28.08.2015

Mahlzeiten on the road




Anton ist ein Vertreter dieser Spezialisten, die häufig beim Mittagessen keine Lust auf das Essen haben und nur ein wenig mit dem Gemüse auf der Gabel spielen, dann aber spätestens, wenn sie im Kinderwagen sitzen, wieder Hunger haben. Spezialisten eben. Früher hatte er jeden Tag gegen 15 Uhr Hunger und somit richteten wir uns nachmittags immer eine Zwischensnackzeit ein. Anton hat mittlerweile erst am Abend wieder richtig Hunger und ich habe ich meine Kaffeezeit behalten.

Es kommt also noch eher selten vor, dass Anton tagsüber nnger (Hunger) ruft und damit signalisiert, dass er etwas essen möchte. Das geschieht meistens nur dann, wenn wir unterwegs sind. Ihn erinnert wahrscheinlich das Reinsetzen in den Kinderwagen ans Essen. Mit Hunger hat das nicht viel zu tun.

Aber ich kenne das ja auch von mir. Sobald ich in der Stadt bin, habe ich Lust auf einen Kaffee. Und wenn es Kaffee gibt, dann habe ich dazu auch gerne noch etwas Süßes. Glücklicherweise habe ich mir aber das ständige Zum-Bäcker-Laufen etwas abgewöhnen können.

In der Phase, in der sich Antons Ernährung von Brei zur Familienkost umstellte, stand ich manchmal vor der Frage, was ich denn zu essen mitnehmen sollte. Natürlich kenne ich jetzt alle Optionen, ich weiß, was Anton gerne isst und wo ich es am schnellsten herbekommen kann.

Irgendwann fanden sich in meiner Wickeltasche keine Löffel und Lätzchen mehr, sondern Behälter und Brotdosen. Kleingeld war auch sehr wichtig. Nachdem ich wochenlang sehr viel Geld beim Bäcker gelassen hatte und mir die einseitige Ernährung meines Jungen etwas zu schaffen machte
weil wir viel unterwegs waren, überlegte ich mir Alternativen.


Und das sind unsere liebsten Mitnehm-Zwischensnacks:


Ja! Die Brezel ist und bleibt ein Favorit. Anton liebt sie und kann sie jederzeit essen. Selbst bei Zahnschmerzen. Austauschbar auch gerne mit Hörnchen. Ich kann sie aber nicht mehr sehen. Sie schmecken so gut zu Weißwürsten und mit Butter, aber das ist ja schon ein vollwertiges Abendessen. Weil Anton häufig nicht alles aufisst und ich die Reste dann essen darf, versuche ich es mittlerweile zu vermeiden, etwas beim Bäcker zu kaufen.

Was für Brezel spricht: Bäcker gibt es (fast) überall, der Preis, es kleckert nicht, Kind hat immer Lust darauf


Früher waren mir Eltern suspekt, die ihren Kindern Quetschefrüchte in die Hand drückten. Sie waren doch nur faul, das Obst kleinzuschneiden. Das war früher. Ich bin mittlerweile davon überzeugt, dass diese kleine Tütchen eine tolle Alternative zu frischem Obst sind. So viele Varianten, wie es gibt, findet sich für jedes Kind eine leckere Mischung. Anton kriegt die Quetschefrüchte eher in Ausnahmefällen: wenn wir lange unterwegs sind, wenn ich ihm mal was besonders Gutes tun möchte oder wenn er starke Schmerzen hat. Aber irgendwie ist er damit nicht so geschickt und ich binde ihm meistens ein Tuch um, damit nicht alles auf seine Kleidung kommt.

Was für Quetschefrüchte spricht: es ist gesund und schmeckt lecker, ist in fast jedem Supermarkt/in jeder Drogerie erhältlich. (Dagegen sprechen aber teilweise der Preis und der Müll.)


Für die etwas Fleißigeren kommt wohl frisches Obst in Frage. Ich liebe Trauben, denn diese müssen nur gewaschen werden. Oder Bananen, einfach nur die Schale runter. Aber auch Beeren sind sehr praktisch. In vielen Situationen habe ich das Obst auf dem Markt gekauft und mit dem Trinkwasser, das ich immer dabei habe, schnell gewaschen. Es war somit also direkt essfertig. Manchmal bin ich schon so fleißlig und schnippel Apfelstücke. Aber es gab schon einige Tage, an denen ich Melone, Apfel und Birne umsonst aufgeschnitten hatte. Anton mag Obst nämlich nur bedingt. Und die Sauerei kann auch manchmal zum Problem wird.

Was für frisches Obst spricht: gesund gesund gesund!


Ohne hier Werbung für erdbär machen zu wollen, hatte ich zufällig genau von diesen Produkten Fotos gemacht. Erdbär ist aber deshalb so toll, weil sie mich darauf gebracht haben, dass Anton getrocknete Früchte sehr gerne mag. In der Kleinmarkthalle in Frankfurt ist es mir dann wieder aufgefallen: dort durften wir eine Mischung an getrockneten Früchten probieren und Anton hat mir fast alles weggegessen. Auch im Müsli pickt er sich regelmäßig die noniiine (Rosinen) raus. Wir haben ständig getrocknete Früchte zu Hause und Anton isst uns die Packungen weg. Praktisch sind hier eben die (ziemlich überteuerten, aber süßen) Packungen mit Rosinen und Aprikosestückchen.

Was für getrocknete Früchte spricht: handlich und sauber :)


Mein super ausgefallener Mega-Tipp (haha) sind Avocados. Anton isst ziemlich gerne Avocados. So habe ich sie einfach in ein Behältnis getan und einen Löffel miteingepackt. Als wir Pause gemacht haben, fütterte ich Anton mit der Avocado und er konnte zusätzlich noch ein Brötchen essen.
Man muss sich hinsetzen und "füttern", gleichzeitig macht es auch ziemlich viel Dreck.

Aber, was für die Avocado spricht: sie ist gesund und es gibt keinen Müll.


