biologie und Erdkunde im 2. Fachsemester. Wobei das mit den Fachsemestern so eine Sache ist; aus unterschiedlichen Gründen habe ich vier Urlaubssemester genommen, sodass ich nicht so ganz nach "Plan" studiere. Bei Elternzeit in Hessen ist es möglich, im Urlaubssemester normal weiter zu studiere, bzw. Prüfungen abzulegen. Als nette Info nebenbei für die Vielen, die es leider nicht wissen :-/


Wie sieht dein aktuelles Semester aus? Wie viele Veranstaltungen besuchst du bzw. welche Studienleistungen erbringst du?

Eigentlich ist es ja normal, ca. 30 CP (Credit Points) pro Semester zu erbringen, ob ich das dieses Semester wirklich schaffe, weiß ich noch nicht. Ich denke ca. 24 werden es am Ende werden.

Explizit handelt es sich um ein Bachelorprojekt (Block à 8 Stunden), in dem ich mit Geoinformationssystemen arbeite (In dem Bereich werde ich dann wahrscheinlich auch meine Abschlussarbeit schreiben.), ein Geographiedidaktik Modul (Vorlesung+Seminar), ein Humanbiologie Modul (VL+Übung+Seminar), Chemie (VL + Praktikum). Ein Biologiedidaktik Modul habe ich bereits Anfang des Semesters in zwei Blockseminaren absolviert. Diese Art von Veranstaltung besuche ich am liebsten. Man hat es dann einfach abgeschlossen und "direkt" etwas geschafft. Ich finde das gerade immer dann aufbauend, wenn man ein Tief hat und am liebsten alles hinschmeißen würde, weil sich alles wieder in die Länge zieht, weil Gruppenarbeiten nicht so funktionieren wie sie sollen, ein Tag vorher Referate abgesagt werden etc. Blöder Uniwahnsinn eben. Denke, das kennen wohl alle irgendwie und das ist einfach super nervig, wenn man seine Zeit gut einteilen muss.

Eigentlich war noch eine Vorlesung und ein Seminar in den Erziehungswissenschaften geplant, aber das wurde aus dem Stundenplan gestrichen, da ich nun doch beschossen habe, erst mal den Bachelor fertig zu machen, um mich dann voll auf das Lehramt konzentrieren zu können. Und vor allem ist mir die Zeit mit meinem Sohn, ihn aufwachsen zu sehen, wichtiger als in der Regelstudienzeit das Studium abzuschließen

Der Spagat als alleinerziehende Mama im Doppelstudium ist mir nicht sehr gut gelungen. Habe versucht, alles zu belegen, aber es war dann einfach zu viel.


Also bei diesen vielen Aufgaben, die du anpackst, denke ich schon, dass dir dieser Spagat sehr gut gelingt!
Wann nimmst du dir denn die Zeit zum Lernen oder für Recherche?

In meinen Freistunden am Vormittag bereite ich meist die Sachen für die Seminare und Vorlesungen vor und fertige meine Protokolle an. Je nachdem, was zur Abgabe ansteht, muss ich am Abend nochmal ran. Ab 14 Uhr ist "Emil-Zeit" und die mag ich gern von der Uni so gut es geht freihalten.

Konkret gelernt wird übrigens erst vor der Klausur, das hat bisher in den letzten Jahren immer geklappt. Denn ohne Druck geht da bei mir nichts. Dafür springt dann die Oma ganz lieb ein und nimmt sich extra Urlaub, um Emil zu betreuen. Dazu muss ich sagen, dass wir bei meiner Mama im Haus in einer eigenen Wohnung wohnen, Emil und ich.




Wie sieht ein typischer Unitag für dich aus?

Die Tage sehen sehr unterschiedlich aus. Von Blockseminar am Montag von 9-17 Uhr über frei am Freitag ist alles dabei. Meist ist es jedoch so, dass ich Emil um 9 Uhr in die Kita bringe und dann um 14 Uhr nach dem Mittagsschlaf abhole. In der Zwischenzeit finden dann meine Veranstaltungen statt, die leider über die ganze Stadt verteilt sind und ich so ständig mit dem Auto durch die Stadt pendel :-D


Das ist ja fast wie bei uns :) Wie ist Emils Betreuung organisiert?

Emil geht in eine ganz tolle Kita, welche vom Studentenwerk betrieben wird. Dort ist er meist von ca. 9 -14 Uhr (im Schnitt). Häufig aber auch weniger und ich hole ihn so ab, dass er seinen Mittagsschlaf zu Hause machen kann, damit hier der Haushalt am Laufen bleibt ;-)

Die Kita ist prinzipiell von 7.30 Uhr bis 18 Uhr geöffnet, bietet 20 Plätze (10 Plätze und drei Betreuer pro Gruppe) und nimmt Kinder im Alter von 10 Monaten bis 3 Jahre.

