10.07.2015

mit Kindern im Museum: drei unterschiedliche Erfahrungen


Beim Schreiben eines Artikels über die Frage, ob Kinder in Museen bzw. auf Ausstellungen stören kamen mir drei Erlebnisse in den Kopf, die ich in den letzten Monaten gemacht habe. In fast allen Fällen machen Anton und ich gute Erfahrungen in Ausstellungsräumen. Das liegt bestimmt daran, dass ich einige Rahmenbedingungen beachte (ich schrieb über meine 9 Tipps für einen entspannten Museumsbesuch), aber vielleicht auch, dass ich es als eine Selbstverständlichkeit ansehe, mein Kind in eine Ausstellung mitzunehmen und mich da ganz selbstbewusst positioniere. Ich möchte euch aber nun an drei Erfahrungen teilhaben lassen, die ein ganz heterogenes Bild abgeben. Es liegt sicher nicht nur an einem selbst, sondern auch an den Häusern, dem Personal und vielleicht auch ganz allgemein an der Gesellschaft, wie Kinder in Kulturinstitutionen gesehen werden.

Eine eigenartige Erfahrung.

Wenn man erst in der letzten Ausstellungswoche eine Ausstellung besucht, dann muss man mit Menschenmassen rechnen. So auch in der Schirn, in den letzten Tagen von der Helene Schjerfbeck Ausstellung, die wir am allerletzten Ausstellungstag besuchten. Es war ziemlich voll und selbst ohne Begleitung hätte man sich sehr viel Zeit einplanen müssen. Aber manchmal sind die Dinge eben so wie sie sind und dann akzeptiert man einfach die Umstände und freut sich darüber, dass man es überhaupt zur Ausstellung geschafft hat. 
Es war auch eines dieser Tage, an denen Anton quengelig war. Es hat ihm einfach keinen Spaß gemacht. Was also tun? Meistens habe ich Glück und mein Freund "übernimmt" Anton, das heißt, dass ich relativ gelassen durch die Ausstellung gehen kann, weil ich weiß, dass in diesem Moment die Verantwortung meinem Freund obliegt. Oft tauschen wir dann auch, so dass wir beide zum Zug kommen. An diesem besagten Tag schafften wir es nicht, Anton abzulenken oder für irgendwas zu begeistern. Er war laut und nölig und wir hatten keine Ruhe, um uns die Bilder anzusehen. Irgendwann bekam er den Schnuller, weil ich mir eine halbe Stunde mehr Zeit erhoffte. Da kam eine junge Frau auf mich zu, die uns wohl beobachtet hatte. Sie fragte mich, warum ich ihm denn einen Schnuller gegeben habe. Ob es mich denn störe, wie er sich verhielt. Ja, es störte mich, ja ich könnte mich nicht konzentrieren und ja, ich glaubte, dass es auch die anderen bei der Betrachtung störte. Sie war Mutter und erzählte mir dann, wie gut sie das selbst hinbekam, wenn sie mit ihrem Kind im Museum war und das Anton doch wirklich nicht stören würde.
Mit ziemlich gemischten Gefühlen ging ich aus diesem Gespräch heraus. Mütter können manchmal ganz schön komisch zueinander sein und so konnte ich ihren nett gemeinten Kommentar nicht ohne kritisierenden Beigeschmack wahrnehmen. Diese Situation und das darauf folgende Gespräch mit meinem Freund ließen mich noch einmal neu überdenken, was ich von Kindern im Museum hielt. Stören sie oder gehören sie einfach dazu?
(Ich beschäftige mich bald in einem weiteren Artikel damit.)

Eine negative Erfahrung.

Wir hatten es endlich geschafft. Denn manchmal ist es gar nicht so einfach, einen freien Nachmittag zu finden, an dem Mutter und Kind guter Dinge sind, die Öffnungszeiten passen und das Kind satt, wach und gesund ist. Wir hatten das Ziel Kunsthaus Wiesbaden, für mich bis dato ein ominöser Kunstort, von dem ich nur gelesen hatte, aber nicht einfmal wusste, wo er stand. Wir kletterten also diesen Berg hoch, genossen die großartige Aussicht über Wiesbaden, machten Fotos von den hübschen Häusern und traten dann in den Ausstellungsraum ein. Doch schon im Foyer wurden wir von der Aufsichtsdame angesprochen, wir sollten den Kinderwagen hin- und herfahren. Ich schob den Kinderwagen nach rechts und links, so dass sie in die Kinderwagenuntertasche schauen konnte. Ich dachte, sie wollte nachsehen, ob ich da irgendetwas "Gefährliches" drin hatte. Aber dann befahl sie es noch einmal und deshalb fragte ich, ziemlich verwirrt, warum ich denn den Kinderwagen hin- und herschieben solle. Er sei ja staubig, weil ich auf dem Spielplatz war. Aha. Nein, wir waren nicht auf dem Spielplatz und er war auch nicht staubig. Das teile ich ihr auch mit. Eigenartig. So etwas hatte ich noch nie erlebt. Ganz schön eigenwillig. Dann waren wir drinnen. In dem großen, sehr schönen Raum mit der für mich sehr eindrucksvollen Ausstellung About Colour waren außer uns nur noch zwei Frauen, die sich gemeinsam ein Bild betrachteten, bevor sie aus dem Haus gingen. Wir waren also allein und "störten" niemanden. Doch bemerkte ich, dass uns die Dame vom Empfang die ganze Zeit hinterher schaute. Irgendwann wurde Anton quengelig und ich ließ ihn aus dem Kinderwagen raus. Er konnte erst seit zwei, drei Wochen laufen und war etwas wackelig und vor allem ziemlich langsam unterwegs. Ich lief mit ihm also von einem Bild zum andern, ließ ihn auch etwas auf der Ausstellungsfläche laufen und war aber immer sehr nah bei ihm dran. Ich muss aber auch dazu sagen, dass zwei Installationen auf dem Boden ausgestellt waren, Anton sie also direkt hätte berühren können. Also gut, ich war also immer bei ihm, hilt ihn oft im Arm usw. Da stand die Dame auf, stellte sich an die Tür und sagte mir, dass ich aber schon auf meinen Sohn aufpassen müsse, nicht, dass da noch etwas kaputt gehe. Ich entgegenete ihr, dass ich nicht das erste Mal mit ihm auf einer Ausstellung sei und dass ich schon aufpasste. Und dann stand sie tatsächlich während unseres ganzen Ausstellungsbesuches an der Tür oder lief sogar hinter uns her, um uns zu kontrollieren. 

