17.07.2015

CampusMum: Nina


In der Reihe CampusMum stelle ich euch Frauen vor, die neben Kind und Kegel noch ein Studium meistern. Ich frage sie nach ihrem wie, was und warum.


Ich freue mich sehr, euch heute Nina vorstellen zu dürfen. Nina ist 32 Jahre alt und wohnt mit Mann und Kind (Mats, 2,5 Jahre) im schönen Hamburg. Sie ist eine viel beschäftigte Frau, die nicht nur Mutter und Studentin, sondern auch noch berufstätig ist und das Blog Mausekinder schreibt. Wenn sie dann noch freie Zeit hat, verbringt sie diese entweder in den Hamburger Cafés oder macht Yoga, das ist ihre Lieblingsbeschäftigung, wie sie mir erzählte.

Das heutige Interview fällt ein wenig aus der Reihe. Nina ist nämlich keine "klassische" Studentin (na gut, wer von uns CampusMums ist das denn schon?!),  sondern hat sich nach einem bereits abgeschlossenen Studium für ein Fernstudium entschieden. Im CampusMum Interview habe ich sie nach ihren Beweggründen für das Zweitstudium gefragt und wollte von ihr wissen, wie sie Studienaufbau und Zeitmanagement plant sowie Familie, Blog und Arbeit unter einen Hut bekommt.


Liebe Nina, ich freue mich sehr, dass du mir heute meine Fragen beantwortest! Erzähl’ uns doch bitte zunächst, welchen Studiengang du an welcher Hochschule belegst.

Ich habe mich Ende letzten Jahres für den Studiengang Journalismus am deutschen Journalisten Kolleg eingeschrieben.


Gab es ausschlaggebende Gründe, warum du dich für ein Fernstudium entschieden hast?

Ich habe schon ein ganz „normales“ Studium absolviert und dann angefangen zu arbeiten. Nach meiner Schwangerschaft bin ich wieder in Teilzeit zu meinem alten Arbeitgeber zurück. Da ich aber gerne Neues lerne und auch meine Studienzeit sehr genossen habe, wollte ich unbedingt nochmal studieren. Ein reguläres Präsenzstudium wäre mit Job und Kind schwer machbar gewesen. Das Fernstudium bietet mir die Möglichkeit, zu den Zeiten zu lernen, die sich mit meiner Situation vereinbaren lassen.


Und warum hast du gerade das deutsche Journalisten Kolleg gewählt?

Das deutsche Journalisten Kolleg bietet den großen Vorteil, dass sich das Studium mit 18 Monaten zeitlich sehr in Grenzen hält. Falls man es in der vorgegebenen Zeit nicht schafft, hat man die Möglichkeit, auf bis zu 30 Monate zu verlängern. 
Außerdem wird viel Wert auf die praktische Arbeit gelegt. Das war mir für ein Zweitstudium wichtig.
Ein ganz großer Pluspunkt für mich ist auch, dass es keine Präsenzzeiten gibt. 


Welche Erwartungen hattest du an das Studium? Und bestätigen sie sich?

Ich hatte vor allem die Erwartung, dass ich das gelernte Wissen schnell selbst anwenden und zeitlich sehr flexibel lernen kann. Das hat sich definitiv erfüllt.


Erkläre uns doch bitte, wie dein Studium aufgebaut ist. 

Mein Fernstudium besteht zu einem Großteil aus Studienbriefen, die selbständig zu Hause bearbeitet werden. Insgesamt müssen mindestens zwölf Kurseinheiten absolviert werden.
Dazu kommen mindestens vier sogenannte Praxiswerkstätten, in denen man das Gelernte praktisch anwendet.
Als Abschluss wird ein journalistischer Beitrag als Examensarbeit erstellt.


Hast du auch Prüfungen oder Hausarbeiten?

Zu jedem Studienbrief muss online eine kleine Prüfung absolviert werden. Diese besteht aus multiple choice- und aus freien Textaufgaben. Toll ist, dass es auch hierfür kein Zeitlimit gibt.
Allerdings muss eine Mindestzahl an Prüfungen erledigt werden, bevor man zu den Praxiswerkstätten zugelassen wird.