Die Kids gehen oft raus und werden individuell gefördert, das gefällt mir sehr gut. Für den Notfall kann er auch mal länger als 14 Uhr da bleiben, oder ich kann ihn nur nachmittags bringen. Er ist sehr gerne dort, was mich wirklich beruhigt und das schlechte Gewissen nimmt.


Du bist nicht mehr mit Emils Vater zusammen. Ich finde es sehr bemerkenswert, dass du unter "diesen Umständen" studierst. Obwohl wir zu dritt sind (mein Freund aber voll berufstätig), finde ich es manchmal ganz schön anstrengend, alles unter einen Hut zu bekommen. Welche Rolle spielt Emils Vater in deinem Studium bzw. bei der Betreuung von Emil?

Ich würde dem Papa von Emil keine große Rolle in meinem Studium beimessen. Er lebt und studiert in München und wir sind seit Beginn der Schwangerschaft getrennt. Deswegen ist das u. a. räumlich gesehen schwer möglich. Er holt ihn aber an einem Tag am Wochenende ab und verbringt die Zeit mit Emil. In dieser Zeit versuche ich, zu Hause Ordnung zu schaffen und die nötigsten Sachen für die Uni und Einkäuge zu erledigen.

Wir erfahren jedoch auch tolle Unterstützung von Freunden und meiner Familie. Meine Mutter nimmt sich oft Urlaub, um vor den Klausuren auf Emil aufzupassen. Sie wohnt zum Glück auch in der Wohnung unter uns. ;-)




Du hast vorhin erwähnt, dass du nicht ganz nach Plan studierst. Seit der Umstellung auf das Bachelor-Master-System gibt es viel Kritik an den festen Studienzeiträumen. Wie empfindest du das? Stehst du unter Druck, das Studium so bald wie möglich abzuschließen?

Aus finanzieller SIcht gibt es natürlich einen gewissen Druck, sobald wie möglich fertig zu werden. Für Studierende, sofern man keinen Anspruch auf Bafög hat, hält sich die finanzielle Unterstützung doch sehr in Grenzen. Es sind die vielen Kleckerbeträge, mit denen wir im Moment auskommen, aber sobald mein zweijähriges Elterngeld im Sommer wegfällt, werde ich mir etwas einfallen lassen müssen. Nebenbei arbeiten ist natürlich so eine Sache, da man dann noch weniger Zeit für das Studium hat und es dann wieder länger dauert. Eine Zwickmühle!

Die festgelegten Studienabläufe und Zeiträume sind keine HIlfe. Oft werden Veranstaltungen nur jährlich angeboten, ohne Alternative; das macht es schwierig. Auch die Auswahl zwischen Veranstaltungen ist selten gegeben, so dass man sich dem vorgelegten Studienplan und den Veranstaltungszeiten beugen muss.

Wenn ich das mit Bekannten vergleiche, die noch ein Diplomstudium im gleichen Studiengang absolviert haben, waren diese doch freier in der Gestaltung ihres Studiums.


Du hast eben schon erwähnt, dass ihr euch aus einer Gesamtheit an "Kleckerbeträgen" finanziert. Was heißt das genau?

Konkret setzt sich unser Einkommen aus Elterngeld, Kindergeld, Unterhalt für Emil, Unterhalt von meinem Vater für mich und einem Alleinerziehendenzuschlag zusammen. Nicht wirklich viel, aber es reicht aus. Sparen und Urlaub sind da nur begrenzt möglich, aber es soll ja auch kein Dauerzustand sein.


Hast du besondere Erfahrungen an der Uni gemacht, weil du Mutter bist (bzw. schwanger warst)?

Kurz und kanpp, ich habe bisher weder Vor- noch Nachteile zu meinem Studium ohne Kind bemerkt. Sprich, es interessiert die Dozenten etc. nicht, ob man eine solche "Mehrbelastung" hat oder nicht. Den Chemiekurs wollte ich eigentlich schon vor vier Semestern abgeschlossen haben, durfte aber das Praktikum aufgrund von Schwangerschaft und Stillzeit nicht machen. Und ein Risiko will man da ja auch nicht eingehen. Gerade in den Naturwissenschaften und bei der Laborarbeit mit gewissen Gefahrenstoffen sollte man sowas mit einplanen.



Wie findest du einen Ausgleich zum Unialltag? Hast du manchmal Zeit für dich?

