29.03.2015

Reisen mit Kindern: unsere Erfahrungen mit dem ICE


Letzte Woche sind Anton und ich zum ersten Mal gemeinsam im ICE gefahren. Seit Anton wenige Wochen alt ist, fahre ich ständig mit ihm Zug, sei es nach Wiesbaden, Darmstadt, Frankfurt oder zu meinen Eltern. Dabei ist die Strecke zu meinen Eltern mit 1,5 Stunden die weiteste Fahrt, die wir im Alltag machen. Anton und ich kennen uns also bestens mit Regionalbahnen aller Art aus.


Im letzen Jahr sind wir einmal mit dem EC nach Karlsruhe gefahren und zwar zu so einer frühen Uhrzeit, dass außer uns nur noch zwei weitere Mitfahrer im Abteil saßen.

Letzte Woche stand also unsere erste Fahrt mit dem ICE an. Wir besuchten eine Freundin in Stuttgart und ich ergatterte kurzfristig sehr günstige Bahntickets. Die Sitzplätze hatte ich nicht reserviert. Ein paar Tage vor Abfahrt machte ich mir dann Sorgen: Ohje, zu so einer Uhrzeit fahren bestimmt viele Geschäftsreisende mit und alle Plätze sind belegt (das hatte ich beispielsweise auf der Fahrt nach Karlsruhe vor ein paar Wochen). Wo gehe ich dann mit Anton hin? Wir haben ja noch den Kinderwagen dabei... Aber dann fiel mir ein, dass es ein Familienabteil gibt und dass wir, wenn dieser voll oder reserviert sein sollte, einfach ins Bistro gehen würden. Diese 1,5 Stunden würden wir schon locker hinkriegen.


Ich habe durchweg sehr positive Erfahrungen gemacht und kann eine Bahnfahrt mit dem ICE nur empfehlen! Hier sind einige Dinge, die das Zugfahren noch leichter machen:

1. Solltet ihr am Bahnhof umsteigen müssen, dann plant genug Zeit dafür ein. Ich hatte "nur" 15 Minuten, um von unserem Zug aus Wiesbaden zum Zug nach Stuttgart umzusteigen. Klingt nicht wenig, doch wenn man mit dem Kinderwagen unterwegs ist, dann können Menschentrauben oder ein defekter Aufzug echte Hindernisse darstellen. Wir mussten beispielsweise sehr zügig durch den ganzen Bahnhof laufen, weil das Gleis am anderen Ende des Bahnhofs war, fuhren die Rolltreppe hoch und es blieb uns keine Zeit, noch einen Kaffee zu holen.

2. Es lohnt sich auch deshalb rechtzeitig am Gleis zu stehen, weil man auf den Anzeigetafeln herausfinden kann, in welchem Wagen das Familienabteil ist. Das Familienabteil befindet sich immer zwischen den Wagen der 1. Klasse und dem Bistro. Ziemlich praktisch. Wir stellten uns dann zum richtigen Abschnitt und konnten schnell das Abteil finden.

3. Die Schaffner sind sehr freundlich zu Müttern. Diese Erfahrung konnte ich immer wieder machen. Sie helfen beim Ein- und Aussteigen, halten die Türe auf, erklären, wo wie was ist.



4. Der Kinderwagen findet Platz im Wagen der 1. Klasse. Dort ist ein Platz für Menschen mit Behinderung oder Rollstuhlfahrern eingerichtet, der selten benutzt wird. Wir stellten den Kinderwagen ab, nahmen die Wertsachen bzw. die Wickeltasche mit und konnten es uns im Familienabteil gemütlich machen.

5. Wir brauchten keine Reservierung für's Familienabteil. Auf der Bahnseite gibt es die Möglichkeit für Familien, für 9 € Plätze für die ganze Familie zu reservieren. Wir haben das glücklicherweise nicht gebraucht. Wir waren in mehr als die Hälfte der Fahrten alleine im Abteil.

6. Sollte doch eine andere Familie noch im Familienabteil Platz finden, kann es ganz schön lustig werden. Die kleine Marie war Anton suspekt, aber der große Paul half uns beim Bücherlesen und plapperte von seinen Erlebnissen aus Thailand.

7. Unterhaltungsprogramm ist ganz wichtig. Natürlich ist so eine Fahrt ganz spannend und Kinder können sich minutenlang ans Fenster stellen und die vorbeiziehende Landschaft bewundern oder den kleinen Raum erkunden, aber dann wird auch das schon wieder langweilig. Weil ich "leicht" verreisen wollte, packte ich Antons Lieblingsbücher plus ein ganz neues Buch mit ein. In dem Wimmelbuch gibt es so viel Neues zu entdecken, dass wir damit schon einmal viel Zeit herumkriegten. Außerdem hatte Anton in seinem eigenen Rucksack auch seine beiden Lieblingsautos und ein Kuscheltier dabei. Die andere Familie half natürlich beim Entertainen. Was bei uns im Zweifelsfall immer geht: Selfies mit dem Handy machen :)



8. Snacks gehören auch zu unserem Reisegepäck. Ich bin eigentlich kein großer Fan vom Snacken und möchte, dass Anton seine Mahlzeiten zu seinen "festen" Zeiten bekommt. Aber entweder hat er zwischendurch wirklich mal richtig Hunger oder die Reisezeit ist parallel zu seiner Essenszeit und deshalb habe ich immer etwas zu Essen dabei. Ein belegtes, in kleine Reiterchen geschnittenes Brot, vielleicht auch mal eine Brezel, wenn die Zeit knapp ist und man schnell beim Bäcker am Bahnhof vorbeischauen muss, Obst (Banane ist hier sehr beliebt), Quetschefrüchte und tatsächlich auch mal ein paar "Kinderkekse".

9. Es ist auch sinnvoll, die Reisezeiten dem Tagesrhythmus des Kindes anzupassen. Vielleicht macht es mehr Sinn, einen späteren Zug zu nehmen, damit das Kind vorher noch in seinem Bett schlafen kann und dann fit ist. Auf der Hinfahrt hatte Anton seine Spielzeit und ich habe mich intensiv mit ihm beschäftigt. Auf der Rückfahrt hatte ich Glück und er schlief bereits vor der Abfahrt. Weil er so müde war schlief er bis zwanzig Minuten vor Ankunft in seinem Kinderwagen.

10. Weil im Familienabteil nicht unbedingt Platz für den Kinderwagen ist durfte ich also in der 1. Klasse sitzen und darauf warten, dass Anton aufwacht. Jackpot. Wirklich! Der ICE war nicht sehr voll und somit durfte ich fast die ganze Fahrt über in der 1. Klasse sitzen. Inklusive Schokoladenausgabe durch den Schaffner. Ich hatte noch nie so eine entspannte Zugfahrt. Als Anton aufwachte, gingen wir für die letzten zwanzig Minuten noch ins Familienabteil.


Anton ist ein sehr unkomplizierter Mitreisender, egal ob im Auto oder mit dem tut tut. Diese beiden Fahrten mit dem ICE haben bestens funktioniert und ich weiß, dass ich bei der nächsten Fahrt im Vorfeld viel gelassener sein kann. Welche Erfahrungen habt ihr denn mit den Zügen gemacht? Hattet ihr auch entspannte Fahrten?

Kommentare: