22.06.2016

Ask a friend: Hast du dich verändert, seitdem du Mutter bist?


Bei der Reihe ask a friend stelle ich jeden Mittwoch Fragen rund um die Themen Schwangerschaft, Geburt und Wochenbett und sechs Freundinnen antworten uns darauf. Wer diese sechs tollen Frauen sind? Hier könnt ihr sie kennenlernen.

Nachdem ich letzte Woche gefragt habe, welche Erfahrungen die Mädels im Wochenbett gemacht haben und welche Ratschläge sie für uns haben, stelle ich heute die sechste Frage:

Hast du dich verändert, seitdem du Mutter bist? 


"Die größte Veränderung ist, dass ich nicht mehr frei über meine Zeit verfügen kann. Diese Tatsache nervt mich am meisten. Ich muss lernen zu akzeptieren, dass meine Pläne und Wünsche sich hinter den Bedürfnissen meines Sohnes anstellen müssen."



"Ich denke, ich habe mich schon verändert, seit ich Mutter bin. Ich bin sehr fixiert auf meine Tochter. Mein ganzer Alltag richtet sich nach ihr, die meisten meiner Gespräche und auch viele meiner täglichen Verabredungen finden wegen ihr statt. Oft habe ich das Gefühl ich kann an nichts anderes denken. Es fällt mir schwer, mich auf andere Dinge zu konzentrieren und über andere Themen zu sprechen. Das ist sicher manchmal anstrengend für meine Mitmenschen, v.a. für die, die keine Eltern sind. 

Auch mein Leben hat sich in manchen Bereichen verändert. Vor Frieda ging ich arbeiten, hatte Freizeit, habe viel geschlafen und gelesen. Das meiste davon mache ich jetzt gar nicht mehr oder zumindest viel seltener. Was mir wirklich manchmal fehlt, ist etwas Zeit für mich und Zeit mit meinem Mann. Mir bleibt nur Friedas Mittagsschlaf als Freizeit und abends noch zwei Stunden, bevor ich selbst müde ins Bett falle. 

Paarzeit ist gerade noch seltener, eigentlich bleiben uns da nur die Abende. Ich würde so gerne nochmal ins Kino gehen, aber wir geben Frieda nicht so gerne ab und haben uns noch nie getraut, es auszuprobieren. 

Das Gute ist, dass wir in ein paar Jahren oder Jahrzehnten wieder mehr Zeit für uns haben werden. Von daher ist es für mich verkraftbar." 


"Oh ja, sehr. Ich bin zum Einen ängstlicher geworden und mache mir mehr Sorgen, sowohl um meinen Sohn als auch um meinen Freund oder um uns als Familie. Aber ich glaube, das ist normal. Zum Anderen muss ich nun mehr Kompromisse eingehen und mehr zurückstecken, denn vorher konnte ich oft tun und lassen, was ich möchte. 

Als ich schwanger wurde, wohnte ich noch alleine. Mein Freund und ich sind dann erst im Laufe der Schwangerschaft zusammengezogen, deswegen mussten wir uns auch erst an ein Zusammenleben miteinander gewöhnen, und dann war da plötzlich noch ein kleiner Mensch in unserem Leben, und auch irgendwie zwischen uns. Ich war monatelang nicht mehr allein, dabei war Zeit für mich alleine zuvor selbstverständlich. Ich habe sie fast täglich genossen und gebraucht; nun muss ich mir diese gut einplanen. Manchmal klappt das nur alle paar Monate, manchmal auch alle paar Wochen. Aber komischerweise habe ich mich daran gewohnt.

Ich ertrage mehr Nähe als zuvor und ich liebe mehr, als ich es je für möglich gehalten habe. Und zwar alle beide: meinen Freund und meinen Sohn. Deswegen kann ich auch behaupten, dass ich mein neues Leben liebe. Es ist keinesfalls so, dass ich mich an das davor nicht mehr erinnern kann, das kann ich sehr wohl und es war auch toll, aber nun habe ich das Gefühl, angekommen zu sein und das Zurückstecken fühlt sich weniger wie ein Verlust, sondern mehr wie ein Gewinn an.

Ich kann weniger weggehen abends, aber ich möchte auch weniger weggehen. Ich habe weniger Zeit für Freunde, aber die haben auch weniger Zeit, als noch vor ein paar Jahren. Job, Familie, Partnerschaft usw. verändern die Lebensstrukturen von uns allen, von daher kann ich diese Veränderungen (mittlerweile) gut verkraften."


"Bestimmt. Ich finde, dass ich ausgeglichener bin und mehr Energie habe. Aber ich bin auch nicht mehr so stressresistent wie früher, kann nicht mehr so viele Sachen auf einmal machen, ohne dass es mich zu sehr belastet. 

Ich habe viel aussortiert, um für die wichtigen Dinge Platz zu haben. Das bezieht sich auf beinahe alles. Ich finde, das gefällt mir allerdings nicht ganz so gut, dass ich die Dinge nicht mehr so spontan angehe, sondern mehr darüber nachdenke."


"Ich bin ängstlicher geworden und mache mir mehr Sorgen, auch um andere Menschen. Und sonst bin ich emotionaler geworden. 

Ich bin in meiner Freizeit sehr gerne unterwegs gewesen, habe mich mit Freunden getroffen. Das fällt jetzt natürlich alles etwas spärlicher aus, was aber ok ist. Denn ich denke, dass jetzt der Abschnitt im Leben kommt, wo es nicht nur allein um mich geht, sondern darum, einen kleinem Menschen ein schönes Leben zu bieten." 


"Was für eine schwierige Frage. Eigentlich hat sich nicht viel verändert, und trotzdem ist alles anders. Ich war nie der Mensch, der ständig nächtelang durchfeiert. Der Unterschied ist jetzt eben, dass ich es auch nicht mehr so ohne Weiteres könnte. So ist es bei Vielem. Tilo schränkt mich nicht sehr ein, aber trotzdem mache ich vieles nicht mehr, aus Rücksicht.

Etwas, woran ich tatsächlich sehr zu knabbern habe, ist die Sorge um einen anderen Menschen. Das ist etwas, was mich vorher kaum belastet hat und nun allgegenwärtig scheint. Gerade an Tagen, an denen Tilo krank ist und leidet, mache ich mir Sorgen. Wenn ich länger nicht bei ihm sein kann, genieße ich die Zeit nicht einfach so. Ich stecke in einem Zwiespalt zwischen dem Wunsch nach etwas „eigenem“ und dem dringenden Bedürfnis, ALLES mit ihm teilen zu wollen. Ich weiß nicht, ob sich das irgendwann wieder legt, und ich bin mir auch gar nicht sicher, ob ich das gerne möchte. Es ist ein bittersüßes Gefühl."

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen