16.03.2015

CampusMum: Luisa


In der Reihe CampusMum stelle ich euch Frauen vor, die neben Kind und Kegel noch ein Studium meistern. Ich frage sie nach ihrem wie, was und warum.


Heute stelle ich euch wieder eine Bomben-Frau vor! Luisa ist 33 Jahre alt, verheiratet und hat zwei Jungs. Sie wohnt mit ihrer Familie in Berlin, wo sie auch studiert. Ich habe sie über die Studieren mit Kind - Studium mit Kind Gruppe auf Facebook kennengelernt und mich dann sehr bald durch ihre zahlreichen Tipps auf dem Blog Berlin2Bali, das seit heute Studieren+ heißt, geklickt. Luisa ist besonders gut darin, ihre Erfahrungen als studierende Mutter auf eine informative Weise zu vermitteln. Diese Gedankenanstöße richten sich aber nicht nur an studierende Eltern, sondern auch ganz generell an StudentInnen. Im heutigen CampusMum Interview beantwortet sie mir Fragen zu ihren Aufgaben an der Uni, zur Betreuungssituation ihrer Söhne und zu drei wichtigen Projekten in ihrem Leben: Blog, Buch, Bali.




Liebe Luisa, ich freue mich sehr, dass du beim CampusMum Interview mitmachst! Erzähl‘ uns doch bitte, was du studierst, in welcher Hochschule und ich welchem Semester du bist.

Ich studiere Wirtschaftskommunikation Master an der Hochschule für Technik und Wirtschaft in Berlin. Ab April bin ich offiziell im 6. Semester.


Du hast dich nach deiner Ausbildung zur Kauffrau im Groß- und Außenhandel dafür entschieden, ein Studium zu beginnen. Während des Studiums kamen eure beiden Kinder. Fühlst du dich manchmal „alt“ (bzw. „reif“) an der Universität?

Als ich 2008 mit meinem Bachelor anfing war ich 26. Viele meiner Kommilitoninnen kamen frisch vom Abi, das hat mich schon verunsichert. Ich fühlte mich nie alt im eigentlichen Sinne, kam mit den anderen immer sehr gut zurecht. Ich hatte aber aufgrund meines Alters, dem Abstand zur Schule und meinem schlechten Abschnitt schon Angst, nicht mithalten zu können. Damals hatte ich auch noch keine Kinder. Jetzt mit 33 fühle ich mich manchmal schon „reif“ wenn ich Bachelorersties sehe. Die sind ja oftmals nichtmal volljährig. Aber das ist wirklich eine ganz neue Erkenntnis ;D


Nicht nur du studierst, sondern auch dein Mann. Wie finanziert ihr euer Studium, das Leben und die Kinder? Arbeitet ihr neben dem Studium?

Wir erhalten beide den BAföG Höchstsatz. Für die Kinder gibt es einen Betreuungszuschlag von 113€ und 85€. Darüber hinaus erhält mein Mann 300€ Deutschlandstipendium seit 1,5 Jahren und arbeitet als studentische Hilfskraft an seiner Hochschule. Ich verdiene mein Geld als Frauenbeauftragte an meiner Hochschule und wir beide sind nebenbei auch noch als Gutachter für Studiengangsakkreditierung tätig. Im Grunde hat also jeder von uns zwei Nebenjobs. Die lassen sich jedoch sehr gut mit Studium und Kind vereinbaren, werden gut bezahlt und sind weit weniger stressig als man meinen mag, da wir weitgehend selbstbestimmt arbeiten können. So kommen wir auf ein monatliches Einkommen, von dem wir ganz gut leben können ohne jeden Euro drei Mal umdrehen zu müssen.


Wie ist die Betreuung eurer Kinder organisiert?

Beide gehen in die Kita seit sie 16 bzw. 12 Monate alt waren. Wenn sie nicht gerade krank sind, sind sie von ca. 8:45 Uhr bis 16:30 Uhr dort. Einmal pro Woche holen meine Eltern sie von dort ab und verbringen den Nachmittag mit ihnen. Nicht weil sie müssen, sondern weil sie wollen. Alle paar Monate bleiben die Jungs auch mal über Nacht bei den Großeltern. Was die Kitaschließzeiten angeht, haben wir bisher sehr großes Glück. Die Sommerferien beginnen in der Kita genau nach unserer Prüfungszeit. Da wir beide keine Anwesenheitspflicht in Lehrveranstaltungen haben, ist es auch kein Problem, wenn die Kids mal krank werden. Im größten Notfall springen auch mal die Großeltern ein oder die Kids kommen mit zur Uni. Das kam in 6 Jahren aber auch wirklich nur ein oder zwei Mal vor.