Kannst du uns noch bitte etwas genauer erklären, was die sogenannten Praxiswerkstätten sind? Was kann man sich darunter vorstellen?

Zu den Praxiswerkstätten kann ich bis jetzt nur das sagen, was ich aus den Unterlagen weiß, da ich selbst noch keine absolviert habe. Die Praxiswerkstätten werden als Webinare abgehalten und vertiefen das, was man in den Studienbriefen gelernt hat. Außerdem bietet sich hier der direkte Austausch mit den Dozenten und den anderen Studenten.


Du meintest, du könnest das Gelernte schnell anwenden. Beziehst du dich damit auf die Arbeit oder auf den Blog?

Eine direkte Anwendung findet hauptsächlich auf meinem Blog statt. Bei meiner Arbeit geht es eher um Zahlen, Prozesse und Verträge. Allerdings habe ich schon festgestellt, dass das Wissen aus dem Studium auch sinnvoll ist, wenn man Präsentationen erstellen muss, die Menschen interessieren und überzeugen sollen. Das funktioniert nämlich nach ganz ähnlichen Mechanismen.


Vor vielen Jahren habe ich mich auch über Fernstudiengänge informiert und mich dann letztendlich dagegen entschieden, weil mir das Lernen mit der Gruppe, in Gesprächen usw. fehlen würde. Wie geht es dir damit? Fehlt dir die feste Institution?

Eine wirklich schwierige Frage. Ich lerne eigentlich ganz gut alleine, das war schon immer so. Die Arbeitsgruppen vermisse ich deshalb eher weniger. Was ich aber vermisse, ist der Präsenzunterricht. Ich habe festgestellt, dass ich Neues schneller verarbeite, wenn es mir von einer realen Person erzählt wird, als wenn ich es nur lese.


Ja, das kann ich nur bestätigen. Gerade bei Übungsgesprächen, wenn alle gemeinsam begeistert diskutieren, bleibt am meisten hängen. Du hast ja schon einmal ein „normales“ Studium an einer Universität abgeschlossen und Kunstgeschichte studiert. Worin siehst du die Vorteile des Fernstudiums gegenüber des klassischen Studiums, gerade auch im Hinblick auf Familie?

Ich habe ein ganz altmodisches Magisterstudium abgeschlossen. Für mich war damals nicht nur der reine Wissenserwerb wichtig, sondern auch die Zeit, um mich persönlich zu entwickeln. Das wäre mit Kind auf keinen Fall möglich gewesen. Meine Seminare fanden zu ganz unterschiedlichen Tageszeiten statt und ich muss gestehen, dass ich nicht weiß, wie ich das hätte organisieren sollen. Hut ab vor allen, die ein Präsenzstudium und Familie zusammen meistern!
Der ganz große Vorteil des Fernstudiums ist aber die unglaubliche Flexibilität, die man hat. Allerdings muss man dadurch auch sehr diszipliniert an die Sache ran gehen. Auch wenn es im Präsenzstudium nicht unbedingt Anwesenheitspflicht gibt (zumindest war das bei mir noch so), der soziale Druck, zu den Veranstaltungen und Prüfungen zu gehen ist auf jeden Fall da und hilft, am Ball zu bleiben.


Wie viel Zeit kannst du dir in der Woche zum Lernen ohne festen Stundenplan freihalten?

Ich lerne in der Woche ca. 10h, meist abends, wenn Mats im Bett ist.


Wie sieht die Betreuungssituation für euren Sohn Mats aus?

Mats geht von 8.30 bis 14.30 Uhr in die Kita. Mittwochnachmittags ist er zusätzlich bei den Großeltern. Außerdem habe ich meine 20h-Teilzeitstelle auf vier Tage pro Woche verteilt, so dass ein Vormittag mir gehört.


Wie stemmst du denn den Haushalt, deine Arbeit, das Studium, Blog und die Familie? Hast du auch „me-time“?

