08.06.2016

Ask a friend: Wochenbett

Bei der Reihe ask a friend stelle ich jeden Mittwoch Fragen rund um die Themen Schwangerschaft, Geburt und Wochenbett und sechs Freundinnen antworten uns darauf. Wer diese sechs tollen Frauen sind? Hier könnt ihr sie kennenlernen.

Nachdem ich letzte Woche gefragt habe, wie die Mädels die Geburt erlebt haben, ob sie einen Geburtsplan hatten und welche Aspekte für den Geburtsort sprachen, stelle ich heute die fünfte Frage. Sie dreht sich um das Wochenbett und auch heute ist es sehr interessant zu beobachten, dass die Erfahrungen im Gesamten eher negativ waren. Es macht also Sinn, sich schon im Vorfeld darüber Gedanken zu machen, welche Erwartungen man an das Wochenbett stellt.

Wie hast du die Zeit des Wochenbetts erlebt? Hast du einen Ratschlag für uns, wie die erste Zeit mit dem Kind besonders schön wird?


"Bis auf die erste Nacht nach der Geburt hatten wir ein Familienzimmer im Krankenhaus und es hat sich für uns bezahlt gemacht. Ich war nicht sehr fit nach dem Kaiserschnitt und war meinem Mann sehr dankbar dafür, dass er die Pflege des Babys und die Untersuchungstermine übernommen hat. 

Zuhause blieb er zwei Wochen mit uns und das war eine sehr schöne, ein wenig surreale Zeit. Wir lebten wie unter einer Glasglocke in unserem kleinen Universum. Ich würde allen raten zu versuchen, diese Zeit als kleine Familie zu genießen und sich nicht zu viel vorzunehmen, auch Besuch kann störend und ermüdend sein. Man sollte Mut haben, Freunden und Verwandten abzusagen, wenn man gerade keine Kraft und Lust hat, Besuch zu empfangen."



"Die ersten zwei Tage mussten wir leider im Krankenhaus verbringen. Für mich war es dort ganz furchtbar. Ich war so unglaublich müde von der langen Geburt und wollte einfach nur schlafen. Ich hatte dort aber keine Ruhe. Gefühlt kam jede Stunde jemand ins Zimmer, auch nachts. Dazu noch die völlig neue Situation mit einem noch fremden Baby und die Hormone. Ich habe mich einfach nicht wohl gefühlt, mir ging es richtig schlecht. Das Stillen klappte nicht gleich und jeder hatte einen anderen Tipp für uns. Ich war total durcheinander. 

Als wir dann endlich zu Hause waren und ich von meiner Wochenbetthebamme betreut wurde, spielte sich alles sehr schnell ein und wir konnten uns endlich erholen. Daher würde ich jedem empfehlen ambulant zu entbinden. 

Wenn man im Krankenhaus bleiben möchte, dann auf jeden Fall ein Familienzimmer oder zumindest ein Einzelzimmer buchen. Mit anderen weinenden Babys im Zimmer kriegt man nachts kein Auge zu. Am Tag kommt dann der ganze Besuch, also auch dann ist nicht an Ruhe zu denken! Wir hatten ein Familienzimmer. Ich war nach der Geburt sehr wackelig auf den Beinen und sehr froh dass ich einfach im Bett liegen bleiben konnte und mein Mann Frieda versorgt hat. 

Toll ist es natürlich, wenn der Papa (eine lange) Elternzeit machen kann. Es ist so wertvoll, Unterstützung zu haben in einer so neuen und aufregenden Situation. Ganz abgesehen davon, dass es für die Männer ja auch schön ist, Zeit mit ihrem Baby zu verbringen. 

Generell finde ich das Wochenbett sehr wichtig. Der Körper braucht Zeit und Ruhe um sich zu erholen und an die neue Situation zu gewöhnen. Wochenbett heißt also, im Bett liegen zu bleiben und sich ein bisschen verwöhnen zu lassen und das nicht nur ein paar Tage!

Ganz wichtig finde ich die Wochenbettbetreuung von einer guten Hebamme. Auch beim zweiten, dritten, … Kind. Man ist am Anfang so unsicher und hat viele Fragen. 

Man sollte versuchen, Besuch entweder direkt nach der Geburt zu empfangen oder erst nach ein paar Wochen, am besten nicht am Tag des Milcheinschusses. Am besten ist, es kommt gar kein Besuch, oder zumindest nur die engste Familie und auch nur kurz! Man muss sich als neue Familie erst mal ordnen und finden, der Tagesablauf wird ganz durcheinandergebracht. Da stört Besuch nur unnötig. Ich finde man kann hier ruhig ehrlich sagen, wenn es einem zu viel wird und den Besuch höflich bitten wieder zu gehen. Das sollte jeder in dieser Situation verstehen. 

Hilfreich ist es auch, den ganzen Papierkram schon vor der Geburt so gut es geht auszufüllen. Mit einem neuen Baby hat man für Bürokratie wirklich keinen Kopf. So sind die Anträge für Elterngeld, Kindergeld und die Anmeldung des Kindes schnell erledigt.  


Vorkochen und Vorräte auffüllen ist auch gut, damit man nicht so oft einkaufen muss. Auch das stresst nach der Geburt sehr. Genauso wie putzen. Eine staubige Wohnung ist im Wochenbett wirklich zweitranging, genießt lieber die Zeit mit eurem neuen, kleinen Menschen!" 