Eine positive Erfahrung.

In der Staatsgalerie war eine Ausstellung zu Oskar Schlemmer zu sehen und ich freute mich riesig darüber. Gerade noch die Hausarbeit über sein Menschenbild geschrieben, nun endlich Semesterferien und der längst überfällige Besuch einer guten Freundin in Stuttgart. Zwei Tage in einem anderen Ort, Anton sowieso schon etwas durch den Wind, sein Rythmus hatte sich verschoben und wir waren unterwegs. Es hallte so laut, dass er immer wieder, nein, eigentlich die ganze Zeit laut schrie. Wie das hallte... Aber was soll man denn da machen? Es ist ja auch total witzig, seine Stimme wieder und wieder zu hören. Auch der Schnuller und das Tragen halfen nichts. Wir liefen also etwas schneller durch die Räume und ich hoffte, dass es die anderen Besucher nicht allzu sehr störte. Aber wisst ihr was, die vermeintlich so spießigen Stuttgarter Damen und Herren kamen zu uns, redeten mit Anton, ich erklärte, warum er so laut war und sie lachten. Auch zwei, drei Personen vom Personal sprachen uns an, aber fanden Anton eher lustig als störend. Ich war sehr erleichtert, dass uns das niemand so übel nahm, aber ich war auch sehr froh, dass Anton kurze Zeit später, beim zweiten Teil der Ausstellung einschlief und wir die anderen Werke in Ruhe ansehen konnte.


Und wie sind eure Erfahrungen?

Kommentare:

  1. Ich muss tatsächlich sagen, dass es mich als wir bei Oskar Schlemmer waren positiv überrascht hat, wie verhältnismäßig entspannt du mit dem Ganzen umgegangen bist - obwohl ich selbst es auch überhaupt nicht als störend empfunden habe, aber ich halte das eben für eines der vielen Dinge die für die "Gelegenheitstante" wesentlich weniger stressig sind als für die Mutter. Ätzend dagegen, die Situation im Kunsthaus Wiesbaden, da kann man selbst ja noch so entspannt sein, wenn einem dann so ein Drache den Besuch vermiest.
    Ich denke, im Endeffekt ist es wie in allen anderen Situationen auch: Es gibt Menschen, für die sind Kinder Teil unserer Gesellschaft und gehören überall hin, auch wenn sie eben manchmal laut sind - es sind eben Kinder. Und es gibt Menschen, die haben vergessen dass sie und ihr Nachwuchs auch mal klein waren und dass es nichts mit mangelnder Erziehung oder schlechtem Charakter zu tun hat, wenn ein zahnendes, wachsendes, gelangweiltes oder müdes Kind mal ein bisschen herum krakeelt.
    Ich hoffe - und denke - jedenfalls dass es für dich weiterhin "selbstverständlich" bleibt, Anton mit ins Museum zu nehmen, und dass es möglichst wenige Szenen wie die im Kunsthaus Wiesbaden gibt. Für dich und deine Leidenschaft, aber auch für Anton, weil ich glaube dass die frühe Beschäftigung mit Kunst & Co nur gut tun kann.

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. Meine Liebe, ich kann deine Worte nur bestätigen!
      Ich lasse mich nicht von der komischen Tante abschrecken, aber es war schon interessant zu erleben, dass man "schlecht" behandelt wird. Das hatte ich bis dahin noch nicht. Ich werde wohl immer reflektieren, in wie weit es Sinn macht, Anton irgendwo hin zu nehmen und ich glaube auch daran, dass nicht alle Situationen geeignet sind. Trotzdem würde mich ein anderes quengelndes Kind nicht stören. Dafür bin ich (mittlerweile?) viel zu empathisch :)
      Ich schreibe ja gerade schon an einem nächsten Artikel, der manche Fragen auch noch einmal aufwirft und evtl beantwortet.
      Kinder gehören definitiv ins Museum, aber ich glaube, dass Eltern verantwortungsvoll umgehen sollten.

      Löschen