Wir haben natürlich auch häufig selbstgeschmierte Brote dabei, wenn ich rechtzeitig planen kann und ich mir die Mühe mache. Oder "Kinderkekse" ohne Zucker (iiih, wie sich dieses Wort anhört) packe ich auch manchmal mit ein.

Was sind denn eure besten Mitnehmsnacks?! Was ist gesund, günstig und macht keinen Dreck?! :)

26.08.2015

one tiny little story


Montag Morgen. Endlich kommt L. aus dem langen Urlaub wieder zurück. Fünf Wochen lang haben L. und Anton sich nicht mehr bei der Tagesmutter gesehen und Tag für Tag rief Anton seinen besten Freund. Das Wiedersehen ist also ein großes Fest. Anton rennt die Treppe hoch, setzt sich an die Wand und wartet auf L. L. rennt hoch, setzt sich neben Anton und die beiden grinsen sich an. Sie geben sich Küsschen, lachen sich an und setzen sich wieder hin. Anton hat L. sehr vermisst und es ist so schön, die beiden wieder zusammen zu sehen.

24.08.2015

Buchtipp: Haus


Es gibt Kinderbücher, die sind so schön, dass manchmal die Eltern beinahe mehr Spaß daran haben, das Buch durchzublättern als die Kinder. Bei dem wunderschön illustrierten Buch Haus von Felicitas Horstschäfer und Johannes Vogt ist das so. Mit jeder neuen Seite lassen sich die unterschiedlichsten Möglichkeiten zu wohnen entdecken. Nicht nur die Größe der Häuser variiert, auch die Form, die Stellplätze, die Bewohner, die Zimmeranzahl usw. unterscheiden sich. Die Häuser sind jeweils in schwarzer Farbe illustriert und die Details mit feinen Linien gezeichnet. Mit bald zwei Jahren ist Anton noch etwas zu jung für dieses Buch. Er versteht noch nicht ganz den Sinn der vielen verschiedenen Häuser. Aber auch hier konnte er schon Fische, Bäume, ein Boot und ein Bär und noch andere Gegenstände erkennen. Das Buch bleibt also noch ein wenig im Regal stehen und ich freue mich sehr darauf, wenn mir Anton bald zurufen wird: Schloss! Piraten! Zelt!






Ich danke dem Gerstenberg Verlag vielmals für die gute Zusammenarbeit und das Rezensionsexemplar.

21.08.2015

home office: wenn man zu Hause lernen oder arbeiten muss


Morgen für Morgen sitze ich während der vorlesungsfreien Zeit vor meinem Laptop, nachdem ich Anton zur Tagesmutter gebracht habe. Mit dem Wissen, dass mir nur knapp fünf Stunden für Arbeit, Haushalt und Mittagspause plus Kochen bleiben, lese ich zu meinem zweiten Kaffee eine Runde Lieblingsblogs und Kunstartikel, beantworte ein paar Mails und schaue auf meinen Blogplan. Aber dann muss ich mich von meiner geplanten Prokrastination lösen, von dem Am-Computer-Einarbeiten und konzentriere mich auf meine Arbeit.

Meine Arbeit - das sind momentan drei Hausarbeiten, die in relativ kurzer Zeit fertig geschrieben werden müssen. Daneben muss ich natürlich auch noch Latein lernen, schreibe Artikel für die Blogs, habe bald meinen ersten freiberuflichen Arbeitstag im Museum und arbeite an einem Projekt, von dem ich auch noch erzählen werde.

Die Hauptfrage ist: Wie motiviert man sich immer wieder auf's Neue, wenn man zu Hause arbeitet?

Dass Mütter Allrounder sein sollen, davon hört man immer wieder. Ganz ehrlich: ich konnte meinen Alltag schon immer gut organisieren. Das gehört einfach zu mir und macht mir Spaß. Ohne To-do-Listen habe ich das Gefühl, die Wahrscheinlichkeit, alles Wichtige zu vergessen, ist viel zu hoch. Aber tatsächlich ist es so, dass ich Einiges vergesse, seitdem Anton da ist. Der größte Teil meines Kopfes dreht sich um ihn und alles andere muss ich in die zweite Hälfte packen. Das funktioniert meistens sehr gut, manchmal aber auch nicht. Aber (unter Zeitdruck zu) lernen, das kann ich. Das habe ich gelernt und geübt, irgendwann "perfektioniert". In den meisten Fällen gelingt es mir wirklich, dann zu lernen, wenn ich lernen muss. Und welche Punkte ich beachte, damit das Arbeiten zu Hause funktioniert, davon handelt dieser Blogpost. Wie bereits erwähnt ist "Arbeit" ein dehnbarer Begriff und so lassen sich diese Tipps gut auch auf jegliche Form von Arbeit anwenden.

Also, los geht's!


Vorbereitung

Ja, die effektive Arbeit fängt schon mit einer guten Vorbereitung an. Die kleinen Dinge machen da schon den Unterscheid. Ich arbeite am liebsten an unserem Esstisch, der im Wohnzimmer steht. Ich mag dort das Licht und die Aussicht. Ich kenne den Ort, an dem ich am besten schreiben kann, wo es "fließt". Aber dieser Tisch wird auch morgens von uns beim Frühstücken genutzt und so versuche ich ihn, trotz der Eile immer direkt aufzuräumen. Wenn ich Anton weggebracht habe und der Tisch bereits sauber ist, dann habe ich die erste kleine Hürde schon ausgeräumt.
Aber egal, wo man seinen Arbeitsplatz hat, der Schreibtisch sollte ordentlich und aufgeräumt sein. Denn Ordnung auf dem Tisch schafft Ordnung im Kopf.

