17.06.2015

CampusMum: Caro


In der Reihe CampusMum stelle ich euch Frauen vor, die neben Kind und Kegel noch ein Studium meistern. Ich frage sie nach ihrem wie, was und warum.


Ooh, wie ich mich freue, dass es heute wieder ein CampusMum Interview gibt! Durch den Uni-Trubel musste ich das Interview im Mai leider ausfallen lassen, doch nun habe ich für euch wieder ein spannendes Gespräch mit einer Mutter, die studiert.

Caro, die tolle Frau, um die es heute geht, kommt aus Halle, wo sie mit ihrem Freund und ihrem schon fast 5 Jahre alten Sohn lebt und studiert. Wenn sie mal gerade nicht in der Bibliothek sitzt und an ihrer Hausarbeit schreibt, dann verbringt sie Zeit mit ihren beiden Männern oder schneidert an der Nähmaschine. Schaut doch mal auf ihrem Instagram-Account mamacaroletta vorbei, da gibt es nämlich schöne Einblicke in ihren Alltag. Aber zunächst zum Interview. Wir sprechen über Lernzeiten, Finanzierung und die richtige Prioritätensetzung.


Liebe Caroline, ich freue mich sehr, dass du dir die Zeit genommen hast, um meine Fragen zu beantworten. Erzähl’ uns doch bitte, welche Fächer du in welchem Semester studierst und in welcher Hochschule du eingeschrieben bist.

Ich studiere seit dem Wintersemester 09/10 Lehramt an Förderschulen in Halle und bin aktuell im 10. Fachsemester. Ich habe die Fachrichtungen Lernbehindertenpädagogik und Verhaltensgestörtenpädagogik gewählt sowie die Grundschulfächer Deutsch und Sachunterricht. 

Ich studiere auf Examen und befinde mich gerade in der Endphase meines Studiums. Das heißt konkret, dass ich momentan meine wissenschaftliche Hausarbeit (Examensarbeit) schreibe und diese Ende September abgebe. Daran anschließend (Oktober-Januar) habe ich meine schriftlichen und mündlichen Abschlussprüfungen und halte, wenn alles klappt im Februar nächsten Jahres mein Abschlusszeugnis in der Hand. Wenn ich dann noch das Glück habe einen Referendariatsplatz ab April 2016 zu bekommen, wäre es perfekt :-)


Wie sieht ein typischer Uni-Tag bei dir aus?

Ich habe momentan in der Bibliothek ein Carel (ein kleiner abgeschlossener Arbeitsraum, in dem ich auch meine Bücher liegen lassen kann), in welchem ich bis ca. 15/16 Uhr an meiner Arbeit schreibe. Man kann diesen Raum leider nur 8 Wochen kostenlos mieten, ab Mitte Juni muss ich mich also wieder ganz normal in die Bibilothek setzen. Ist auch nicht schlimm, aber so ein separater Arbeitsplatz ist ganz nett :-)

Die Nachmittage verbringen wir dann als Familie und am Abend setze ich mich manchmal (eher selten) nochmal an den PC. Sobald ich ein bisschen mehr Zeitdruck habe, werden diese Abende auch wieder mehr werden ;)


Und nebenbei hast du auch noch weitere Veranstaltungen?

Neben dem Schreiben der Abschlussarbeit besuche ich noch ein Modul (6 SWS), welches ich immer wieder aufgeschoben habe und nun endlich abschließen muss. Also habe ich an drei Tagen zwischendurch noch immer ein Seminar zu dem ich schnell hinradel. Manchmal eine willkommene Abwechslung, aber manchmal auch eine Belastung, vor allem wenn man gerade im Schreibfluss war und dann wieder pausieren muss. 

Außerdem gibt es da auch noch eine Hausarbeit, die ich vor mir herschiebe, welche aber auch noch vor Dezember geschrieben werden muss. Ein bisschen ärgert es mich, dass ich nicht meine ganze Energie in die Abschlussarbeit stecken kann, aber es ist jetzt auch nicht mehr zu ändern ;)


Du steckst mitten in der Endphase des Studiums. Solche Zeiten sind bekanntlich sehr nervenaufreibend. Wie erlebst du es?

Um ehrlich zu sein: gerade ist es eine sehr schöne (weil noch entspannte) Zeit. Die Abgabetermine bzw. Prüfungstermine sind noch so weit weg, dass ich daran nur selten bis gar nicht denke. Aber Ende des Sommers wird es wohl ganz anders aussehen. Davor graust es mir schon ein wenig, aber schnell weg mit dem Gedanken ;-) Ich versuche diese ruhigeren Wochen noch so lange wie möglich zu genießen.


