02.03.2016

Über bewährte und eine ungewisse zukünftige Familiendynamik


Anton und ich fahren ungefähr ein Mal im Monat mit dem Zug eineinhalb Stunden zu meinen Eltern. Manchmal auch öfter. Wir zwei fahren sehr oft zusammen Zug, sodass wir eine gute Routine haben und die Fahrt uns beide nicht sehr anstrengt. Bei der letzten Fahrt zu meinen Eltern fragte ich mich, ob ich in Zukunft eher auf das Auto zurückgreifen werde oder tatsächlich mit beiden Kindern Zug fahren werde.


Wir haben in den letzten beiden Jahren eine wunderbare Familiendynamik entwickelt. Wir sind in fast allen Fällen ein eingespieltes Team. Wir haben uns als Familie sehr gut kennengelernt und wissen, wie wir ticken.

Unsere aktuelle Familiendynamik, die gut funktioniert

Glück hatten wir bei Anton zum Beispiel bei ein paar entscheidenden Fragen: er hatte früh einen festen Schlafrhythmus und schlief relativ bald durch. Er ist im Normalfall ein guter Esser, isst Senf und Oliven, mag Salat und Gemüse, isst ordentliche Portionen. (Na gut, er könnte sich auch nur von Nudeln mit Soße ernähren, aber er isst ansonsten das meiste von dem, was wir ihm anbieten.) Und das "gute essen" hat auch schon früh angefangen. Er hatte keine Saugverwirrungen trotz Brust und Flasche, trank früh abgepumpte Milch, sodass ich schon mit fünf Monaten ein Mal pro Wochen zur Uni gehen konnte. Und Anton ist ein Kind, das überhaupt kein Problem hat, auch mal zwei Tage bei Oma und Opa zu übernachten. Das macht es mir nicht schwer, Anton bei meinen Eltern abzugeben, wenn ein Date ansteht, die Tagesmutter Urlaub hat oder gerade wieder sehr viel für die Uni zu tun ist. Wir machen das nie leichtfertig, aber manchmal muss es ja wirklich sein.

Und im letzten Jahr - eigentlich schon früher, eigentlich schon, seitdem Anton auch von der Flasche trinken konnte - kam immer mehr von dem Gefühl der "Freiheit" wieder zurück. Es ist wunderbar, wenn wir wieder Zeit nur für uns haben, unabhängig von den typischen Abenden, an denen Anton schon schläft. Oder ich abends auf eine Ausstellungseröffnung gehen kann, weil mein Freund das Zubettgeh-Ritual sehr viel besser drauf hat als ich. Und wenn ich vormittags an unifreien Tagen entweder mache, was ich möchte oder mich auf die Uni konzentriere und lerne, dann merke ich, wie viel Zeit ich doch immer wieder für mich habe.

Diese freie Zeit ist ganz und gar nicht damit vergleichbar, wie es vor der Familie war. Denn "damals" konnte ich bis spät in die Nacht unterwegs sein, ausschlafen und meinen Tag einfach nach Lust und Laune planen. Oder manchmal einfach auch gar nicht planen. Aber dafür hatte ich etwas ganz Entscheidendes nicht: diesen wunderbaren kleinen Jungen. Der mich so zum Lachen bringen kann, der mir jeden Tag sagt, dass er mich lieb hat und der mich manchmal auch ganz schön auf die Palme bringt.

Und nun bin ich soo gespannt, wie das alles mit unserem zweiten Kind weitergehen wird.


Unsere ungewisse zukünftige Familiendynamik

Ich hatte im letzten Jahr tatsächlich sehr Respekt davor, dass ein neues Familienmitglied vielleicht unsere ganze Familiendynamik durcheinander bringen könnte. Das, was mir so wichtig geworden war, könnte doch aus den Fugen geraten. Die ersten Monate mit einem Baby sind schließlich irgendwie unberechenbar. Das Baby weint und wenn man die typischen Fragen (müde, Windel, Bauchschmerzen, zu viele Reize, Nähebedürfnis) geklärt hat und das Geschrei weiterhin anhält, ja, was hat es dann noch? So viele ungeklärte Fragen zu Beginn. Noch im letzten Jahr war ich mir manchmal gar nicht sicher, ob ich dieses Ungewisse nochmal wollte, ob das gut für unsere Familie wäre. Mittlerweile sind meine Sorgen nicht mehr präsent. Mir ist zwar bewusst, dass unser Baby ein zunächst unkontrollierbarer Teil unserer Familie darstellen wird, aber darüber mache ich mir kaum noch Gedanken. Wir werden eine ganz neue Art unserer Familiendynamik wiederfinden, die wahrscheinlich noch viel besser sein wird. Momentan freue ich mich einfach nur sehr auf diesen kleinen Menschen, der unsere Familie auf jeden Fall bereichern wird.


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