20.07.2016

Ask a friend: Bettis Antworten // Teil 2



Bei der Reihe ask a friend habe ich in den letzten Wochen jeden Mittwoch Fragen rund um die Themen Schwangerschaft, Geburt und Wochenbett gestellt und sechs Freundinnen antworteten uns darauf. Wer diese sechs tollen Frauen sind? Hier könnt ihr sie kennenlernen.

Zum Abschluss dieser Serie möchte ich selbst diese Fragen beantworten. Für mich war es in den letzten Wochen sehr spannend, wie meine Freundinnen ihre Schwangerschaft, die Geburt und das Wochenbett erlebt haben. Gerade in der zweiten Schwangerschaft, in die ich bereits eigene Erfahrungen einbringe, lese ich wenig im Netz, sondern verlasse mich noch ein wenig mehr auf mein eigenes Bauchgefühl und den Erzählungen meiner Freundinnen.

Hier geht es zum ersten Teil der Fragen und heute beantworte ich die zweite Hälfte.


Welche Erfahrungen hast du mit dem Stillen gemacht? 

Heute, mit dem Abstand von etwas mehr als 2,5 Jahren ist für mich unsere Stillgeschichte halb so wild. Aber die ersten Tage, viele Wochen, ja schon Monate waren nicht immer einfach für uns. 
Obwohl Anton noch im Kreißsaal auf meinem Bauch selbst zur Brust robbte und dort problemlos trank und obwohl ich in den darauffolgenden Tagen schon früh sehr viel Milch hatte, klappte das Stillen einfach nicht. Ich hatte in der Uniklinik eine großartige Unterstützung und es wurde alles dafür gegeben, dass ich es probierte und wir gemeinsam einen Weg fanden. 

Da Anton damals nicht in der Lage war, so zu saugen, dass er davon satt wurde, mussten schon in den ersten Tagen Stillhütchen und Milchpumpe mit Flasche herhalten. Wir machten viele Wiegeproben und erst allmählich fanden wir unseren Rhythmus. 

Ich habe mich oft gefragt, warum es nicht "einfach" klappt, Stillen sei doch das Natürlichste überhaupt, dachte ich. Und es lag sicher an einer Kombination von allen möglichen Dingen. Zu viel Milch, ein Kind, das nicht richtig saugen konnte, eine manchmal etwas zu verkrampfte Neu-Mama. Aber ich war froh, dass ich genug Milch hatte, dass Anton mit dem Wechsel von nackter Brust (wir versuchten es immer und immer wieder), Stillhütchen und Flasche keine Saugverwirrung bekam und dass ich ihm die Muttermilch in welcher Form auch immer geben konnte.

Erst nach fünf Monaten, als wir schon langsam mit der Beikost anfingen, konnte Anton auf einmal richtig saugen und trinken. Einfach so. 

Ich hatte lange das Gefühl, dass ich mich für unseren Weg rechtfertigen müsste. Bei allen schien das Stillen einwandfrei zu funktionieren. Ich begegnete vielen fragenden bis entsetzten Blicken, sogar einer Hebamme, die mich zwar ermutigen wollte, die Stillhütchen abzusetzen, aber mir mit ihrer Art nur ein schlechtes Gewissen machte. Da ich selbst nicht ganz zufrieden mit unserer Lösung war (man muss die Stillhütchen immer dabei haben, immer steril halten, noch mehr Gepäck, etc.), hätte ich damals mehr Mütter um mich herum gebraucht, die mir Mut machen. Erst viel später erfuhr ich von Frauen, die auch mit Stillhütchen stillten.

Einen echten Vorteil haben aber die Stillhütchen. Erst nach fünf Monaten erlebte ich diesen echt fiesen Schmerz, wenn ein Kind voller Kraft an der Brust saugt. Autsch.


Für das zweite Kind wünsche ich mir einen einfachen, nicht allzu schmerzhaften Start. Ich würde sehr gerne stillen und werde wieder einiges dafür tun, dass es gelingt. Sollte ich in der Klinik A entbinden, werde ich zumindest schon in einem stillfreundlichen Krankenhaus sein und auch unsere Nachsorgehebamme ist Stillberaterin. 

Hast du dich verändert, seitdem du Mutter bist?

