28.05.2016

Von Vorbereitungen und Gelassenheit


Seitdem ich Antons Mama bin, habe ich viele Frauen kennengelernt, die auch Mütter sind. Und von einigen höre ich, dass die zweite Schwangerschaft nur so an ihnen vorbeigezogen sei. Bevor ich mit unserem Minimann schwanger wurde, wollte ich diesen Zustand auf keinen Fall wahrwerden lassen. Für viele Frauen ist das gar nicht so wild, doch die Vorstellung von einer vorbeirasenden Schwangerschaft machte mich immer traurig. Ich war mit Anton so gerne schwanger, dass ich sogar in den ersten Tagen nach der Geburt ein paar Stunden einen Post-Schwangerschafts-Blues hatte. Ich wusste, dass ich nie wieder eine erste Schwangerschaft mit all diese ohs und ahs erleben würde.

Diese Schwangerschaft unterscheidet sich in mancherlei Hinsicht gar nicht so stark von der ersten Schwangerschaft. Ich schaue jeden Abend in den Spiegel und staune über diesen wachsenden Bauch, in dem sich tatsächlich ein kleiner Mensch befindet. Unglaublich. Auch noch nach 28 Wochen. Genauso beschäftige ich mich einfach sehr gerne mit dem Thema, unterhalte mich mit anderen Müttern, kaufe Kleinigkeiten für das Baby und besuche Infoabende im Krankenhaus. Mir bringt es viel, dass ich mich unserem Baby auseinandersetze und mir ganz bewusst Zeit für uns nehme.

Gleichzeitig ist es natürlich schon so, dass die Zeit rast. Nun verbringe ich die Tage nicht allein mit Kaffeetreffen, Einkäufen und Heimarbeit (im 3. Trimester mit Anton hatte ich frei), sondern studiere und habe an der Uni einige Aufgaben zu erledigen, zu Hause wartet der Haushalt, und Anton ist natürlich da. Mit ihm verbringe ich die meiste Zeit, kann dabei eher weniger ausruhen und beschäftige mich im Alltag eben nicht nur mit der nahenden Veränderung.

Das beste daran ist, dass sich meine Auseinandersetzung viel weniger um all die Fragen dreht, die man vor allem bei einer ersten Schwangerschaft hat, sondern viel mehr um das Glück, das ich erleben darf. Ich kann noch viel mehr, aber eben auch auf einer ganz anderen Art und Weise, das Schwangersein genießen: indem ich mir weniger Sorgen mache, im Großen und Ganzen schon weiß, was auf uns zukommen wird und vor allem gelassen bin.

Außer ein paar Kleidungsstücke zu kaufen, habe ich noch gar nichts für den Mini vorbereitet. Anfangs war die Geburt einfach noch zu weit weg, dann verbrachten wir jeden Nachmittag im Freien. Wann soll man da noch recherchieren, kaufen und basteln? Aber da bereits einiges schon von Anton da ist, werde ich spätestens ab meinen Semesterferien, also drei Wochen vor dem errechneten Entbindungstermin, mit dem Wäschewaschen und Entstauben und Mini-Windeln-Kaufen beginnen.

Letztens habe ich jedoch mit einem kleinen Projekt angefangen, das sich bei mir aber gerne auch mal über ein paar Wochen hinziehen kann: Antons Kinderzimmer ausmisten. Denn in seinem Zimmer tummeln sich nicht nur allerhand Autos und Duplosteine, sondern auch meine Ablage und meine Bastelsachen. Weil Mini's Sachen auch irgendwo untergebracht werden müssen, räume ich also ein Regal leer und ein zweites wird nun für die Spielzeuge organisiert.

Beim Aufräumen ist mir ein großer Zeitschriften- und Buchstapel aufgefallen. Vor drei Jahren sammelte ich einfach alles, was mit dem Schwangersein und den ersten Jahren mit Kind zu tun hatte. Die Zeitschriften liebte ich, die Bücher mit sehr veralteten Lebensweisheiten mied ich eher. Beim Aufräumen blätterte ich durch die Seiten und musste feststellen, dass mich keine Erstausstattungsliste, kein Krankenhausführer und kein Artikel zum "Urlaub in der Schwangerschaft" oder "die richtige Ernährung" interessierte. So spannend und lesenswert sie auch in der ersten Schwangerschaft für mich waren, so sehr vertraue ich nun auf das Wissen, das ich bereits habe. Aber auch auf Gespräche mit Freunden, mit der Hebamme oder der Gynäkologin. Das eigene Wissen hat ja immer einen gewissen Horizont und Neues zu lernen kann nur gut sein.

Doch das, was ich so genieße, ist diese Gewissheit, dass ich nicht mehr alles erfahren und wissen muss, dass ich nur noch das lese, was mich wirklich betrifft oder interessiert und dass ich mich auch vorbereitet für die Geburt und für das Leben mit zwei Kindern fühle, wenn ich einfach gerade nur so bin, wie ich bin. Diese Gelassenheit ist ein großes Geschenk und macht diese Schwangerschaft ganz besonders und eigen. Auch wenn im Alltag manchmal die Zeit dafür fehlt, nach den schönsten Spucktüchern zu suchen oder das beste Tragetuch zu ersteigern, so bleibt genug Zeit, um sich auf das neue Familienmitglied zu freuen, ihm viel Liebe zu schenken und über ihn zu reden. Das gemeinsam mit dem großen Kind zu erleben, ist das Schönste daran.

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