Ich bereite aber auch meistens schon die Unterlagen und Arbeitsmaterialien vor. Im Wohnzimmer darf ich die Platte unserer Kommode okkupieren und so sammeln sich dort Bücher und Notizen. Ich verbanne jedoch alles, was nicht mit dem aktuellen Thema zu tun hat, aus dem Wohnzimmer auf meinen richtigen Schreibtisch (ja, den gibt's auch) und sortiere meine Unterlagen nach inhaltlichen Gesichtspunkten. Jeder muss für sich selbst herausfinden, mit welchen Arbeitsmaterialien er am besten arbeiten kann. Seit meiner Ausbildung liebe ich Aktendeckel, Dreiflügel- und Ordnungsmappen und ich hasse Hefter und Ordner. Es lohnt sich, kein Zettelchoas und auch kein Ordnerchaos auf dem Laptop zu haben. Denn Ordnung auf dem Tisch/Laptop schafft Ordnung im Kopf. haha

Zwei Kleinigkeiten helfen mir aber auch noch, möglichst bald mit der Arbeit zu beginnen, sobald ich die Zeit dafür habe. Ich habe es gelernt, die Wohnung einfach unordentlich sein zu lassen. Ich kenne viele, die das überhaupt nicht können und mir fiel es lange Zeit auch sehr schwer. Es ist auf jeden Fall lernbar, das Umfeld zu ignorieren und weiter unten könnt ihr lesen, wie sich das relativ einfach gestaltet.

Und meistens bereite ich vorher oder spätestens in den Pausen Getränke vor, oft eine Karaffe mit Minzwasser oder eine Kanne Tee, damit ich nicht für jede einzelne Durstphase später aufstehen muss und gleichzeitig genügend trinke.


Die Angst vor dem weißen Blatt

So, dann ist alles vorbereitet und ihr könnt loslegen! Aber wie doof ist es, wenn man vor seinem Laptop sitzt und einfach nicht weiß, wo man anfangen soll?! Gerade wenn man nur einen kurzen Slot zum Arbeiten hat, braucht man ein wenig Zeit, um mit den Gedanken beim Thema zu sein.

Die Angst vor dem weißen Blatt kennen die meisten. Die Ideen kreisen im Kopf, die Unterlagen türmen sich vor einem auf, aber man weiß einfach nicht, wie man die Gedanken ausdrücken soll.

Was mir wirklich hilft, egal ob beim Schreiben eines Blogposts oder einer Hausarbeit, ist das Losschreiben. Man schreibt irgendwas, zum Beispiel Tagebuch, erzählt, wie der Tag war und was man erlebt hat. Dadurch beginnt der Kopf, Sätze zu formulieren und die Hände fangen mit dem Tippen an. Besser wird's, wenn man schon einzelne Sätze zum vorliegenden Thema aufschreibt. Es macht wirklich Sinn, seine Ideen und Gedankenfragmente niederzutipppen. Denn auch wenn man erstmal nichts mit diesen Bruchstücken anfangen kann, ist es meistens schon am nächsten Tag oder bei der nächsten Arbeitssession der erste Anlaufpunkt, um weiterzumachen. Daraus ergibt sich dann der Text. Man hat schon etwas produziert, auch wenn man so etwas nie abgeben könnte. Aber man hat nicht mehr das weiße Blatt und mann kann auf etwas aufbauen. In der Pause können die fehlenden Teile in Gedanken reifen, man kann weiterhin darüber grübeln und vielleicht auch Einiges wieder verwerfen.


während des Arbeitens

Auch wenn die Zeit so kurz bemessen ist, lohnen sich kurze Pausen. Je nach Phase arbeite ich eineinhalb bis zwei Stunden und mache dann zehn bis dreißig Minuten Pause. Meine Mittagspause ist mir wichtig und diese dauert dann etwas länger.

In den kurzen Pausen "belohne" ich mich. Das gibt mir Motivation, ungeliebte Texte wirklich zu lesen. "Wenn du diesen Artikel durchgearbeitet hast, darfst du den Artikel XY lesen." Manchmal freue ich mich dann so sehr auf das Ende des Textes

Blöderweise ist man ja nicht immer 100%ig bei der Sache und so kommen mir an manchen Tagen ständig die besten Einfälle für alles Mögliche, nur nicht für das Thema. Ein Extra-Notizblock liegt also immer griffbereit. Oft nutze ich die kurzen Pausen, um die Dinge zu erledigen.

Und natürlich bringen die frische Luft und eine Tasse Kaffee einen müden Kopf auch wieder die nötige Frische.


Prokrastination

Prokrastination kennen wir alle. Was tun, wenn man endlich freie Zeit hat, unbedingt arbeiten muss, aber einfach keinen Kopf dafür hat? In den meisten Fällen klicken wir uns durch die Webseiten, lesen Emails und schauen den Instagram-Feed durch. In ganz schlimmen Fällen waschen wir die Wäsche, räumen die Schränke aus oder putzen sogar die Fenster! Klassische Prokrastination eben.

Wenn ich überhaupt keine Lust habe und dennoch produktiv sein muss, dann übernehme ich andere Aufgaben und lasse das Schreiben sein. Diese Arbeitszeiten nutze ich anders. Ich formatiere die Texte, sortiere Unterlagen, füge Quellen ein, plane und organisiere. Kopieren und Bücher bestellen oder die Literaturliste erstellen sind Aufgaben, die notwendig sind und ziemlich aufwendig sein können. Das sind alles wichtige To Do's, die sowieso irgendwann gemacht werden sollten, auf die man aber auch nicht immer Lust hat. Dadurch kommt man mit seinen Aufgaben voran,


Pläne

Es ist kein Geheimnis, dass ich Pläne und Listen liebe. Deshalb gibt es kaum eine Lernzeit ohne Zeitplan. Beim Planen gehe ich aber nicht zu streng vor. Ich schaue, welche Termine es in der Woche gibt und welche effektiven Lernzeiten ich habe. Dann plane ich die einzelnen Lernzeiten. Dabei stecke ich mir Tagesziele. Eine halbe Stunde Latein - Text A übersetzen, zwei Stunden Hausarbeit schreiben - Quelle A bearbeiten, Punkte 2 und 3 beginnen zu schreiben, Punkt 1 beenden usw. Die größte Schwierigkeit besteht wohl darin, dass man den Plan möglichst sinnvoll durchdenkt. Nicht überschätzen, nicht zu hoch ansetzen, genug Puffer einbauen.

