01.06.2016

Ask a friend: Geburt

Bei der Reihe ask a friend stelle ich jeden Mittwoch Fragen rund um die Themen Schwangerschaft, Geburt und Wochenbett und sechs Freundinnen antworten uns darauf. Wer diese sechs tollen Frauen sind? Hier könnt ihr sie kennenlernen.

Nachdem ich letzte Woche gefragt habe, welche Erfahrungen sie mit den Hebammen gemacht haben, stelle ich heute die vierte Frage. Und Achtung: heute kommt viel Text, weil das Thema so wichtig ist und man so unheimlich viel darüber erzählen kann.


Kommen wir zum Thema Geburt. Manche Frauen freuen sich auf dieses Ereignis und empfinden es als den schönsten Tag ihres Lebens, andere wiederum haben Respekt, vielleicht sogar Angst vor diesem Moment. Leider erleben manche Frauen die Geburt auch als sehr traumatisch.

Hattest du Vorstellungen, wie die Geburt ablaufen könnte/sollte, hattest du vielleicht sogar einen „Geburtsplan“? Was hast du von der ersten Geburt mitgenommen, was du beim zweiten Kind anders oder gleich machen möchtest, sofern das möglich ist? Nach welchen Kriterien hast du dich für den Geburtsort entschieden?


"Ich habe keine Angst vor der Geburt gehabt, weil ich mir deinen Rat zu Herzen genommen habe, nicht zu früh und nicht zu viel darüber nachzudenken. Da mein Baby sich in der Beckenendlage befand, musste es nach der Meinung meiner Frauenärztin per geplanten Kaiserschnitt zur Welt kommen. 

Die Vorstellung, das Baby eine Woche früher holen zu lassen, operiert werden zu müssen und keine Wahl zu haben hat mich sehr bedrückt und ich hatte schreckliche Angst vor der Operation. Die Hebamme, bei der ich meine Schwangerschaftsyogakurse belegt habe, hat mich auf die Idee gebracht, dass auch natürliche Geburt bei Beckenendlage möglich ist. Ich habe mich in der Uni Klinik in Frankfurt am Main beraten lassen und habe entschieden, es zu versuchen, mein Baby spontan zu entbinden. 

Ich habe viel Unverständnis und Verwunderung dafür geerntet, aber ich finde, dass es eine gute Entscheidung für mich war. Obwohl am Ende leider doch ein Kaiserschnitt gemacht werden musste, bin ich froh, dass ich es versucht habe.

Da ich mein Baby trotz der Beckenendlage spontan entbinden wollte, hatte ich nicht sehr viele Möglichkeiten, wo ich das Baby bekommen konnte. Es gibt nur sehr wenige Kliniken, die eine natürliche Geburt in dieser Lage des Kindes ermöglichen. Zu meinem Glück spezialisiert sich die Geburtsstation der Uni Kliniken Frankfurt darauf. Die Ärzte und Hebammen sind speziell ausgebildet, solche Geburten durchzuführen und besitzen viel Erfahrung auf diesem Gebiet. Ich habe mich dort sehr gut aufgehoben gefühlt. 

Beim nächsten Kind möchte ich mich nicht zu sehr darauf versteifen, eine natürliche Geburt zu haben, obwohl ich es wieder versuchen möchte. Ich werde mich auch nicht so sehr psychisch gegen eine Operation entstellen. Heute bin ich froh, dass ein Kaiserschnitt gemacht werden kann, wenn das Leben des Babys oder der Mutter in Gefahr gerät. Am Ende ist das wichtigste, dass mein Sohn gesund zur Welt kam, auch wenn ich es immer noch sehr schade finde, dass ich diesen Moment nicht erleben konnte." 



"Ich hatte mich auf die Geburt sehr gefreut, natürlich hatte ich auch etwas Angst, das ist ja ganz normal bei einer unbekannten Situation. Ich hatte auch ganz klare Vorstellungen davon, was ich auf keinen Fall will. Wenn man sich für eine Geburt im Geburtshaus entscheidet, legt man viel Wert auf eine natürliche Geburt mit wenigen Interventionen in einer ruhigen Atmosphäre. Einen Geburtsplan hatte ich auch geschrieben, für den Fall das ich ins Krankenhaus verlegt werden muss. 

Leider dauerte die Geburt dann sehr lange, so dass ich am Ende keine Kraft mehr hatte und selber den Wunsch äußerte, ins Krankenhaus zu gehen, um eine PDA zu bekommen. Ich war so fertig, dass ich meine ganzen Vorstellungen über Bord geworfen habe. Die PDA hatte dann natürlich zur Folge dass die Wehen nachließen, also bekam ich auch noch einen Wehentropf. Alles Dinge die ich vorher unbedingt vermeiden wollte, aber die PDA habe ich in diesem Moment als große Erleichterung empfunden. Bei mir wirkte sie so gut, dass ich gar keine Schmerzen mehr hatte und sogar noch eine Stunde schlafen konnte. Sie wurde sehr hoch dosiert, weil ich darum gebeten habe, und das war dann leider auch ein Nachteil. Denn ich spürte am Ende auch keine Presswehen mehr. Die Hebamme musste mir dann immer anhand des CTG’s sagen wann ich eine Wehe hatte und dann habe ich mitgeholfen. 