"Ehrlich gesagt hatte ich keinen so leichten Start in die Wochenbettzeit, da die Geburt anders verlief, als ich es mir gewünscht hatte und ich einige Verletzungen davon trug – körperlich sowie seelisch. Anfangs waren wir zwei Nächte im Krankenhaus in einem Familienzimmer, dann wollte ich so schnell wie möglich nach Hause, in meine gewohnte Umgebung. 

Ich konnte in den ersten zwei bis drei Wochen kaum aufstehen, konnte mein Kind nicht wickeln, nicht herum tragen, nichts im Haushalt machen, nicht in Ruhe ins Bad gehen. Ich war sehr auf die Hilfe meines Freundes, meiner Mama usw. angewiesen und es deprimierte mich, dass draußen schönstes Herbstwetter war und ich drinnen „gefangen“ war. Obwohl ich der glücklichste Mensch der Welt hätte sein müssen, war ich in den ersten Wochen oft traurig und weinte viel. Das nennt man dann wohl den so genannten „Baby Blues“, aber dieser ging vorüber und schon ein paar Wochen später konnte ich ganz normal laufen, sitzen und mein Kind tragen. 

Mir war es wichtig, am Anfang nicht zu viel Besuch zu empfangen, was im Nachhinein die beste Entscheidung war und ich immer wieder so machen würde. In den ersten zwei Wochen kamen nur unsere Mütter. Sie halfen uns auch beim Einkaufen oder Kochen (vorgekocht hatten wir nichts). Danach kamen dann so nach und nach andere Verwandte und wahrscheinlich erst nach einem Monat die ersten Freunde. Ein Baby ist ja selbst nach zwei Monaten immer noch klein, deshalb denke ich, dass man sich die erste Zeit für sich einfordern darf. Und selbst dann dürfen sich die Gäste gern selbst um ihre Verpflegung kümmern (und z. B. etwas vom Bäcker mitbringen), das hat bei uns gut geklappt. 

Da mein Freund genau zum Zeitpunkt der Geburt sein lang ersehntes Studium begonnen hat, war er nur zwei Wochen mit uns zu Hause, danach ging er dann fast täglich von 9 bis 18 Uhr in die Uni und fuhr sogar schon ein paar Wochen nach der Geburt für drei Tage weg, was im Nachhinein ganz schön früh war und wir beim nächsten Mal anders handhaben würden. Ich denke, die ersten zwei Monate zu dritt (oder zu viert) zu sein, wäre schon toll."


"Mein Wochenbett war nicht sehr schön, das lag aber an den Umständen. Wir waren noch nicht voll eingerichtet, weil ich hochschwanger zu meinem Freund gezogen bin. Alles war irgendwie provisorisch und daran konnte ich mich nur schwer gewöhnen (nichts machen zu können). Das wäre aber halb so schlimm gewesen. 

Das Schlimmste, auch damit konnte niemand rechnen, war die Wochenbettdepression meines Freundes. Auch Männer können davon betroffen sein. Mein Ratschlag ist, sich bewusst zu werden, was man geleistet hat, sich nicht unter Druck zu setzen, egal mit was und ganz wichtig, in sich zu hören, was man denn jetzt braucht und Hilfe anzunehmen. Und ganz wichtig: viel mit dem Baby zu kuscheln und zu schlafen, wenn das Baby schläft. Der Rest ist einfach egal. Zumindest beim 1. Kind würde ich das jedem raten."


"Die Zeit des Wochenbetts habe ich nicht so gut in Erinnerung. Das Baby hat dauernd geschrien und wir wussten nicht warum. Erst Wochen später haben wir feststellen können, dass er eine Blockade im Nacken hatte und ein paar andere Verspannungen durch die Geburt, die ihm fürchterlich geschmerzt haben. 

Das nächste Mal werde ich auf jeden Fall einiges vorkochen, oder vielleicht auch mal etwas liefern lassen. Mein Mann war nämlich nur eine Woche nach der Geburt zu Hause. Da mein Eisenwert nach der Geburt extrem gesunken ist, war ich sehr geschwächt. Dank meiner Hebamme konnte ich aber ein paar Eisenspritzen bekommen, was mir wieder Kraft gegeben hat. Körperlich."


"Die nächste Geburt möchte ich auf jeden Fall ambulant haben, also so schnell wie möglich nach Hause gehen. Ich möchte, dass Tilo von Anfang an an allen Phasen des Kennenlernens teilhaben kann. 


Beim nächsten Kind möchte ich eine Besuchssperre für mindestens zwei Wochen. Ich erinnere mich genau, wie nur einen Tag nach der Geburt Verwandtschaft in der Klinik stand und uns besucht hat. Ich verstehe, dass alle den neuen Erdenbürger ganz schnell kennenlernen wollen, aber mir hat es zu diesem Zeitpunkt das Herz zerrissen, als mir Tilo forsch aus dem Arm genommen wurde und ich mein Baby nicht mehr direkt bei mir hatte. Ich musste sogar den Raum verlassen und weinen, weil ich in diesem Moment nicht stark genug war, mich zur Wehr zu setzen. Beim nächsten Mal möchte ich in diesen Punkten ganz klare Absprachen im Vorfeld treffen." 

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