20.04.2015

CampusMum: Nicole


In der Reihe CampusMum stelle ich euch Frauen vor, die neben Kind und Kegel noch ein Studium meistern. Ich frage sie nach ihrem wie, was und warum.


Passend zum Semesterstart in Mainz darf ich euch heute eine sehr gute Freundin im CampusMum Interview vorstellen. Nicole lebt mit ihrem Freund und ihrem 9 Monate alten Sohn Lion in Karlsruhe.  Man kann sich stundenlang mit ihr über Theater und Literatur unterhalten oder man schweigt und genießt das Beisammensein bei einer wunderbaren Tasse Kaffe aus der Siebträgermaschine. Nicole hat im zweiten Bildungsweg das Abitur gemacht und dann das Studium begonnen. Nun schreibt sie an ihrer Bachelorarbeit. Ich habe sie nach ihren Arbeitszeiten, den Betreuungsmöglichkeiten für Lion und einigen Tips zur Abschlussphase des Studiums gefragt.


Liebe Nicole, ich bin sehr froh, dass du beim CampusMum-Interview mitmachst. Erzähl‘ uns doch bitte, was du studierst, in welcher Hochschule und ich welchem Semester du bist. 

Ich studiere im 9. Semester Allgemeine-und Vergleichende Literaturwissenschaften und Romanistik an der Goethe Universität in Frankfurt


Du arbeitest gerade an deiner Bachelorarbeit. Der Alltag mit Kind lässt es nicht immer zu, konzentriert arbeiten zu können. Wir organisierst du dir deinen (Arbeits-)Tag? 

Ich habe das Glück, dass Lions Oma ganz in der Nähe lebt und ihren Enkel auch wirklich sehr gerne um sich hat. Momentan bringe ich Lion von Montag bis Mittwoch für jeweils 4 Stunden zu seiner Oma, damit ich an meiner Arbeit schreiben kann. Leider sind diese 4 Stunden immer im Nu verflogen und ich habe oft das Problem, mich zu lange an etwas festgebissen zu haben (eine Formulierung z. B.). Ich bin von Haus aus auch kein besonders strukturierter oder organisierter Mensch (leider). Was mir viel geholfen hat, war das Anfertigen meines Exposé. Darin habe ich meine Arbeitsschritte genau beschrieben und hake jetzt praktisch jeden Punkt schrittweise ab. An Tagen, an denen meine Konzentration komplett fehlt, beschäftige ich mich auch mal mit etwas anderem, lese ein Buch, bade oder mache Hausarbeit. Ein kurzer Spaziergang hat mir auch schon geholfen, mich zu sammeln.


Wie sieht dein Arbeitsplatz aus? Kannst du zu Hause konzentriert arbeiten oder fährst du lieber in die Bibliothek? Hast du alle Arbeitsmaterialien bei dir oder musst du hin und wieder nach Frankfurt fahren, um Bücher auszuleihen? Wie funktioniert das bei dir, wenn du über Monate an einer Arbeit schreiben musst?

Es ist natürlich sehr schwer, wenn man ständig längere Unterbrechungen während dem Schreiben hat. Du verlierst eigentlich dauernd den Faden, das zermürbt mich manchmal sehr. Das Reinkommen dauert leider immer seine Zeit, dann geht es. Ich arbeite am liebsten zu Hause. Einfach weil ich mich dann in meiner verrückten, verknoteten Beine-Haltung auf den Schreibtischstuhl setzen kann, in Schlabberklamotten, den Kaffee und die Kanne Wasser neben dem Laptop. In die Bibliothek gehe ich nur, um Bücher auszuleihen oder zu verlängern. Ich habe Glück und Karlsruhe hat eine ganz tolle Bibliothek, dort finde ich alles was ich brauche, selbst Bücher, die ich in Frankfurt nicht bekommen würde. Das ist ein Standort-Vorteil :)


Du bist während der Schwangerschaft von Frankfurt nach Karlsruhe gezogen, bist aber immer noch an der Uni Frankfurt eingeschrieben. Wie funktioniert die Kommunikation mit deiner Dozentin? 

Meine Dozentin und ich schreiben uns Emails, ich kann aber jederzeit in ihre Sprechstunde kommen. Bisher hatte ich keine Probleme, musste allerdings auch noch nicht zu sehr auf ihr Verständnis hoffen. Wenn es Verständnisprobleme gibt, werde ich auf jeden Fall ihre Sprechstunde aufsuchen.


