03.12.2014

Studieren mit Baby // Teil 7


Nachdem ich gestern schon drei Stunden gelernt hatte, brauchte ich eine kurze Pause und nutzte die Zeit, um euch zu erzählen, wie die letzten Wochen im Studium waren. Ich tausche diese Woche diesen Bericht mit der one tiny little story. Wie ihr sicher bemerkt habt, kehrt während des Semesters eine gewisse Ruhe hier auf dem Blog ein. Ich schreibe zwar regelmäßig Artikel, doch gibt es noch sehr viel mehr auf meinem Blogplan, das verwirklicht werden will. Ich habe mich schon längst damit abgefunden, doch finde ich es einfach schade. Meine Zeit ist momentan ziemlich eingeschränkt und ich suche immer den Ausgleich zwischen Anton, Beziehung, Uni, Freundschaften, Blog, Haushalt und allen anderen Dingen, die ich machen möchte; Kunst sehen zum Beispiel, basteln oder fotografieren.


Aber wie sieht aktuell das Studium aus?

In den letzten Wochen gab es zwei Faktoren, die mich zum Rotieren brachten. Die eine, ganz nicht-universitäre Sache war Antons Gesundheit und Laune. Nicht nur, dass ein Zahn sich seinen Weg suchte und ihm ziemlich üble Schmerzen bereitete, auch eine Impfung und zwei kleinere Erkältungen setzten Anton teilweise außer Gefecht. Er war häufig übel gelaunt, die meiste Zeit sehr anhänglich und schlief sogar wieder schlechter. (Wenn man gewohnt ist, die Nacht durchschlafen zu dürfen, ist jedes Aufwachen eine Qual.) Das hieß im Klartext: sobald ich Anton abholte - er schläft nicht mehr am Nachmittag -, musste ich mich ausschließlich mit ihm beschäftigen. Weil selbst die häuslichen Aktivitäten nicht gut funktionierten, waren wir also fast jeden Nachmittag unterwegs. Natürlich verband ich das mit Spiel(platz)dates, doch konnte ich nachmittags nichts anderes machen.

Der zweite Faktor ist auch nicht unwesentlich. Ich muss im Dezember drei Referate fertig haben und mit den Dozenten besprechen, zwei davon auch halten. Da ich davon ausging, dass ich im November schon alle Referate fertig haben würde, stimmte ich allen drei Terminen zu. Doch unterschätzte ich den Umfang des ersten und des dritten Referats. Für den ersten Termin ist die Aufgabenstellung etwas schwammig und gleichzeitig das Werk sehr anspruchsvoll. Für jemanden, der zum ersten Mal vor einem Seminar ein Referat halten muss, ist diese Aufgabe etwas kompliziert. Das dritte Referatsthema ist mein liebstes, ich recherchiere sehr fleißig und werde in den Semesterferien auch eine Hausarbeit dazu schreiben. Aber gleichzeitig mache ich wohl zu viel für zwanzig Minuten Präsentation und so verliere ich mich in den Details und weiß schlussendlich nicht, was wirklich wichtig ist.



Bei drei Referaten gibt es also viel Recherchier- und Schreibarbeit. Und wann tut man diese? Dann, wenn das Kind bei der Tagesmutter ist. Doch da ist schon das nächste Problem. Durch den Halbtagesplatz und meinen Stundenplan (mit sieben Veranstaltungen) bin ich ständig am Hetzen und komme freitags immer etwas zu spät zur Veranstaltung. Ich habe ich genau genommen eine einzige Stunde am Tag ohne Kind und ohne Veranstaltung.  Natürlich bin ich in dieser Stunde in der Bibliothek und kopiere oder schreibe, doch nutze ich die Zeit auch oft, um mein Lesestoff für die nächste Woche auszudrucken.