Wichtig ist auch, dass man seine besten Lernzeiten kennen sollte. Ich kann zum Beispiel morgens bis 12 Uhr am effektivsten lernen. Dann lasse ich mich am wenigsten ablenken und kann meine Gedanken gut ordnen. Abends gibt es manchmal Phasen, in denen ich sehr produktiv bin - vor allem für's Bloggen. Dann ist mir der Schlaf egal. Ich nutze dann den Flow und schreibe, bis mir die Augen zufallen.



Diese Tipps beherzige ich fast immer und es ermöglicht mir, selbst bei nur einer halben Stunde freier Zeit effektiv zu arbeiten. Nicht nur Mütter kennen es, dass einfach so viel neben der Arbeit oder des Studiums läuft, dass man jede Zeit, die sich auftut, nutzen sollte. Aber bei all der vielen Arbeit plant euch auch unbedingt Pausen ein! Pausen für die Familie, zum Nachdenken, Quatsch machen und Auftanken.

17.08.2015

CampusMum: Aneli


In der Reihe CampusMum stelle ich euch Frauen vor, die neben Kind und Kegel noch ein Studium meistern. Ich frage sie nach ihrem wie, was und warum.


Ich freue mich ja immer wieder auf's Neue, wenn ich euch in der Mitte des Monats eine neue CampusMum vorstellen darf! Meistens stehe ich mit den Frauen seit ein paar Wochen in Kontakt, um das Interview vorzubereiten und lerne sie damit ein Stück weit näher kennen, als ich sie bisher gekannt habe. Und mit jeder studierenden Mutter bekomme ich selbst so viel neuen Input. Deshalb freue ich mich auch dieses Mal wahnsinnig, euch wieder mit einer tollen Frau bekannt zu machen!

Aneli ist also eine dieser Granaten, die studiert und gleichzeitig Mutter ist. Von zwei Kindern. Sie ist 28 Jahre alt und lebt mit ihrem Freund und ihren zwei Söhnen, Oskar (3 Jahre) und Bjarne (fast 6 Monate), in Berlin. Wenn sie mal nicht lernt, näht sie gerne oder liest. Und sie reist, auch mit den Kindern. So waren sie unter anderem schon gemeinsam Backpacken oder Inselhoppen auf den Kanaren. Glücklicherweise hat sie auch ihre Familie auf dem Land, wo sie gerne auch ihre freien Tage verbringt.

Anelie beim Lernen, als Oskar cirka 9 Monate alt war


Liebe Aneli, wie schön, dass du beim Interview mitmachst. Das freut mich sehr, dass du dir die Zeit für uns nimmst. Erzähl’ uns doch bitte, welche Fächer du studierst und in welcher Hochschule du eingeschrieben bist.

Ich freue mich auch mitzumachen. Ich studiere  an der Humboldt Uni in Berlin Wirtschaftspädagogik und Englisch, also Lehramt für Berufsschulen und Gymnasien in Berlin und Brandenburg. Davor habe ich bereits einen Bachelor in Amerikanistik und Publizistik gemacht. Ich weiß ehrlich gesagt schon gar nicht mehr, in welchem Semester ich gerade bin; und mittlerweile studiere ich auch in Teilzeit, das ist an der Humboldt Uni relativ unkompliziert möglich.


Du hattest gerade die Zulassung für ein Zweitstudium entschieden, als du zum ersten Mal schwanger wurdest. Wie ging es dir denn mit dieser Entdeckung?

Ich hatte mich für ein zweites Studium entschieden, weil die Arbeitsbedingungen in meiner damaligen Arbeit (Fernsehproduktion bzw. Medien allgemein) in Berlin nicht wirklich kompatibel damit waren, wie ich mir mein Leben zukünftig vorstellte. Als ich das meinen Eltern beichtete, meinte meine Mutter, die selbst Lehrerin ist, nur: Aber warte mit dem Kinderkriegen nicht bis nach dem Studium. Sie wollte wohl auch ein Enkelkind, nachdem ihre beiden älteren Schwestern bereits Oma waren. Geplant war Oskar dann letztendlich doch nicht gewesen und es war schon erstmal komisch. Eine sehr gute Freundin hatte gerade ein Kind bekommen, aber sie lebt in einer anderen Stadt und deswegen war ich die allererste weit und breit in unserem Freundeskreis, die mit dickem Bauch durch die Gegend watschelte. Auch an der Uni kannte ich zuerst ja niemanden in meiner Situation und ich fühlte mich ein bisschen wie Juno auf dem Schulflur. Trotzdem sah ich die ganze Geschichte zu dem Zeitpunkt immer noch extrem positiv. Ich hatte keinerlei Beschwerden in dieser Schwangerschaft, arbeitete noch nebenbei 20 Stunden in der Woche und der Babybauch lief einfach so ein bisschen mit. 



Und wie sah dann die erste Zeit mit Oskar und Studium aus? Welche Erfahrungen hast du gemacht? Hast du ein Urlaubssemester genommen?

Ich bin super blauäugig an das Muttersein herangegangen und habe mich ehrlich gesagt auch kaum damit beschäftigt, das Studium war erstmal wichtiger. Ein paar Babysachen hatte ich von meinen Cousinen und der Freundin eingesammelt und dann war das Thema für mich gegessen. Oskar kam Ende Mai, also mitten im Semester und ich packte meinen Stundenplan zwar nicht mehr ganz so voll, war aber überzeugt, mindestens die Hälfte des erwarteten Pensums zu schaffen. Als ich dann zwei Wochen vor dem Geburtstermin in meinem auf-den-letzten-Drücker-Geburtsvorbereitungskurs zum ersten Mal von der Wochenbettzeit hörte, war ich überrascht. Die wurde aber gar nicht so intensiv thematisiert, es ging eher um die Geburt an sich, weswegen ich bis Oskar da war eigentlich nicht den Ernst der Lage erkannte. Danach war ich dann erstmal komplett geschockt. Oskar war ein großes Baby, die Geburt war sehr anstrengend und das Stillen musste sich erstmal einpendeln (auch das hatte mir niemand erzählt). Am Ende hatte ich dann in diesem Semester gar nichts mehr geschafft.

