13.06.2016

Es geht immer. Irgendwie.



Es geht immer irgendwie. Nur dieses irgendwie bereitet mir manchmal großen Kummer.

Dieses Semester gestaltet sich sehr ähnlich wie mein letztes Sommersemester. Deutlich voller ist der Stundenplan mit Veranstaltungen gefüllt und in den meisten Seminaren müssen Referate gehalten werden. Grundsätzlich ist das kein Problem. Denn ich habe in diesem Semester zumindest dafür gesorgt, dass kein Latein mehr ansteht und ich wertvolle Stunden für diese Sprache verschwenden aufwenden muss und auch, dass ich am Ende des Semester nicht auch noch für Klausuren lernen muss. (Der ET ist schon drei Wochen nach Semesterferienbeginn!) Also habe ich ein vollgepacktes Semester und danach dann wirklich freie Zeit, in der ich mich auf das Baby und auf die Familie konzentrieren kann.

Dass dann aus fünf geplanten Referate plötzlich sechs wurden, das konnte ich nicht ahnen. Dass zwei davon in Gruppenarbeit entstehen sollten, auch nicht. Aber zumindest wusste ich anfangs, dass ich "aber diesmal wirklich!" darauf achten würde, dass sich die Referate schön über das Semester verteilen.

Aber ihr ahnt es: auch hier gab es Schwierigkeiten. Direkt in der ersten Stunde ein Referat halten?! Nee... Mitte Juni für eine Woche in Urlaub fliegen, ja bitte! Und dann bitteschön auch einplanen, dass das Baby eventuell früher kommt, dass man im schlimmsten Fall liegen muss oder dass ich mit steigender Hitze und wachsendem Bauch vielleicht auch einfach keine Kraft mehr habe, lange Vorträge zu halten, geschweige sie in langen Sitzsituationen vorbereiten zu müssen.

So kam es, wie es kommen musste und ich sollte innerhalb eines kurzen Zeitraums sechs Referate vorbereiten und halten.


Für mich, die sich unheimlich gerne mit den Themen auseinandersetzt, die sich tief in die Bücher eingräbt und Wochen damit verbringen könnte, sich in ein Thema einzulesen und dann auch ein Konzept zu entwickeln, war es sehr schwer, dass ich nun bei JEDEM Referat einen Kompromiss finden musste. Während ich in manchen Semestern mir mehrere Wochen für die Vorbereitung nehme (vor allem, wenn ich über das Thema eine Hausarbeit schreiben muss), hatte ich für zwei große, wichtige Referate genau zwei Tage Zeit. Das.ist.einfach.zu.wenig.

In der Folge fühle ich mich nicht perfekt vorbereitet und bin noch aufgeregter als sonst, wenn ich vor der Gruppe stehe.

Das Studium hat mich gelehrt, ganz konsequent Prioritäten zu setzen und auch, sich schnell konzentrieren zu können, wenn man nur wenig Zeit habt. Dennoch will ich nicht eine Woche vorher in der Sprechstunde sitzen, ohne Konzept in der Hand und nur hhm ja sagen können. Ich möchte nicht mehr, ein komplettes Wochenende vor dem Laptop verbringen und keine Familienzeit mehr haben.

Aber es geht immer irgendwie. Meine Vorträge und Referate waren alle nicht schlecht, manche sogar richtig gut. Ich war zwar aufgeregt, konnte mich selbst aber jedes Mal relativ schnell fangen. Und inhaltlich waren die Texte teilweise ausgefeilter als bei den Kommilitoninnen. Aber dieses irgendwie ärgert mich dennoch. Ich möchte es gut machen, möchte mich da reinhängen und nicht nur Kompromisse machen. Natürlich interessiert mich nicht jedes Thema brennend und es ist klar, dass ich auch nicht immer Lust habe, mich den halben Tag an die Bücher zu setzen. Aber grundsätzlich liebe ich eben dieses Studium und möchte auch alles dafür geben.

Aber zu dem alles gehören eben noch eine Schwangerschaft, der Heuschnupfen, eine Familie und der normale Alltag dazu. Ich habe nur die Abende, um mich vorzubereiten. Zusätzlich habe ich noch den normalen Unialltag und die vielen theoretischen Texte, die ich wöchentlich lesen muss und die viel Zeit in Anspruch nehmen. Und, das kann man in diesem Stadium der Schwangerschaft nun wirklich sagen, habe ich einen Megabauch vor mir, der es mir schwer macht, allzu lange zu sitzen.

Wie es nun aber so ist (und ich nach diesem Anfall von Wehleidigkeit auch wieder hinter mich lassen kann), geht es immer. Irgendwie. Und bald ist das sechste Referat geschafft (dieses Mal habe ich sogar mehr als nur zwei Tage Zeit für die Vorbereitung!) und ich kann den Rest des Semesters einfach nur in Ruhe genießen. Dann kann ich mich wieder voll und ganz unserer Familie widmen. Und diese Aussicht gibt mir wirklich Kraft.


Vor zwei Stunden habe ich das Referat 5/6 gehalten und bin überglücklich und ziemlich geschafft nach Hause gekommen. Das erste, was ich getan habe: die Beine hochlegen, eine Folge meiner Serie schauen und Pause machen.

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