Neben deinen Aufgaben als Mutter und Studentin engagierst du dich auch an der Universität und bist sehr aktiv. Wo wirkst du mit und was sind deine Tätigkeitsfelder?

Nach meiner ersten Babypause habe ich 2010 zusammen mit ein paar Kommilitoninnen und Kommilitonen die studentische Elterninitiative HTW Grashüpfer gegründet, dessen Vorsitzende ich bis vor einigen Monaten war. Unser Ziel war es, das Thema Familienfreundlichkeit an unserer Hochschule voranzutreiben und die Vernetzung studierender Eltern zu ermöglichen.
Seit SoSe 2011 vertrete ich bundesweit die Interessen der Studierenden als Gutachterin für Studiengangsakkreditierungen. In den letzten vier Jahren habe ich in dieser Funktion über 20 Hochschulen besucht, mir deren Studiengänge angeschaut und deren Studierbarkeit beurteilt. Seit WS 2011/12 bin ich nebenberufliche Frauenbeauftragte für meinen Fachbereich. Dort wirke ich insbesondere in Bewerbungsverfahren und Berufungskommissionen mit, entwickle Gleichstellungsmaßnahmen und berate Angehörige aller Statusgruppen zum Thema Gleichstellung, Chancengleichheit und Diskriminierung.


Dein Blog Studieren+, das du mit deinem Mann betreibst, gibt sehr informative Auskünfte über typische Studierendenfragen, wie beispielsweise Finanzierungshilfen, Lerntipps und Zeitmanagement. Ist euer Blog das Resultat eurer Erfahrungen aus dem Studium und eures Engagements?

Ja auf jeden Fall. Wir beide sind kein typischen Studis und waren es nie. Wir haben beide erst nach mehreren Jahren Berufserfahrung den Weg in die Uni gefunden. Er sogar ohne Abitur und dann auch noch mit Kind. Wir sind praktisch immer bei allem der Ausnahmefall, aber wir haben uns ziemlich erfolgreich durchgewurstelt, beide den Bachelor mit 1 vor'm Komma abgeschlossen. Nun ist das endgültige Ende der Studienzeit in Aussicht. Die Masterthesis naht und wir möchten unsere Erfahrungen einfach weitergeben. Wir kennen so ziemlich alle Hürden, die ein Studium mit 25+, ohne Abi und mit Kind so mit sich bringt. Nicht nur aus persönlicher, sondern auch professioneller Erfahrung. Das hat sich irgendwann rumgesprochen. Oft wurden wir von uns fremden Leuten auf Facebook in Studienangelegenheiten um Rat gefragt und da kam dann irgendwann die Idee, das alles in einem Blog zu verarbeiten. Jetzt muss ich nur noch Links setzen, um Fragen zu beantworten. Geht wesentlich schneller ;)


Du schreibst zur Zeit auch noch an einem eigenen Projekt: „Studieren mit Kind - das Buch“. Erzähl’ uns doch bitte mehr darüber.

Wie schon erwähnt, war ich nicht immer Studentin mit Kind. Aber ich spielte immer mit dem Gedanken. Schon vor dem Studium fragte ich mich, ob das eine mit dem anderen wohl vereinbar sei. Ich war Mitte 20 und wollte in absehbarer Zeit Kinder. Gleichzeitig wollte ich mich aber auch beruflich und geistig weiterentwickeln, aber nicht bis Mitte 30 mit der Familienplanung warten. Wie mir ging es damals fast allen meinen Freundinnen. Die Familienplanung war damals für uns tatsächlich ein ausschlaggebender Punkt für oder gegen ein Studium. Nach Jahren des Rumrätselns hab ich mich dann als erste getraut, den Job zu schmeißen und ein Studium aufzunehmen. Das erste Semester war unglaublich anstrengend, dabei hatte ich damals noch nicht mal Kinder. Ich war mir sicher, dass ich das mit Kindern nicht packen würde und ehe ich mich versah, war ich schwanger. Ganz ungeplant. Ich hatte eine Heidenangst. Aber ich entschied mich für die Flucht nach vorn und nun starte ich mit meinem Mann und meinen mittlerweile zwei Kindern ins Auslandssemester nach Bali. Eine Geschichte, die schwierig anfängt kann also auch wundervoll enden und genau davon handelt das Buch. Es soll ein Mutmacher sein. Eine Mischung aus Sachbuch und Autobiografie. Es soll alle wichtigen Hardfacts zu Themen wie der Studienfinanzierung mit Kind enthalten, aber auch aufzeigen wie sich so ein Studium mit Kind entwickeln kann. Es soll all die Informationen enthalten, die in Broschüren und klassischen Ratgebern fehlen. In meinem Buch wird man keine Erziehungstipps finden und es gibt auch kein Schema F, das man abspulen kann, damit es klappt. Es erzählt die komplette Geschichte eines Studiums mit Kind vom ersten Semester bis zum Abschluss. Es ist die ausführliche Antwort auf die Fragen, die ich mir vor meinem Studium mit Kind gestellt habe und das nicht aus Sicht einer Beratungsstelle, sondern aus Sicht einer Person, die es selbst durchgemacht hat. Das Buch wird im April erscheinen. Eine kostenlose Leseprobe kann man hier runterladen.


