15.12.2015

Studieren mit Kind Kolumne auf Campus Mainz: Plan B und C bei studierenden Eltern


Das Thema Studieren mit Kind kommt in dieser Woche noch ein Mal zur Sprache. Meine neue Kolumne auf Campus Mainz ist online und ich möchte den Text gerne auch hier mit euch teilen.

Ich frage mich, welche besonderen Rechte es für Eltern im Unialltag gibt und ob sie diese überhaupt wahrnehmen. Dürfen sie wegen der Kinder vermehrt fehlen und was passiert, wenn die Betreuung ausfällt?


Plan B und C bei studierenden Eltern 

Im Studienalltag von studierenden Eltern gibt es ein paar Fragen, die alle umtreiben: Was mache ich, wenn mein Kind krank ist? Vor allem Kita-Kinder sind in den Wintermonaten vor keinem Virus gefeit und so droht der manchmal hart erarbeitete Uni-Kind-Rhythmus schnell zu kollabieren, sobald das Kind mit triefender Nase und heißer Stirn morgens aufwacht. Was passiert, wenn die Kita in den Ferien zumacht? Und kann ich mehr als zwei Mal im Seminar fehlen?

Unsere Familie ist schon ziemlich Notfall-erprobt und deshalb habe ich mich gefragt: Wie viel nehme ich mir raus als studierende Mutter? Ich möchte ja wie jeder andere Studierende behandelt werden, gleichgestellt sein und für mich soll keine Extrawurst gebraten werden. Aber manchmal, wenn alle Stricke gerissen sind und mein ausgeklügeltes Betreuungssystem abstürzt, dann bin ich doch auf die Nachsicht oder das Entgegenkommen meiner Dozenten angewiesen.

Ich habe die Erfahrung gemacht, dass es sich immer lohnt, mit seinen Dozenten zu sprechen und auch seine Situation darzulegen. Aber dennoch suche ich den Kontakt nicht zu Beginn des Semesters, sondern erst dann, wenn es etwas zu klären gibt. Denn ansonsten möchte ich ganz normal behandelt werden, mit allen Rechten und Pflichten, die zu einem Studium gehören. Für mich gelten dieselben Anwesenheitszeiten, die gleichen Abgabetermine und dasselbe Hausaufgabenpensum. Der Unterschied besteht (vordergründig) nur darin, dass ich spätestens um 15 Uhr meine Tasche packe und meinen Sohn abholen muss.

Drei dieser schwierigen Situationen, die eben nur Eltern ausgesetzt sind, erlebte ich im vergangenen Semester. Ich musste auf Plan B oder C zurückgreifen.


Notfallbetreuung der Uni wahrnehmen

Blockseminare sind für unsere Familien- und Betreuungssituation sehr kompatibel und lassen sich teilweise viel leichter in den Alltag integrieren als ein regelmäßig stattfindendes Seminar. Am Wochenende kann mein Freund auf Anton aufpassen und unter der Woche kann ich normalerweise meine Eltern für die Betreuung miteinbeziehen. Die insgesamt drei Stunden Zugfahrt für Hin-und Abreise nehme ich dafür gerne in Kauf. Im vergangenen Semester hatte ich doch tatsächlich zwei Blockseminare, durch die ich an insgesamt acht Tagen einige Creditpoints einsammeln konnte (natürlich plus Referate und Hausarbeiten).

An einem dieser Freitage waren meine Eltern jedoch im Urlaub und die Tagesmutter nahm sich relativ kurzfristig Urlaub. Wie sollte ich auf die Schnelle eine Halbtagsbetreuung für Anton finden?!

Die Uni Mainz bietet in Zusammenarbeit mit der pme Familienservice GmbH eine Notfallbetreuung für studierende Eltern an. Dieses Angebot darf man zwei Mal im Semester in Anspruch nehmen. Die Bedingung dafür ist, dass man sich die Einrichtung an einem der öffentlichen Besichtigungstermine anschaut. 

An diesem Freitag war also unsere einzige Lösung die Notfallbetreuung der Uni. Ich hatte berechtigte Sorge, dass Anton eventuell nicht mitmachen würde. Er ist zwar ein ziemlich cooles, liebes und lustiges Kind, aber manchmal hat er auch so seine Phasen, in denen er und seine Bedürfnisse schwer einzuschätzen sind.