Dein Freund studiert auch. Wie finanziert ihr euch? Erhält ihr Bafög? 

Wir arbeiten beide. Mein Freund 3 Tage die Woche und zu Hause und ich 2 Tage die Woche. Da wir im Haus seiner Eltern wohnen, haben wir glücklicherweise nur eine kleine Miete. Ich bekomme dazu noch Elterngeld, den Mindestsatz. Das geht.


Wie ist die Betreuungssituation für euren Sohn? 

Wenn seine Oma nicht in der Nähe wäre, hätten wir es damit schwer, da müssten wir uns sehr strikt absprechen, wenn wir beide weiterarbeiten und studieren wollten. Aber so ist es gut geregelt. Ich hoffe, er bekommt im September einen Kitaplatz, bisher haben wir nur eine Zusage für November.


In den letzten Monaten wird das Thema „Vereinbarkeit von Familie und Beruf“ sehr stark diskutiert und auch wir beide sprachen schon häufig darüber. Da du ja nicht nur berufstätig bist, sondern auch noch studierst würde mich deine Meinung dazu sehr interessieren. 

Dazu habe ich viel gelesen, gerade weil es in den Medien so stark thematisiert wurde. Ich denke, es ist auf jeden Fall möglich und auch so, dass man als Mutter nicht ständig auf dem Zahnfleisch geht. Dafür braucht man allerdings Hilfe und muss auch Aufgaben und Organisatorisches abgeben können. Wenn man mit dem Partner gute Absprachen trifft und gemeinsam versucht den Alltag zu stemmen, ist es schaffbar. Die erste Zeit mit Baby ist ohnehin ein Ausnahmezustand, danach darf man seine Zukunft nicht ausrichten. Das Kind wächst und wird selbstständiger. Ich glaube, wenn es den Eltern gut geht, färbt sich das auch auf die Kinder ab. Ich habe mich letztens mit einer Frau unterhalten, die nach einem Jahr wieder Vollzeit gearbeitet hat. Ihr Sohn geht den ganzen Tag in die Kita und wird abends von der Oma abgeholt und versorgt, bis die Mutter nach Hause kommt. Sie sagt, sie liebt ihre Arbeit und möchte ihrem Kind auch gewisse Dinge ermöglichen (Urlaub z.B.). Diese Frau hat auf mich sehr ausgeglichen und zufrieden gewirkt. Vielleicht ist es das wichtigste, dass man sich mit der Entscheidung, die man trifft, wohl fühlt und kein schlechtes Gewissen aufkommen lässt, weil andere Eltern etwas anders machen.


Hast du für unsere Leser praktische Tipps, wie man erfolgreich seine Bachelorarbeit schafft? Oder ganz allgemeine Hinweise, welche Erfahrungen du im Studienalltag gemacht hast? 

Mir hat es sehr geholfen, genau zu wissen, wie die Arbeit aussehen soll (Fragestellung, Literatur etc.) Mein Exposé ist mein Arbeitsleitfaden und hilft mir in meinem Kopfchaos nicht den roten Faden zu verlieren. Das hilft auch gerade bei längeren Arbeitsunterbrechungen. Dann würde ich sagen, hilft ein Thema bei dem man nicht das Gefühl hat, man muss das Rad neu erfinden. Eine klare Fragestellung und  Gliederung ist auch ein großer Vorteil. Manchmal hilft es, Dinge einfach zu halten. Mein Studienalltag ist ja schon vor dem Baby vorbei gewesen, darum habe ich da leider keine Tipps. Ich habe jetzt das zweite Urlaubssemester beantragt, in Frankfurt kann man trotzdem Prüfungsleistungen erbringen. Das fand ich super hilfreich.



Nicole, ich danke dir sehr, dass du dir zwischen Bachelorarbeit, Familie und Arbeit die Zeit für uns genommen und die Fragen beantwortet hast. Ich wünsche dir weiterhin effektive Stunden beim Schreiben und einen sehr guten Abschluss.

Nicole findet ihr bei Instagram unter dem Namen tantineanni.

Alle bisherigen Interviews der Reihe CampusMum findet ihr hier. Und hier kommt ihr zu allen Artikeln, die sich mit dem Thema Studieren mit Kind beschäftigen.

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