14.03.2015

5 Tage ohne Baby


Schon im Dezember musste ich mich entscheiden, ob ich im März auf eine Fortbildung gehen würde. Denn da startete das Bewerbungsverfahren für die fünftägige Lehreinheit. Ich wusste zwar noch nicht so genau, wie das funktionieren würde, aber ich meldete mich einfach mal an.

Im Januar kam dann die Email: Anmeldung bestätigt. Ich freute mich riesig und fing direkt an zu organisieren. Anton sollte zu meinen Eltern kommen, ich würde keine Möglichkeit haben, unter der Woche für einen Abend zu ihnen zu fahren. Mein Freund konnte kein Urlaub nehmen und musste arbeiten. Deshalb fuhr er an zwei Abenden zu meinen Eltern und spielte abends mit Anton. Ob Anton dadurch verwirrt wäre und er ihn lieber nicht so kurz sehen sollte? Ob er uns sehr vermissen würde? Ich war sehr gespannt.

Ich war so gespannt, dass ich beschloss, die Tage einfach mal in Tagebuchform festzuhalten.
Wie ist es also gelaufen?!



Eine Woche vor der Fortbildung:
Prima. Anton ist krank. Seit Dezember reiht sich eine Erkältung an die nächste. Und so kurz vor Abgabe der Hausarbeiten und vor so einem wichtigen Termin muss er auch krank werden. Armer Kerl. Zwei Tage mit Hausmittelchen, dann der Arztbesuch, Krankschreibung, Medikamente. Am Wochenende ist er immer noch nicht gesund, aber wieder fitter. Er schläft normal, isst noch mehr als sonst und ist allgemein gut drauf.

Sonntag:
Wir verbringen einen richtig schönen Familientag. Und abends fahren wir zu meinen Eltern. Als wir ankommen, sind sie noch unterwegs. Wir kochen uns was Leckeres und spielen gemeinsam. Es wird spät, Anton wird müde, meine Familie kommt aus dem Urlaub zurück und es gibt ein großes Wiedersehen. Anton ist mittlerweile todmüde, wir verabschieden uns und er wird von meiner Mutter ins Bett gebracht. Dieses Mal finde ich es nicht komisch, ohne Anton die 80 km nach Hause zu fahren. Im November und Anfang Februar blieb er für nicht einmal 24 Stunden bei meinen Eltern und wir fuhren alleine nach Hause. Ich habe einfach nur eine riesige Vorfreude auf die kommende Woche. Aber zu Hause ist es doch ganz schön ruhig.


Montag:
Ich stehe nach einer kurzen Nacht viel zu früh auf, mache mich fertig und eile zum Bahnhof. Erst am Frankfurter Bahnhof wird mir wieder bewusst: f ü n f Tage babyfrei! Abgefahren. Nach der letzten extrem stressigen Woche mit kratzendem Kind habe ich mir das sowas von verdient. :) Der erste Tag vergeht wie im Flug. Zug fahren, in einer neuen Stadt ankommen, eine spannende Fortbildung erleben, ganz viel Sonne, Freunde seit viel zu langer Zeit wieder sehen. Es ist spätabends und ich bin einfach nur platt. Natürlich vermisse ich meine Männer, aber der Tag war so voll, dass ich kaum darüber nachdenken konnte.

Dienstag:
Meine Mutter erzählt mir am Telefon, dass Anton oft nach mir fragt, aber dass er nicht weint oder ängstlich ist. Als wir sprechen, ist Anton nebendran und zeigt auf das Telefon, wenn meine Mutter ihn fragt, wo die Mama sei. Mama? höre ich ihn fragen. Mein Herz schmilzt. Er bekommt das Telefon und wir "reden" miteinander.


