14.03.2016

CampusMum: Caro


In der Reihe CampusMum stelle ich euch Frauen vor, die neben Kind und Kegel noch ein Studium meistern. Ich frage sie nach ihrem wie, was und warum.


Ich freue mich so sehr, euch im heutigen CampusMum Interview eine weitere wunderbare Frau vorstellen zu dürfen. Durch einen gemeinsamen Bekannten bin ich schon vor einiger Zeit auf Caros Instagram Account gestoßen. Sie hat nicht nur zwei zuckersüße Kinder Olive (3 Jahre) und Astor (1 Jahr 9 Monate), sondern sie betreibt auch einen kleinen Etsy Shop mit selbst designten, bestempelten und genähten Kleidungsstücken für die Kleinen. Außerdem studiert die 26-jährige Zweifachmama und das ist für mich gerade ganz besonders interessant. Wie finden Frauen neben all ihren Beschäftigungen und zwei Kindern die Zeit für das Studium? Geht das überhaupt? Caro beweist, dass das natürlich alles ganz wunderbar funktionieren kann, wenn man die richtige Einstellung zu den Dingen hat. Mich haben ihre Antworten sehr bewegt, weil sie so zufrieden mit ihrem Leben wirkt. Seid ihr nun gespannt, was sie uns zu erzählen hat, wie sie ihren Alltag wuppt und welche wertvollen Tipps sie für uns hat? Dann, auf geht's!


Liebe Caro, ich freue mich sehr, dass du beim CampusMum Interview mitmachst! Erzähl’ uns doch bitte, was und wo du studierst.

Liebe Bettina, ich lese diese Interviews schon lange ganz gespannt und freue mich sehr, jetzt ein Teil der Reihe sein zu dürfen. Ich studiere momentan Frankreichstudien an der Freien Universität Berlin. Ich mache aber eigentlich nur ein paar wenige Kurse, um in meinen Wunschmaster zum nächsten Wintersemester reinzukommen. Den Bachelor habe ich in Italien gemacht. 


Wie teilst du deine freie Zeit zum Lernen ein? Empfindest du es gerade als sehr stressig?

Tatsächlich "freie" Zeit habe ich nicht viel. Das Lernen fällt dann durchaus mal hinten ab, aber generell lerne ich, wenn die Kinder in der Kita sind oder dann im Bett. Es ist schon gerade im Semester mal stressig. Dadurch, dass ich jeweils eine Stunde hin und zurück unterwegs bin, schaffe ich auch immer noch etwas in der Bahn. 


Wie ist deine typische Zeiteinteilung und euer normaler Tagesablauf?

Dieses Semester wird alles noch einmal ein bisschen anders, da ich noch einen Nebenjob an der Uni begonnen habe. Aber wenn auch von den Kursen her alles so passt, wie ich mir das vorstelle, dann arbeite ich 2 Tage und verteile meine Veranstaltungen auf die anderen 3 Tage. Bestenfalls während der Kita-Zeiten zwischen 10 und 16Uhr. Generell kann mein Freund mir auch nachmittags recht flexibel etwas abnehmen, da er Freiberufler ist, aber es ist auch mein Anspruch, die Nachmittage mit den Kindern zu verbringen. Abends, wenn sie schlafen, setze ich mich dann häufig noch an die Vor- und Nachbereitung von Seminaren und Vorlesungen. Oder ich mache dann bewusst nichts und genieße etwas Zeit für mich.  


Du bist während des Studiums schwanger geworden bist. Welche Erfahrungen hast du in diesen Monaten an der Uni gemacht? Hast du Elternzeit genommen?

Ich war zu der Zeit noch in Italien und habe da ausschließlich positive Erfahrungen gemacht. Meine Kommilitonen waren mit aufgeregt und wirklich herzerweichend aufmerksam - gerade am Anfang ging es mir nicht so gut und ich war nur müde und habe nichts geschafft. Da wurde ich immer unterstützt. Auch Dozenten waren sehr umsichtig, wenn ich für Untersuchungen mal gefehlt habe. Insgesamt war ich ja aber noch nicht so weit, sodass die Schwangerschaft keine große Rolle spielte. Ich habe im Juli die letzten Prüfungen geschrieben und meine Tochter dann im November zur Welt gebracht. Elternzeit oder Urlaubssemester habe ich nicht genommen, da ich mir die Möglichkeit offen lassen wollte, das Studium jederzeit abschließen zu können, was sonst nicht gegangen wäre. Ich habe ab August 2012 dann in Berlin gelebt, im Sommer 2013 noch eine Prüfung geschrieben und das Studium dann nach Verteidigung der Bachelorarbeit im März 2015 abgeschlossen.


Wie sieht die Betreuungssituation für deine Kinder aus?

Wir haben letztes Jahr im September sehr kurzfristig und unverhofft zwei Plätze in einem kleinen Kinderladen ganz in der Nähe bekommen. Der ist von 7.30-16.30Uhr geöffnet. In der Regel frühstücken wir mit den Kindern daheim und bringen sie um neun. Alle Termine und Angelegenheiten, die darüber hinaus gehen, teilen wir uns konsequent rein. Wir haben leider beide keine Familie in Berlin, sodass wir uns wirklich immer gut organisieren müssen. Glücklicherweise haben wir tolle Nachbarn, die ebenfalls einen Sohn haben und so können wir uns gegenseitig unterstützen.


