02.04.2016

Über Kindergartenplätze und Notfallpläne

Darf man sich das Recht herausnehmen, einen angebotenen Kindergartenplatz abzulehnen?

Vor wenigen Wochen wurde ich von einem Kindergarten angerufen: "Ab November haben wir einen freien Halbtageskindergarten-Platz für Anton." Das klingt gut. Anton wird im November drei Jahre alt, der Platz bei der Tagesmutter ist nur noch bis November frei und dann brauchen wir dringend einen Kindergartenplatz.

Im Stadtgebiet Wiesbaden (dazu gehört auch unser Stadtteil) gibt es seit dem letzten Jahr eine zentrale Online-Anlaufstelle, in der man sich für 10 Kitas anmelden kann. Nach einem informativen Telefonat mit der wirklich freundlichen Dame dieser Anlaufstelle wusste ich, worauf es ankam und wie die aktuelle Situation im Kreis Wiesbaden aussah: Schlecht. Ziemlich schlecht. Man dürfe sich über jeden freigewordenen Kindergartenplatz freuen. Im Gegensatz zu unserer Suche vor zwei Jahren nach einem Betreuungsplatz für Anton in einer Krippe oder Kita, bei der wir insgesamt sogar sechs Zusagen bekamen, ist unsere jetzige Situation demnach weniger entspannt.

Wir haben einen absoluten Wunschkindergarten, der nicht einmal zwei Gehminuten von unserem Zuhause entfernt liegt. Wir müssen nur quer über die Straße laufen. (Stellt euch mal eine studierende Zweifachmutter mit Neugeborenem und Trotzkind vor. Praktischer könnte diese Laufnähe doch nicht sein.) Zwei unserer Nachbarsfamilien sind auch dort angemeldet. Aber die Chancen, dort einen Platz zu erhalten, sind nicht sehr hoch. Ich kenne viele Familien aus unserer Hausgemeinschaft, die eine Absage bekamen.


Zusage für einen Halbtagesplatz

Und nun kam eine Zusage. Für einen Halbtagesplatz. In einer Kita, die auf dem vorletzten Platz unserer Wunschliste stand. Gemein oder? So rechtzeitig einen Platz angeboten zu bekommen, ist ein echter Luxus. Der Halbtagesplatz ist zudem noch kostenlos.

Dagegen sprachen aber die inhaltliche Ausrichtung der Tagesstätte, der viel zu kleine Außenbereich (so einen kleinen Hof habe ich noch nie gesehen!), der nicht ganz positive Ruf sowie die Betreuungszeiten. Natürlich wäre im ersten halben Jahr, wenn ich eine Auszeit im Studium mache und das Baby da ist, eine Betreuungszeit bis 12 Uhr machbar, aber eben auch nur das. Sobald das nächste Semester wieder losgeht, brauche ich die Möglichkeit, zumindest bis 14 Uhr Veranstaltungen belegen zu können. Der Halbtagesplatz wäre also nur eine sehr, sehr kurzfristige Option. Ich könnte im Sommersemester dann nicht einmal eine Veranstaltung belegen und ich müsste deshalb ein weiteres Semester aussetzen.

Ich weiß zwar nicht, wie unser Alltag mit zwei Kindern sein wird, aber ich wünsche mir schon, dass ich im Sommersemester zumindest für wenige Veranstaltungen auch zur Uni gehen kann. Ich brauche keine Vollzeitbetreuung für Anton, aber eine Betreuungszeit bis 12 Uhr erscheint mir nur für Mütter passend zu sein, die Vollzeithausfrauen sind und sich somit drei verdiente "ruhige" Stunden gönnen können, in denen sie etwas für sich machen.


Absage und Notfallplan

Die Argumente gegen die Kita waren so stark, dass wir uns nach einer Woche Bedenkzeit gegen die Kita entschieden haben. Ich habe ein wenig mit mir hadern müssen, ob wir uns denn diesen Luxus erlauben dürfen. Ob wir nach einer Absage überhaupt noch einen Platz angeboten bekommen?

Gleichzeitig bin ich mir aber sicher, dass das schlechte Gefühl, dass ich bei der Besichtigung dieser Kita hatte, mein Bauchgefühl ganz schön stark mitbestimmt hatte. Ich bin mir sicher, dass wir die richtige Entscheidung getroffen haben und dass es gut ist, wenn Anton nicht dort jeden Tag hingehen wird.

Andererseits stellt sich eine weitere Frage: Was geschieht, wenn wir keinen Kindergartenplatz bis November finden? Und wie man es nicht anders von uns kennt, haben wir einen Notfallplan überlegt. Sollten wir in diesem Jahr keinen Platz für Anton bekommen, werde ich für einige Monate mit beiden Kindern Vollzeit zu Hause sein. Ich glaube, dass es für die beiden Jungs ganz schön sein kann, wenn sie gemeinsam viel Zeit miteinander verbringen. Andererseits denke ich, dass es Anton gut tun würde, in einer Gruppe mit älteren Kindern zu spielen. Für die ersten Monate wäre mein Wehrmutstropfen, dass ich wohl ein echtes Zeitmanagementproblem bekommen könnte, wie ich bei diesem Alltag zwei Hausarbeiten fertig schreiben soll. Wenn dann im April 2017 das Sommersemester beginnt, könnte ich wohl - wenn alles gut läuft - an einem Tag in der Woche zur Uni gehen und meine beiden Jungs vielleicht bei meinen Eltern gut betreut wissen.

Ihr seht, die Situation, vor allem wegen des Studiums, wird deutlich entspannter sein, wenn Anton einen Kindergartenplatz bekommt. Gleichzeitig werden wir aber sicher auch so eine gute Zeit zu dritt haben werden und das Studium wird dann doch noch ein Semester warten müssen. Letzen Endes ist es ja doch so, dass die Zeit mit den Kindern so unfassbar kostbar ist und dass ich deshalb alles so genießen möchte, wie es kommt. Bis dahin hoffe ich, dass wir noch einen Platz angeboten bekommen und vertraue darauf, dass alles gut wird.


Wie es gerade in meinem Studium aussieht, bzw. "wie weit" ich bereits bin und welche Pläne ich für die nächsten Semester habe, davon erzähle ich euch in ein paar Wochen. 

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