05.06.2015

die Sache mit dem Schnuller


Ich weiß nicht, ob ihr euch vor der Geburt Gedanken darüber gemacht habt, ob ihr eurem Kind einen Schnuller geben wollt?! Wie bei vielen anderen Dingen auch, wollte ich erst einmal abwarten und sehen, wie Anton eigentlich tickt. Wir waren nicht grundsätzlich dafür oder dagegen und ließen daher einen schönen Schnuller, den wir geschenkt bekamen, als Reserve im Haus.

Wohl schon am Tag 2 oder 3 nach der Geburt steckte eine Krankenschwester Anton seinen ersten Schnuller in den Mund. Ungefragt. Ich höre hier schon viele Mütter aufschreien. Haha. Ich kann aber sagen, dass ich es weder damals noch heute schlimm fand oder mich in einer unmündigen Situation sah. In den ersten Tagen im Krankenhaus machten wir so viele tiefgreifende Erfahrungen, dass ich wirklich gar nichts gegen einen Schnuller hatte.

Auch Wochen später gaben wir Anton ganz selbstverständlich seinen Schnuller. Vor allem zum Schlafen oder wenn er sich tagsüber nicht beruhigen ließ. Manchmal war ich einfach nur sehr froh, dass wir ein Kind hatten, das den Schnuller ohne Probleme nahm, ohne Saugverwirrungen (auch mit Stillhütchen, Fläschchen und Brust). Eine gute Lösung, wenn trotz Schuckeln, Singen und Stillen einfach nichts mehr half. Und gerade beim Schreiben fällt mir wieder ein, wie wir ihn mit drei Monaten abends in seiner nächtlichen Schreiphase schuckelnd unter der Dunstabzugshaube von seinem Schreikrampf lösen wollten, weil weder Schnuller noch Singen oder irgendeine andere Lösung Beruhigung verschafft haben.

Als Anton acht Monate alt war, beschlossen wir, ihm den Schnuller allmählich abzugewöhnen. Ich habe noch die Worte meiner Nachbarin im Ohr. Das sei jetzt ein guter Zeitpunkt, bald würden die Kinder den Schnuller zu einem Teil von sich selbst ansehen, er gehöre dann zu ihnen. Sie hat drei wunderbar erzogene Kinder. Sie muss es ja wissen. Wir fanden es jedenfalls ganz sinnvoll, ganz bald mit dem Schnullern aufzuhören und überlegten uns einige Taktiken. Grundregel war ab diesem Zeitpunkt: Zum Einschlafen bekommt Anton den Schnuller und tagsüber nur in Ausnahmefällen.

Diese Methode klappte ziemlich gut. Dann kamen aber die nächsten Zähne. Dem armen Kerl machen diese blöden Zähne wirklich zu schaffen. Und wenn es nach Tagen Wochen einfach nicht besser wird, dann zehrt das auch irgendwann an meinen Nerven. Oder wenn wir im Museum sind und Anton sich langweilt. Und dann gab es auf einmal ganz viele dieser kleinen und große Situationen, in denen vor allem ich eine Ausnahme machte. Plötzlich kam der Moment, an dem ich die nächste Schnullergröße kaufen musste.

Fast 19 Monate später hat sich die Situation wieder ein wenig verändert. Anton ist so viel größer und versteht das "Prinzip Schnuller". Er bekommt tatsächlich fast nur in der Zeit des Schlafes oder Ausruhens den Schnuller. Er gibt ihn uns morgens nach dem Schlafen, weil er versteht, dass seine Schlafenszeit vorbei ist. Und der Schnuller wird sogar benannt: buller. Wenn wir morgens vergessen haben, den Schnuller ins Glas zu legen, entdecke ich Anton nachmittags, wie er ihn in irgendwelche Schubladen und Schränke steckt, gerne auch unauffindbar versteckt. Er gibt ihn uns aber nicht nur, wenn wir ihn darum bitten, nein, er fordert ihn jetzt auch schon richtig ein. Nachmittags geht er manchmal gezielt zur Wickeltasche, weil er ganz genau weiß, dass dort immer ein Schnuller steckt.

Warum ich diesen Blogpost schreibe? Weil mich dieses Thema wirklich beschäftigt und gleichzeitig so selten auf Blogs auftaucht. Das ist keine Einleitung für einen Artikel über die schönsten Schnuller und auch kein Hilferuf für praktische Tipps.