Wenn ich das so aufgelistet sehe, wird mir erst bewusst, dass das tatsächlich ganz schön viel ist, was da so zusammenkommt. Ich habe mir einen ziemlich ausgefeilten Plan aufgestellt. Das hört sich jetzt vielleicht spießig an, aber für mich ist das die einzige Möglichkeit, alles unter einen Hut zu bekommen.
Drei Abende sind für die Uni reserviert, drei bis vier Mal pro Woche arbeite ich am Blog, vier Vormittage gehe ich zur Arbeit.
Natürlich halte ich mich nicht sklavisch daran und oft genug kommt etwas dazwischen (z.B. ein kleines Kind, das auch um 9 Uhr abends nicht müde ist).
Zeit für mich nehme ich mir auf jeden Fall. Für mich ist das hauptsächlich Yoga und Laufen. Dafür gehe ich dann auch gerne noch abends um neun ins Studio.
Wichtig ist mir, dass die Nachmittage für meinen Sohn da sind. Da kommt auch tatsächlich so gut wie nie etwas dazwischen. Meine Arbeit erledige ich, wenn er in der Betreuung oder im Bett ist.
Wer jetzt aufmerksam gelesen hat, wird merken, dass ich das Thema Haushalt noch nicht beschrieben habe. Das kommt bei mir auch definitiv zu kurz. Ich versuche halbwegs Ordnung zu halten, aber ganz ehrlich: das hat für mich keine Priorität.


Oh ja, das kenne ich nur zu gut :) Das ist auf meiner Prioritätsskala tatsächlich auch ganz weit unten. Hast du vielleicht praktische Tipps, wie bei dir die Alltagsorganisation abläuft?

Ich liebe es, Listen zu schreiben. Ich habe immer eine große To-Do-Liste, sonst würde ich alles vergessen.
Und meine Termine organisiere ich im Handykalender. Alle Versuche, auf Papier umzusteigen, sind bis jetzt kläglich gescheitert. 


Gab es in den letzten sechs Monaten schon Phasen, in denen du deine Entscheidung, noch einmal zu studieren, hinterfragt hast; „Sinnkrisen“ oder Glücksmomente, dass du wieder studierst?

Es gibt immer wieder Phasen, vor allem, wenn ich mal wieder gnadenlos hinter meinem Zeitplan hänge, in denen ich mich ernsthaft frage, warum ich mir das überhaupt noch einmal antue. Aber es ist einfach immer wieder toll, lernen zu dürfen. Weiterentwicklung gehört für mich zu den Dingen, die mich einfach glücklich machen.


Wie sehen deine Pläne für die näherstehende Zukunft aus, nach Abschluss des Studiums?
Ich glaube, für mich wird sich gar nicht so viel ändern. Da ich mein Zweitstudium zum Glück nicht benötige, um einen Job zu finden, werde ich das Gelernte hauptsächlich in meinem eigenen Blog anwenden. Mal schauen, was sich daraus noch entwickelt. 


Und zum Abschluss: welche praktischen Hinweise kannst du unseren Lesern mitgeben, die sich gerade darüber Gedanken machen, ob ein Fernstudium vielleicht auch die richtige Wahl ist?

Jeder, der mit dem Gedanken an ein Fernstudium spielt, sollte ganz ehrlich mit sich sein und sich überlegen, ob er diszipliniert genug ist. 
Und was immer hilft ist ein gutes Netzwerk.


Liebe Nina, herzlichen Dank, dass du dir die Zeit für uns genommen hast. Ich wünsche dir viel Durchhaltevermögen für die restlichen Studienmonate. Und bleib immer so wissbegierig und neugierig!


Online findet ihr Nina auf ihrem Blog Mausekinder und ihrem Instagramaccount unter mausekinder.



Alle bisherigen Interviews der Reihe CampusMum findet ihr hier. Und hier kommt ihr zu allen Artikeln, die sich mit dem Thema Studieren mit Kind beschäftigen.

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen