14.08.2015

Stören Kinder im Museum? Die Rolle der Eltern.


Als regelmäßige Museumsbesucherin und Ausstellungs- und Kunstinteressierte war es für mich schon immer klar, dass ich mit meinem Kind ins Museum und auf Ausstellungen gehen werde. Dass ein Kind mit zwanzig Monaten sich jedoch lieber auf dem Spielplatz austoben möchte als durch die leisen, heiligen Hallen geschoben zu werden, ist einleuchtend. Anton und ich sind aber ein gutes Team und ich kann gut abschätzen, an welchen Tagen ein Museumsbesuch angebracht ist und an welchen Tagen wir eher draußen bleiben sollten. 

Die wichtigste Erfahrung, die ich in den letzten Monaten gemacht habe, ist, den Museumsbesuch nicht auf die Stoßzeiten zu legen. Es macht viel mehr Sinn, am Morgen oder zum Beispiel an einem warmen Tag auch am Nachmittag ins Museum zu gehen, als sonntagnachmittags, zu einer Zeit, in der tausend andere Menschen ihre Freizeit ausnutzen. Es gab schon Stunden, in denen Anton und ich ganz alleine mit ein paar Mitarbeitern im Museum waren. Das ist ein unglaubliches Gefühl. Meine neun Tipps für einen entspannten Museumsbesuch mit Kindern habe ich bereits vorgestellt. 


Stören Kinder im Museum? Nein!

Für mich ist es also ganz selbstverständlich, dass Kinder ins Museum gehören. Doch habe ich mir bereits in der Schwangerschaft darüber Gedanken gemacht, ob Kinder eigentlich im Museum oder im weitesten Sinne auch in Kulturbetrieben stören. Grundsätzlich glaube ich das nicht. Natürlich kommt es vor, dass Kinder in vermeintlich unpassenden Situationen ihre Bedürfnisse lautstark äußern, aber das habe ich nie als Angriff meiner Ruhe für eine Objektbetrachtung gesehen. Wenn auch Kinder nicht gerade das aktuellste Thema in meinem Kopf waren, so sah ich sie weder als Störenfriede noch als Plagegeister. Mit dem Mamawerden und Mamasein kommen natürlich weitere Erfahrungswerte hinzu. So reagiert man womöglich empathisch, wenn ein Kind nach seiner Milch schreit. Das Bedürfnis des (fremden) Kindes steht vor der Stille, vielleicht sogar vor der Kunst. Und somit kann ich ganz klar sagen, dass Kinder mich nicht im Museum stören.


Eltern in der Verantwortung

Warum ist es keine Selbstverständlichkeit, dass man Kinder im Museum sieht? Heute möchte ich meinen Blick auf die Eltern richten.

Meine empirische Beobachtung zeigt mir, dass die meisten entweder gar nicht mehr ins Museum gehen, seitdem sie Eltern sind oder zumindest nicht mehr als Familie. Kunstvermittlung wird an die Bildungseinrichtungen abgeschoben und der Museumsbesuch nicht mehr als gemeinsame Familienzeit genutzt. Teilweise verstehe ich das. Denn wenn Kinder gelangweilt durch die Räume laufen und ständig fragen, wie lange es noch dauert, dann können sich die Eltern auch nicht auf die Kunst einstellen. Gleichzeitig geht die Vorbildfunktion verloren, wenn Kinder ausschließlich über Dritte von Kunst erfahren und über Kunst sprechen. So wichtig ich die Bildungsabteilungen der Museen finde (und das ist meiner Ansicht nach sehr bedeutend!), so sehr erachte ich gemeinsam erlebte Ausstellungsbesuche für essentiell. 

Die Familienmitglieder sollen nicht nur vereinzelt, sondern gemeinsam durch die Ausstellungsräume gehen und zusammen besprechen, was sie dort gesehen haben, wie ihre Meinung dazu ist. Museum also als ein Ort, in dem Kommunikation stattfindet und in dem Gedankenanstöße gegeben werden. Eltern müssen verstehen, dass es etwas ganz Normales und Gutes ist, wenn sie mit ihren Kindern ins Museum gehen. Es beginnt also schon bei den Eltern, wie Kinder in Kulturbetreiben gesehen werden.

Mir ist aber auch wichtig zu betonen, dass Eltern auch in der Pflicht stehen, ein paar Eckpunkte zu beachten. Wenn das Kind gerade eine sehr nölige Phase hat, wird es in der Ausstellung laut und anstrengend sein, wenn es gerade Hunger hat, sollte man vielleicht vorher doch noch einmal ins Museumscafé gehen. Und vielleicht informiert man sich bereits im Vorfeld über die Inhalte der Ausstellung und sucht ein paar Spots aus, die für die Kinder besonders interessant sein können. Es gibt Ausstellungen, in denen man aktiv werden kann und mit den Objekten hantieren darf oder es gibt einen spannenden Film oder man lässt die Kinder alle Tiere zählen, die sie auf den Kunstwerken finden. Die Eltern können dafür sorgen, dass das Kind etwas mitnimmt. Die Kunst gibt Impulse, das Museum verpackt sie und die Eltern geben ihren Kindern Denkanstöße mit. 

Kommentare:

  1. Wenn du mal nach Österreich kommst dann musst du mal http://www.inatura.at/Die-inatura.6033.0.html dahin gehen. Meine 2 Mädchen waren begeistert. Da können die Kinder durch anfassen lernen und das 3 D Kino ist auch sehr schön. Wir waren gleich 2 mal in der Vorstellung.

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    1. Liebe Sabrina, wie schön, dass du davon berichtest. Sollte ich in Österreich sein, werde ich versuchen, dahin zu kommen. Solche Angebote sind natürlich großartig! Und schön, dass du es mit deinen Töchtern wahrnimmst.
      Alles Liebe.

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