16.02.2015

CampusMum: Anna


In der Reihe CampusMum stelle ich euch Frauen vor, die neben Kind und Kegel noch ein Studium meistern. Ich frage sie nach ihrem wie, was und warum.


Guten Morgen zusammen. Heute Morgen stelle ich euch wieder eine starke Frau und alleinerziehende Mutter vor, die gerade am Ende ihres Studiums steht. In nur wenigen Tagen hält sie offiziell ihren Abschluss in den Händen und beendet damit einen wichtigen Abschnitt in ihrem Leben.

Anna ist 27 Jahre alt und Mutter der jetzt 16 Monaten alten Runa. Die beiden sind im letzten Jahr von München, wo Anna noch studiert, ins schöne Hamburg gezogen. In ihrer Freizeit fotografiert, singt und tanzt sie gerne, kocht und backt, interessiert sich für politische Vorträge und verbringt die Tage bei gutem Wetter im Freien.

Im Netz findet ihr Annas Online Portfolio sowie die Homepage zu ihrem Buch "Mein Leben ohne Schlaf", das gleichzeitig ihre Abschlussarbeit ist. Hier geht es um Erfahrungsberichte von studierenden Eltern, um Tips und Ideen zum Studium mit Kindern. (Zwei CampusMum Interviews sind auch mit drin!) Nach dieser kurzen Vorstellung, lassen wir Anna einfach selbst zu Wort kommen. Sie beantwortet mir Fragen zu den letzten Wochen ihres Studiums, zur Betreuungssituation für ihre Tochter und warum es so wichtig ist, mit den Dozenten zu reden. 


Liebe Anna, ich freue mich sehr, dass du bei CampusMum mitmachst! Erzähl’ uns doch bitte zunächst, was und wo du studierst.

Studiengang Kommunikationsdesign an der HS München, letztes Semester. Ende Februar gebe ich nun endlich meine Arbeit ab und dann muss ich nur noch mein Kolloquium halten und dann bin ich tatsächlich schon fertig :D Ich bin also offiziell im siebten Semester, allerdings werden die zwei Urlaubssemester die ich in der Schwangerschaft und im ersten halben Jahr, nachdem Runa da war, nicht angerechnet. Es sind also aus 3,5 Jahren studieren unfreiwillig 4,5 Jahre geworden ;)


Wie hast du die letzten Wochen deines Studiums erlebt?

Im September bin ich von München, wo ich sieben Jahre lang gewohnt habe und seit Herbst 2010 studiere, nach Hamburg gezogen. Schon alleine aus dem Grund, weil es als alleinerziehende Studentin ohne Unterstützung von Anderen kaum geht. So habe ich hier meine Familie (Mama, Geschwister, Schwager in Spe ;) Oma) und auch eine Hand voll Freunde, die mich gerade in der Betreuung super unterstützen können. Die Entfernung macht das Studieren aber nicht einfacher und somit muss ich alle 3-4 Wochen nach München pendeln, um sporadisch an der letzten Vorlesung teilzunehmen und um mein Abschlussprojekt mit meinem Dozenten und mit Kommilitonen zu besprechen. Alle sind sehr verständnisvoll und helfen. Stundentechnisch läge ich da bei ca. fünf Stunden Anwesenheit im Unigebäude - im Monat :P Allerdings ist das nicht nur eine große finanzielle Belastung (im Schnitt 150€ pro "Reise" also für 3,5 Tage), sondern auch sehr kräftezehrend. Ich fahre immer mit dem Bus, das sind etwa zwölf Stunden reine Fahrzeit - einmal Hin, dann 1,5 Tage später wieder zurück - und das schlaucht ganz schön.
Auswendig lernen musste ich zwar nichts mehr. Ich habe zum Glück alle Prüfungen, für die man lernen musste, schon vorher abgelegt. Allerdings sitze ich trotzdem pro Tag ca. fünf Stunden vor’m Rechner. Im Grunde genommen klappt das aber alles ganz gut. Klar, es ist anstrengend, aber machbar. Schwierig wird's erst dann, wenn unvorhergesehene Ereignisse eintreten. Jetzt hat es mich z.B. auf der Zielgeraden meines Bachelor-Projektes einmal vollkommen für eine Woche aus den Latschen gehauen. Erst lag ich fünf Tage lang flach, dann drei Tage lang Runa. Da gab es schon Situationen, in denen ich gerne einfach mal kurz tot gewesen wäre. Da liegst du dann, mit Kopfweh, Gliederschmerzen, Schüttelfrost, und dann schreit das Kind herum, weil ihm langweilig ist oder irgendetwas klappt nicht oder es hat Schmerzen, Hunger, will nicht schlafen.... Im Hinterkopf tickt die ganze Zeit die Uhr bis zur Abgabe runter... Das ist kein schönes Gefühl!


