23.02.2015

Studieren mit Baby // Teil 9


Aaah, Freiheit. Tut das gut. Einen Abend lang durchatmen und nichts lernen. Wieder intensiver Pärchenzeit haben und genießen und morgens nichts zur Uni müssen. In Gedanken bin ich natürlich schon längst bei meinen zwei Hausarbeiten und spätestens seit Montag habe ich mir wieder Arbeitszeiten eingeräumt. Aber es ist schon eine riesen Erleichterung, dass ich bereits schon so viel geschafft habe.

Letzte Woche erzählte ich euch von unserer Ausgangssituation und von den Lernzeiten. In meinem Bericht heute gehe ich auf die Schwierigkeiten ein, die ich im vergangen Semester hatte und zeige aber auch ein paar Lösungsmöglichkeiten und Tips auf.


Schwierigkeiten

Es gibt zwei Schwierigkeiten, oder "Herausforderungen", die meiner Meinung nach Studenten mit Kindern (und in diesem Semester vor allem mich) besonders herausfordern.
Zum einen sind das unvorhergesehene Ereignisse und Notfälle. So gut wie wir als Familie planen können und so diszipliniert ich mich zum Lernen aufraffen kann, so wenig nützt mir der Plan etwas, wenn Anton krank ist. Oder er uns ansteckt. Wir hatten seeeehr lange Krankheitsphasen. Am Anfang des Semesters hatte Anton Fieber und ich musste ihn sogar mit zur Uni nehmen, im Dezember war er zwei Wochen lang krankgeschrieben und hatte Bronchiolitis und eine Mittelohrentzündung, ich war im Dezember eine knappe Woche krank, in diesem Jahr bereits drei Mal und auch Antons Nase lief ständig. Wenigstens hatte er in diesem Jahr noch keinen Fieber. Das heißt also, dass das Kind wehleidig, man selbst geschafft ist, aber die Verpflichtungen für die Uni weiter gehen. Bei Fieber und bei ärztlich verordneter Quarantäne bedeutete das auch, dass Anton zu Hause bleiben musste. Im Dezember hatte ich zwei Referate und zwei Besprechungen mit den Dozentinnen, bei denen ich unbedingt da sein musste und die ich nicht verschieben wollte. Mein Freund arbeitete einmal von zu Hause aus, an einem Termin kamen meine Eltern und passten auf Anton auf und zu einer Besprechung nahm ich Anton mit. Diese Dozentin bot sogar an, alles telefonisch zu klären und zeigte sich sehr, sehr verständnisvoll. Der andere Fall ist, wenn Dozenten kurzfristig ungeplante Hausaufgaben aufgeben. So musste ich beispielsweise über ein Wochenende (das komplett verplant war) eine fünfminütige Powerpoint-Präsentation zu einem Künstler erstellen. Ich schrieb und las also während der Autofahrten, blieb länger wach und nahm die Hausaufgabe sehr ernst. Montagmorgen hatte so wenige die Hausaufgabe gemacht, dass die Dozentin und etwas sauer dazu aufforderte, in der nächsten halben Stunde noch einmal zu recherchieren. Und dann wurden die Ergebnisse einfach kurz vorgetragen. Ich hatte also die ganze Arbeit umsonst gemacht. Die Präsentation ist übrigens bebildert, mit Quellenangaben und schön inhaltlich logisch aufgebaut. Die ganze Arbeit "umsonst". (Der Künstler war wenigstens sehr interessant.)

Die andere Schwierigkeit ist der eigene Anspruch. Man darf sich vielleicht nicht mit kinderlosen Studierenden vergleichen (die rund um die Uhr in der Bibliothek sitzen könnten). Aber dennoch bleibt der Eindruck, den man im Seminar abgibt. Wenn ich nicht mitarbeiten kann, weil ich statt drei nur einen Text gelesen habe oder weil ich die letzte Stunde nicht nachbereitet habe, weil ich auch sonst viel zu tun hatte, dann ist das mein Problem. Und wenn ich dreißig Stunden Vorbereitungszeit für ein Referat benötige und andere Studierende nur zehn (und dann aber auch das Referat "hinrotzen"), dann interessiert es auch keinen, wie lange ich in der Bibliothek saß. Ich stehe also ständig zwischen meinem Anspruch, sehr gute Leistungen zu bringen (in den Studienleistungen, aber auch im Unterrichtsgespräch) und immer gut vorbereitet zu sein und gleichzeitig mit meiner vorhandenen Zeit zu haushalten. Was ist nun das Wichtigste? Das herauszufinden ist jedes Mal eine neue Herausforderung. Ich kenne wenigstens mein Lernpensum und weiß, wie viel ich machen muss, um gut oder sehr gut zu sein. Ich muss viel lesen und viel arbeiten, mich intensiv mit dem Thema beschäftigen, damit ich mich darin sicher fühle. Deshalb brauche ich von Grund auf viel Zeit für die Vorbereitungen.



