14.04.2015

mit Kleinkindern im Museum: 9 Tipps für einen entspannten Museumsbesuch


Eine der unendlich vielen Aufgaben als Eltern ist es, dem Kind "Kultur" nahezubringen. Was auch immer das heißen mag. Ich bin mit einer Gemeinde und Musik aufgewachsen. Manche nehmen alle Festivals und Konzerte mit. Andere sehen sich unheimlich gerne Theatervorstellungen an. Ich liebe die bildende Kunst. Es liegt also nahe, dass Anton von dieser Leidenschaft Einiges mitgekommen wird und bereits bekommt. Ob es ihn dann später auch wirklich interessiert, darf er selbst entscheiden und sich natürlich auch irgendwann für etwas anderes mehr interessieren (wobei es mich ja unglaublich glücklich machen würde, wenn er auch der Kunst etwas abgewinnen könnte).

Für Kinder ab 3 Jahren wird in fast allen Museen ein kunterbuntes Programm angeboten. Die Vermittlungsabteilungen haben meistens Familien in ihrem Zielgruppenaufgebot. Da gibt es also sonntags die Familienführungen, vielleicht sogar mit Verkleidung, es gibt Workshops zum Malen und Basteln, eigens dafür eingerichtete Kinderräume, Kindergeburtstagsfeiern, Kinderführungen und manchmal sogar eine Kinderbetreuung mit einem großen interaktiven Raum, wie in der Schirn. Dass bei diesem großen Angebot meistens kein Programm für U3 Kinder stattfindet ist eigentlich selbstredend. 

Daher ist es für mich gleichzeitig selbstverständlich, dass Anton eben mit mir ins Museum geht. Kinder sind ein Teil der Gesellschaft und sollen Zugang zu kulturellen Einrichtungen haben. (Zu diesem Punkt aber bald mehr.) Ich muss zugeben, dass es für ihn meistens ziemlich uninteressant ist. Aber weil wir uns so häufig gemeinsam die Ausstellungen ansehen, habe ich Möglichkeiten entwickelt, dass wir beide unseren Spaß daran haben. Meine Erfahrungen sind wohl ziemlich einleuchtend und selbsterklärend, aber wenn man diese Eckpunkte beherzigt, wird der Museumsbesuch möglichst entspannt sein.


1. Kurzer Besuch
Eine große Ausstellung läuft und ihr möchtet alle 300 Objekte in Ruhe betrachten? Ich kann euch gleich sagen, das funktioniert nicht. Sich dann noch die Sammlung des Hauses anzusehen, erst recht nicht. Seid euch dessen bewusst, dass die Aufmerksamkeitsspanne des Kindes nicht so lange ist wie eure und verkürzt den Ausstellungsbesuch. Lieber das Augenmerk auf wenige, sehr gute Werke richten und diese intensiv betrachten und den Rest der Ausstellung durch das Durchwandern wahrnehmen. Oder ein zweites Mal wiederkommen.

2. Tagesrhythmus beachten
Die Aufmerksamkeit des Kindes wird natürlich auch durch seine Schlafens- und Essenszeiten bestimmt. Da man im Museum weder essen noch trinken darf (auch kein Wasser), sollte der Besuch möglichst mit sattem Kind erfolgen. Anton hat in den letzten 17 Monaten erst zwei Mal im Museum geschlafen. Das war immer mein persönlicher Jackpot, weil ich genügend Ruhe hatte. Seine Schlafenszeiten sind nicht mehr am Nachmittag, sodass dieser Punkt bei uns mittlerweile wegfällt. Anton hat aber außerdem noch eine typische Spielzeit. Wenn ich in dieser Stunde in eine Ausstellung gehe, kann ich fest davon ausgehen, dass er unruhig ist. 

3. Pausen einlegen
Je nach Kind macht es Sinn, während des Besuchs eine Pause einzulegen. Entweder bieten die Ausstellungsräume Sitzgelegenheiten an oder man macht einen kurzen Abstecher in das Museumscafé. 

4. Eyecatcher fürs Kind
Ich bemühe mich immer, Anton in den Besuch einzubeziehen. Sonst ist es ja wirklich sehr langweilig für ihn. Ich suche also Bilder und Objekte, die ihn interessieren können. Das können Hunde auf einem Gemälde sein, ein Objekt, das sich bewegt oder eine Installation mit Glühbirnen (ba! also Licht). Dadurch merkt Anton manchmal gar nicht, dass er sich ansonsten langweilen würde. Ich nehme mir Zeit für ihn und für seine Bedürfnisse.

5. Bewegung
Wenn das Kind ganz hibbelig im Kinderwagen rumrutscht, sollte es je nach Ausstellung ruhig auch durch die Räume laufen dürfen. Hier ist ganz wichtig, dass die Eltern für ihre Kinder haften und dass natürlich keine Objekte und Gemälde berührt werden sollen! Bei schnellen Kindern lieber an der Hand führen. Da Anton noch nicht so schnell unterwegs ist und ich, als er noch robbte, seinen Radius ganz gut einschätzen konnte, habe ich ihn oft auf den Boden abgesetzt und bin in seiner Nähe geblieben. Ich hatte etwas Ruhe zum Betrachten und er konnte sich etwas austoben.

6. Buch mitbringen
Eine Möglichkeit, das Kind "ruhig" zu beschäftigen ist, ein Buch mitzubringen. Anton saß schon häufig auf dem Boden und schaute sich seine Bücher an, während ich die Ausstellung betrachtete. Wichtig ist aber auch hier, dass man in der Nähe bleibt.

7. Ausnahmen
Wenn gar nichts mehr geht, das Kind sehr unruhig ist, man aber selbst noch ein, zwei Bilder ansehen möchte, habe ich immer einen Notfallplan: der Schnuller. Dass Anton den Schnuller nicht nur zum Schlafen bekommt, ist bei uns eine große Ausnahme und ich muss sagen, dass ich immer ein schlechtes Gewissen dabei bekomme (weil wir gegen unsere eigenen Regeln handeln). Aber, wenn man selbst schon genervt ist und ein kleines Kind tobt, dann finde ich es sinnvoll, es für die letzten Minuten kurz zu beruhigen. Das Problem stellt sich vielleicht gar nicht bei Kindern, die den Schnuller häufig tragen, bei uns ist das tatsächlich die Wunderwaffe. Aber bleibt eben auch die Ausnahme. 

8. Öffnungszeiten beachten
Wisst ihr, was ganz viele Nerven erspart? Wenn man zur richtigen Uhrzeit in eine Ausstellung geht! Es ist ziemlich unklug, sich am letzten Ausstellungstag mit 200 anderen Menschen durch die enge Ausstellungsarchitektur zu quetschen und dann darauf zu hoffen, dass das Kind zufrieden ist und man selbst "alles" gesehen hat. Das ist schwierig. Viel sinnvoller ist es, morgens zu gehen. Welch eine Ruhe! Man hat den ganzen Raum für sich oder teilt ihn nur mit wenigen Menschen. Und das Kind kann auch mal rennen oder quietschen. Das ist wirklich sehr viel entspannter.

9. Spezialprogramm nutzen
Wie oben schon beschrieben, gibt es für Kinder unter 3 Jahren selten Programm. Sollten die Kinder älter sein, würde ich definitiv das Vermittlungsprogramm nutzen. Aber manche Museen bieten auch spezielle Angebote, die auch für Kleinkinder interessant sein können. Beziehungsweise für ihre Mütter. Der Städelsche Kunstverein bietet zum Beispiel Führungen für Mütter am Vormittag an. Ich habe ein Mal daran teilgenommen und war davon sehr positiv überrascht. 


Welche Tips habt ihr für einen Museumsbesuch mit Kindern?! Was hilft euch, damit ihr gemeinsam entspannt die Ausstellung genießen könnt?

Wir haben sehr viele positiven Erfahrungen in den Museen gemacht, aber leider auch schon unangenehme. Im nächsten Teil werde ich euch davon berichten und auf die Problematik von Kultureinrichtungen eingehen. Denn Kinder sind leider nicht überall gerne gesehen. 