Die Sache mit dem Schnuller ist nämlich die: eigentlich ist es gar nicht schlimm, wenn Kinder für gewisse Zeiten einen Schnuller im Mund haben. Ich fand jedoch die Vorstellung eines herumlaufenden, kleinen Menschen mit Schnuller ziemlich eigenartig. Und weil Anton meistens sehr gut auf unsere Erziehungsmethoden anspringt, war die Wahrscheinlichkeit sehr hoch, dass wir ihm den Schnuller mit acht Monaten hätten abgewöhnen können. Klappte jedoch nicht. Und so gibt es kaum einen Abend, an dem Anton nicht nach seinem buller fragt, um einschlafen zu können. Ich bin mir sicher, dass wir auch dafür eine Lösung finden werden und dass sich die Dinge irgendwann lösen.


Nun interessiert mich aber trotzdem eure Meinung zum Thema Schnuller! Seid ihr grundsätzlich dafür oder dagegen? Bekommen eure Kinder den Schnuller "einfach so" oder nur in bestimmten Situationen? Habt ihr Abgewöhnungsrituale, die funktioniert haben? Ich bin gespannt auf eure Meinungen.

Kommentare:

  1. Liebe Betty, du hast hier ein wichtiges Thema angesprochen. Ich beschäftige mich auch gerade damit. Eigentlich wollte ich meinem Kleinen keinen Schnuller geben. Ich war der Meinung an was er sich nicht gewöhnt, muss dann später nicht abgewöhnt werden. Doch dann merkten wir, dass er etwas zum Beruhigen braucht, vor allem wenn er tagsüber nicht schlafen kann. Der Auslöser für mich war der Moment als er an einem Finger ganz laut und genüsslich angefangen hat zu saugen. Die Hebamme hat uns auch geraten lieber einen Schnuller zu geben, als dass er sich dran gewöhnt an seinem Daumen zu lutschen (was ich persönlich sehr schlimm finde). Und jetzt haben wir auch ein Schnullerkind. Wir versuchen es so zu handhaben wie du: nur zum Schlafen. Mal sehen wie es weiter klappt.
    Ich glaube du sollst dir noch keine Sorgen machen um Anton. Er empfindet den Schnuller jetzt als festes Ritual in seinem Leben. Wenn er dann etwas größer wird, kann man ihm den Schnuller spielerisch abzugewöhnen.

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    1. Meine Liebe, ich kann endlich wieder meine Blogs selbst kommentieren und möchte mich deinem und allen anderen Kommentaren widmen.
      Ich finde es gut, dass ihr einfach kind-gerecht reagiert habt. Und dass eure Hebamme so gut ist. Denn niemanden ist doch geholfen, wenn man nur nach seinen Vorstellungen handelt, die man sich bildete BEVOR man ein Kind bekommen hat. Ich finde es immer wichtig, dass man sich Gedanken darüber macht, wie man Dinge handhaben möchte, aber letztlich kommt es doch auf das Kind an.
      Meiner Meinung nach sind wir so langsam an dem Punkt, an dem Anton genau versteht, was der Schnuller bedeutet - und deshalb ist es für mich auch höchste Zeit, ihm ihn abzugewöhnen. Aber das ist eben nicht so einfach.

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  2. Ach ja, diese Sache... W. hatte nach ca. einem Monat das erste Mal einen Nuckel im Mund und seitdem ist er nicht mehr wegzudenken. Manchmal verfluche ich das Teil, weil ich denke, dass es ihn beim Sprechen negativ beeinflusst, aber so oft ist der Nuckel ein Segen für uns, weil es ihn wirklich beruhigt. Noch (mit 20 Monaten) ist es okay, dass er ihn zum Schlafen und in besonderen Situationne auch tagsüber bekommt, aber ich denke spätestens ab dem zweiten Geburtstag müssen wir das mal minimieren... Aber ich habe die Hoffnung, dass er, wenn er älter ist, mehr versteht und somit auch, dass ein Nuckel nur etwas für Babys ist. Liebste Grüße, Carolin

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    1. Wir erklären Anton schon sehr lange, dass Schnuller für Babys sind. Und weil er ja schon groß ist und kein Baby mehr, darf er den Schnuller meistens abgeben (das macht er auch in der meisten Fällen freiwillig).
      Wir merken auf jeden Fall keine Auswirkungen auf das Sprechen, er redet relativ viel. Aber es könnte natürlich schon sein, dass er mit Schnuller im Mund, einfach nicht so viel reden wollte.
      Ich glaube, mir geht es bei der Sache auch ein bisschen ums Prinzip und um das Konsequent-Sein. Nur ist das leider gar nicht so leicht.
      (Und das Thema Schnuller ist ja fast ein wenig ähnlich wie das Thema Töpfchen. Wann ist was zu früh oder zu spät usw.)