Praktische Tips

In unserer Universität gibt es die Regelung, dass studierende Eltern bei Krankheitstagen der Kinder zusätzlich ein paar Tage fehlen dürfen. Natürlich nur in einem beschränkten Rahmen und mit ärztlichem Attest, aber es verschafft immerhin ein paar Tage.

Ich würde nie, nie wieder, wenn es in meiner Macht liegt, einen Referatstermin direkt am ersten Tag nach den Ferien legen. Weil ich das Thema so spannend fand, achtete ich nicht auf den Termin, ärgerte mich aber in der Vorbereitung umso mehr. Ein Buch, das über Fernleihe kam, konnte ich nicht rechtzeitig abholen und dann war die Bibliothek über die Zeit der Weihnachtsferien geschlossen. Ich kann das Buch also letzen Endes nur für die Hausarbeit, nicht aber für das Referat nutzen.

Für mich war es perfekt, dass ich einen Tag in der Woche uni-frei hatte. Nicht, weil ich keine Lust gehabt hätte, zur Uni zu fahren, sondern weil es die einzige Möglichkeit in der Uni-Woche war, in der ich ein paar Stunden am Stück hatte, um zu arbeiten. Meistens bereitete ich genau in diesen Stunden die Referate vor oder lernte für die Klausuren. Im nächsten Semester werde ich wieder einen Tag frei und dafür die anderen Tage voller Veranstaltungen haben.

Mir bringt es viel, alle eventuell nutzbaren Bücher einfach auszuleihen und sie zu Hause zu haben. In Kunstgeschichte sind die meisten Bücher nicht ausleihbar und ich muss in der Bibliothek arbeiten, aber gerade für Literaturwissenschaft kann ich einige Bücher ausleihen. Mir ist aufgefallen, dass es mir viel Freiheit gibt, wenn ich das meiste auch von zu Hause aus machen kann.

Die besten Bib-Zeiten sind morgens früh, spät am Abend oder am Wochenende. Ich verschob die meisten Recherchearbeiten in diese Zeiten und bin damit sehr gut gefahren. Die Bücher lagen vor, die Kopierer waren nicht besetzt und es herrschte eine gewisse Ruhe in den Räumen. Werde ich immer wieder so machen.



Was ich im nächsten Semester anders machen möchte bzw. was ich über das Studieren mit Kind gelernt habe

Ich werde im nächsten Semester definitiv mehr darauf achten, an welchen Tagen ich Referate halten muss. Im letzten Semester musste ich innerhalb drei Wochen drei Referate fertiggestellt haben und das war eine große Herausforderung. Wenn möglich würde ich die Tage so legen, dass mindestens zwei Wochen dazwischen liegen und ich nicht gleichzeitig an mindestens zwei Themen arbeiten muss.

Obwohl ich das Wintersemester im Vorfeld sehr sorgfältig plante, gab es doch einen gewissen unvorhersehbaren Aufwand, den ich dann zu bewältigen hatte. Und das überforderte mich ehrlich gesagt zeitweise sehr. Allein die Fülle des Lesestoffes brachte mich wöchentlich an meine Zeitgrenzen. In Zukunft möchte ich also darauf achten, welchen Zeitaufwand eine Veranstaltung mit sich bringt und im Zweifelsfall lieber eine Veranstaltung weniger besuchen, dafür aber für jede andere vorbereitet sein.

Hier ist das Thema "eigener Anspruch" wieder von Belang. Mann muss sich vielleicht nicht so einen großen Act machen und kommt eben unvorbereitet zum Seminar. Man kann auch für die Klausuren nur so viel lernen, dass man eben gerade so durchkommt, vor allem, wenn es nur um bestanden oder nicht bestanden geht. Ich möchte aber nicht einfach so durchkommen, sondern gut sein, sehr gut sein.  Mir macht da Studium Spaß, ich finde die Themen interessant und bin total begeistert, dass ich die Möglichkeit habe, meinem Berufswunsch näher zu kommen. Dann möchte ich diese Chance auch nicht ungenutzt lassen und mein Bestes geben.