Wo wir eigentlich schon beim nächsten Problem sind. Für meine Fächer, vor allem aber für mein Beifach, muss ich richtig viel lesen. Grundsätzlich stört mich das nicht (und mir war das ja auch bei der Studienwahl bewusst), doch habe ich mit diesem Umfang nicht gerechnet. Ich nutze natürlich die halbstündigen Busfahrten aus. Aber dennoch habe ich alles in allem nicht viel Zeit für die Lektüre. Gleichzeitig muss ich aber in drei Fächern Hausaufgaben erledigen. Und weil ich manche Texte nicht ganz verstehe, muss ich die Lektüre nacharbeiten. Also wieder Recherche und Schreiben.


Natürlich gibt es noch die Abende, in denen ich auch fast immer etwas tue, doch wie ich schon im letzen Semester geschrieben habe, bin ich abends deutlich weniger aufmerksam als tagsüber. Meine Konzentration reicht für andere Dinge, aber leider nicht für inhaltlich komplizierte Themen. Und die Wochenenden sind natürlich auch so eine Sache. Bisher hielt ich mir den Samstag frei für unseren Familientag und war sonntags fleißig. Ich arbeitete, während meine Männer Mittagsschlaf hielten und ging abends von sieben bis elf in die Bibliothek und war sehr effektiv. Freitags lasse ich manchmal eine Vorlesung ausfallen, um zu Hause eine Stunde effektiv lernen zu können.

Aber selbst das reichte nicht. Und so hatte ich im November zwei wirklich schlimme, frustrierte Wochen. Mir ist bewusst geworden, dass ich mit den Aufgaben dieses Semesters überfordert bin. Ich bin mir sicher, dass ich trotzdem alles gut schaffen werde, doch ist das mit einem immensen Aufwand verbunden. Außerdem bleibt die Erkenntnis: selbst wenn ich noch so viel für die Uni mache, es reicht nie - ich könnte immer noch mehr machen.



Ausblick

Im neuen Jahr wird es nicht unbedingt stressfreier. Sobald alle drei Referate überstanden sind, mache ich mich an die Themen der Hausarbeiten. Am Anfang des Semesters erfuhr ich, dass außer den beiden geplanten Hausarbeiten eine dritte "Mini"-Hausarbeit anfällt. Obwohl ich schon die einzelnen Kapitel während des Semester erarbeiten kann, heißt es dennoch, zum Ende des Semesters alles zusammenzustellen. Außerdem kommt am Ende des Semesters noch eine Klausur auf mich zu.

Ich muss mir bei der Planung für das nächste Semester ganz genau überlegen, wie viel ich mir "zumuten" möchte. Vielleicht entwickle ich auch die Gelassenheit, nicht jeden Text lesen zu müssen und nicht immer vorbereitet sein zu wollen, doch kann ich mir das gar nicht vorstellen. Zu meinen Vorstellungen für das kommende Semester werde ich aber im neuen Jahr noch ausführlich schreiben.

Am kompliziertesten ist es für mich, Freiräume zum Lernen zu schaffen. Da Anton nicht mehr schläft, sobald er bei mir ist, kann ich nur auf sehr ungünstige Zeiten ausweichen. Und selbst dann reicht mir die Zeit nicht. Ich werde wohl nun auch die Samstage nutzen müssen und mir einen genauen Zeitplan aufstellen.

Seitdem ich CampusMum ins Leben gerufen habe, habe ich mit vielen Müttern gesprochen, die auch studieren. Es tut so gut zu wissen, dass man mit dem Gehetze nicht alleine ist. Ich bin nicht die Einzige, die über den Stress schimpft und die ach so vielen Aufgaben eines Studentenlebens. :)

Und wie läuft euer Semester? Wart ihr vielleicht klüger und habt weniger Veranstaltungen gewählt? Findet ihr genug Zeit zum Lernen?