Auf jeden Fall. Ich habe vor allem Eigenschaften "perfektioniert", die ich bereits hatte. Ich kann noch besser kurze Freiräume nutzen und darin arbeiten und kann noch besser Prioritäten setzen. Weil ich das einfach muss. Ob das immer so gut ist, sei mal dahingestellt. In vielen Situationen hilft es mir aber in meinem Alltag.

Und ich glaube, ich bin empathischer geworden, mich nehmen Bücher und Filme mehr mit, ich kann besser schlafen und nicht mehr allzu oft trauere ich meinen freien Stunden hinterher.



Gelernt habe ich, wie stark man als Mutter sein kann. Man steht für sein Kind ein und versucht alles möglich zu machen, damit es ihm gut geht. Dabei muss man manchmal über sich hinauswachsen und an seine Grenzen kommen.


Hier geht es zu den Antworten der sechs Freundinnen.



Die #instamumgang Community wächst und es scheint, als ob virtuell eine toller Zusammenhalt zwischen den Müttern herrscht. Im Alltag sieht das manchmal anders aus. Hast du schon einmal echt doofe, aber natürlich „nur gut gemeinte“ Ratschläge bekommen?
Und hast du für uns einen ehrlich gut gemeinten Rat, der dir selbst im Alltag mit Baby geholfen hat?

Bisher hatte ich das Glück, dass mich nur sehr selten böse Blicke treffen oder mir alte Damen ihre Meinung aufdrücken wollen. Ganz früh musste ich aber erleben, wie man mir weismachen wollte, dass ich als unruhige Mutter mein Kind unruhig mache. So was Doofes. Wir saßen in einem Café, Anton hatte einen schlechten Tag und ich wollte ihn natürlich beruhigen, hatte aber alles im Griff.
Aber solche Momente gab es in den letzten Jahren sehr, sehr selten.

Jede Familie muss einen eigenen, für sich richtigen Weg finden. Es gibt so vieles, was bei manchen Familien funktionieren kann und bei anderen nicht. Man muss selbst entscheiden, ob man ein Familienbett haben möchte, wie lange das Kind gestillt wird und ab wann es in seinem Zimmer schlafen soll. Es hilft sicherlich zu schauen, wie andere Familie Dinge handhaben und ob man sich da etwas abschauen möchte. Aber man sollte immer wieder auf die eigene Familiendynamik achten und das tun, was der Familie gut tut.

Und falls du gerade denkst, dass du für immer mit Kind an dein Sofa gefesselt bist und niemals wieder ein "normales" Leben führen wirst, dann kann ich dir Folgendes sagen: Irgendwann kommt alles zurück. Oder fast alles. Je nach Kind, Partner, Betreuungssituation und eigenem Charakter wirst du Stück für Stück wieder mehr Freiheiten bekommen. Du wirst aber auch lernen, was für dich selbst wichtig ist und was für die Familie wichtig ist. Du wirst lernen, die Prioritäten neu zu setzen. Manchmal musst du zurückstecken und manchmal bekommst du Freiheiten, die dich total begeistern. Alles wird gut. :) 

Hier geht es zu den Antworten der sechs Freundinnen.


Was ist das Schönste am Mama-Sein?

Diese grenzenlose Liebe. Die ist unglaublich. Natürlich ist sie manchmal genervt und hat ihre Tiefen, aber sie hört einfach nicht auf. Wie das funktioniert? Keine Ahnung.

Mich fasziniert immer wieder, wenn Anton etwas Neues gelernt hat, wenn er mich mit seinen großen, wunderschönen Augen anschaut und mir sagt, dass er mich lieb hat, wenn ich merke, dass er nach 1000 Mal "hebst du das bitte auf?" die Sachen wirklich von sich aus aufhebt und dass er mir jeden Tag Blumen pflücken möchte. 

Ein ausgeschlafener Anton, der mir schon morgens das Ohr abquasselt.

Und ein kleiner Mann, der sich auf seinen Bruder freut.

Hier geht es zu den Antworten der sechs Freundinnen.


1 Kommentar:

  1. Ich kann dich so verstehen. Ich habe mittlerweile 3 kleine Wunder und würde keines davon mehr hergeben.

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