05.12.2014

one tiny little story


Juhuu, die Weihnachtszeit ist wieder da! Vor zwei Jahren hätte ich das noch nicht gesagt. Denn eigentlich mag ich es gar nicht so gern, Deko an den Wänden zu haben, auf Knopfdruck zwanzig Geschenke für die ganze Familie zu besorgen (aber verpacken sehr gern) und mir dann noch Gedanken darüber zu machen, was ich an den Feiertagen anziehe oder was man kocht. Aber ich mag Kerzen und den Duft von Zimt und Nelken, ich liebe es, den Adventskalender jeden Tag zu öffnen und manchmal finde ich Weihnachtslieder auch ganz toll. Seit Anton da ist, ist die Vorweihnachtszeit anders. Ich gewöhne mich an den Gedanken, Weihnachtskugeln und Tannenzweige auszulegen, freue mich über Glühwein und Bratwurst, finde sogar Backen gar nicht mehr so übel.

Wir waren bisher zwei Mal auf dem Weihnachtsmarkt und haben zwei unterschiedliche Erfahrungen gemacht. Am ersten Abend war es gegen 19 Uhr. Wir trafen uns nach der Uni und Arbeit direkt auf dem Weihnachtsmarkt und wollten dort zu Abend essen. "Zur Feier des Tages". Aber 19 Uhr ist einfach keine gute Uhrzeit, wenn man mit dem Kinderwagen unterwegs ist. Wir nahmen zwar schon die äußeren Wege, um gut durchzukommen und nahmen es auch in Kauf, dass wir nicht so schnell vorankamen. Doch das, was mich wirklich geärgert hat, war etwas, das ich bis dato so nicht erlebt habe: Wir wurden etliche Male, also wirklich nicht nur zwei, drei Mal, sondern oft, blöd angemacht, warum wir denn mit dem Kinderwagen auf dem Weihnachtsmarkt sind. ?! Warum denn nicht? Ich bin wirklich empört, denn Anton hat weder gejammert noch geschrien, noch hat er jemanden den Glühwein aus der Hand geschlagen. Er ist doch genauso berechtigt, dabei zu sein, wie jeder andere. Vor allem war es auch deutlich vor seiner Schlafenszeit.

Aber ein gutes Erlebnis hatten wir auch. Wohlwissend war ich unter der Woche gegen halb fünf auf dem Weihnachtsmarkt. Es begann gerade, dunkel zu werden und der Markt war noch nicht überfüllt. Wir kamen gut durch, probierten an einem Stand getrocknete Früchte (Anton liebt Rosinen) und hielten vor dem Kinderkarussell. Antons große Augen wurden noch größer und er schaute ganz gespannt auf die Pferde, Affen und Löwen. Und dann lief "Reise  rieselt der Schnee". Es war wieder ein Moment, in dem ich plötzlich in meine Kindheit zurückversetzt wurde. Nach ein paar Runden gingen wir weiter und führten unseren Einkaufsbummel fort.

Ich finde es so interessant, wie stark ein eigenes Kind die Wahrnehmung für die Welt verändern kann. Ich habe schon immer kleine Momente bemerkt und sie zu schätzen gewusst, aber mit einem Kind gibt es noch häufiger diese Momente. Kleine Glückseligkeiten.

Kommentare:

  1. Deutschland ist halt nicht das kinderfreundlichste Lande der Welt. Kinder werden von der Gesellschaft als Last und Störung empfunden und sollten lieber weggesperrt werden. Lass dich einfach nicht ärgern.
    Sehr interessant finde ich deinen letzten Absatz über die veränderte Wahrnehmung. Auf meiner Reise habe ich eine Mutter zweier Kinder kennengelernt, die mir gesagt hat: "Bevor ich Kinder hatte, fand ich mein Leben sehr intensiv und erfühlt, aber jetzt verstehe ich das ich gar nicht über das Leben wusste!"

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    1. Das Interessante ist, dass ich bisher nicht viele schlechte Erfahrungen gemacht habe. Aber je älter Anton wird, desto eher kommen Kommentare. Solche komischen, verbitterten Menschen!
      Diese Mutter hat es gut ausgedrückt. Ich glaube auch, dass man so viele Seiten im Leben neu sehen lernt durch ein Kind. Auch, wenn mir das damals gar nicht bewusst war oder vielleicht niemals bewusst geworden wäre, bin ich sehr froh, dass erleben zu können.

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