22.02.2016

CampusMum: Farina



In der Reihe CampusMum stelle ich euch Frauen vor, die neben Kind und Kegel noch ein Studium meistern. Ich frage sie nach ihrem wie, was und warum.


Im heutigen CampusMum Interview stelle ich euch wieder ein Frau vor, die ein großes Organisationstalent besitzt und wohl einen riesigen Hut besitzen muss, so viel kann sie da unterbringen. Farina ist nämlich nicht nur Mutter einer zweijährigen Tochter, sondern auch Studentin, Bloggerin und Stoffwindelberaterin, hat einen Hiwi Job und engagiert sich ehrenamtlich. Als ich ihren Blog Auftuchfühlung, das sie gemeinsam mit einer Freundin schreibt, zum ersten Mal entdeckte, musste ich gleich ein paar ihrer Rezepte ausprobieren. Farina begeistert sich sehr für vegane Ernährung. Sie versucht mit ihren Rezepten zu zeigen, dass eine pflanzenbasierte Ernährung gut und lecker ist und dass es immer Alternativen gibt, auch wenn der Partner beispielsweise gerne Fleisch isst. Ich möchte sie nun aber zu Wort kommen lassen und von ihr wissen, wie sie ihren Alltag organisiert, welche Pläne sie für die Zeit nach dem Abschluss hat und welche Tipps sie an studierende Eltern weitergeben kann.


Liebe Farina, ich freue mich sehr, dass du beim CampusMum Interview mitmachst! Erzähl’ uns doch bitte zunächst, was und wo du studierst.

Danke, ich freue mich auch sehr, Teil der Reihe sein zu dürfen. Seit 2009 studiere ich im beschaulichen Tübingen. Angefangen hat es mit einem BA in Sprachen, Geschichte und Kulturen des Nahen Ostens (SGKNO) und Ethnologie, 2014 habe ich dann hier auch den Master in SGKNO angefangen.


Dein Studium neigt sich allmählich dem Ende und die große Abschlussarbeit steht noch an. Wie fühlt es sich für dich an, bald fertig zu sein?

Ganz ehrlich: Ich bin gerade in der "Hauptsache-ich-hab-es-bald-hinter-mir-Phase". Ich bin wirklich froh, wenn ich das MA Zeugnis in meinen Händen halte und erstmal keine Hausarbeiten mehr auf meinem Schreibtisch liegen und geschrieben werden wollen. 


Verrätst du uns, wie deine Pläne nach dem Abschluss aussehen?

Ich habe mir darüber natürlich schon viele Gedanken gemacht (wie sollte es auch anders sein, wenn man eines der "Und was kann man damit später machen?-Fächer" studiert) und zwei Möglichkeiten für mich gesehen: Entweder ich mache etwas, wo ich eher auf die Rahmenbedingungen (Arbeitszeiten, Familienfreundlichkeit etc.) schaue und nehme dafür in Kauf, dass der Arbeitsinhalt sekundär ist. Oder ich mache etwas, für das ich wirklich brenne und mein ganzes Herzblut stecke. 

Momentan möchte ich erstmal etwas ganz anderes machen, weg von der Theorie und dem Schreibtisch und mich in der Selbstständigkeit probieren. Bisher sind es ganz viele Ideen, die aber noch nach einer konkreten Ausarbeitung rufen. Das möchte ich in Angriff nehmen, sobald das Studium abgeschlossen ist. Wenn es nicht klappt, dann habe ich es zumindest versucht. Und wenn es klappt, dann umso besser. 


Das klingt interessant und ich bin gespannt, wie dein weiterer Weg aussehen wird.
Deine Tochter ist gerade zwei Jahre alt geworden. Das heißt, dass du während des Studiums schwanger geworden bist. Welche Erfahrungen hast du in diesen Monaten an der Uni gemacht? Hast du Elternzeit genommen?

Ja genau. Mein Bachelor ist ziemlich nahtlos in den Master übergegangen, da für mich kein Orts- und Institutswechsel anstand. Wir sind ein kleines Institut, man kennt sich und mit vielen Dozenten hat man schnell ein gutes Verhältnis. In der Schwangerschaft konnte ich ganz normal weiterstudieren. Ich habe nach der Geburt ein Jahr lang Pause gemacht und außer einer Hausarbeit in den ersten Lebensmonaten meiner Tochter nichts weiter für die Uni gemacht. Ich konnte allerdings direkt nach dem Mutterschutz meinen Hiwi-Job weitermachen, weil ich meine Tochter dorthin mitnehmen konnte, als sie noch den größten Teil des Tages geschlafen hat. Das hat mir sehr gut getan, einfach auch raus zu gehen und etwas anderes zu tun, mit anderen Menschen zu sprechen. 