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  3. Meine Tochter (17 Monate) hat genau wie Anton auch nur zum Schlafen und manchmal tagsüber einen Schnuller. Sie bekam ihn von Anfang an und meine Hebamme meinte, ein Schnuller richtet im Vergleich zum Daumen weniger "Schaden" an, auch was Zahnfehlstellungen betrifft. Ich persönlich habe mir vorab aber auch keine Gedanken gemacht - denn wie bei allen Dingen: Jedes Kind ist anders. Irgendwann wird sicher auch bei uns die Schnullerfee kommen oder wir das Teil mithilfe eines anderen Rituals abgewöhnen, aber bis dahin empfinde ich sowohl für sie als auch für uns, dass der Schnuller als Einschlafhilfe oder Trostspender noch bleiben darf ;)

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    1. So funktioniert es bei uns auch gerade gut. Ich merke nur, dass Anton schon wirklich versteht, was der Schnuller ist und deshalb hat nun die Phase begonnen, in der ich es ihm wirklich bald abgewöhnen möchte. (Vielleicht liegt es daran, dass ich "Abhängigkeiten" nicht so mag oder schwierig finde?!) Auf jeden Fall versuchen wir es zur Zeit mit reden: also ihm erklären, dass er schon alt genug für einen Schnuller ist. Tagsüber funktioniert das richtig gut. Denn es kommt schon jeden Tag vor, dass er mich bettelnd um den buller fragt. Aber da kann ich glücklicherweise konsequent bleiben. Ich bin gespannt, wie es weiter geht :)

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  4. Liebe Betsi, ich kann deine Sorgen sehr gut nachempfinden. Ida hatte auch schon sehr früh einen Schnuller. Ich war auch weder dagegen noch dafür und dachte, wir gucken einfach, wie es kommt. Aber schon früh hat sich gezeigt, dass ein Schnuller Ida sehr gut hilft, sich zu beruhigen, oder einzuschlafen. Meine Hebamme sagte damals auch, dass ein Säugling nicht ohne Grund Säugling hieße und dass so kleine Kinder ein ganz natürliches Bedürfnis nach saugen haben, nicht nur zur Nahrungsaufnahme. Und als sie dann älter wurde, dachte ich auch immer mal, dass nun aber Schluss sein sollte mit dem Schnuller. Das ließ sich allerdings praktisch nicht umsetzen. Ida hat ihren Schnuller eingefordert, wenn sie müde oder quengelig war. Wir haben es dann auch so gemacht (mit 18 Monaten etwa) dass sie den Schnuller nur bekommt, wenn Schlafenszeit ist. Also zum Mittagsschlaf und nachts. Nachmittags, wenn sie müde war, war es manchmal schwierig hart zu bleiben. Wir sind dennoch dabei geblieben. Mit 2 dachte ich dann, dass es nun langsam Zeit wird, den Schnuller abzugeben. Er erschien mir allerdings als noch zu notwendig. Letztlich hat sie ihn nun dieses Jahr (mit 3,5 Jahren etwa) dem Osterhasen mitgegeben. Wir haben das vorher besprochen, sie hat es verstanden und war einverstanden. Es war überhaupt kein Problem. Sie hat nicht noch einmal danach gefragt. Als Ida geboren wurde, hätte ich nicht gedacht, dass sie so lange einen Schnuller haben wird, weil ich es eigentlich gern anders wollte. Längstens bis 2 dachte ich. Rückblickend muss ich allerdings sagen, dass ich es überhaupt nicht schlimm finde, dass sie ihn eben etwas länger gebraucht hat. Wichtig finde ich, dass es sich für einen selbst und für das Kind richtig anfühlt. Ob nun mit 2 oder mit 4. Liebe Grüße, Dorea