Auch meine Wünsche, das Baby selbst als erstes in Empfang zu nehmen und die Nabelschnur auspulsieren zu lassen, waren mir in dem Moment der Geburt ganz egal. Ich wollte nur, dass es endlich vorbei ist, nach endlos erscheinenden 30 Stunden. 

Im Nachhinein betrachtet denke ich, dass ich es ohne Intervention nicht geschafft hätte. Trotzdem bin ich immer noch sehr traurig und enttäuscht darüber, weil meine Vorstellung von einer Geburt so anders war. Ich ärgere mich oft, dass ich meine Wünsche so vernachlässigt habe. Ich hätte es so gerne aus eigener Kraft geschafft. 

Besonders krass war auch der Kontrast zwischen der eins zu eins Betreuung durch die Hebamme im Geburtshaus und dem Schichtdienst in der Klinik. Ich lag dort immerhin noch sechs Stunden, bis Frieda zur Welt kam und fühlte mich sehr alleine. Die Hebamme kam immer mal wieder rein und fragte, ob alles ok ist, aber oft habe ich sie nicht gesehen. Viele Informationen, z. B. wie es jetzt weitergeht, bekamen wir auch nicht. Im Geburtshaus war die Hebamme die ganze Zeit an meiner Seite und sprach ganz offen mit mir darüber was noch kommt. 

Nach der Geburt wollten wir eigentlich nach Hause gehen, die Ärzte haben uns dann aber so verunsichert, dass wir doch noch zwei Nächte geblieben sind. Das war der Horror. 
So soll die nächste Geburt definitiv nicht werden!  

Diesmal haben wir uns gegen ein Geburtshaus entschieden, denn ich möchte nicht auf die tolle und durchgängige Betreuung einer mir vertrauten Hebamme verzichten, nur weil ich ins Krankenhaus verlegt werden muss. Daher haben wir uns schon früh eine Beleghebamme gesucht. So kann ich mir sicher sein, von Anfang bis Ende gut betreut zu werden. Mit ihr habe ich meine Wünsche besprochen und sie wird sie während der Geburt berücksichtigen und vertreten, auch wenn ich nicht mehr in der Lage dazu bin. Ich weiß auch dass sie Entscheidungen, z. B. dass wir nach der Geburt im Krankenhaus bleiben sollten, nur dann trifft, wenn es wirklich nötig ist und nicht aus wirtschaftlichen oder irgendwelchen anderen Gründen. Und wir wollen diesmal wirklich auf jeden Fall ambulant entbinden.

Da es in meiner Umgebung nur noch eine Klinik gibt, die mit Beleghebammen zusammenarbeitet, wurde mir quasi die Entscheidung abgenommen. Es kam von vorneherein nur diese eine Klinik in Frage, andere Krankenhäuser haben wir uns gar nicht erst angeschaut. 


Ich bin nun auch nicht mehr gegen eine PDA. Beim letzten Mal hat sie mir so eine große Erleichterung gebracht. Ich würde sie zwar nicht nochmal so hoch dosieren, aber wenn sie mir hilft, am Ende mehr Kraft zu haben, um das Baby selbstständig zu gebären, dann ist das auf jeden Fall gut." 


"Ich glaube, ich gehöre zu den Menschen, die sich im Vorfeld sehr viele Gedanken darüber machen, wie etwas ablaufen könnte, die sich viel informieren und denen das auch eine gewisse Sicherheit gibt. Denn ich wusste schon ganz gern, worauf ich mich einlasse und welche Eventualitäten eintreten könnten. Ich habe einige Blogs gelesen, mich mit jungen Müttern ausgetauscht und beim Geburtsvorbereitungskurs viel nachgefragt. Aber natürlich wusste ich auch, das alles anders kommen könnte. 

Trotzdem hat es mich beruhigt, dass mein Freund bei der Geburt dabei sein wollte und dass wir uns zusammen auf dieses Ereignis vorbereitet haben. Wir haben uns zusammen eine Playlist erstellt, zusammen die Kliniktasche gepackt und ein paar Situationen gedanklich durchgespielt („Und was, wenn sie dir das Köpfchen zeigen wollen?“ – „Dann sage ich, dass ich das lieber nicht sehen möchte und stehe hinter deinem Kopf.“). 