Ich denke, jeder braucht mal Zeit für sich. Wenn ich nicht allzu müde bin, setze ich mich an die Nähmaschine, wenn ich nicht gerade ein kreatives Loch habe. Ich bastle und gestalte gerne die Wohnung um. Zum Runterkommen tut es auch mal ein schönes Buch, das einen in eine andere Welt entführt. An ganz schlimmen Tagen nutze ich die Freistunden in der Uni und mache einen Spaziergang durch den Wald. Das tut mir wirklich gut und man tankt wieder Kraft.

Zeit mit Freunden nehme ich meist mit Emil gemeinsam wahr. Er fühlt sich dort auch sehr wohl und spielt schön, sodass Mama auch mal in Ruhe ihren Kaffee trinken kann. Im Notfall springt dann auch ab und an mal meine beste Freundin und ihre Eltern ein. Auch die Zeit, in der wir uns mit anderen Eltern bzw. Kindern treffen, beispielsweise die Besuche bei den Nachbarn, empfinde ich als entspannend, da die Kids sich dann miteinander beschäftigen und Mama sich nicht pausenlos Quatsch einfallen lassen muss. :) Das wird auf Dauer über den ganzen Tag nämlich doch ganz schön anstrengend. Sonst mache ich aber sehr gerne Quatsch mit Emil und schaue einfach über den ein oder anderen Blödsinn von ihm mit Humor hinweg.

Allgemein bin ich wohl nicht wirklich autoritär und doch eher der Laissez-faire-Typ. Ich denke, das Kostbarste, was ich meinem Kind mitgeben kann, ist die eigene Erfahrung. Deswegen lasse ich ihn doch meist einfach machen und alles ausprobieren und unterstütze ihn dabei. Gerade den Großeltern ist das ein Dorn im Auge. ;-) Sie haben da doch ganz andere Auffassungen.

Ich bin vor Emil sehr gerne und viel gereist und war eigentlich immer ohne Wurzeln. Er hat mir das erste Mal das eigentliche Gefühl von Heimat gegeben, wofür ich meinem Schatz unendlich dankbar bin.


Hast du einen besonderen Tipp für alle, die sich überlegen, während des Studiums ein Baby zu bekommen? Oder ganz allgemeine Ratschläge?

Ich denke, man sollte es sich genau überlegen, wenn es geplant ist. Auch wenn die Kleinen noch nicht so viel brauchen, sollte man sich im Vorfeld zum Beispiel über die finanziellen Zuschüsse informieren. Die halten sich nämlich in Grenzen. Für mich als alleinerziehende Mama bleibt da eigentlich nur das Kindergeld und der Zuschlag für Alleinerziehende vom Jobcenter, der jedoch auf das Elterngeld angerechnet wird. Es gibt jedoch tolle Sozialberatungen von Caritas und Co., die einem zeigen, was es gegebenenfalls für Möglichkeiten gibt. Bei uns gibt es vom Studentenwerk auch extra Wohnungen für Familien. Das kann sich auch, je nach Stadt und den üblichen Mieten, lohnen.

Zeitlich sollte man sich wohl im Klaren sein, dass es schwieriger wird, je älter die Kleinen werden. So empfinde ich es. Als Emil noch ein Baby war, habe ich trotz akutem Schlafmangel viel mehr geschafft als jetzt, und das, obwohl er in die Kita geht. Aber das ist wohl auch abhängig vom Kind. Es ist wichtig, einen Partner, Freunde oder Eltern zu haben, die einem auch mal den Rücken frei halten können, gerade bei Klausuren etc.

Wer unbedingt in der Regelstudienzeit studieren will, dem rate ich eher ab, denn man wird wohl wirklich vor die Entscheidung gestellt, was einem wichtiger ist: die Zeit mit dem Kind oder die Uni. Gerade wenn die Kleinen unerwartet vor der Klausur krank werden oder Ähnliches, dann ist das oft mies, wenn es nicht so klappt, wie geplant. Aber eben genau das gehört dazu und ist Alltag. Darüber sollte man sich im Klaren sein.

Ich denke auch, dass es jeder individuell für seine Stiuation wissen muss! Ich selbst würde nicht mehr tauschen wollen, auch wenn mir das Reisen etc. fehlt, hat mir mein Baby etwas geschenkt, das ich vorher nie hatte: das Gefühl unendlicher Liebe und des Angekommenseins.


Liebe Jana, ich danke dir für die ehrlichen Worte und den spannenden Einblick, den du uns gibst. Ich wünsche dir und Emil das Beste und bin mir sicher, dass du es auch weiterhin so großartig meisterst.


Alle bisherigen Interviews der Reihe CampusMum findet ihr hier. Und hier kommt ihr zu allen Artikeln, die sich mit dem Thema Studieren mit Kind beschäftigen.

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