Das ist ein gutes Ziel! Am Ende des Studiums müsste man ja praktisch schon ein Profi in Sachen Zeiteinteilung und Priorisierung sein. :) Was machst du mittlerweile besser als am Anfang des Studiums? Kannst du Veränderungen feststellen und welche Herausforderungen sind aktuell die größten?

Auf jeden Fall merke ich, dass ich mittlerweile alles ein bisschen besser planen und organisieren kann. Ich weiß in etwa, wie viel Zeit ich für die Ausarbeitung einer Hausarbeit, eines Referates oder auch nur für das Lesen eines Textes brauche und kann besser einschätzen wie viele Seminare in einem Semester machbar sind und was nicht geht. Außerdem gelingt es mir nach einigen Semestern Übung viel besser, mich auf das Wesentliche zu konzentrieren bzw. meine Prioritäten zu setzen. Die ersten Semester mit Kind waren super anstrengend: ich habe zu viele Seminare besucht, hatte noch nebenbei einen HiWi-Job und wir konnten unseren Alltag noch nicht so gut strukturieren. Aber aus Erfahrung kann ich sagen: mit der Zeit lernt man und wird immer besser. Das Einzige was mich immer noch ein wenig stört ist, dass man jedes halbe Jahr einen komplett neuen Wochenrhythmus (weil anderer Stundenplan) entwickeln muss und die ersten Wochen, bis sich alles eingespielt hat (wer bringt den kleinen Mann an welchen Tagen in die KiTa, wer holt ihn ab, wann brauchen wir einen Babysitter etc.) sind immer noch anstrengend. Aber wie ich mich kenne, werde ich vermutlich genau DAS nächstes Jahr vermissen ;-)


Welche Erfahrungen hast du an deiner Universität in der Rolle als Mutter gemacht? Hattest du z. B. schon einmal Probleme, eine Frist aufgrund von Krankheiten bei den Kindern einzuhalten oder an manchen Veranstaltungen nicht teilnehmen zu können?

Ich habe das Glück, bisher nur positive Erfahrungen gemacht zu haben. Ich kann meinen Sohn ohne weiteres zu den Veranstaltungen mitbringen, darf Fehlen ohne dass es mir zum Nachtteil wird und ich habe schon zwei mal eine Abgabefrist ohne Probleme verlängern dürfen.  Alle Dozenten, denen ich begegnet bin, waren sehr aufgeschlossen und immer bereit, bei Problemen eine für alle Beteiligten akzeptable Lösung zu finden. Zum Einen liegt es wohl daran, dass unsere Uni als familiengerechte Hochschule ausgezeichnet[1] ist und dahingehend auch regelmäßig kontrolliert wird. Konkret bedeutet das unter anderem: Wickeltische und Spielecken in fast jedem Institut, ein hochschulinterner Kindergarten + Ferienbetreuung + Betreuung außerhalb der Öffnungszeiten (z.B. in der Prüfungszeit), Beratungsangebote + Hilfestellung und Vermittlung bei Problemen mit Dozenten/Abgabenfristen etc., regelmäßig organisierte Treffen und Angebote/Veranstaltungen für Kinder und ihre Eltern (Flohmärkte, Uni-Kinder-Kino, Sportkurse etc.). Wie du siehst kann ich mich nicht beklagen. Vor allem das Beratungsangebot habe ich schon mehrmals in Anspruch genommen und bin sehr zufrieden.

Auf der anderen Seite denke ich, dass meine Fachrichtung (und die geringe Anzahl der Studierenden) dazu beigetragen hat, dass ich so positive Erfahrungen sammeln konnte. Ich studiere nun mal etwas „Soziales“, daher wäre es komisch, wenn die Dozenten sich nicht entsprechend verhalten würden.


Das kann ich mir vorstellen, von „sozialen“ Studiengängen erwartet man einfach, dass Familien ernst genommen werden. Eigentlich aber auch von allen Hochschulen und staatlichen Einrichtungen! 
In eurer Familie studierst nicht nur du, sondern auch dein Freund. Wie finanziert ihr euer Studium, das Leben und das Kind? Arbeitet ihr neben dem Studium?

Tja, die Finanzen sind immer so eine Sache und definitiv ein nervenaufreibendes Thema. Wir bekommen zum Glück beide BAföG und sind damit berechtigt, viele anderen sozialen Leistungen zu beantragen. So bekommen wir noch Wohngeld, der Kindergartenplatz wird finanziert und es gibt einen Zuschuss zum Mittagessen (über Bildung und Teilhabe). Bis vor einem Jahr habe ich noch nebenbei einen HiWi-Job gehabt und mein Freund hat bis vor 2 Monaten immer einen Tag bis spät abends in einer Einrichtung für Kinder- und Jugendliche gearbeitet. Aber es wurde uns einfach zu viel, sodass wir beide gekündigt haben. Was dazu vielleicht noch wichtig ist: egal ob wir arbeiten oder nicht, mehr Geld ist am Ende des Monats nicht auf dem Konto. Denn geringe Verdienste werden eins zu eins vom Wohngeld abgezogen.