Das klingt doch gut. Wie finanziert ihr eure Familie, den Alltag und die Extras?

Ich habe das Glück, Bafög zu bekommen. Zusammen mit dem Gehalt meines Freundes, meinem Nebenjob und Kindergeld kommen wir gut hin. Wir brauchen nicht viel. Ungeplante Anschaffungen wie eine neue Waschmaschine sind nicht schmerzfrei im Budget, aber wir haben uns bewusst dafür entschieden, um so flexibel wie möglich zu bleiben und trotzdem das Maximum an Zeit mit den Kindern zu haben. In ein paar Jahren kann das schon wieder ganz anders aussehen, für den jetzigen Zeitpunkt funktioniert es aber gut so. 


Ich finde es toll, dass du mit eurer Entscheidung zufrieden bist. Das ist das allerwichtigste! 
Du hast ja auch noch neben dem Studium und der Familie allerhand zu tun: du hast einen Hiwi-Job und betreibst einen kleinen Shop. Wie schaffst du das alles? Wie organisierst du dir deine freie Zeit, damit du allem gerecht wirst? 

Tatsächlich kommt irgendwas immer zu kurz. Meist der Haushalt. :) Aber ich finde das okay so. Die Priorität liegt immer bei den Kindern. Mindestens einer von uns beiden kann ihre Bedürfnisse immer auffangen. Ich könnte mir nicht vorstellen, das alles alleine zu wuppen. Wäre mein Freund nicht so flexibel und könnte auch noch den Hauptteil des Haushalts auffangen, könnte ich definitiv nicht so viele Projekte parallel laufen lassen.

Der Shop ist aus einer Leidenschaft entstanden und aus dem Bedürfnis, etwas zu erschaffen, kreativ zu sein. Etwas zu tun, das Resultate bringt. Das war für mich vor drei Jahren zunächst der perfekte Ausgleich zum Mama-Alltag, in dem man so viel macht und schafft - aber am Abend wenig davon sieht. Es hat sich dann konsequent weiterentwickelt, mehr und mehr liebe Menschen gaben mir sehr motivierendes Feedback zu meinen Sachen und so eröffnete ich im Juni letzten Jahres meinen Etsy-Shop. Nun ist in der Zwischenzeit noch das Studium dazugekommen und ein Nebenjob. Ich stelle momentan nur dann Dinge in den Shop, wenn ich auch wirklich Zeit habe, für andere zu nähen. Das ist natürlich seltener geworden. Die kreative Arbeit dahinter pausiert aber nie, selbst wenn ich nur Entwürfe oder Inspirationen in meinen Kalender kritzle. Aber genau das ist für mich der Gewinn dabei, ich empfinde es nicht als Arbeit. Ich glaube, so geht es mir tatsächlich mit allen Dingen: ich mache sie gern. Ich bin gern Studentin, Mutter, Hiwi, Shopbetreiberin. 


Caro, deine Einstellung gefällt mir so gut. Man merkt, dass du deine „innere Mitte“ gefunden hast :) Hast du vielleicht praktische Tipps für uns, wie bei dir die Alltagsorganisation abläuft?

Alles, was nicht unbedingt muss, bleibt vorerst liegen. Eigentlich wäre ich natürlich gern organisierter und strukturierter, aber ich brauche Deadlines und Druck. Und wenn der Druck nicht groß genug ist, mache ich einfach, was MIR gut tut. Ich bin bislang sehr gut damit gefahren. 


Und zu guter Letzt: kannst du uns wertvolle Erfahrungen und Tips mitgeben, die studierenden Eltern das Leben leichter machen können?!

Ich habe definitiv gelernt, um Hilfe zu bitten. Auch wenn ich sehr belastbar bin und irgendwie alles immer hinbekomme, tut es unfassbar gut, die Last etwas zu verteilen. 

Außerdem bin ich habe ich mich von ungesunden Ansprüchen an mich selbst verabschiedet. Als ich die Bachelorarbeit wieder und wieder geschoben habe, fühlte es sich zunächst wie eine Niederlage an. Weil quasi alle Kommilitonen mittlerweile abgeschlossen hatten. Es hat eine Weile gedauert, bis ich realisierte, dass mein Leben ein ganz anderes ist. Ich hab meinen Abschluss nicht TROTZ der Kinder geschafft. Ich habe den Abschluss geschafft UND ich ziehe zwei Kinder groß. Natürlich verschiebt das den Rahmen. Es interessiert in zehn Jahren keinen mehr, wie lange ich für den Bachelor gebraucht habe. Ob meine Kinder glücklich sind, dagegen schon. 



Das ist das perfekte Schlusswort! Caro, ich wünsche dir von Herzen, dass du deine tolle Einstellung behältst, dass dich deine Familie und deine Aufgaben weiterhin so zufrieden machen und dass du in den Master reinkommst, den du dir wünschst. Ich danke dir für’s Mitmachen und habt eine wunderbare Familienzeit in den USA.


Caro findet ihr auf Instagram unter dem Namen madamelinae und madamelinaedesigns sowie auf dem gleichnamigen Etsy Shop.



Alle bisherigen Interviews der Reihe CampusMum findet ihr hier. Und hier kommt ihr zu allen Artikeln, die sich mit dem Thema Studieren mit Kind beschäftigen.

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