11.03.2016

Das zweite Trimester: Gedanken zur Geburt


Nachdem ich mich eine lange Zeit gar nicht mehr mit dem Thema Geburt beschäftigt habe, tauchte das Thema vor wenigen Wochen wieder in mein Blickfeld. Ich lese schon seit mehr als drei Jahren regelmäßig Geburtsberichte. Meistens verdrücke ich ein Tränchen, manchmal bin ich nach der Lektüre ganz aufgelöst und in Gedanken. Nun bin ich wieder in der Situation, dass es mich nicht nur interessiert, wie andere Frauen die Geburten ihrer Kinder erlebt haben, sondern tatsächlich auch betrifft.

Mir fällt immer wieder auf, wie einschneidend doch dieses Erlebnis im Leben einer Mutter (und in irgendeiner, aber wahrscheinlich weniger heftigen Weise auch eines Vaters und des Neugeborenen) ist. In meinem Bekanntenkreis haben die meisten Frauen Geburten erlebt, bei denen nicht alles glatt lief. Oder zumindest nicht so verlaufen ist, wie sie es sich gewünscht hätten. Nicht wenige erlitten Geburtsverletzungen, einige Kinder mussten mit der Saugglocke geholt werden. Auf eine gewisse Art und Weise erlebten diese Frauen die Geburt als dramatisch oder sogar traumatisch.

Und wenn ich daran denke, wie es mir nach Antons Geburt ging, dann sehe ich auch, wie lange ich gebraucht habe, um dieses Ereignis zu verarbeiten. Dabei war die Geburt eigentlich nahezu komplikationsfrei und alles lief gut. Und dennoch gab es einige Momente, an denen ich nicht verstand, was mit mir passierte, oder warum mein Zustand gerade so war wie er war.


Momente der Unsicherheit während der Geburt

Nach einem frühzeitigen Blasensprung um 22 Uhr hatte ich erstmal keine Wehen. Natürlich machten wir uns entspannt gespannt zur Klinik auf, denn wir wussten: am nächsten Tag, am errechneten ET, würde Anton auf der Welt sein. Nach den ersten Untersuchungen und der Verlegung in ein Zimmer erlebte ich eine wirklich schlimme Nacht. Ich hatte im 5-10 Minutentakt Wehen, musste mich ständig übergeben und hatte Durchfall. Mein Körper spielte völlig verrückt. Diese Nacht war alles andere als erholsam. Und dann am Morgen der Befund: der Muttermund war erst 3 cm offen! Ich war körperlich bereits so fertig, dass ich nicht wusste, wie ich den Rest überstehen sollte. Und dann das Wissen, dass das keine geburtswirksamen Wehen waren. 

Natürlich kann ich im Nachhinein sagen, dass das garantiert keine Wehen waren, die kräftig genug waren, den Muttermund zu öffnen, aber wenn man eine Geburt noch nie erlebt hat, ist es doch wirklich schwierig einzuschätzen, wie sie sich anzufühlen haben. Ich wusste nur, nach dieser Nacht fühlte ich mich schrecklich und elendig, so richtig ausgezerrt und ohne Power.

Es gab noch weitere Situationen, die ich nicht einordnen konnte. Warum ich so lange am CTG angeschlossen war und deshalb weniger mobil war. Oder warum mir diese Hebamme nicht mehr erlaubte, noch etwas zu essen, obwohl ich seit dem Abendessen nichts zu mir genommen und dafür nur ausgebrochen hatte.


Die Geburt begleitet von Gefühlen des Glücks und der Angst

Aber es gab auch viele gute Momente, in denen ich das Gefühl hatte, dass es funktioniert und dass ich alles richtig mache. Im Nachhinein tut es gut, die Geburt zu reflektieren und zu verarbeiten. Mir wird immer mehr bewusst, was ich bei der nächsten Geburt gleich machen möchte und was unbedingt anders laufen muss. Der Vorteil ist, dass man eben erlebt hat, wie sich Wehen anfühlen, wie stark die Schmerzen sein können und wie hoch das eigene Schmerzempfinden ist. Und ein weiterer Vorteil gegenüber der ersten Geburt ist auch, dass ich gelernt habe, eine Löwenmutter zu sein. Ich stehe für mich und meine Kinder ein, ich kämpfe für unsere Rechte und frage nochmal nach, wenn ich die Ärztesprache nicht verstanden habe. Ich bin mir sicher, dass es Situationen bei der nächsten Geburt geben wird, die ich deshalb besser in Griff haben und verstehen werde.

Und gleichzeitig ist mir bewusst, wie unterschiedlich jede Geburt verläuft und dass eine gute erste Geburt überhaupt keine Garantie für eine gute zweite Geburt ist. (Wobei man natürlich für sich selbst definieren muss, was in diesem Fall gut bedeutet.) Das ist aber der Moment, an dem ich tatsächlich ein bisschen Bammel bekomme. Es sind keine Sorgen, die mich quälen oder umtreiben, aber wenn ich an das bevorstehende Ereignis denke, dann habe ich gerade doch etwas mehr als nur Respekt, ich habe ein bisschen Angst davor.

Das wird sich sicher legen. Ich beginne erst wieder, mich mit dem Thema zu beschäftigen und glücklicherweise hat man neun Monate, um sich auf das Baby, die Geburt und die Zeit danach einzustellen.

Ich habe vor einiger Zeit einen ausführlichen Artikel zum Umgang mit Schmerz geschrieben und einen ausführlicheren Geburtsbericht veröffentlicht. Das Thema beschäftigt mich also bereits seit langer Zeit. 

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