Ohne die staatliche  Stützen könnten wir definitiv nicht studieren und wir sind sehr froh, dass es diese Möglichkeiten gibt, auch wenn es bedeutet, dass wir jedes halbe Jahr gefühlt hundert Anträge ausfüllen müssen und uns diese ständigen „Ämtergänge“ zum Hals raushängen.


Ohja, ich kenne das sehr gut. Wie viele Stunden meines Lebens ich schon im Wartezimmer der Ämter sitzen musste…
Nun habe ich noch eine Frage zu einem anderen Thema: Wie ist denn die Betreuung eures Sohnes geregelt?

Gegen 9 bringe ich oder mein Freund den kleinen Mann in den Kindergarten. Wir haben das Glück, dass unsere Fakultät genau neben dem Kindergarten (1 Minute Fußweg) liegt und wir also anschließend direkt in die Uni gehen können. Am Nachmittag, meist zwischen 3 und 4 holen wir ihn (oder einer von uns) dann auch schon wieder ab.

Achso, es gibt noch eine Ausnahme: Dienstag. An diesem Tag hat mein Freund bis 20 Uhr Uni (er studiert Erziehungswissenschaften im Master) und mein Seminar geht auch bis 18 Uhr. Da wir keine Familie in der Nähe haben, springen immer Freunde ein. Mal eine Mutti aus dem Kindergarten, mal Kommilitonen/Freunde, je nachdem wer gerade Zeit hat. Und wenn es mal gar nicht anders geht, nehme ich den kleinen Mann mit ins Seminar. Das geht schon mal.

Freitags bleibe ich manchmal zu Hause, je nachdem wie viel ich in der Woche geschafft habe, kümmere mich um liegengebliebene Sachen, Hausarbeit, Einkauf, Bürokratie etc. und hole den kleinen Mann dann schon mittags aus dem Kindergarten. Die strahlenden Augen wenn er Mittagskind ist, ist einfach immer wieder schön :-)


Empfindest du das Studium als einen guten Zeitpunkt, um ein Kind zu bekommen? 

Für uns war es definitiv die richtige Entscheidung. Natürlich ist es manchmal anstrengend und schwierig, aber so geht es doch jedem mal, oder? Ich denke einfach, dass die positiven Seiten überwiegen.


Hast du Kontakt zu anderen Studierenden mit Kind an deiner Uni? 

Ja, mehrere Freunde von uns haben auch schon Kinder und studieren hier.


Gibt es etwas, dass eure Uni verändern könnte/Unis verändern könnten, damit es Studierende mit Kindern leichter haben?

Ich würde es wichtig finden, dass Studierende mit Kindern als etwas Erfreuliches angesehen werden und nicht als Last. Man sollte mehr Wahlmöglichkeiten (zB. Pflichtseminare am Abend UND am Vormittag) anbieten, um die Vereinbarkeit von Familie und Studium zu erleichtern. Vor allem kommt es aber auf die Dozenten an denke ich, sind diese aufgeschlossen und hilfsbereit, ist das schon mal eine gute Bedingung für ein Studium mit Kind.


Und zum Abschluss: hast du für unsere LeserInnen und für mich ein paar Ratschläge, die das Studium mit Kind betreffen? Welche Tipps sollte man beherzigen?

Redet offen mit euren Dozenten wenn ihr Schwierigkeiten habt, bittet um Hilfe wenn euch mal alles zu viel wird und plant unbedingt auch Erholungspausen in euren Uni-Alltag ein. Das sind die drei Sachen die ich in den letzten Jahren Stück für Stück gelernt habe und jetzt am Ende des Studiums meiner Meinung nach ganz gut umsetzen kann.


Caro, ich danke dir sehr für deine Antworten und dass du dir die Zeit für uns genommen hast. Ich wünsche dir, dass du dein Studium mit einer halbwegs entspannten Zeit beenden kannst, du einen besonders guten Abschluss bekommst und dass du auch in den Folgemonaten deine Ziele erreichst. Alles Liebe!


Alle bisherigen Interviews der Reihe CampusMum findet ihr hier. Und hier kommt ihr zu allen Artikeln, die sich mit dem Thema Studieren mit Kind beschäftigen.

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