14.12.2015

CampusMum: Märry




In der Reihe CampusMum stelle ich euch Frauen vor, die neben Kind und Kegel noch ein Studium meistern. Ich frage sie nach ihrem wie, was und warum.


Es wird wieder Zeit für ein neues CampusMum Interview. Heute habe ich die 25 jährige Märry an Bord, die mit ihren Tochter in Münster lebt und dort Erziehungswissenschaften studiert. Manchen von euch ist sie vielleicht auch unter dem Namen Frau Raufuß bekannt. Sie schriebt nämlich über ihr Leben als studentische Mama und Teilzeitarbeitnehmerin auf ihrem Blog Kalinchens. Kalinchen ist dabei das Pseudonym ihrer dreijährigen Tochter.

So, nun überlasse ich aber Märry das Feld und bin gespannt, wie sie ihr Leben als studentische Mutter beschreibt.


Liebe Märry, ich freue mich sehr, dass du beim CampusMum Interview mitmachst. Erzähl’ uns doch bitte zunächst, was du studierst.

Ich studiere in Münster und schreibe gerade an meiner Bachelorthesis in Erziehungswissenschaften. Seit April studiere ich zusätzlich noch Germanistik, um im nächsten Jahr in den Master of Education zu wechseln.


Du hast schon zwei Mal dein Studienfach gewechselt. Kannst du erklären, welche Umstände dich dazu bewogen haben und wie zufrieden du mit deiner Entscheidung bist?

Ich wollte eigentlich Jura studieren und habe dort keinen Platz bekommen. Um noch im Wintersemester anfangen zu können, schrieb ich mich für meinen Zweitwunsch Lehramt ein. Ich bekam leider nicht die gewollten Fächer und musste auf Ausweichfächer zurückgreifen. Nach dem ersten Semester wechselte ich zum 1-Fach Bachelor Erziehungswissenschaften. Im letzten Jahr habe ich gemerkt, dass ich mit dieser Entscheidung nicht wirklich unglücklich, aber unzufrieden war. Daher studiere ich seit April zusätzlich zu meinem normalen Studium noch Germanistik und wechsele im nächsten Semester in den Lehramtsstudiengang Pädagogik und Germanistik. Ich bin sehr zufrieden und hoffe, dass alles so läuft, wie ich es vorhabe. 


Du schreibst gerade deine Bachelorarbeit in Erziehungswissenschaften. Wie teilst du deine freie Zeit zum Lernen ein? Empfindest du es gerade als sehr stressig?

Es ist super stressig. Ich weine sehr viel und habe oft das Gefühl, überfordert zu sein. Ich bin kraftlos. Freie Zeit suche ich bewusst und ruhe mich dann aber erstmal aus. Seit meiner Schilddrüsen OP bin ich noch müder und kraftloser als vorher. 


Das klingt wirklich schwierig. Wie teilst du dir denn normalerweise deine Zeit ein und wie ist euer typischer Tagesablauf?

Montags macht der Papa vom Kalinchen seit diesem Semester den Fahrdienst. Die letzten 2,5 Jahre habe ich das Kalinchen jeden Morgen zu 8-8.30 Uhr in die Kita gebracht und sie gegen 16 Uhr wieder abgeholt. In der Zwischenzeit gehe ich in die Uni oder arbeiten. Nach der Kita sind wir um ca. 17 Uhr zu Hause und kümmern uns um den Haushalt und bereiten das Abendbrot. Oft muss ich dann aber nochmal los in die Uni und falle meistens sehr erschöpft gegen 9 Uhr ins Bett.


Wie ist die Betreuung deiner Tochter organisiert? Du hast mir erzählt, dass die Kita-Suche eine Tortour war.

Schrecklich war das! 43 Anmeldungen haben wir geschrieben und nur eine Rückmeldung bekommen und das war die Zusage für die jetzige Kita. Im letzen Winter ging der Mist von vorne los, in Münster muss man sich zum dritten Geburtstag wieder neu anmelden und auf einen Platz hoffen. Mich hat diese Ungewissheit fertig gemacht und ich hatte oft Angst, keine Betreuung zu finden. 