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    1. Liebe Dorea,
      wie schön, dass du schreibst! Freut mich wirklich sehr.
      Du hast schon Recht, letztlich muss es für die Familie stimmen. Es ist egal, um welche Themen es sich dabei handelt, ob Betreuung, Schnuller oder Töpfchen. Mein Freund und ich ticken da glücklicherweise ganz ähnlich und so ist es uns eben ein Anliegen, dass Anton eher früh als spät "Schnuller-frei" ist. Aber: wir merken auch, dass er ihn jetzt noch will und braucht. Wie du vielleicht schon in den oberen Kommentaren mitgelesen hast, erkläre ich ihm sehr oft, dass er schon groß ist, kein Baby mehr und dass er deshalb den Schnuller nicht mehr braucht. Und er gibt ihn uns dann tatsächlich zurück. Das heißt, irgendwas davon versteht er. Ich habe mir zb vorgenommen, keine neuen Schnuller mehr zu kaufen. Die, die verloren gehen, werden nicht mehr ersetzt. Allerallerspätestens dann muss er abgewöhnt sein ;-) Und die Idee, den Schnuller dem Osterhasen abzugeben, kenne ich auch (wobei hier manche sich vielleicht darüber ärgern, dass man einem Kind überhaupt das Märchen vom Osterhasen erzählt, aber naja. Das sehe ich nicht sehr eng.) Vielleicht klappt das ja an seinem Geburtstag oder an Weihnachten. Das halte ich mir mal im Hinterkopf!
      Ach ja, Konsequenz ist natürlich das Wichtigste. Toll, dass ihr das nachmittags so gut hinbekommen habt!

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  5. Hallo,
    ich wollte noch anmerken dass es zu dem Thema auch Bücher gibt, schaut zum Beispiel mal hier:
    http://www.mamaclever.de/2014/10/buchtipps-zum-thema-schnuller-abgewoehnen/

    Bei uns hat es mit dem Buch "Klaus Schnullermaus" gut geklappt. Am Ende wird der Schnuller gegen ein Geschenk getauscht.

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    1. Ich danke dir für die Tips! Daran hatte ich noch gar nicht gedacht, dabei haben wir auch Töpfchen-Bücher usw. Ich schaue sie mir heute im Buchladen an.
      Alles Liebe!

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  6. Liebe Betsi, vielen Dank für diesen wichtigen Beitrag. Wie bei allem, was Kindererziehung betrifft, ist auch das ein Reizthema, das immer wieder begegent. Auch unsere Tochter (3 Monate alt) bekommt den Schnuller, wenn sie sehr aufgeregt ist, um in den Schlaf zu finden. Zu Anfang dachte ich, das umgehen zu können, allerdings merkte ich relativ schnell, dass sie dadurch einfach zur Ruhe kommt und viel leichter in den Schlaf findet. Mit Sicherheit hat es einen Grund, dass Babys SÄUGlinge sind, es liegt einfach in ihrer Natur. Meine Hebamme versicherte mir, dass es sich im Kindergarten oft von selbst ergibt, weil große Kinder eben keinen Schnuller mehr brauchen. (Der Zugzwang setzt also leider schon früh genug ein ;-) Kleine Ersatzrituale sind da ganz sicher von Bedeutung, um dem Kiind die Loslösung davon zu erleichtern. Wie bei allem, ist das wichtigste, dass man den Weg für sich beschreitet, der für das Kind am besten ist. Und dies muss man als Mutter selbst durch die eigenen Erfahrungen herausfinden. Liebe Grüße, Anna

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    1. Das Kindergartenalter wäre mir schon viel zu spät! :) Aber du hast natürlich Recht, das lernen Kinder ja auch von anderen Kindern. Meiner Meinung nach ist Anton mittlerweile kein Baby und garantiert kein Säugling mehr und es stört mich manchmal auch, dass er sich gar nicht darauf einlassen will, getröstet zu werden. Er will dann u n b e d i n g t diesen doofen Schnulller. Natürlich bekommt er ihn auch, wenn er sich gar nicht beruhigt oder zum Schlafen, aber ich glaube, das Leben ist leichter ohne Schnuller :) haha, naja, der Tip von oben, ein Buch einzuführen, finde ich sehr passend für Anton. Und es ja auch so, dass er schon versteht, dass er "alt" genug ist. Aber bei Säuglingen würde ich mir überhaupt keine Gedanken machen und sollten wir irgendwann ein zweites Kind bekommen, hätte ich auch kein Problem damit, wenn es einen Schnuller bekommt.
      Liebe Grüße, Bettina

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