Im ersten Semester merkte ich, dass ich kaum Kontakt zu meinen Kommilitonen hatte. Ich musste jedes Mal so schnell nach Hause, dass überhaupt keine Möglichkeit dafür bliebt. In diesem Semester war das anders. Es tut gut, seine Mitstudierenden in einem gewissen Rahmen kennenzulernen und sich über die Uniangelegenheiten austauschen zu können. Es gab tatsächlich kaum eine Veranstaltung, in der ich alleine saß ;-) Das macht mir zwar gar nichts aus, aber ich merke natürlich den Unterschied sehr stark.

Gut gefallen hat mir auch, dass ich an manchen Tagen, mal regelmäßig und mal ausnahmsweise, mich mit Freunden treffen konnte. Dass auch Zeit für einen Kaffee war. Es kam nicht so häufig vor, weil ich morgens ja meistens Dinge vorbereitete (und manchmal auch bloggte) und die Pausenzeiten eher kurz ausfielen, aber es gab dennoch immer wieder Gelegenheit dazu.


Ausblick

Der Semesterplan für das Sommersemester steht natürlich schon und ich hoffe sehr, dass es ein wenig stressfreier sein wird.  Ich werde einen guten Stundenplan haben, mit einem freien Montag und insgesamt neun Veranstaltungen (zwei mehr als im Wintersemester). Die Herausforderung wird wahrscheinlich Latein sein. Ich muss/will Latein lernen und neben den vier Semesterwochenstunden werde ich wohl viele Stunden zu Hause Vokabeln lernen und Texte übersetzen. Ich werde im kommenden Semester eineinhalb Module in Literaturwissenschaft belegen (plus Referate und eine mündliche Prüfung), wahrscheinlich zwei Veranstaltungen in Kunstgeschichte (das Tutorium, das mir noch fehlt, um das Modul abzuschließen, ist am Nachmittag), wenn möglich ein Projektseminar (am Wochenende, ist Teil des Praxismoduls) und noch eine weitere Exkursion. Dieses Semester wird wieder sehr leseintensiv und ich werde einige Referate vorberieten müssen. Aber, wenn ich es richtig einschätzen kann, schreibe ich nur eine Klausur in Latein und schreibe eine Hausarbeit.


Fazit

Das letzte Semester war anstrengend und teilweise sehr hart. Und dennoch bin ich sehr froh, dass ich es geschafft habe. Das nächste Semester wird bestimmt wieder ganz ähnlich, so gut ich auch planen werde und mir meine Motivation erhalte. Ich weiß, dass ich vieles schaffen kann, wenn ich diszipliniert bin. Ich bin so dankbar, dass mich mein Freund unterstützt. Er hat mir bei vielen Krisen geholfen, nicht nur mental, sondern auch inhaltlich. Sollte man mich fragen, ob ich denn bei dem ganzen Stress empfehlen könnte, mit Kind zu studieren, muss ich sagen, dass ich es natürlich empfehlen kann. Wenn das Studium eine Leidenschaft, ein Wunsch, ein Traum ist, dann ist ein Kind kein Hinderungsgrund. Ein Kind im Studium zu haben, kann motivieren, fleißig zu sein, seine freie Zeit bewusst zu nutzen und zielstrebig auf ein Ziel hinzuarbeiten. Weil ich es nicht kenne, weiß ich nicht, wie mein Studium ohne Anton ausgesehen hätte (wahrscheinlich wäre ich auch motiviert), aber alles geht irgendwie. Auch wenn es nicht immer leicht ist. Wo ein Wille ist, da ist auch ein Weg. Und was muss, das muss. Das sind doofe Sprichwörter, die hier aber ihre Berechtigung haben. Man sollte aber auch ein gewisses Maß an Gelassenheit besitzen, weil man nicht alles planen kann und weil man vielleicht seine Ansprüche in gewisser Weise runterschrauben muss. Auch wenn ich mich manchmal durchkämpfen muss, liebe ich das Studium. Ich freue mich auf das neue Semester und jetzt auf ein paar freie Wochen :)


Wie war euer Semester? Mit was hattet ihr zu kämpfen, wo lagen eure Schwierigkeiten und Herausforderungen? Freut ihr euch auch so über eure Semesterferien? :)


Zum ersten Bericht über das letzte Semester kommt ihr, wenn ihr hier draufklickt.
Ihr wollt noch mehr zu diesem Thema lesen? Hier findet ihr alle Beiträge zum Thema Studieren mit Kind sowie zu CampusMum - Interviews mit studierenden Müttern über ihr Leben mit Kind und Buch.

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