Wann findest du bei so vielen Aufgaben Zeit zum Lernen und um dich vorzubereiten? In einem Gespräch sagtest du einmal zu mir, dass du nur das Nötigste machst und damit gut fährst.

Je länger ich studiere, desto weniger Zeit wende ich für meine Prüfungsvorbereitung auf und stelle fest, das meine Noten nicht schlechter werden. Sie werden sogar besser. Ich habe für mich herausgefunden, dass es nicht darauf ankommt, wie viel ich tue, sondern nur darauf, das richtige zu tun. Ich hab da gar kein großes Geheimnis. Ich glaube, meine für mich wichtigsten Erkenntnisse waren, dass ein schlechtes Gewissen Zeitverschwendung ist, viel Zeitaufwand keine guten Noten verspricht und dass ich Prioritäten setzen muss. Klingt total banal. Ist es auch. Ich bin mir sicher, dass das den meisten ohnehin klar ist. Besonders denen, die mit nem Einserabi an die Uni kommen. Das war bei mir aber nicht so. Ich hab in meinem ersten Semester länger und härter gelernt als viele anderen (sicher nicht alle) und trotzdem schlechtere Noten geschrieben. Das war total frustrierend. Nach der Geburt meines ersten Kindes konnte ich dann nicht mehr so viel Zeit dafür aufwenden. Meine Noten blieben aber gleich. Das hat mich sehr erstaunt. Nach der Geburt des zweiten Kindes wurden die Noten dann sogar besser, obwohl ich noch weniger Zeit hatte. Ich konzentriere mich mittlerweile nur noch auf's Wesentliche, hab Mut zur Lücke und gehe nur noch in Lehrveranstaltungen, von denen ich überzeugt bin, dass ich dort etwas lerne. Wenn ich nach zwei Besuchen feststelle, dass ich nur Löcher in Luft gestarrt oder meinen Banknachbarn nett unterhalten habe, gehe ich nicht mehr hin und nutze die Zeit zu Hause für meine Prüfungsleistung. Dann bleibt natürlich auch wieder mehr Zeit für andere Dinge.


Welche Erfahrungen hast du an deiner Universität in der Rolle als (werdende) Mutter gemacht? Hattest du z. B. schon einmal Probleme, eine Frist aufgrund von Krankheiten bei den Kindern einzuhalten oder an manchen Veranstaltungen nicht teilnehmen zu können?

Ich persönlich hatte da irgendwie nie Probleme. Irgendwie konnten wir das bisher immer managen und unsere Prüfungsleistungen fristgerecht abgeben. Wir stimmen unsere Stundenpläne so ab, dass abends immer jemand daheim ist. Da ich mich nicht streng an die Regelstudienzeit halte, sondern die Verlängerung der Ausbildungsförderung durch BAföG nutze, konnte ich mir meine Stundenpläne auch immer so legen, dass es passte. Und wie gesagt, ich hab eh keine Anwesenheitspflicht. Sollte ein Termin ganz schlecht liegen, eigne ich mir das Wissen eben autodidaktisch an oder belege den Kurs in einem anderen Semester.


Ihr habt in diesem Jahr Großes vor! Heute geht es für euch als ganze Familie für einige Monate nach Bali. Seid ihr mutig, verrückt oder ganz normal?!

Tja, das wüsste ich auch gern :D Also normal sind wir wohl eher nicht. Mutig? Muh.. weiß nicht… Kostet es wirklich Überwindung 5 Monate auf Bali zu leben? Ich glaube, ich wäre verrückt, wenn ich die Chance nicht nutzen würde. ;)
Nee im Ernst. Wir nutzen einfach die Chancen, die sich uns bieten und ein Auslandssemester ist einfach DIE CHANCE mal rauszukommen. Ja mein Mann und ich werden in Bali ordentlich studieren. So richtig mit Kursen, Prüfungen und Leistungspunkten und die werden uns hier auch angerechnet. Dort sogar mit strenger Anwesenheitspflicht (Fingerabdruckscanner)! Aber hey, wir sind auf Bali! Wie schlimm kann das schon sein? Übrigens kann das so ziemlich jeder machen, der Wirtschaftswissenschaften oder Architektur studiert. Mehr dazu gibts auf meinem Blog.