Ohje, das klingt wirklich furchtbar. Es ist erstaunlich, wie unterschiedlich die Betreuung in den jeweiligen Bundesländern organisiert ist. Wie finanzierst du das Studium?

Ich habe leider einen sehr dicken Studienkredit, bekomme Unterhalt und gehe arbeiten. Die Situation ist sehr schwierig und eng, da mein Vater und ich leider seit einigen Monaten vor Gericht stehen. 


Du hast deinen Job wechseln müssen, weil die Vereinbarkeit von Beruf und Familie nicht funktioniert hat. Was bedeutet für dich Vereinbarkeit? Und was waren denn die konkreten Probleme im alten Job?

Das eigentliche Problem war ein Kita-Unfall (das Kalinchen hat sich den Fuß gebrochen). Ich bin natürlich sofort mit ihr ins Krankenhaus gefahren und musste mich dann bei meiner alten Chefin rechtfertigen. Ihrer Meinung nach hätten auch die Erzieher mit ihr ins Krankenhaus fahren können. Krankheitstage fürs Kind würden hier nicht gehen und auch meine eigene Krankschreibung nach der Operation wurde angezweifelt da ich beim Einkaufen gesehen wurde. Wohlgemerkt durfte ich nicht arbeiten, um die Kinder mit meiner offenen Wunde am Hals nicht zu infizieren und musste Lebensmittel für uns kaufen. Ziemlich lächerlich. Ich glaube, die haben einen Grund gesucht, um mich loszuwerden, da ich Dinge gesehen und angesprochen habe, die jahrelang unter den Teppich gekehrt worden sind. 

Vereinbarkeit bedeutet für mich Verständnis, dass die Kinder immer vorgehen und trotzdem die Möglichkeit besteht, dass Mama Karriere machen kann und ihren Beruf ausüben darf.


Märry, das glaubt man ja gar nicht. Das ist definitiv ein Grund, um die Arbeitsstelle zu wechseln. Wie stemmst du dann mit diesen Mehrbelastungen den Haushalt, deine Arbeit, das Studium, Blog und die Familie? Hast du auch „me-time“? 

Diese Frage bekomme ich oft gestellt. Es läuft einfach. Hier ist eigentlich immer Chaos, die Wäsche stapelt sich und ich liege, wenn ich zu Hause bin, ab 19 Uhr im Bett und will meine Ruhe. Mich bringt unser Leben oft an meine Grenzen, mein Körper meldet sich daher regelmäßig mit wundervollen Migräne Attacken. Trotzdem will ich nicht tauschen und bin dankbar für meine Tochter.


Hast du vielleicht praktische Tipps, wie bei dir die Alltagsorganisation abläuft?

Einfach mal Dinge stehen lassen und sich ausruhen. Und seine eigenen Anforderungen runterschrauben, dann ist die Klausur halt nur ne 2.0. 


Und zum Abschluss: was sollten studierende Eltern beachten, wenn sie sich für ein Kind im Studium entscheiden?


Sie sollten sich bewusst machen, was es heißt, alles unter einen Hut zu packen. Ich wäre oft froh, wenn ich schon arbeiten könnte und das Lernen und Hausarbeiten schreiben wegfallen würde. Und der finanzielle Aspekt sollte nicht außer Acht gelassen werden, Kinder kosten Geld. 


Liebe Märry, ich danke dir für die offenen Worte und die Zeit, die du dir genommen hast. Ich wünsche dir sehr, dass dein neuer Arbeitgeber so familienfreundlich ist, wie man es erwarten kann, dass du immer wieder zur Ruhe kommst und Pause vom Alltagsstress machen kannst und dass dir das Studium so gelingt, wie du es dir wünschst. 


Märry findet ihr übrigens auch auf ihrem Blog kalinchens, auf Facebook und auf Instagram unter dem Namen kalin_chen. Ihr neuster Artikel: Studieren mit Kind oder auch warum ich bald durchdrehe.



Alle bisherigen Interviews der Reihe CampusMum findet ihr hier. Und hier kommt ihr zu allen Artikeln, die sich mit dem Thema Studieren mit Kind beschäftigen.

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