Im Oktober, also als Oskar etwa fünf Monate alt war, nahm mein Freund Elternzeit. Er hatte damals selbst relativ frisch eine berufsbegleitende Ausbildung angefangen, ging also an zwei Tagen in der Woche zur Schule, die anderen war er zu Hause und ich in der Uni. Ich schaffte natürlich immer noch weniger als ein Vollzeitstudent, aber es ging gut. Mit neun Monaten kam Oskar dann in den Kindergarten. Das klappte von Anfang an super und so pendelte sich das mit der Uni auch langsam wieder ein. Trotzdem schaffte ich nie das erwartete Pensum, was auch daran lag, dass mein Studium, besonders der wirtschaftswissenschaftliche Teil, sehr fordernd und anspruchsvoll ist. Im Gegensatz zu meinem ersten Studium musste ich nun wirklich etwas tun und hatte noch ein Kind und später auch noch einen Hiwi-Job an der Uni. Und die Prioritäten hatten sich natürlich verschoben. Jetzt war die Uni eher Nebensache, Oskar spielte immer erste Geige und wenn er mal krank war, bin ich als Studentin meistens zu Hause geblieben, während mein Freund arbeiten gegangen ist. 


Mitten im Studium ist auch euer zweites Kind Bjarne zur Welt gekommen. Magst du erzählen, ob das eine bewusste Entscheidung war? Wie ging es dir damit - absolute Panik oder entspannte Freude?

Dieses Mal schon eher Panik. Es war zwar schon irgendwie klar, dass es nicht bei einem Kind bleiben würde, aber eigentlich wollte ich doch zumindest erstmal den Bachelor fertig bekommen, ich wusste ja jetzt doch, wie anstrengend Kind und Studium sein können. Und ich bin auch kein Fan von zu kleinen Altersabständen. Na ja, aber dann war es irgendwie doch passiert und wir haben uns neben dem leichten Unwohlsein natürlich auch sehr gefreut. 


Das kann ich mir sehr gut vorstellen! Bjarne ist nun vier Monate alt. Machst du gerade ein Urlaubssemester oder hast du direkt weiter studiert? Welche Studienleistungen musstest du beispielsweise im letzten Semester erbringen?

Ich habe in der Schwangerschaft die letzten nötigen Kurse mit Anwesenheitspflicht besucht. Weil diese Schwangerschaft aber extrem anstrengend war, habe ich nur eine einzige Prüfung im Wintersemester geschrieben. Jetzt im Sommersemester auch. Zum zweiten Prüfungstermin möchte ich dann noch einmal zwei schreiben, wenn ich es schaffe. Aber ich mache mir da jetzt nicht mehr so viel Stress. Ein Kind läuft mit dem Standardmaß an Organisation noch immer ganz gut nebenbei und wir haben eigentlich gar nicht so viele Einschnitte machen müssen, auch was das Sozialleben angeht. Aber mit zwei Kindern ist man dann doch irgendwie Vollzeitfamilie, einer schreit immer. Deswegen warte ich erstmal ab, bis mein Freund ab Oktober Elternzeit hat. Dann ist Bjarne auch ein halbes Jahr alt und hoffentlich ein etwas besserer Schläfer; und dann nehme ich die letzten Prüfungen für den Bachelor im Wintersemester in Angriff. 


Wie ist die Betreuung für die Jungs organisiert? Welche Rolle spielt dabei dein Freund?

Oskar geht in den Kindergarten, gerne und ganztags und Bjarne wurde bisher ausschließlich von mir betreut, ich stille voll und abpumpen klappt irgendwie nicht so. Mein Freund arbeitet im Schichtdienst, auch am Wochenende. Das ist nicht gerade familienfreundlich, aber zur Entlastung der Situation macht er zum Beispiel einen Großteil des Haushalts, wenn er dann unter der Woche mal vormittags zu Hause ist. So muss ich das zum Beispiel nicht noch abends machen und kann dann die Zeit für mich nutzen. Tagsüber verbringen wir dann eigentlich immer Zeit mit den Kindern und am Besten ist es, wenn der Papa Frühdienst hat, dann gehört der Nachmittag nämlich der Familie. Außerdem wohnt meine Schwester in Berlin und meine Eltern auch nicht so weit weg, die lassen sich auch gerne mal einspannen, wenn es zeitlich passt.


Beschreib uns doch euren Alltag. Wann findest du die Zeit zum Lernen oder Vorbereiten?

Da die Arbeitsschichten von meinem Freund jeden Monat neu und nicht nach einem bestimmten Muster verteilt werden, ist der Familienplaner Herzstück unseres Alltags. Früher war ich ein extrem spontaner Mensch, mittlerweile kriege ich Stresszustände, wenn Unvorhergesehenes passiert. Das ist dann leider aber trotzdem noch oft der Fall und so passiert Uni vorwiegend auf den letzten Drücker. Oder ich muss etwas schwänzen, um Anderes vorzubereiten. Den Großteil der Prüfungen schreibe ich deswegen auch zum zweiten Termin, also zu Beginn des neuen Semesters, nachdem ich die Semesterferien zum Lernen genutzt habe. Aber am Ende des Semesters mit der Seminarvorbereitung und Referaten, fühle ich mich meist nicht sonderlich gut vorbereitet. 


Und wie schaffst du dir „me-time“ bzw. was bedeutet freie Zeit für dich?

Zu wenig. Ich habe oft das Gefühl, ich werde nie fertig und komme nie wirklich zum Abschalten. Das belastet mich schon ein wenig. Also, nicht die Beziehung zu meinen Kindern, aber die zum Studium. Hoffentlich wird das im Master, der mich auch inhaltlich mehr interessiert, besser. Also, ich nehme mir abends schon mal die Zeit, Dinge zu tun, die mir auch Spaß machen, aber ein bisschen klopft dann ja doch immer wieder das schlechte Gewissen an. 


Das ist verständlich, aber gleichzeitig ist die freie Zeit, auch wenn es mal nur eine halbe Stunde ist, in der man abschalten kann, so wichtig - ich glaube, alle haben was davon! :) Kommen wir zum lieben Geld. Die Frage der Finanzierung treibt ja viele Studenten um. Kannst du uns ganz grob erklären, wie ihr euch finanziert?