Das klingt mal nach Vereinbarkeit! Wie sieht die Betreuungssituation für deine Tochter aus?

Mit 13 Monaten ist meine Tochter in die Uni Kita gekommen. Wir konnten uns viel Zeit für die Eingewöhnung lassen und sie hat sich dort von Anfang an sehr wohlgefühlt, was mir den Uni-Wiedereinstieg sehr erleichtert hat. Wir haben unsere Familien nicht in der Nähe und deswegen war diese Lösung für uns ideal. Auch da wir wenig andere Kinder in unserem Umfeld hatten, waren uns die sozialen Kontakte durch die Kita sehr wichtig und sind immer noch sehr glücklich mit dieser Entscheidung.


Dein Mann studiert ja auch. Wie finanziert ihr eure Familie, den Alltag und die Extras?

Richtig, wir wurden zum Teil noch von unseren Familien unterstützt, ich selbst habe eine Zeit lang noch Kindergeld bekommen, hatte und habe meinen Nebenjob und mein Mann bekommt BAföG. Das Elterngeld haben wir gespart, um in "schlechten Zeiten" etwas als Reserve zu haben. Generell lohnt es sich auch, sich zu informieren, auf welche Förderungen man Anspruch hat. Sei es Wohngeld (in einer teuren Stadt wie Tübingen sehr sinnvoll), Zuschüsse für Betreuungskosten, Stipendien oder auch einmalige Zuschüsse während der Schwangerschaft.


Wie sieht ein typischer Unitag für dich aus?

Meine Tochter ist Montag bis Freitag sechs Stunden am Tag in der Kita. Das ist die Zeit, in der ich meine Sachen erledigen muss. Ich bringe sie also zur Kita und fahre dann entweder in die Bibliothek, um an meinen Hausarbeiten zu schreiben oder zu arbeiten. Veranstaltungen habe ich keine mehr, es liegt also nur noch an mir, wie schnell ich fertig werde...achja, und an meiner Tochter ;) Wenn ich sie nachmittags abhole, gehört die Zeit voll und ganz ihr, wir gehen spazieren, auf den Spielplatz, oder machen etwas zu Hause. Abends, wenn sie schläft, mache ich nichts mehr für die Uni, da erledige ich dann Sachen für den Blog oder meine ehrenamtliche Arbeit.


Du hast ja auch noch neben dem Studium und der Familie allerhand zu tun: du hast einen Hiwi-Job, engagierst dich ehrenamtlich, bist als Stoffwindelberaterin tätig und bloggst auch noch. Wie schaffst du das alles? Wie organisierst du dir deine freie Zeit, damit du allem gerecht wirst?

Gute Frage. Einige der Tätigkeiten, wie den Hiwi Job, das Bloggen und die ehrenamtliche Arbeit habe ich schon gemacht, als meine Tochter noch nicht da war. Sie haben sich natürlich insofern verändert, als dass meine Kleine jetzt oberste Priorität hat und wenn z.B. die Kita Schließtage hat, kann ich nicht arbeiten gehen. Wenn es wieder mal länger dauert, dass sie einschläft, stoße ich später zu einem skype Gespräch hinzu. 

Ich war schon immer ein Mensch, der viele Dinge auf einmal gemacht hat. Mit der Geburt meiner Tochter musste ich schauen, dass ich die Dinge weitermache, die sich gut mit dem Familienleben vereinbaren lassen. Manche habe ich aufgegeben, andere weitergemacht. Meinen Hiwi Job in der Bibliothek habe ich schon seit 2012, er lässt sich dank flexibler Arbeitszeiten auch sehr gut mit Studium, Familie und Nebentätigkeiten vereinbaren. Im Zahnräder Netzwerk, einer Organisation, die muslimisches Sozialunternehmertum fördert, leite ich die Bereiche Recruiting und Personalmanagement. Wir arbeiten online und über skype, unsere Termine sind meist abends. Da kann ich vieles auch bearbeiten, wenn es mir in meinem persönlichen Alltag passt. Ich bin sehr froh, dass ich weiterhin auch ehrenamtlich aktiv sein kann, da es mir viel Freude bereitet und ich dort sehr viel lernen kann. 