Habt ihr schon eine Vorstellung davon, wie euer Alltag dort aussehen wird?

Unser Semester startet offiziell am 6. April. Wir reisen drei Wochen vorher an, um uns erstmal zu akklimatisieren und eine Betreuung zu organisieren. Das soll vor Ort sehr einfach und kostengünstig sein. Wir gehen da sehr entspannt dran. Wenn es nicht so schnell klappt, ist uns das egal. Die Balinesen sind so kinderlieb, da dürfen wir die Jungs anfangs bestimmt auch mitnehmen und im schlimmsten Fall bleibt einer von uns erstmal bei den Kids. Das Semester ist dort in 6 Wochen Vorlesungszeit, 2 Wochen Ferien und dann nochmal 6 Wochen Vorlesung inkl. Prüfung unterteilt. Wir werden montags bis mittwochs von 8:00 bis 14:30 Uhr in der Uni sitzen. Donnerstags sind Exkursionen und dann langes Wochenende. Wir haben ein Haus in strandnähe gemietet. Die Lebenshaltungskosten in Bali sind sehr gering. Wir werden also wahrscheinlich viel Zeit am Wasser verbringen. Insgesamt lassen wir aber alles einfach auf uns zukommen. Wir sind keine großen Planer. Wir vertrauen einfach immer drauf, dass am Ende alles gut wird. Bisher hat sich das immer bestätigt. Wer neugierig ist, kann uns übrigens gern auf YouTube folgen. Dort werden wir wöchentliche Updates aus Bali hochladen.


Mit Kind und Kegel zu vereisen, setzt Einiges an Energie und Vorbereitung voraus. Wann habt ihr entschieden, als Familie ein Auslandssemester zu machen? Und wie war der organisatorische Aufwand? 

Ich weiß jetzt nicht wie das z.B. bei Erasmus ist, aber in unserem Fall war die Organisation recht einfach. Der schwierigste Part war eigentlich nur eine Hochschule bzw. ein Programm zu finden, dass sowohl für mich als auch für meinen Mann passt. Wir studieren an verschiedenen Hochschulen in verschiedenen Studiengängen mit unterschiedlichen Partnerhochschulen. Das fiel deshalb ziemlich schnell weg. Europa hat uns nicht gereizt. Afrika auch nicht. Australien, USA und Neuseeland erschienen und als Familie zu teuer. Blieben nur noch Asien und Südamerika. Wir haben dann recherchiert und landeten dann bei IBSN, dem Austauschprogramm der FH Dortmund mit der Universitas Udayana in Bali. Die Zugangsvoraussetzungen sind recht einfach, es gibt ein Programm auf Masterniveau (wichtig, damit ich es hier anrechnen lassen kann) und die Lebenshaltungskosten inkl. Kinderbetreuung sind erschwinglich. Angemeldet haben wir uns dann vor einem halben Jahr und dann eins nach dem anderen abgehakt. Ich hab hier mal eine kleine Checkliste zusammengestellt, was alles für ein Auslandssemester in Bali zu erledigen ist.


Und zu guter Letzt: hast du für unsere LeserInnen und für mich ein, zwei konkrete Tipps, die das Studium mit Kindern leichter machen. Oder einen guten Ratschlag, den man beherzigen sollte?

Lass dich nicht von anderen verunsichern. Wie die es machen, ist vollkommen egal. Das ist dein Studium, deine Familie, dein Weg. Andere machen es anders? Schön für sie. Rechtfertige dich nicht, nimm nicht alles so ernst und hab Mut zur Lücke. Du darfst ruhig mal alles scheiße finden, aber niemals aufgeben. Wenn du ans Aufgeben denkst, dann vergiss nicht, dass du mit einem Abschluss nicht nur deine eigene berufliche Perspektive verbesserst, sondern auch die deines Kindes. 80 % der Akademikerkinder studieren später selbst und nur 3 % der Akademiker sind arbeitslos. Du machst das für dich und dein Kind. Für niemand sonst. Du schaffst das! Ich glaub an dich.


Liebe Luisa, ich danke dir sehr für das informative Gespräch. Du leistest wirklich viel und es ist spannend zu lesen, was man alles mit Familie schaffen kann. Ich wünsche dir und deiner Familie eine wunderbare und spannende Zeit auf Bali!


Alle bisherigen Interviews der Reihe CampusMum findet ihr hier. Und hier kommt ihr zu allen Artikeln, die sich mit dem Thema Studieren mit Kind beschäftigen.

Kommentare:

  1. Hey Betsi,

    danke für das coole Interview, hat Spaß gemacht :)

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    1. Ich danke dir für deine Zeit! Habt einen guten und entspannten Start auf Bali!

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