Mein Freund arbeitet im sozialen Bereich, eine Familie kann man davon also auch nicht ernähren. Vor dem zweiten Kind habe ich auch immer ein bisschen gearbeitet, Wohngeld bekommen und mir zum Beispiel die Gebühren für das Semesterticket rückerstatten lassen. Immer so Schlupflöcher halt. Aber jetzt, mit zwei Kindern, bin ich nur noch als Teilzeitstudentin eingeschrieben und wir stocken mit ALGII auf. Das ist für mich aber keine dauerhafte Lösung, das ganze Hin und Her mit dem Jobcenter schlägt auch auf's Gemüt. Ich finde ein bisschen Einsatz auch gerechtfertigt, man bekommt ja quasi Geld ohne viel dafür zu tun, aber insgesamt sind die Strukturen und das "Wie" echt anstrengend. Also, sobald Bjarne etwas größer ist, möchte ich ich auch wieder arbeiten gehen.



Du hast Recht. Es kann so anstrengend sein, ständig für seine Rechte einstehen zu müssen und das Geld einzufordern, das einem in so einer Situation auch zusteht. Ich komme noch einmal auf die Uni zurück. Welche Erfahrungen hast du an deiner Universität in der Rolle als Mutter gemacht? Hattest du z. B. schon einmal Probleme, eine Frist aufgrund von Krankheiten bei den Kindern einzuhalten oder an manchen Veranstaltungen nicht teilnehmen zu können?

Ich muss sagen, dass ich sehr viele, sehr positive Erfahrungen gemacht habe. An meiner Uni ist man Eltern gegenüber extrem zuvorkommend und verständnisvoll. Früher fand ich das immer ein bisschen albern irgendwie, aber mittlerweile bin ich extrem dankbar dafür und muss zugeben, dass ich das auch schamlos ausnutze, also Prüfungen schiebe oder im letzten Moment absage, wenn nötig. 

Vereinzelt, also mit einzelnen Dozenten, habe ich auch schon schlechte Erfahrungen gemacht, bis hin zur Dreistigkeit. Aber da muss ich sagen, dass diese Menschen dann schon generell irgendwie sexistisch waren oder einfach ein Problem mit Empathie hatten, besonders Frauen gegenüber. Das scheint leider in den mathematisch-naturwissenschaftlichen Fächern immer noch häufiger der Fall zu sein. Aber insgesamt hat man es an der Uni doch noch besser als im Arbeitsleben, glaube ich. Besonders in der Erziehungswissenschaft sind sowohl Mitarbeiter als auch Kommilitonen Kindern gegenüber ja eher offen und freundlich eingestellt, und dieses Interesse spiegelt sich dann auch wieder in der Kinderquote wieder. Mittlerweile habe ich nämlich das Gefühl, ich kenne Hunderte studierende Eltern. 


Im Laufe des letzten Jahres habe ich mit den CampusMum Interviews auch das Gefühl gewonnen, dass es relativ viele Lehramtsstudierenden Eltern gibt. Es ist gut, dass vor allem in diesen Studiengängen eine gewisse Familienfreundlichkeit herrscht. (Wobei ich mit meinen Instituten auch nicht klagen kann.) 
Wie wird denn voraussichtlich das nächste Semester aussehen?

Wenn alles klappt, schreibe ich die letzten Prüfungen für den Bachelor und vielleicht auch die Bachelorarbeit. 


Ich bin ich sehr gespannt, was du als Expertin mit zwei Kindern auf die nächste Frage antworten wirst! Empfindest du das Studium als einen guten Zeitpunkt, um ein oder mehrere Kinder zu bekommen? 

Es kommt auf den Studiengang an. Ich habe ja auch Geistes- und Sozialwissenschaften studiert, das ist mir leicht gefallen, die Strukturen sind oft sehr familienorientiert und wenig sexistisch. Mein derzeitiges Hauptfach ist aber sehr anspruchsvoll, sowohl von den objektiven Anforderungen her als aber auch von dem, was ich persönlich als Einsatz leisten muss. Trotzdem denke ich, dass es an der Uni immer noch mehr Freiheiten gibt als im Arbeitsleben, wenn man ein gewisses Organisationstalent hat und eine nicht zu große Neigung hat, Dinge aufzuschieben. Hm, also eine sehr typenabhängige Entscheidung, das kann man nicht pauschalisieren. Für mich selbst einer der unschlagbarsten Argumente für Kinder im Studium ist ja das Alter. Ich finde es großartig jung Kinder zu bekommen und fühle mich in dieser Entscheidung mit jedem zusätzlichen Lebensjahr und Kind mehr und mehr bestätigt. Da geht es mir wie mit Alkohol, den vertrage ich auch immer schlechter. 


Gibt es etwas, dass eure Uni verändern könnte oder generell Unis verändern könnten, damit es Studierende mit Kindern leichter haben?

Die HU hat schon ziemlich viel gemacht. Gut finde ich, dass es jetzt mehr und mehr Vorlesungen gibt, die im Onlinestream laufen, oder, noch besser, als Podcast angehört werden können. Das kann gerne noch ausgebaut werden, weil es ja doch immer noch einige Veranstaltungen gibt, die verpflichtend sind, aber trotzdem nur zu unmöglichen Zeiten angeboten werden. Oder man einfach so mal nicht hingehen kann, Gründe dafür liefern Kinder ja zu genüge...


Ich habe wirklich sehr großen Respekt vor allen, die überhaupt zwei Kinder haben und den Alltag meistern und noch viel mehr vor Frauen wie dich, die gleichzeitig noch arbeiten oder studieren. Gibt es ein Geheimnis? 