Und wir haben uns unsere Wunschklinik vorher angeschaut und dort zusammen angemeldet. Das war ein kleines anthroposophisches Krankenhaus am Rande unserer Stadt, etwa eine Stunde von unserem Zuhause entfernt. Aber wir hatten viel Gutes gehört, fanden es sehr intim und gemütlich und freuten uns zu wissen, wo wir unser Kind empfangen würden. 

Leider kam am Ende alles anders, sodass ich nicht dort entbinden konnte. Allerdings wünsche ich es mir für mein nächstes Kind erneut. Für eine Geburt im Geburtshaus oder gar zu Hause bin ich wohl zu ängstlich. Eine Geburt in einer großen Klinik habe ich nun erlebt – daher würde ich mich sehr freuen, wenn es in der kleinen Klinik (die nur drei Geburten am Tag machen können) klappt. Mein Freund möchte dann wieder dabei sein, was mich sehr beruhigt, und auch beim nächsten Mal würde ich erneut einen Geburtsvorbereitungskurs machen, ansonsten aber nicht mehr so viel lesen und mehr auf mich zukommen lassen. 

Ich denke, ich vertraue mir selbst und meinem Körper nun mehr, weil ich dieses Wunder schon einmal erlebt habe. Und eben, weil alles anders kommen kann."


"Eine Geburt habe ich mir so vorgestellt wie in dem Film „Kuck mal wer da spricht“. Nein, kein Scherz, natürlich nur so ungefähr. Von den Schmerzen hatte ich keine Vorstellung und wie das Baby tatsächlich mal aus mir rauskommt, das konnte ich mir schon dreimal nicht vorstellen. 

Nachdem mich mein Freund in die Wanne gesteckt hatte, nach bereits sehr regelmäßig auftretenden Wehen im Zwei-Minuten-Abstand, die dann auch nicht weggingen, sind wir ganz undramatisch ins Krankenhaus gefahren. Das war nur 10 Minuten entfernt und hatte ich mir vorher ausgeguckt, auf Empfehlung einer Freundin. 

Dort wurden wir von einer älteren Hebamme empfangen und ich erst mal an den Wehenschreiber gesetzt. Da ich vorher angegeben hatte, keine Schmerzmittel zu wollen, haben sie mir auch keine mehr angeboten. 

Bei der nächsten Geburt würde ich die Hebamme bitten mir zu sagen, wann der letzte mögliche Moment für ein Schmerzmittel ist. Das soll kein Vorwurf sein, aber nun weiß ich einfach WIE weh es tun kann. ☺ 

Für die Nachsorge kann ich empfehlen (bei Dammschnitt) Binden mit Arnika zu beträufeln und ins Gefrierfach zu tun. Das klingt jetzt urkomisch, war aber der Himmel!"


"Ich weiß nicht mehr, ob ich Angst vor der Geburt hatte. Ehrlich gesagt habe ich versucht, nicht allzuviel darüber nachzudenken. Im Nachhinein war es aber doch etwas heftiger, als ich es mir vorgestellt hatte. Ich hatte sehr lange Wehen, konnte deswegen die ganze Nacht nicht schlafen. Aber ich wollte auf keinen Fall Schmerzmittel. Irgendwie habe ich es dann doch geschafft." 



"Ich habe, wie sicher die meisten Erst-Mamas, eine ganze Menge gelesen. Ich habe die Schwangerschafts-Blogs förmlich verschlungen und wollte alles ganz toll und unvergesslich haben. Gegen Ende der Schwangerschaft wurde ich aber absolut entspannt und hatte keine Erwartungen und Wünsche mehr. Ich wollte nur ein gesundes Kind haben. 

Daher haben wir uns auch nicht für den allerschönsten Kreißsaal entschieden (obwohl unserer wirklich in Ordnung war, aber eben kein „Tempel“), sondern für die Klinik mit den besten Möglichkeiten, Tilo zu versorgen, falls es irgendein Problem gäbe. (Er war ziemlich weit über den Termin, daher wollte ich an diesem Punkt auf der sicheren Seite sein). 

Die Geburt fand ohne Musik, Duftöle und Geburtsplan statt. Nur mein Mann, die Hebamme der Klinik und ich. So war es richtig – ob ich es beim nächsten Mal anders machen würde, weiß ich nicht. Außer dem Aufenthalt nach der Geburt, der soll nächstes Mal definitiv wegfallen."


Dieses Thema ist wirklich ein sehr weites Feld, oder? Nach welchen Prinzipien habt ihr euch für den Geburtsort entschieden? Seid ihr zufrieden mit der Entscheidung? Habt ihr diese Geburt erlebt, die ihr euch gewünscht habt oder ist das Schreiben eines Plans völliger Irrsinn? Ich bin sehr gespannt auf eure Erfahrungen.

Nächsten Mittwoch erzählen uns die Mädels, wie sie das Wochenbett erlebt haben.

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