Aber nun auf ins Museum!! Für uns geht's diese Woche in den Frankfurter Kunstverein

Kommentare:

  1. Schön das du das Thema, Museen aufgreifst. Wir wohnen , zu unserem Glück, in der ältesten Stadt Deutschlands und haben somit hier sehr viele römische Bauten (Amphitheater, Kaiserthermen, Porta Nigra um nur einen Teil zu erwähnen). Mit diesen alten Gemäuern hat die Interesse beim Kind selber angefangen. Ja mein Kind hat es mir leicht gemacht. So waren unsere ersten Gemeinsamen kulturellen Erfahrungen wirklich Besuche dieser Bauten. Da konnte er entdecken, rennen, sich informieren. Ja einfach Spaß haben. Besonders toll die Katakomben der Kaiserthermen. ;) Als nächsten Schritt haben wir Kinderausstellungen besucht, ob zum Thema Archälogie, wo er dann selber Archäologe sein durfte und ein Museumsmitarbeiter uns half oder zum Thema römisch bauen, wo er lernte, wie man früher Gebäude baute. Ja er durfte aktiv bauen und forschen. Begleitet wurden wir auch hier von in Tuniken verkleideten Menschen. Wir sind nun soweit, dass mein Sohn gerne ins Rheinische Landesmuseum geht oder auch unserer Sightseeing fahrten nutzt. Ja er bildet sich gerne weiter. Mir hat es aber sehr geholfen, dass mein Kind Lust darauf hatte. Ich habe ihn gefragt, ob er will und meist kam er aber schon vorher selber und fragte können wir mal dahin? Als nächstes will er nun mal den Frankenturm besuchen, da ist seine Neugierde noch groß. Aber ich muss auch erwähnen, das ich wirklich auf sein Interesse angewiesen bin, denn wenn er nicht mag, dann brauch ich nicht gehen. Er würde von seinen Reizen überflutet werden und nur noch ausrasten auf Grund seines Autismus. So gehen wir z. B. auch nur zum Friseur,wenn er mag und meint: Meine Haare sind zu lang. Sonst ist sowas für alle eine Qual :) Zum Thema Pausen, die machen wir grundsätzlich und nutzen dann , wenn wir im Rheinischen Landesmuseum sind z.B., das Museumscafe Zeitsprung zum einfach entspannen, um dann aktiv und fit weiter forschen zu können.

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    1. Liebe Cestralia,
      Archäologie ist natürlich ein sehr dankbares Thema und ein toller Start in die Kunst. Was habe ich die alten Ägypter geliebt ;-) Solche Kinderausstellungen klingen toll. Wie alt ist denn dein Kind? Das ist ja natürlich auch ein entscheidender Faktor! Denn sobald Kinder grundsätzlich etwas davon verstehen können, was sie sehen, kann das Interesse auch entstehen. Darauf freue ich mich sehr :) Hat dein Sohn hauptsächlich Spaß an archäologischen Funden und Bauten oder auch an Gemälden oder anderen Objekten?! (Oder hatte er schon die Möglichkeit, so etwas zu sehen?)
      Bin gespannt auf deine Nachricht!

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    2. Liebe Betsi,

      als wir angefangen haben war meiner 4. Ich muss dazu sagen wir lebten vorher auch woanders und unter andren Lebensumständen. Heute ist er 6,9 Jahre und bald ein Schulkind :) Am meisten interessieren ihn in der Tat die Bauten bzw zum Teil auch Funde (allerdings eher weniger alte Trinkgefäße ;D ) Aber auch die Siegel findet er interessant und Dinge dieser Art. Gemälde haben wir eher weniger hier. Mosaike ja, aber kaum Gemälde :) Allerdings waren wir auch noch nicht in allen Museen hier. Du findest kein Ende in unserer schönen Stadt :)
      Die alten Ägypter sind definitiv auch spannend ;D Du siehst also mittlerweile versteht er mehr mit 4 war das noch die Faszination: Oh das sieht so anders aus als all die andren Gebäude :) Er fühlt dann auch gerne. Kürzlich waren wir in Köln und da ist er dann auch mit mir den Dom rauf gekrakzelt :D War anstrengend, aber wir hatten Spaß und die Anstrengung haben wir dann ja mit einem Zoobesuch verschönert :D

      Ganz liebe Grüße

      Cestralia

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  2. Gute Tipps! Die werd eich mir für die Zukunft merken!

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