Wenn, dann muss ich es auch noch herausfinden :). Es ist wirklich so, dass man einfach mit seinen Aufgaben wächst. Was man wirklich lernt, also nicht nur weiß, sondern voll und ganz verinnerlicht, und das finde ich auch am Besten am Kinder haben allgemein, also auch schon mit nur einem Kind, ist wichtiges von Unwichtigem zu unterscheiden. Man muss nicht immer überall die besten Noten schreiben. Es bringt viel mehr, sich auf seine Stärken zu konzentrieren und selbst wenn das dann auch mal schief läuft. Die Beziehung, die ich mit anderen Menschen habe, sind noch einmal viel wertvoller als Uni, Arbeit oder sogar irgendwelche Konsumgüter. Das weiß man natürlich auch ohne Kinder, aber sie halten einem das noch einmal viel deutlicher vor Augen. Und wenn man dieses Andere dann nicht so überaus ernst nimmt, bekommt man das auch ganz gut gemeistert. Rede ich mir zumindest ein. Oder es hat halt nicht den Stellenwert, den die Familie hat und man ist dann doch zufrieden damit, wie es ist, selbst wenn es nicht total perfekt ist. 



Liebe Aneli, ich danke dir so sehr für deine Antworten und dass du uns davon berichtet hast, wie dein Studium mit eurem Familienleben funktioniert. Ich wünsche dir eine nicht zu stressige Lernphase für die letzten Prüfungen und dann viel Konzentration und gutes Gelingen für die Bachelor-Arbeit.


Aneli findet ihr übrigens auch auf Instagram unter dem Namen frl.bollmann.




Alle bisherigen Interviews der Reihe CampusMum findet ihr hier. Und hier kommt ihr zu allen Artikeln, die sich mit dem Thema Studieren mit Kind beschäftigen.



14.08.2015

Stören Kinder im Museum? Die Rolle der Eltern.


Als regelmäßige Museumsbesucherin und Ausstellungs- und Kunstinteressierte war es für mich schon immer klar, dass ich mit meinem Kind ins Museum und auf Ausstellungen gehen werde. Dass ein Kind mit zwanzig Monaten sich jedoch lieber auf dem Spielplatz austoben möchte als durch die leisen, heiligen Hallen geschoben zu werden, ist einleuchtend. Anton und ich sind aber ein gutes Team und ich kann gut abschätzen, an welchen Tagen ein Museumsbesuch angebracht ist und an welchen Tagen wir eher draußen bleiben sollten. 

Die wichtigste Erfahrung, die ich in den letzten Monaten gemacht habe, ist, den Museumsbesuch nicht auf die Stoßzeiten zu legen. Es macht viel mehr Sinn, am Morgen oder zum Beispiel an einem warmen Tag auch am Nachmittag ins Museum zu gehen, als sonntagnachmittags, zu einer Zeit, in der tausend andere Menschen ihre Freizeit ausnutzen. Es gab schon Stunden, in denen Anton und ich ganz alleine mit ein paar Mitarbeitern im Museum waren. Das ist ein unglaubliches Gefühl. Meine neun Tipps für einen entspannten Museumsbesuch mit Kindern habe ich bereits vorgestellt. 


Stören Kinder im Museum? Nein!

Für mich ist es also ganz selbstverständlich, dass Kinder ins Museum gehören. Doch habe ich mir bereits in der Schwangerschaft darüber Gedanken gemacht, ob Kinder eigentlich im Museum oder im weitesten Sinne auch in Kulturbetrieben stören. Grundsätzlich glaube ich das nicht. Natürlich kommt es vor, dass Kinder in vermeintlich unpassenden Situationen ihre Bedürfnisse lautstark äußern, aber das habe ich nie als Angriff meiner Ruhe für eine Objektbetrachtung gesehen. Wenn auch Kinder nicht gerade das aktuellste Thema in meinem Kopf waren, so sah ich sie weder als Störenfriede noch als Plagegeister. Mit dem Mamawerden und Mamasein kommen natürlich weitere Erfahrungswerte hinzu. So reagiert man womöglich empathisch, wenn ein Kind nach seiner Milch schreit. Das Bedürfnis des (fremden) Kindes steht vor der Stille, vielleicht sogar vor der Kunst. Und somit kann ich ganz klar sagen, dass Kinder mich nicht im Museum stören.


Eltern in der Verantwortung

Warum ist es keine Selbstverständlichkeit, dass man Kinder im Museum sieht? Heute möchte ich meinen Blick auf die Eltern richten.

Meine empirische Beobachtung zeigt mir, dass die meisten entweder gar nicht mehr ins Museum gehen, seitdem sie Eltern sind oder zumindest nicht mehr als Familie. Kunstvermittlung wird an die Bildungseinrichtungen abgeschoben und der Museumsbesuch nicht mehr als gemeinsame Familienzeit genutzt. Teilweise verstehe ich das. Denn wenn Kinder gelangweilt durch die Räume laufen und ständig fragen, wie lange es noch dauert, dann können sich die Eltern auch nicht auf die Kunst einstellen. Gleichzeitig geht die Vorbildfunktion verloren, wenn Kinder ausschließlich über Dritte von Kunst erfahren und über Kunst sprechen. So wichtig ich die Bildungsabteilungen der Museen finde (und das ist meiner Ansicht nach sehr bedeutend!), so sehr erachte ich gemeinsam erlebte Ausstellungsbesuche für essentiell. 

Die Familienmitglieder sollen nicht nur vereinzelt, sondern gemeinsam durch die Ausstellungsräume gehen und zusammen besprechen, was sie dort gesehen haben, wie ihre Meinung dazu ist. Museum also als ein Ort, in dem Kommunikation stattfindet und in dem Gedankenanstöße gegeben werden. Eltern müssen verstehen, dass es etwas ganz Normales und Gutes ist, wenn sie mit ihren Kindern ins Museum gehen. Es beginnt also schon bei den Eltern, wie Kinder in Kulturbetreiben gesehen werden.