Kommentare:

  1. Liebe Betty, du versuchst alles perfekt zu machen, doch das ist gar nicht nötig! Ich hatte zwar kein Kind als ich studiert habe, dafür aber einen Job, mit dem ich meine Existenz finanzieren musste, deswegen kann ich sehr gut nachvollziehen wie gestresst du bist. Es gibt nur einen Ausweg und den hast du schon angesprochen, etwas gelassener zu werden auch im Studium Prioritäten zu setzen.

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    1. Entschuldige bitte die späte Antwort!
      Das Problem ist ja auch, wenn man "gut" sein möchte - ich möchte mich gerne mehr in die Themen reinhängen, aber das ist einfach nicht möglich. Aber so ist das eben. Und ich bemühe mich, gelassener zu werden. (Bald sind ja die Feiertage, vielleicht klappts da.)

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  2. Ich habe mein erstes Semester mit Kind in Vollzeit durchgezogen. Das klappte ganz gut. Aber auch nur, weil mein Mann in Elternzeit war und ich mir um unseren Nachwuchs keine Gedanken machen brauchte. Danach habe ich dann aber weniger Module belegt. Für gewöhnlich schaffe ich 3 bis 5 Module pro Semester, wobei zweiteres eigentlich schon zu viel sind.

    Ich kann dir auch nur zu mehr Gelassenheit raten. Das gilt im Grunde für jede Lebenslage. Du musst nicht perfekt sein. Wirklich nie! In der Regel sind die eigenen Ansprüche und Selbsteinschätzung völlig überzogen. Deine Außenwelt nimmt dich ganz anders war als du dich selbst.

    Ich krieg oft so Sachen wie "Powerfrau" und die Frage "Wie machst du das alles?" zu hören, weil ich neben dem Studium noch zwei Kinder, zwei Nebenjobs und das Bloggen auf die Reihe kriege. Dabei empfinde ich mich selbst als total faul. Ich mache eigentlich bei allem immer nur das Nötigste und fahre damit sehr gut. Obwohl ich mich noch nie auf nur eine einzige Vorlesung vorbereitet habe und zu den meisten Veranstaltungen nicht mal hingehe, gehöre ich notentechnisch zu den besseren meines Jahrgangs. Glaub mir, ich bin kein Genie. Definitiv nicht! Ich hab durch meine Kinder nur gelernt zu priorisieren und festgestellt, dass man nicht schlechter wird, nur weil man weniger Aufwand betreibt.

    Schau mal hier habe ich darüber geschrieben wie man Studium, Job und Familie unter einen Hut bekommt: http://bitly.com/1FNcoZc Vielleicht hilft dir das ein wenig?

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    1. Liebe Luisa,
      ich danke dir für deine ausführliche Antwort!
      Und doch, ganz bestimmt, du bist eine Powerfrau! Also wie du das alles schaffst, ich ziehe den Hut.
      Es ist sehr interessant, dass du schreibst, dass du nur das Nötigste tust. Ich tue gerade auch nur das Nötigste, aber das reicht gerade nicht. Ich weiß, dass der Abschnitt nicht unbedingt was über die Studienleistungen aussagt, aber ich musste schon immer viel machen und war auch immer fleißig, um gute Noten zu bekommen. Das ist auch ganz in Ordnung so. Und ich komme auch zu meinen sehr guten Noten. Doch interessiert mich mein Studium sehr und ich schaffe es überhaupt nicht, auch nur ansatzweise "mehr" zu machen. Und das fehlt mich ganz besonders. Wie geht es dir da? Bist du da einfach gelassen oder interessiert es dich auch gar nicht so sehr, oder geht es dir vielleicht eher darum, abzuschließen?
      Grundsätzlich ist es momentan etwas besser und entspannter bei uns. Im Januar und dann Anfang März wird es nochmal viel. Wie viele Veranstaltungen besuchst du denn bei 2-5 Modulen? Ich habe aktuell bei 2 Modulen 6 Veranstaltungen und besuche eine Vorlesung (bzw. lasse sie oft ausfallen) vom nächsten Modul.
      Freue mich auf deine Nachricht!
      Liebe Grüße, Bettina

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