14.01.2016

Stören Kinder im Museum? Wie mein Kind meine Ausstellungsbesuche bestimmt.


Mit Kindern ins Café?

Vor einigen Tagen unterhielt ich mich mit einer Freundin darüber, wie schwierig es manchmal sein kann, sich mit kinderlosen Freunden zu treffen. Normalerweise geht man ja einfach in ein Café und quatscht dort stundenlang über das Leben. In den ersten eineinhalb Jahren mit Anton funktionierte das auch wirklich gut. In den Wochen aber, in denen Anton eher kratzbürstig angelegt ist oder sich nicht gut fühlt, wenn es regnet oder wir sowieso schon viel unterwegs sind, dann lade ich meine Freundinnen gerne zu uns ein. Anton merkt zwar, dass meine Aufmerksamkeit nicht ganz bei ihm liegt, aber es gibt Kuchen und er kann sich überall austoben.

Meine Freundin erzählte dann von ihrer Freundin, die mit ihr in ein Café gehen wollte. "Ich gehe doch nicht mit E. in ein Café!" war daraufhin ihre Antwort. Ich musste schmunzeln, weil ich zunächst nicht das Problem sah. Anton und ich sind doch ständig im Café. Es gibt aber Mütter, die sich eher nicht trauen oder es sich nicht zumuten wollen, gemeinsam mit ihrem Kind ins Café zu gehen. Für mich bedeutet es einfach zu viel und deshalb lehne ich solche Angebote selten ab. Aber diese Aussage ließ mich über ein anderes Problem nachdenken.

Ich hatte mir immer vorgenommen, dass ich auch mit Anton ins Museum und auf Ausstellungen gehen würde. Natürlich gehören Kinder ins Museum! Und davon bin ich nach wie vor überzeugt. Aber warum war dann Anton schon seit Monaten nicht mehr mit mir im Museum?


Ein krankes Kind im Museum

Ich habe Anton schon lange nicht mehr auf eine Ausstellung mitgenommen. Ich glaube, es war im Sommer, als ich das letzte Mal gemeinsam mit meinem Sohn in einem Ausstellungsraum war. Vielleicht vergesse ich jetzt eine kleine Ausstellungseröffnung von Freunden, in denen sich Anton zwischen all den Gästen durchwuselte oder den Clown spielte. Aber das liegt eventuell auch noch weiter zurück.

Tatsächlich war unser letzter gemeinsamer Ausstellungsbesuch im Juni. In der letzten Ausstellungswoche hatte ich das dringende Bedürfnis, nun doch endlich die große Monet-Ausstellung im Städel zu sehen. Eine Freundin mit Baby schloss sich uns an und ich freute mich riesig auf diesen Tag. Schon im Zug merkte ich jedoch, dass Anton ganz und gar nicht gut drauf war und ich hoffte sehr, dass er vielleicht doch noch einschlafen würde. Später, dann im Museum, trennten wir uns relativ schnell, weil ich mich um Anton kümmern musste. Er hatte Fieber und ihm ging es gar nicht gut. Den Rest der Zeit verbrachte ich also mehr oder weniger im Museumscafé. An diesem Tag nahm ich kaum ein Kunstwerk wahr. Und wenige Tage später, am allerletzten Ausstellungstag (wer macht den sowas?!) durfte ich noch einmal alleine meine Stunden im Museum verbringen. Es war ein Sonntag und mein Freund passte auf Anton auf.


Verändertes Verhalten

Vielleicht war dieser letzte gemeinsame Ausstellungsbesuch mit Anton ein Knackpunkt. Momentan hüte ich mich davor, mit ihm ins Museum zu gehen. Dabei geht es mir weniger darum, dass er vielleicht wieder krank sein könnte - das kann ich ja in den meisten Fällen ganz gut abschätzen. Aber seit dem Sommer hat sich Antons Schlaf- und Spielverhalten verändert. Mein Sohn macht eigentlich keinen Mittagsschlaf mehr, sodass ich am Nachmittag nicht damit rechnen kann, in dieser Zeit in Ruhe eine Ausstellung zu sehen und ihn dabei einfach mitnehme. Gleichzeitig ist er in dem Alter, dass er herumlaufen will, die Räume erforschen möchte und dabei aber eben nicht unbedingt von der Mutter kontrolliert werden will. Das ist natürlich in Ausstellungsräumen schlichtweg unmöglich. Entweder müsste er an meiner Hand laufen (das klappt ganze 10 Sekunden) oder im Kinderwagen sitzen bleiben (das klappt im Ausstellungsraum vielleicht eine halbe Stunde).

So bleibt mir eigentlich nichts anderes übrig, als dieses Jahr in den meisten Fällen alleine ins Museum zu gehen, günstige Augenblicke zu erhoffen und auf den dritten Geburtstag zu warten. Denn dann gibt es in den meisten Ausstellungshäusern ein Begleitprogramm für Kinder.

Es ist verrückt, wie stark also doch das Alter und der Charakter des Kindes eine Rolle auf unseren Alltag haben. So, wie unsere Cafébesuche mit Freundinnen eher weniger werden und dafür die Kuchenzeiten zu Hause mehr (Familienzeit im Café klappt erstaunlicherweise immer), so ergeben sich für mich immer mehr Chancen, auch alleine in eine Ausstellung zu gehen. Sobald ich das Gefühl habe, dass Anton "bereit" für ein Museum ist, wenn er zufällig im Kinderwagen einschläft und ausnahmsweise nicht unbedingt seine Spielzeit zu Hause oder auf dem Spielplatz braucht, werde ich wieder einen Versuch starten. Ansonsten warte ich einfach auf den November.


Unter dem Label Kulturkind findet ihr alle Artikel zum Thema Museum mit Kind. Hast du schon meine 9 Tipps für einen Ausstellungsbesuch mit Kleinkind gelesen? Und stören Kinder im Museum? Die Rolle der Eltern.

Wie machen eure Kinder mit? Könnt ihr sie für Kunst begeistern? Oder geht ihr gerade auch lieber alleine in die Ausstellung?

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