Letzten Endes lief natürlich alles gut. An diesem Tag waren alle anderen Kinder nicht da und so bekam mein kleiner Mann eine Eins-zu-eins-Betreuung - ein Traum! Er hatte viel Spaß mit den neuen Spielsachen und aß mehr Kekse als sonst. Während des Seminars schaute ich immer wieder auf’s Handy, aber ich durfte ganz gelassen sein. Obwohl Anton die Erzieherin nicht kannte, ging es ihm gut und ich holte ihn gegen 14 Uhr nach meinem Blockseminar wieder ab. Es lohnt sich also, Vertrauen in die Erzieher und vor allem auch in sein Kind zu haben.


Plötzlicher Notfall

Normalerweise schaue ich während des Seminars nicht auf mein Handy. In den meisten Fällen versuche ich mich zu konzentrieren und mich nicht durch ankommende Nachrichten und Bilder abzulenken. Meine Erfahrung hat aber gezeigt, dass es in manchen Fällen gut sein kann, sein Handy griffbereit zu haben.

Wenn Anton kränkelt oder schon eindeutig krank ist, aber kein Fieber hat und ich ihn morgens zur Tagesmutter bringe, (weil ich ja unbedingt zur Uni muss/möchte,) dann habe ich natürlich schon ein leicht schlechtes Gewissen. Sein Kind leiden zu sehen, ist wirklich nicht schön. An diesem einen Tag musste ich aber zur Uni, ich hatte den vollsten Stundenplan der Woche und ich durfte nicht so viel verpassen.

Als ich während des ersten Kurses einmal kurz auf mein Handy schaute, entdeckte ich eine ganze Reihe von Meldungen. Mehrere Anrufe in Abwesenheit, ein paar WhatsApp Nachrichten und eine SMS. Hui, schnell draufgeschaut, wurde mir bewusst, dass ich die Tagesmutter direkt zurückrufen musste. Ich ging also leise raus, rief sie an und erfuhr: Anton ging es richtig schlecht, er weinte nur noch und rief nach mir. Ich hörte ihn am Hörer ganz bitter weinen und wusste, jetzt muss ich los.

Zum ersten Mal hatte ich einen echten Notfall. (Dass danach noch ein viel schlimmerer kommen würde, ahnte ich damals nicht. Ich sage nur: Sprung vom Bett und Platzwunde auf der Stirn.) Ich musste zu meinem Kind, Fehlzeiten hin oder her. Die Dozentin, die ich während der Stillarbeit kurz informierte, war ganz verständnisvoll und ich hatte deshalb keine offizielle Fehlzeit in meiner Anwesenheitsliste.


Fehlzeiten und Nachprüfungen

Die meisten Institute sind relativ kulant, wenn es um die Fehlzeiten durch Krankheit der Kinder geht. Das heißt nicht, dass man das ausnutzen sollte. Es gibt mir aber Ruhe, wenn der Winter mal wieder hart ist und das Kind einfach jeden Kindergartenvirus mitnimmt. Mehr als drei Fehltage hatte ich noch nicht, aber das sind ja auch schon viele bei einem dreizehn wöchigen Semester. Es ist aber wichtig, dass man sich ein Attest vom Kinderarzt holt. Warum das so relevant ist, seht ihr an meinem nächsten Beispiel.

Mein ganzer Dank gebührt an dieser Stelle einer großartigen Dozentin. Ich fehlte drei Mal im Seminar und bekam dieses dennoch anerkannt. Wie es dazu kam? Wegen einer Erkältung blieb ich einmal zu Hause. Dann wurde Anton krank und ich blieb bei ihm und noch ein weiteres Mal mussten wir zu Hause ruhen. Er hatte Fieber und eine Erkältung. Das konnte man auch ohne Arztbesuch in den Griff bekommen. Ich vergaß dabei völlig, dass ein ärztliches Attest sinnvoll sein könnte. Denn bei drei Mal fehlen hat man das Seminar nicht bestanden. In Absprache mit der Dozentin durfte ich aber in einer mündlichen Prüfung über den fehlenden Stoff die Fehlzeiten kompensieren und bekam meine Creditpoints. Das war eine völlige Ausnahme und ich werde bei all den Krankheiten, die noch auf uns zukommen werden, IMMER zum Arzt gehen und mir ein Attest holen.


Was ich gelernt habe


Bei all den Situationen habe ich gelernt, dass man in schwierigen Zeiten mit den Dozenten sprechen und die Gegebenheiten klären sollte. Dabei ist es mir persönlich sehr wichtig, das Entgegenkommen nicht auszunutzen, sondern alles dafür zu geben, dass die Notlösungen nur Notlösungen bleiben. 


Dieser Artikel erschien in Kooperation mit Campus Mainz, der Informationsplattform der Johannes-Gutenberg Universität Mainz, für die ich regelmäßig die Kolumne Studieren mit Kind schreibe.

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