15.01.2015

CampusMum: Jasmin


In der Reihe CampusMum stelle ich euch Frauen vor, die neben Kind und Kegel noch ein Studium meistern. 
Ich frage sie nach ihrem wie, was und warum.


Und wieder ist der Fünfzehnte und wieder stelle ich euch heute eine tolle CampusMum vor. Jasmin, 25 Jahre alt, studiert an der Uni Erlangen-Nürnberg und kommt also aus dem fabelhaften Bayern :-) Neben ihrer Familie und dem Studium engagiert sie sich für Nachhaltigkeit und dem Umgang mit Umwelt und Ressourcen. Ihr ist ihr Glaube und die Frage danach, was er für sie konkret im Alltag bedeutet, wichtig. Und ihre kreative Ader entfaltet sie im Malen und Nähen. Sie arbeitet eigentlich ständig an einem „Mal-Bastel-Näh-Kreativ-Projekt“. Wie sich diese Interessen mit ihrem Dasein als Mutter, Ehefrau und Studentin vereinbaren lassen, davon berichtet Jasmin uns heute. Und so viel sei schon einmal verraten: die beiden haben ein ausgeklügeltes „Shared-Childcare-System“ entworfen.


Liebe Jasmin, ich freue mich sehr, dass du bei CampusMum mitmachst! Erzähl’ uns doch bitte zunächst, was und wo du studierst. 
Hallo Bettina, ich freue mich auch! Vielen Dank! Ich studiere Grundschullehramt an der Uni Erlangen-Nürnberg im inzwischen 9. Semester. In Bayern besteht das Studium für GrundschullehrerInnen aus verschiedenen Komponenten – ganz grob aus einem Hauptfach, das man vertiefter studiert (bei mir evangelische Religion), aus Didaktikfächern (das sind immer Mathematik und Deutsch (außer man hat eines davon schon als Hauptfach) und ein musisches Fach (bei mir Kunst), Grundschuldidaktik und Erziehungswissenschaften. Unser Sohn kam am Ende meines 5. Semesters zur Welt und feiert also bald seinen 2. Geburtstag.


Hat sich dein Studium sehr verändert, seitdem du Mutter bist? Wo merkst du am stärksten die Abweichungen?
Insgesamt war mir mein Studium bzw. mein zukünftiger Beruf vor der Geburt unseres Sohnes immer so wichtig, mein Herz schlägt für die Schule und dafür, Kinder in ihrer Grundschulzeit begleiten zu dürfen. Aber seitdem ich Mama bin, haben sich die Prioritäten verschoben. Auch wenn mein Traumberuf noch derselbe ist und ich nach wie vor ziemlich perfektionistisch bin, steht unser Sohn jetzt an erster Stelle. Insofern bin ich etwas gelassener, was die Uni betrifft, und muss es auch sein, weil einfach viel weniger Zeit bzw. Kapazitäten für Studiendinge bleibt. Was mir wirklich oft schwer fällt, ist, mir meine Zeit nur selten selbst einteilen zu können. Wenn ich gerade wach und motiviert bin, kann ich mich nicht einfach an meinen Schreibtisch setzen und loslegen, sondern muss meine Arbeitsphasen immer an Anderen ausrichten. Das ist manchmal wirklich anstrengend.


Ihr betreut euren Sohn momentan selbst. Kannst du uns von eurem Betreuungssystem erzählen?
Mein Mann studiert auch noch und wir haben uns entschieden, uns die Betreuung von unserem Bub zu teilen, so lange das organisatorisch möglich ist. Zu Beginn jedes Semesters stimmen wir unsere Stundenpläne bestmöglich aufeinander ab, sodass immer einer in der Uni und einer zu Hause sein kann. Bisher gab es nur einmal eine Überschneidung von 2 Stunden, da hat mein Mann unseren Sohn dann mit in die Uni nehmen dürfen. Unsere Familien wohnen mehrere Fahrstunden entfernt, aber wir fühlen uns trotzdem nicht auf uns allein gestellt, sondern wissen, dass wir bei Engpässen auf die Hilfe von Freunden und Nachbarn zählen können. Zurzeit genießen wir noch die Unabhängigkeit von Krippenzeiten und die Abwechslung zwischen Uni und Daheim.


Ich finde das Betreuungssystem großartig! Toll, dass ihr etwas gefunden habt, dass zu euch als Familie sehr gut passt.
Wie finanziert ihr euch denn? Ich stelle mir das etwas kompliziert vor, wenn beide Elternteile studieren und gleichzeitig auch die Betreuung übernehmen. Arbeitet ihr nebenbei auch noch?
Wir finanzieren uns aus vielen verschiedenen Einnahmequellen wie Bafög, Stipendium, Betreuungsgeld, Kindergeld, Landeserziehungsgeld usw. Außerdem arbeitet mein Mann noch etwa 10 Stunden die Woche.


Wann nimmst du dir Zeit zum Lernen und für Recherche?
Hauptsächlich abends oder in der Mittagsschlafzeit vom Sohn. Wochenends oder in den Ferien wechseln wir uns oft ab, sodass immer einer blockweise arbeiten kann. Außerdem versuche ich, Zeiten effektiv zu nutzen und z.B. beim Spazierengehen oder bei den Fahrten zur Uni ein bisschen zu lernen.