Mittwoch:
Mit jedem Tag, den ich länger weg bin, vermisse ich meine Männer ein bisschen mehr. Aber ich muss ehrlich sagen, dass es kein akutes Vermissen ist. Ich genieße die Zeit sehr, ich lerne sehr viel und ich weiß, dass es allen gerade gut geht.
Es ist klar, dass ich jeden Tag mit meiner Mutter telefoniere. Ich will wissen, wie es Anton geht und wie meine Familie mit dem kleinen Menschen zurechtkommt. Alles läuft gut. Ich wusste es, dass Anton dort in guten Händen ist. Aber krank ist er immer noch. Trotz der vielen Anwendungen, die er durch meine Mutter bekommt: Fußbäder, Hühnersuppe, Inhalieren. Morgen muss er vielleicht wieder zu einem Arzt. Wenigstens hatte er am Montag und heute Abend seinen Papa bei sich.

Donnerstag:
Übrigens habe ich hier ein "Ersatz-Baby". Es ist so schön, dass meine Freunde einen sieben Monate alten Jungen haben. Er ist ein wunderbares, starkes, ganz fröhliches und zufriedenes Kind. Mir macht es Spaß, mit ihm zu spielen und habe am vergangenen Abend auf ihn aufgepasst (zum ersten Mal in meinem Leben ge-babysittet). Hat alles gut geklappt. Ich bin eben Baby-erprobt ;-) Ich würde aber auch gerne mit Anton knuddeln.
Abends habe ich ein Date mit meinem Freund. Er ist zufällig auch wegen einer Fortbildung in Karlsruhe. Bevor wir essen, erfahren wir, dass es Anton nicht so gut geht. Meine Mutter war mit ihm beim Arzt, weil er immer noch stark hustet und schlecht schläft. Glücklicherweise hören wir aber auch, dass er gut drauf ist, normal isst und trinkt. Der Arzt diagnostiziert eine Bronchitis und eine Mittelohrentzündung und es gibt ein Antibiotikum für Anton.


Freitag:
Meinen großen Mann hatte ich nun endlich um mich und am Abend fahren wir zwei Stunden, um den kleinen Mann abzuholen. Was freue ich mich, ihn wieder zu sehen! Er schaut ganz vorsichtig, wer da geklingelt hat und als er uns sieht, lächelt er. Anton freut sich riesig, ich mich noch viel mehr. Küsse, Küsse, Küsse.


Wisst ihr, diese fünf Tage waren wunderbar. Ich habe sehr viel gelernt und die Fortbildung hat mich beruflich vorangebracht. Ich konnte außerdem richtig gut abschalten und die Zeit genießen, weil ich wusste, dass Anton gut aufgehoben ist. So wie ich es empfinde, sind fünf Tage am Stück (und eigentlich waren es ja mit Sonntag Abend eher fünf einhalb Tage) für so ein kleines Wesen doch schon eine ganze Menge. Ich war mir nicht sicher, ob es eine gute Idee sein würde, wenn mein Freund abends käme, mit ihm spielte und ihn ins Bett brächte und am nächsten Tag wieder weg wäre. Doch scheinbar hat es gut geklappt und Anton hat es nichts ausgemacht. Wir haben diese Woche vor allem aber auch schon rechtzeitig geplant. Seit Januar hat Anton meine Familie sehr regelmäßig in kurzen Abständen live gesehen und mit ihnen Zeit verbracht. Und hin und wieder haben wir auch geskypt. Ich merke, dass Anton sich sehr schnell wohl fühlt und dass es ihm grundsätzlich meistens gut geht, wenn sich (irgend)jemand mit ihm beschäftigt. Diese fünf Tage waren ein Experiment, das wahrscheinlich nicht so schnell wiederholt wird. Aber nicht, weil es nicht funktionieren würde, sondern einfach, weil ich glaube, dass es nicht sein muss. Doch muss ich auch sagen, wie sehr ich es genossen habe, seit Jahren wieder einmal ganz allein zu sein. Es tut gut, es erdet mich, es zeigt mir, wie viel Gutes ich habe.

Und ich bin so froh, dass unsere kleine Familie wieder vereint ist. Dieses Gute, das ich habe, möchte ich nun küssen und kuscheln.

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