Das wichtigste, wenn man mehrere unterschiedliche Aufgabenfelder hat, ist eine gute und vor allem realistische Organisation. Ich weiß, wie viel Zeit ich zur Verfügung habe und versuche, dementsprechend zu planen. Und man muss immer damit rechnen, dass etwas dazwischen kommen kann. Wenn das Kind oder man selbst krank ist, ein Umzug ansteht oder etwas anderes Außerplanmäßiges, dann braucht man genug Puffer in seiner Planung, dass so etwas auch abgefangen werden kann, vor allem, wenn man auch weiterhin professionell auftreten möchte. 

Das macht sich vor allem in der Selbstständigkeit bemerkbar, denn seit Anfang des Jahres bin ich nun auch Stoffwindelberaterin. Das ist ein Herzensthema von mir, auf das ich natürlich durch meine Tochter gestoßen bin. Als Beraterin helfe ich (werdenden) Eltern und Interessierten, das richtige Wickelsystem für sie zu finden, beantworte Fragen und gebe einen Überblick über die wichtigsten Informationen zum Thema Stoffwindeln. Das macht mir viel Spaß und ich freue mich immer über die freudig erstaunten und auch erleichterten Gesichter, wenn erkannt wird, dass Stoffwickeln heute nicht mehr das ist, was es vor 20 Jahren bedeutet hat.

Ann Cathrin und Farina

Du schreibst mit Ann Cathrin gemeinsam das Blog Auftuchfühlung. Wie kam es dazu, dass ihr es online gestellt habt und wo liegen eure Schwerpunkte?

Wir haben uns während des Bachelors kennengelernt und irgendwann gemerkt, dass wir beide mit dem Gedanken spielen, zu bloggen. Das war 2012 und wir haben die Ideen, die wir hatten, einfach in die Tat umgesetzt. Mit der Zeit hat sich der Themenschwerpunkt auf unserem Blog einerseits auf Rezepte, aber andererseits auch auf Mamithemen (ich) und Tipps und Erfahrungsberichte aus dem Leben als Selbstständige (Ann Cathrin) gelegt. Denn genau wie wir, so entwickelt sich auch unser Blog mit uns. 


Und zu guter Letzt: kannst du uns wertvolle Erfahrungen und Tips mitgeben, die studierenden Eltern das Leben leichter machen können?!

Sich einerseits gut zu informieren, welche Angebote und Hilfen es gibt, finde ich sehr wichtig. Viele Unis haben spezielle Regelungen für Eltern und man sollte sich nicht scheuen, diese in Anspruch zu nehmen. Und auch mal "Nein" sagen, wenn ein Dozent fragt, ob man nicht zwei Monate nach der Geburt wieder in den Vorlesungen sitzt und man sich nicht danach fühlt, sondern sich lieber erst noch in die neue Situation einfinden möchte. Mir persönlich ist es etwas schwer gefallen, nach der langen Pause wieder einen Anschluss zu finden und mich wieder in die Materie zu finden. Deswegen würde ich raten, vieles auch noch vor der Geburt zu erledigen, vor allem Hausarbeiten. Andrerseits würde ich generell raten, sich und seinem Kind auch ruhig etwas zuzutrauen, es mitzunehmen, dabei zu haben. Natürlich ist jedes Kind anders, aber ich bin der Meinung, meiner Tochter hat es gut getan, dass ich sie von Anfang an zu Veranstaltungen mitgenommen habe. 

Und natürlich - das muss ich jetzt als sentimentale Mama sagen , deren Tochter gerade zwei Jahre alt geworden ist - genießt jede Minute mit euren Kindern, sie werden so schnell groß.


Liebe Farina, ich danke dir von Herzen, dass du dir die Zeit genommen und hier mitgemacht hast. Ich wünsche dir eine nicht allzu stressige Endphase im Studium, viel Erfolg bei all deinen Tätigkeiten rund um das Studium und deiner Familie für die Zukunft alles Gute.


Farina findet ihr auf Instagram unter dem Namen auftuchfuehlung und auf dem gleichnamigen Blog.






Alle bisherigen Interviews der Reihe CampusMum findet ihr hier. Und hier kommt ihr zu allen Artikeln, die sich mit dem Thema Studieren mit Kind beschäftigen.


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