Mir ist aber auch wichtig zu betonen, dass Eltern auch in der Pflicht stehen, ein paar Eckpunkte zu beachten. Wenn das Kind gerade eine sehr nölige Phase hat, wird es in der Ausstellung laut und anstrengend sein, wenn es gerade Hunger hat, sollte man vielleicht vorher doch noch einmal ins Museumscafé gehen. Und vielleicht informiert man sich bereits im Vorfeld über die Inhalte der Ausstellung und sucht ein paar Spots aus, die für die Kinder besonders interessant sein können. Es gibt Ausstellungen, in denen man aktiv werden kann und mit den Objekten hantieren darf oder es gibt einen spannenden Film oder man lässt die Kinder alle Tiere zählen, die sie auf den Kunstwerken finden. Die Eltern können dafür sorgen, dass das Kind etwas mitnimmt. Die Kunst gibt Impulse, das Museum verpackt sie und die Eltern geben ihren Kindern Denkanstöße mit. 

12.08.2015

one tiny little story


In unserem großen Gemeinschaftsgarten gibt es Vieles, von dem Anton begeistert ist. Die Schaukel natürlich, die vielen Bobbycars mit Anhänger, ein großes Trampolin und im Sommer auch einige Planschbecken. An einem Abend kehrten wir nach einem ausgiebigen Spielplatzbesuch auch noch in den Garten ein. Anton kennt alles und läuft meistens zu allererst zu den Häschen Milli und Trixie. So auch an diesem Abend. Bald darauf trafen wir auch ein paar Nachbarskinder und Anton entdeckte ein Planschbecken, das noch mit Wasser gefüllt war. Das zweijährige Mädchen L. und er spielten mit dem Wasser, sammelten es in kleinen Behältern und nässten den Sandkasten damit. L. zeigte ganz stolz ihre neue Gießkanne, die sie nur wenige Stunden vorher geschenkt bekommen hatte. Ich stand mit L.s Mutter ganz in der Nähe und wir unterhielten uns, ich immer ein Auge auf die Kinder gerichtet. Und dann sah ich, dass L. eine ganze Gießkannenladung mit kaltem Wasser über Antons Rücken ergoss. Und er?! Er lachte sich kaputt! Es war so witzig, die beiden zu beobachten, denn, noch immer angezogen, schütteten sie sich gegenseitig Wasser zu, bis sie klatschnass waren. Und dann kletterten sie natürlich auch noch in das Planschbecken. Es macht mich so glücklich, Anton so zufrieden und begeistert zu sehen.

10.08.2015

Buchtipp: Wo ist Mami?


Den Grüffelo kennen sicherlich die meisten von euch. Axel Scheffler und Julia Donaldson haben eine Kultgeschichte mit dem kleinen Monster geschaffen. Zur Zeit wird dieses Buch bei uns nicht sehr häufig gelesen, aber dafür umso mehr das Buch "Wo is Mami?", das ebenfalls von ihnen produziert wurde.

Die Geschichte ist ganz schnell erzählt. Der kleine Affe sucht im Dschungel seine Mama und der blau-farbene Schmetterling hilft ihm bei seiner Suche. Die Mama ist groß, aber nicht so groß wie ein Elefant. Sie hüpft, ist aber kein Frosch. Und der Schmetterling versteht erst spät, dass der kleine Affe seiner Affenmama ganz ähnlich sieht. Der Nachwuchs des Schmetterlings sieht nämlich ganz anders aus. Glücklicherweise findet der Affe zum Schluss seine Mami.

Das Buch ist auf jeden Fall schon für Kinder ab 1,5 Jahren geeignet. Die Texte sind kurz genug, so dass Anton auch zuhören kann, bevor er die nächste Seite umblättern möchte. Viele Tiere tauchen auf, die man entdecken kann. Manche Tiere sind nicht in Deutschland heimisch, aber Anton kennt sie trotzdem schon alle. Das Wort amimi (Ameise) hat er aufgrund dieses Buches gelernt. Das Format passt in jede Wickel- oder Handtasche und wir haben das Buch oft dabei.






07.08.2015

Pimp my shirt



Kennt ihr die gestreiften Shirts von Comme des Garçons? Ich mag die ziemlich gerne, auch wenn ich gar nicht weiß, wie die Qualität der Stoffe ist. Das Besondere an ihnen sind die kleinen Herzchen mit den Augen, die den einfachen Streifenoberteilen das gewisse Etwas verleihen. Dass ich Streifen an Kindern liebe, muss ich wohl nicht noch einmal erwähnen.

Die Comme des Garçons Shirts kosten knapp achtzig Euro und ich bezweifel, dass ich jemals so viel Geld für ein Kindershirt ausgeben werde - ich müsste womöglich im Lotto gewinnen oder Kuratorin im Louvre sein. Letztens aber kaufte ich einige kleine Bügelmotive in einem Bastelladen und wusste zunächst noch gar nicht, was ich mit ihnen anstellen sollte. Als ich das Herz auf das schwarz-weiß gestreifte Hemdchen bügelte, erinnerte es mich einfach stark an die Commes des Garçons Shirts. Ich gehe jetzt aber nicht so weit, noch die Augen aufzukleben. Das wäre ja lächerlich. 

Und eigentlich will ich mit diesem Blogpost auch nur zeigen, dass die Bügelbilder für Mütter wie mich doch wirklich perfekt sind. Sie erinnern nicht mehr an die Bügelflicken für abgewetzte Hosen aus den 90ern, wie ich sie als Dorfkind in meiner Kindheit getragen habe, sondern sind eine einfache Möglichkeit, um ein Kleidungsstück schnell zu "pimpen". 




05.08.2015

one tiny little story


Völlig verdreckt vom Sandkuchen backen und Boote auf dem Sandmeer aufbauen und mit weißem Zuckermund von einem Traubenzuckerlolli erkläre ich Anton, dass wir nun die Hände waschen wollen. Er liebt sein Bobbycar (abgöttisch) und da wir gerade eben erst nach Hause angekommen sind, möchte er am liebsten auf eben diesem sitzen bleiben und den Boden weiterhin mit seinen schwunghaften Kamikazefahrten verkratzen. Aber die Erkenntnis, dass er sich selbst den Hocker zum Waschbecken schieben darf, dass er alleine raufklettern kann und sich dann selbstständig die Hände wäscht inklusive Seife, lässt ihn dann doch nach einer kurzen Bedenkzeit in das Badezimmer kommen. Nicht aber ohne dem Bobbycar vorher winkend tschaaboogiga zuzurufen.