Die letzten Wochen deines Studiums waren sicherlich sehr 
nervenaufreibend. Mit Kind gestaltet sich so eine Zeit nicht unbedingt 
einfacher. Wie hast du es geschafft, in dieser intensiven Phase Zeit für 
deine Tochter zu finden?

Runa und ich sind eigentlich ein super Team! Dennoch, es war (und ist) für mich nach wie vor schwer, das richtige Maß an Zeit in die richtigen Teile meines Lebens zu stecken. Es gibt Tage, da lasse ich mich einfach voll auf meine Tochter ein und mache nichts anderes, keinen Haushalt, keine Einkäufe, keine Uni. Und dann ist es herrlich. Wir genießen es beide. Gehen auf den Spielplatz, spazieren durch die Fußgängerzone, gehen zusammen Enten füttern, spielen in der Wohnung. Aber ich bin ein Mensch, der schnell unzufrieden wird und sich immer wieder neu fordert - bzw. fordern muss, ich gebe immer Vollgas. Das ging bis zur Schwangerschaft mehr oder weniger gut (obwohl ich davor auch ab und an schon an meine Grenzen gestoßen bin), nun in meiner Situation ist das natürlich eine nicht ganz ungefährliche Eigenschaft. Ich will meine Uni super abschließen, gleichzeitig will ich den Haushalt sauber halten, Zeit mit Freunden verbringen und meine Tochter genießen. Ich habe nach wie vor noch nicht ganz den Dreh raus ;) Irgendwie habe ich das Gefühl, dass irgendwas immer zu kurz kommt. Ich glaube, ich muss da noch mal an meiner Einstellung arbeiten, oder aber die Prioritäten nochmal überdenken. Aber eines der wichtigsten Dinge für mich ist das gemeinsame Aufwachen mit Runa. Irgendwann gegen Ende der Nacht hole ich sie in mein Bett und dann kuscheln wir ganz viel, und das verbindet ganz stark.


Deine Tochter ist aktuell 16 Monate alt. Das heißt, dass du während des Studiums schwanger geworden bist. Welche Erfahrungen hast du in diesen Monaten an der Uni gemacht? Hast du Elternzeit genommen?

Mein damaliger Freund und Vater von Runa und ich habe uns die Elternzeit geteilt. Das alleine schon aus finanziellen Gründen. Ich bekam nur den Mindestsatz von 300 Euro pro Monat, er hingegen ca. 65% seines Nettogehaltes, das machte schon Einiges aus. Ich habe ausserdem zwei Urlaubssemester genommen. Das ist an unserer Hochschule in München zum Glück total unkompliziert und ich durfte auch nach wie vor an Vorlesungen und Prüfungen teilnehmen. Das hat mir sehr geholfen, denn ich habe somit keine Auszeit genommen, sondern ich habe es einfach entzerren können und so den Anschluss nicht verloren. Kommilitonen und Dozenten waren gleichermaßen freundlich und hilfsbereit. Ich habe die Erfahrung gemacht: Mach den Mund auf und rede mit den Leuten, dann wird dir geholfen. Und demnach wusste jeder von meiner Situation und hat das berücksichtigt, wenn es mal nicht so schnell ging. Es gab natürlich vereinzelt Personen, die da raus fielen, aber das waren dann meistens Menschen, mit den ich vorher auch schon nicht so auf einer Wellenlänge war, und somit war es mir weitestgehend egal.


Wie sieht die Betreuungssituation für deine Tochter aus?