Und hast du auch manchmal Zeit für dich?
Allgemein empfinde ich meine Unitage schon sehr als „Zeit für mich“, weil ich da nur Jasmin sein kann, Dinge tue, die mich (größtenteils) interessieren und keiner „Maaaama!“ ruft. Insofern ist das schon viel Auszeit und Freiheit für mich. Ansonsten nehmen wir uns jeder regelmäßig Zeit für uns, wenn wir das Bedürfnis haben und das klappt oft gut.


Wie war es für dich, schwanger zu studieren? Gab es irgendwelche interessanten Situationen? Wie lange hast du Elternzeit genommen und wie war die Rückkehr an die Universität?
Der errechnete Geburtstermin lag am Ende des Semesters, sodass ich schwanger dann noch einige Kurse machen konnte. Ich habe aber keine Veranstaltungen besucht, in denen ich eine Klausur hätte schreiben müssen, sondern bin auf Hausarbeiten ausgewichen. Unsere Uni ist wirklich familienfreundlich und die meisten Dozenten waren sehr entgegenkommend!
Wir haben die Semesterferien, also die ersten Wochen mit Baby, gemeinsam zu Hause verbracht. Im darauffolgenden Semester hatte ich ein Seminar pro Woche in der Uni (mit Sohn im Tragetuch) und habe zuhause eine Hausarbeit geschrieben und mit meiner Zulassungsarbeit angefangen. Ab dem 2. Semester mit Kind hatte ich dann wieder mehr Präsenztage an der Uni und es ist mir anfangs schwer gefallen, so lange von zu Hause weg zu sein. Aber der Papa hat das Kind prima geschaukelt!


Natürlich! Die Väter machen das wunderbar. 
Wie sehen deine Zukunftspläne aus? Wie viele Semester liegen noch vor dir?
Wie unsere Zukunftspläne konkret aussehen, wird sich wohl dieses Jahr entscheiden. Mein Mann wird im Sommer mit seinem Studium fertig und vieles ist noch unklar und wird sicher aufregend werden. Ich habe mich für die etwas weniger stressige Variante entschieden und werde in einem Jahr, im Frühjahr 2016, mein Examen machen, wenn alles so klappt, wie ich es mir vorstelle. Auf diese Weise habe ich mehr Zeitpuffer zum Lernen.


Kannst du, nach deinen Erfahrungen, die du bisher machtest, empfehlen, ein Kind im Studium zu bekommen?
Aus meiner Perspektive auf jeden Fall. Es ist zeitlich oft ziemlich herausfordernd und dessen sollte man sich wahrscheinlich im Idealfall vorher bewusst sein. Aber es ist auch wunderschön und unser Sohn bereichert unser Leben jeden Tag. Ich glaube auch, dass er die Rahmenbedingungen eigentlich ganz lustig findet – zumindest genießt er es, Mama und Papa beide abwechselnd zuhause zu haben und hat sich in seinem Schlafrhythmus und Feiergewohnheiten studentischen Maßstäben angepasst. ;-) Und auch wir lernen durch ihn, setzen Prioritäten und werden effektiver.
Für viele Dinge gibt es Lösungen, auf die man vielleicht nicht direkt kommen würde. Bei uns gibt es einen Familienservice von der Uni, der einem bei finanziellen, emotionalen oder organisatorischen Problemen weiterhelfen kann.


Hast du Kontakt zu anderen studierenden Eltern an deiner Uni?
Die Krabbelgruppe, in der wir einmal pro Woche sind, gehört nicht zur Uni und soweit ich weiß, gibt es da auch keine offiziellen Eltern-Kind-Gruppen außerhalb der Uni-Kitas. Aber zwei Freundinnen von mir sind ebenfalls letztes Jahr Mama geworden und die sehen wir regelmäßig.


Hast du Tips für unsere Leser, die das Studieren mit Kindern betreffen?
Mh. Das ist schwer. Ich glaube, mir fallen drei Sachen ein:
  • Der Zeitpunkt für ein Kind ist wahrscheinlich nur selten optimal und jede Lebensphase hat für die Familiengründung Vor- und Nachteile. Aber das Studium hat auch viele Vorteile. Mehr, als man auf den ersten Blick denken würde :)
  • Es ist okay, zu fragen. Oftmals traut man sich nicht, um Hilfe zu bitten oder diese anzunehmen. Aber nur wer fragt, dem kann geholfen werden. Meine Dozenten haben bisher immer sehr kulant reagiert, was Kind-in-die-Uni-mitnehmen und den Abgabeschluss von Hausarbeiten usw. betraf.
  • Seid nicht so kritisch mit euch selbst – ihr müsst euch nicht mit Vollzeit-Studenten oder Vollzeit-Mamas vergleichen, vergleicht euch überhaupt nicht! Seid gnädig mit euch selbst, ihr macht das großartig, liebe Studenteneltern.

Jasmin, ich danke dir für diesen interessanten Einblick in euer Familien Studentenleben. Deine Tips kann ich nur selbst beherzigen und ich bin mir sicher, da geht es einigen Lesern sehr ähnlich. Ich wünsche euch sehr gute Abschlüsse und eine erfolgreiche (wenn auch bestimmt sehr stressige) Lernphase. 



Alle bisherigen Interviews der Reihe CampusMum findet ihr hier. Und hier kommt ihr zu allen Artikeln, die sich mit dem Thema Studieren mit Kind beschäftigen.

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