Ich habe das große Glück nun in Hamburg zu leben, wo 25 Stunden Betreuung pro Woche für ALLE kostenlos und gewährleistet sind! Ein sehr großer Luxus, den es z. B. in München nicht gegeben hätte und den ich sehr zu schätzen weiß. Meine Kita ist ein süßer kleiner Tagesmutterzusammenschluss. Ich komme super mit den beiden zurecht, sie stehen in allen Fällen hinter mir, in kann Runa flexibel immer abholen und bringen wann ich möchte, auch mal spontan länger da lassen oder auch über Nacht. Das ganze nur eine Gehminute von mir entfernt, im gleichen Gebäude, ich hatte wirklich soooo ein Glück!!!!! Ansonsten gibt’s im Notfall immer noch meine Eltern, Geschwister und den Vater von Runa.


Du bist alleinerziehend und musst immer wieder wegen dem Studium pendeln. Welche Rolle spielt Runas Vater bei der Betreuung?

Ja, Runas Papa spielt eine große Rolle. Wir verstehen uns mittlerweile sogar sehr gut. Es hat lange gedauert, um an diesen Punkt zu kommen, aber nach knapp einem Jahr Trennung sind wir nun so weit, dass wir auch mal zusammen sitzen und schnacken können. Ob das weiterhin so bleibt, ist abzuwarten. Ich hoffe sehr, denn ich habe ihn nach wie vor sehr gerne. (Man vergisst ja so schnell die negativen Dinge *lach*) Runa ist alle zwei Wochenenden Fr-So bei ihm, wenn ich wegen der Uni nach München muss, dann passt er auf, bringt sie zur Kita, wohnt in meiner Wohnung (weil einfach am praktischsten) und auch als ich krank war, kam er hier und da mal vorbei, um mir die Kleine mal abzunehmen. Ich weiß sehr wohl, wie wichtig und schön das für das Kind ist und dass sowohl er als auch ich da wahnsinniges Glück haben, dass wir keinen Rosenkrieg haben, sondern so gut aufeinander eingehen.


Verrätst du uns, wie deine Pläne nach dem Abschluss aussehen?

Ursprünglich hatte ich mich eigentlich in einer Agentur sitzen sehen. Das gestaltet sich in meiner Situation tatsächlich schwieriger als erwartet. Eine kleine Sinnkrise habe ich deswegen schon hinter mir. Deswegen kann ich einen genauen Ausblick noch nicht geben.Ich werde aber auf jeden Fall an meinem Abschluss-Projekt weiter arbeiten, das Ganze publizieren und wenn es Anklang findet auch noch eine Fortsetzung raus bringen. Ob ich das Ganze als Selbstständige mache oder mich mit einem Verlag zusammen tue bleibt abzuwarten.Ich bin im Moment erst mal für alles offen, egal ob Praktikum, Festanstellung, Selbstständigkeit, Umschulung, Fortbildung.


Und zu guter Letzt: kannst du uns wertvolle Erfahrungen und Tips mitgeben, die studierenden Eltern das Leben leichter machen können?!

Meiner Meinung nach ist das aller Wichtigste die Betreuung des Kindes. Wenn diese gewährleistet ist, dann kann man sich auch um die anderen wichtigen Dinge kümmern. Und mindestens genau so wichtig ist es, mit den Leuten zu reden. Irgendwann kommt der Punkt, da geht es mal nicht mehr (z. B. Kind krank) und wenn man dann erst anfängt irgendwie die Situation zu erklären ist es oft schon zu spät. Also am Besten gleich in der Schwangerschaft bzw. am Anfang eines jeden Semesters die Fronten klar stellen. Nicht jammern, kein Mitleid erwarten oder fordern, sondern einfach nur sagen was Sache ist und schon.



Liebe Anna, ich danke dir für den Einblick in deine letzten Wochen als Studentin. Du kannst stolz auf dich sein, wie ihr beide diese stressige Phase gemeinsam gemeistert habt. Ich wünsche dir für deine weitere berufliche Laufbahn und auch für eure gemeinsame Zeit alles Gute.




Alle bisherigen Interviews der Reihe CampusMum findet ihr hier. Und hier kommt ihr zu allen Artikeln, die sich mit dem Thema Studieren mit Kind beschäftigen.

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